Dodge Viper: Giftiger denn je

Rot und rassig: Schon der erste Blick lässt keinen Zweifel an den Qualitäten der neuen Viper aufkommen.

Dieses Auto ist so unvernünftig wie XXL-Burger und Bier aus Drei-Liter-Pitchern. Aber es macht auch genauso viel Spaß: Kein anderer Sportwagen ist so archaisch und amerikanisch wie die Viper. Kein Wunder, dass ganz Amerika Trauer trug, als Konzernmutter Chrysler den Boliden vor zwei Jahren im Zuge der amerikanischen Autokrise aufs Altenteil rollte. Doch jetzt hellt sich die Stimmung der Vollgasfraktion wieder auf. Die Rezession ist vorbei, die Chrysler-Group hat sich mit Hilfe von Fiat berappelt – und die Viper feiert ein grandioses Comeback: Schärfer und stärker, schöner und faszinierender denn je, gehört sie zu den Stars der US-Neuheiten des Jahres 2012.

Zwar hat die Abteilung Street and Racing Technology (SRT) den Wagen mit Unterstützung der neuen Schwestermarke Ferrari weitgehend neu entwickelt. Doch ist auch die neue Viper im Prinzip ganz die alte. Während moderne Sportwagen aus dem Rest der Welt Hightech-Präzisionsinstrumente sind, bleibt die Viper das Urviech unter den Racern, brutal und hemdsärmelig.

Heiß wie die Hölle: Wer hier Platz nimmt, dem rinnt der Schweiß über den Körper, die Hände werden feucht und die Knie weich.

Heavy Metall statt Hightech – dieses Motto gilt für die Viper auch weiterhin, auch wenn der Spitzensportler jetzt erstmals über ein (abschaltbares) Stabilitätsprogramm, ein auf Knopfdruck verstellbares Fahrwerk und Albernheiten wie Getränkehalter oder ein beheiztes Lenkrad verfügt. Hauptsache unter der Haube bleibt alles beim alten. Genau wie bisher thront in dem endlos langen Vorbau ein V10-Motor, der seine Kraft nach alter Väter Sitte aus nichts anderem als Hubraum schöpft. 8,4 Liter fassen die zehn Zylinder und mobilisieren daraus 640 PS. Noch imposanter sei allerdings das maximale Drehmoment, sagt SRT-Chef Ralph Gilles. Mit mehr als 800 Nm habe die neue Viper mehr Antrittskraft als jeder andere Straßensportwagen ohne Turbo oder Kompressor.

Zu den Fahrleistungen äußerst sich Gilles allerdings noch nicht. Doch weil die neue Viper stärker ist frühere Modelle und dabei weniger wiegt, dürfte sie kaum mehr als drei Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 brauchen und locker auf den alten Spitzenwert von 330 km/h kommen. Außerdem dürfte sie etwas leichter um die Kurven und im Zweifel besser auf Kurs zu halten sein. Denn quasi nebenbei ist das Chassis auch noch um 50 Prozent steifer geworden.

Coole Kehrseite: Aus dieser Perspektive wird man die Viper wohl am häufigsten sehen.

Auch wenn Chrysler mittlerweile wieder auf der Gewinnerseite steht, hätte es ein Auto wie die Viper eigentlich gar nicht mehr geben dürfen, räumt SRT-Chef Gilles ein. Der Grund: An dem  weitgehend von Hand und in kleiner Stückzahl montierten Auto lässt sich selbst bei einem Preis von rund 100.000 Dollar kaum etwas verdienen. Aber bei diesem Auto geht es vor allem um die Symbolik – und die ist eindeutig: Wir sind wieder da!


Detroit soll blühen – mit Äckern statt Autos

Äcker statt Autos in Detroit: Wo bislang Fließbänder liefen, sollen bald Obst und Gemüse wachsen

“Blühende Landschaften” – dieses Versprechen ist schon einmal in die Hose gegangen. Doch weil die DDR von Detroit ziemlich weit entfernt war und die Dinge dort heute dann doch ein bisschen anders liegen, lockt der amerikanische Finanzmanager John Hantz jetzt mit einer vergleichbaren Versprechung: Weil die sieche Hauptstadt der amerikanischen Autoindustrie von Ford, General Motors und Chrysler wohl nicht mehr alleine aufgerichtet werden kann und selbst voll ausgelastete Werke nicht genügend Jobs bieten würden, um die marode und verlassene Innenstadt zu sanieren und zu bevölkern, schwärmt der ehemalige American-Express-Manager von Äckern statt Autos. Seine Idee ist so skurril wie simpel: Er will die leer stehenden Blocks schleifen, alte Fabriken abtragen und mitten in der Downtown-Area eine riesige Farm aufziehen.

Das bringe jede Menge Jobs für unqualifizierte Arbeiter, mache die Stadt wieder lebenswert und könne vielleicht auch wieder Neubürger anziehen – jedenfalls mehr als die strauchelnde Autoindustrie, lauten seine Argumente. Und es gibt kaum etwas, das Detroit nötiger hat, als neue Einwohner: Schließlich ist die Zahl der Menschen in Motown von einmal mehr als zwei Millionen in den letzten Jahren auf jetzt nur noch 900.000 gesunken. Für diesen Morgenthau-Plan in klein will Hantz durchaus auch in die eigene Tasche greifen. Als einer der letzten Superreichen aus dem einstmals prallen Speckgürtel der Stadt lässt er für das Projekt 30 Millionen Dollar springen und startet im Frühjahr schon mal einen Probelauf auf 50 Hektar: “Vom ersten Tag an wird das die größte Stadtfarm der Welt”, prahlt er. Die Frage ist: Wer soll das Gemüse kaufen, wenn eh’ kaum noch einer da ist?