Elektrische Avantgarde: So will Lynk&Co auch bei uns die Autowelt aufmischen

6 000 Autos in 137 Sekunden – einem besseren Einstand als den Verkaufsstart im letzten Herbst in China hätte sich Lynk&Co kaum wünschen können. Doch im fernen Osten hat die Marke auch vergleichsweise leichtes Spiel. Denn dort sieht man sie mit dem Geld von Geely aufgebaute Volvo-Schwester als europäisch und als premium und vor allem als ungeheuer modern. Denn als erste Marke überhaupt stellt sie konsequent das bisherige Vertriebsmodell auf den Kopf: Es gibt keine Ausstattungen, sondern nur vorkonfigurierte und dafür limitierte Editionen, man kauft das Auto nicht, sondern abonniert es wie ein Handy und wenn man es nicht braucht, kann man es auf Knopfdruck mit dem Rest der Lynk&Co-Nutzer teilen. Und wer sich nicht im Internet informieren möchte, der landet eher in einer Trendboutique in einem Szeneviertel als in einem Autohaus am Stadtrand.

„Dieses Konzept holen wir jetzt auch nach Europa, den schließlich liegen hier unsere Wurzeln“, sagt Markenchef Alain Visser im globalen Headquarter in Göteborg und will bei den ersten sein, die nicht nur über neue Methoden im Autohandel reden, sondern die Branche tatsächlich aufmischen. “Fünf Städte werden uns für den ersten Auftritt reichen, um eine global vernetzte Schicht von Metropol-Kunden anzusprechen,” sagt Visser und stellt den ersten Lynk&Co-Store für 2020 in Amsterdam in Aussicht. Kurz darauf sollen auch in den Szene-Vierteln von Barcelona, London, Brüssel und ja auch Berlin die ersten Auto-Boutiquen öffnen. Alle anderen Kunden werden ausschließlich im Netz fündig oder in einer Reihe von Popup-Stores, die Woche für Woche in einer anderen europäischen Metropole aufpoppen.

Beim Start in Europa setzt Visser nicht nur auf den kompakten Geländewagen 01, der so etwas ist wie die flippige Ausgabe des Volvo XC40, und die bei uns wohl nur schwer verkäufliche Kompaktlimousine 03. Sondern zeitgleich zum Rollout für die Europa-Pläane hat er auch ein weiteres Modell präsentiert, das noch besser auf den europäischen Markt passt. Den 02: Etwas flacher, mit tieferer Sitzposition und kürzerem Radstand gibt er das sportliche CrossOver und zielt so auf Kunden, die sonst vielleicht einen VW T-Roc oder einen Audi Q2 gekauft hätten.

Dabei locken die Chinesen mit den schwedischen Genen nicht nur mit einem schmucken Design, flippigen Farben und einem markanten Interieur, sondern einmal mehr mit ihrer Connectivity. Denn neben digitalen Instrumenten ist auch der große Touchscreen Serie und mit ihm der App-Store sowie der permanente Online-Zugang. Und als einzige Marke der Welt bietet Lynk& Co auch in Europa eine Sharing-Funktion, mit der man sein Auto auf Knopfdruck der Gemeinschaft zur Verfügung stellen kann.

Angst vor vermeintlich schlechter Qualität aus China müssen die Kunden dabei nicht haben. Denn gebaut werden die Eu-Modelle im Volvo-Werk im belgischen Gent. Das liegt aber nicht an mangelnden Zutrauen in die Fähigkeiten der lokalen Fertigung, sondern schlicht an der großen Nachfrage in der heimlichen Heimat. Wenn 6 000 Auto sin 137 Sekunden verkauft sind und das Tempo so anhält, bleibt für den Export da einfach nichts übrig.