BMW-Studie Gran Lusso Coupé: Wird das der neue Mercedes-CL-Jäger?

Sportlich und schnittig: Mit kleinen Retuschen hat Pininfarina dem BMW 7er ein ganz neues Gesicht gegeben.

Die Stückzahlen sind klein, aber das Geschäft ist hoch profitabel. Mit großen Coupés wie dem Mercedes CL oder dem Bentley Continental GT verdienen die wenigen Anbieter derartiger Autos gutes Geld – schließlich steckt unter der eleganten Hülle in der Regel die tausendfach verbaute Technik der Flaggschiff-Limousinen. Mit diesem Prinzip der vornehmen Veredelung liebäugelt jetzt offenbar auch BMW und zeigt auf dem Concorso d’ Eleganza in Cernobbio am Comer See das Gran Lusso Coupé auf Basis eines ganz normalen 760i.

Für den Auftritt vor der feinen Villa d’Este macht sich das Flaggschiff der Bayern mit tatkräftiger Hilfe von Pininfarina mächtig dünne. Flacher, breiter und eleganter steht der 544 PS starke Luxusliner vor dem herrschaftlichen Haus am Seeufer und reckt einen Bug in den Wind, wie man ihn seit dem verflossenen 8er nicht mehr gesehen hat. Die BMW-Niere ist nach vorn geneigt, die Scheinwerfer werden zu schmalen Schlitzen und die Frontschürze saugt sich förmlich am Asphalt fest. Dazu gibt’s eine schlanke Flanke mit mächtigen Kiemen, die viel schicker sind als die sonst bei allen neuen Modellen aus München ins Blech gefrästen, so genannten Air-Breather, ein Chromornat und eine flache Dachlinie, die nach hinten sanft ausläuft. Auch das Heck hat mit dem Serien-7er nicht mehr viel zu tun. Es bleibt zwar beim aufgesetzten Heckdeckel, doch der Stummel ist viel kürzer als bei der Limousine, hat vom 6er die angedeuteten Finnen und ist so glatt wie ein Babypopo – viel mehr als das druchgehende rote LED-Band für Brems- und Rückleuchten gibt es nicht, an dem der Blick hängen bleiben könnte.

Elegantes Ende: Als Coupé macht der 7er eindeutig die bessere Figur als die Limousine.

So spektakulär wie das Karosseriedesign ist auch das Interieur. Zwar kann man dort überall noch die Serienteile erkennen, doch hat Pininfarina die geräumige Luxuslounge, die im Fond mehr Platz bietet als der aktuelle 6er, besonders vornehm ausgeschlagen. Feinste italienische Schurwolle für den Dachhimmel, besonders weiches Manufakturleder für die neu gepolsterten Einzelsitze und Furnier aus 50.000 Jahre alten Urzeithölzern, die erst kürzlich aus Sümpfen in Neuseeland geborgen wurden – da können sich selbst die Kollegen von Rolls-Royce noch etwas abschauen.

Offiziell hält sich BMW mit Aussagen zu den Serienaussichten des Gran Lusso Coupés noch bedeckt. Doch fällt die Premiere in eine Zeit, in der die automobile Oberklasse durchaus noch Wachstum verspricht. Vor allem in den Boommärkten USA, Russland und China können Autos offenbar gar nicht groß, teuer und extravagant genug sein. Aus diesem Grund werden beispielsweise bei Mercedes in Stuttgart Pläne für eine ganze S-Klasse-Familie geschmiedet, zu der mittelfristig mindestens fünf Modelle zählen sollen – darunter neben einer Langversion der Limousine und einem Cabrio natürlich auch wieder ein großes, luxuriöses Coupé im Stil des CL. Das wäre die ideale Blaupause für den Emporkömmling aus München, für den BMW mit einer entsprechenden Motorisierung locker ab 120.000 Euro aufwärts verlangen und so endlich auch eine M-Version für die 7er-Baureihe durchsetzen könnte. Denn bei der Limousine wird der M-Kraftakt von den Verantwortlichen nach wie vor kategorisch ausgeschlossen.

Schöne Grüße aus der Steinzeit: Die Hölzer im Interieur des Gran Lusso Coupé sind fast 50.000 Jahre alt.

Auch wenn vom Mercedes CL im vergangenen Jahr zumindest in Deutschland weniger als 500 Autos verkauft wurden, wären die Bayern sicher gut beraten, wenn sie das Projekt „Gran Lusso Coupé“ mal genauer durchrechnen und womöglich die Ziffer 8 für die Modellhierarchie wieder beleben würden. Ein bisschen Zeit können sie sich dabei noch lassen. Denn erst einmal muss die nächste Generation des 7ers  auf den Markt kommen, was voraussichtlich 2015 passiert. Bis dahin wird es auch in der Luxus-Coupé-Nische ruhig bleiben.


Schwelgen im Altmetall

BMW 328 "Bügelfalte": Der Rennwagen von BMW holte 1940 den Gesamtsieg bei der Mille Miglia.

Perfekt restaurierte Autos, fein herausgeputzte Menschen und alles zusammen in einer stilvollen, großbürgerlichen Umgebung – so muss man sich den Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See vorstellen, einen Schönheitssalon für Automobile, der in diesem Jahr vom 23. bis 25. April stattfindet. Seit zwölf Jahren hat BMW das Patronat dieser Veranstaltung inne, die inzwischen zu den wichtigsten dieser Art weltweit zählt. Logisch, dass BMW den Großauflauf am Comer See auch zur Präsentation hauseigener Auto-Preziosen nutzt. Da sich in diesem Jahr der Gesamtsieg bei der Mille Miglia zum siebzigsten Mal jährt, stellen die Münchner beim Concorso alle Mille-Miglia-Fahrzeuge der Marke bei einer Sonderausstellung vor. Darunter natürlich auch das berühmte BMW 328 Coupé mit dem Spitznamen “Bügelfalte”, dessen Aluminiumkarosserie auf den Kotflügeln die namensgebenden Kniffe zeigt.

Talbot-Lago: Der Sportwagen mit der Tropfenkarosserie nahm 1939 am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil.

Für den eigentlichen Schönheitswettbewerb der Oldies aus aller Welt hat die Jury eine Vorauswahl von 52 Fahrzeugen nominiert. Darunter zum Beispiel den Talbot-Lago T 150 C S Goutte d’Eau aus dem Jahr 1938, der mit einer speziellen Karosserie von Figoni & Falaschi ausgestattet ist. Oder ein Jaguar XKC 120 von 1952, der als erstes Auto dieses Typs in die USA geliefert wurde und dort vom späteren Formel-1-Weltmeister Phil Hill sehr erfolgreich bewegt wurde. Mit einem 3,4-Liter-Sechszylindermotor und gut 220 PS Leistung war der Jaguar C-Type zirka 230 km/h schnell. Außerdem im Feld ist ein Alfa Romeo Giulia 1600 Sport mit einer Karosserie von Pininfarina, der 1964 als Studie auf der Motorshow in Turin präsentiert wurde. Das Auto befindet sich im Originalzustand und trägt noch immer die erste Lackierung.