Sportwagen statt Schokolade: So versüßt uns die PS-Branche die Osterfeiertage

Die Autobranche feiert ihre Osterparty und legt uns in New York ein paar ganz besonders bunte Eier ins Nest. Die richtig großen Überraschungen sucht man im Jacob Javits-Center zwar vergebens. Schließlich stehen dafür in Detroit oder Genf die besseren Bühnen. Doch befreit von der krampfhaften Verkündung tiefsinniger Botschaften und der Inszenierung politisch korrekter Visionen lassen die PS-Bosse in Manhattan dafür ganz ungehemmt die Muskeln spielen und bekennen sich lässig wie nie zu Lust und Leistung. Nicht Kleinwagen oder Öko-Autos stehen deshalb bei der Autoshow am Hudson River im Rampenlicht und auch keine Familienkutschen oder die allgegenwärtigen  SUV. Sondern passend zum frühlingshaften Wetter und der guten Laune fahren die Aussteller hier neue Cabrios und Roadster, Coupés und Sportwagen auf die Bühne.

Für den Spaß auf der Straße braucht es aber gar keine Leistungsexzesse, sagt Nobuhiro Yamamoto und zieht zum Beweis dieser ungewöhnlichen These das Tuch vom MX-5 RF, der das Roadster-Feeling auf ein neues Niveau heben soll. Denn allen, denen die Version mit Softtop dann doch ein bisschen zu puristisch ist, bietet er mit seinem versenkbaren Hardtop und den fixen C-Säulen ein kommodes Targa-Gefühl und geht mit gerade mal 160 PS trotzdem um die Ecke wie Schmidts Katze, verspricht Yamamoto. Mit dieser eher moderaten Sportlichkeit ist der MX-5-Projektleiter aber nicht alleine. Sondern zwei Stände weiter dreht sich bei Toyota mit dem frisch gelifteten GT-86 ebenfalls ein Sportwagen im Rampenlicht, der sich an die breite Masse wendet.

Weil man auf der linken Spur aber trotzdem nie genug Leistung haben kann, gibt es in New York auch genügend Neuheiten vom anderen Ende der Skala. So zeigt Chevrolet auf der Messe den Camaro ZL1, der mit seinen 640 PS zur stärksten Version des Musclecars in seiner mehr als 50jährigen Geschichte wird. Nissan gönnt dem mittlerweile zehn Jahre alten GT-R nochmal ein Update, zeichnet die Front agressiver und tunt den V6-Turbo auf 570 PS. Und Audi setzt die Schnellfahrer jetzt wieder mit einem offenen R8 an die frische Luft: 540 PS stark und 318 km/h schnell, will der V10-Bolide ab dem Sommer auch die stärkste Föhnwelle auf die Probe stellen.

Während Mutterkonzern VW einen ungewöhnlich leisen Auftritt pflegt und die Messe wie eine Pflichtübung abhandelt und Porsche auf seinem noch immer wichtigsten Markt als einzige Neuheit einen Macan mit dem in Amerika kaum verkäuflichen Vierzylinder zeigt, geht Mercedes in die Vollen und schreibt das nächste Kapitel seiner Traumwagen-Offensive. Gleich fünf Weltpremieren melden die Schwaben, wenngleich viele davon nur Motorvarianten oder von AMG Kommen. So gibt es das V6-Triebwerk aus Affalterbach nun mit dem 401 PS starkem E 43 auch in der neuen E-Klasse und mit 367 PS im GLC 43. Und im neuen C-Klasse Cabrio montieren die schnellen Schwaben gleich den V8-Motor der 63er-Familie mit bis zu 510 PS. Dazu gibt es als Petitesse noch ein Facelift für den CLA und als einzig echte Weltpremiere das GLC Coupé, das nach den Sommerferien die Verfolgung des BMW X4 aufnehmen soll.

Die einzig interessanten Volumenfahrzeuge auf der Messe kommen in diesem Jahr aus Asien. So enthüllt Kia den neuen Luxusliner Cadenza, Subaru zieht das Tuch vom nächsten Impreza, bei Toyota steht der Prius nach dem Generationswechsel zumindest als Kleinserie jetzt auch wieder mit Plug-In-Technik ins Rennen und der noble Honda-Ableger Acura zeigt den neuen X5-Gegner MDX.

Die amerikanischen Hersteller dagegen haben sich in Detroit und Chicago offenbar so verausgabt, dass für New York nur Petitessen bleiben – etwa neue Varianten des Jeep Grand Cherokee oder ein gewaltiges Sechs-Meter-Showcar von Lincoln, das die Zukunft des Navigator aufzeigen soll. Ford dagegen hat gar nichts neues zu bieten und bei den Volumenmarken von GM zieht der Buick Encore das Facelift des Opel Mokka nach.

Zwar steht das Auto bei den Amerikanern höher im Kurs als je zuvor und ein Ende des Booms ist kaum abzusehen. Doch die Branche ausgerechnet zur Messe in New York so eine PS-Party feiert, ist ein bisschen Paradox. Nicht nur, weil die Stadt ständig im Stau steht und man eigentlich nur der U-Bahn flott ans Ziel kommt. Sondern vor allem, weil die New Yorker lange nicht so auto-affin sind wie der Rest der Bevölkerung – jeder zweite hat schließlich nicht mal einen eigenen Wagen.


Bolide auf der Buckelpiste: Mit den Muskeln der M GmbH wird der X4 zum Sportwagen auf Stelzen

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Mehr Sport als Utility – nach diesem Motto hat BMW jetzt den X4 ins Trainingslager geschickt und das Gelände-Coupé mit Hilfe der M GmbH kräftig gedopt. Für ein waschechtes M-Modell hat den Bayern zwar offenbar (noch) der Mut gefehlt, so dass es erst einmal nur für die kalorienarme „M Performance“-Variante mit dem sperrigen Kürzel X4 M40i xDrive reicht. Doch wenn der Sportler auf Stelzen in diesen Tagen zu Preisen ab 65 000 Euro in den Handel kommt, bekommt der Porsche Macan GTS einen würdigen Widersacher. Und alle anderen Geländewagen in dieser Klasse haben – sorry Range Rover Evoque, Entschuldigung Audi SQ5, pardon Mercedes GLC – gegen den bayerischen Chef-Dynamiker ohnehin keine Chance.

Außen neue Schürzen mit größeren Nüstern an der Front und einem Difusor-Einsatz im Heck, Anbauteile in „Ferricgrey“, was natürlich viel besser klingt als „Eisengrau“ oder die 20-Zöller und innen der Modellschriftzug in den Türleisten und dem Kombiinstrument oder das M-Logo in Lenkrad und Schaltknauf – auf den ersten Blick mag der X4 M40i mit seiner Kraft-Kosmetik noch wirken wie ein Sondermodell zur Verkaufsförderung. Doch erstens kommt mittlerweile auf jeden zweiten X3 bereits ein X4, so dass die schräge Nummer nun wirklich keinen Anschub mehr braucht. Und zweitens haben die Bayern ja nicht nur die sportliche Schminke aufgetragen. Sondern er hat natürlich auch am Motor gearbeitet und vor allem am Fahrwerk.

So hat die M GmbH aus dem drei Liter großen Sechszylinder des X4 35i noch einmal knapp 20 Prozent mehr Leistung heraus gekitzelt, Federn und Dämpfer strammer abgestimmt und den Allradantrieb noch ein bisschen hecklastiger ausgelegt. Und weil es vor den beiden Endrohren jetzt eine Klappensteuerung gibt, stimmt der X4 in der richtigen Laune ein ziemlich leidenschaftliches Lied an. Künstliche Fehlzündungen bei den schnellen Gangwechseln, ein sündiges Brabbeln im Leerlauf und ein Donnerhall beim Kickdown – wenn der X4 in den Sportmodus wechselt oder der rechte Fuß ein wenig dynamischer arbeitet, dann ist es, als würde man bei einem wichtigen Bayern-Spiel vom VIP-Block der Allianz-Arena in die Fan-Kurve wechseln.

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Genau wie beim Macan GTS stehen jetzt 360 PS im Datenblatt und das maximale Drehmoment klettert von 400 auf 465 Nm. Das ist ein Pfund, mit dem man im X4 vergnüglich wuchern kann. Was sind schon 1,9 Tonnen Leergewicht, wenn man den Punch eines Preisboxers hat. Nicht umsonst nimmt der Kraftmeier dem X35i beim Sprint sechs Zehntel ab und ist bereits nach 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Und dass er tatsächlich nur 250 km/h schnell wird, ist allein dem Respekt gegenüber den echten M-Modellen geschuldet. Denn so viel Dampf, wie da weit jenseits von 200 Sachen noch auf dem Kessel ist, dürfte deutlich mehr drin sein.

Mehr noch als mit seinem ungestümen Vorwärtsdrang beeindruckt der aufgebockte Koloss aber mit seinem Können in den Kurven: Die Lenkung wunderbar direkt und präzise, die Bindung zwischen Fahrer und Fahrbahn eng und innig, die Bremsen mit hungrigem Biss und das Heck mit gerade so viel Eigendynamik, dass es ein bisschen an den Nerven kitzelt und trotzdem keine Angst macht – so swingt man mit dem X4 durchs Gebirge wie beim Riesenslalom auf Carving-Ski und wundert sich spätestens beim Aussteigen, wie hoch man eben noch gesessen hat. Denn abseits der Autobahn fühlt sich dieser X4 eher nach einem Vierer an als nach einem X.

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Schnell und scharf wie kein anderes Modell in der Baureihe und in der richtigen Gangart durchaus etwas vorlaut, aber optisch eher dezent und innen betont nah an der Serie – so wirkt der X4 M40i wie alle sportlichen Sprösslinge der M-Performance-Familie ein bisschen halbgar. Wie alkoholfreies Weißbier, Butterbrenzen mit Margarine oder Schwarzwälder Kirsch mit Diätsahne: Als Top-Modell der Baureihe durchaus stimmig, für einen echten M aber viel zu wenig und deshalb allenfalls ein Appetitanreger, der Lust auf einen Hauptgang ohne Kompromisse macht. Dass er dafür gerade mal 6 200 Euro mehr kostet als das Serienmodell und jede zusätzliche Pferdestärke läppische 115 Euro kostet, ist da nur ein schwacher Trost. Das haben mittlerweile offenbar auch die Muskelmänner aus Garching erkannt und ihre Strategie deshalb überdacht: “Wir schauen uns gerade sehr genau an, in welchen Segmenten wir mit M oder M Performance-Modellen unser Angebot erweitern können“, sagt der Frank van Meel, der Chef der M GmbH. Der X4 M40i ist deshalb womöglich nur das Vorspiel: „Wenn irgendwann der Ruf nach mehr laut werden sollte, werden wir da sehr genau zuhören.“


Ein Kessel buntes: So aufregend wird das Autojahr 2016

Autofahrkäufer sehen spannenden Zeiten entgegen. Denn als hätten Hersteller und Importeure nicht schon in den letzten Jahren ein imposantes Neuheitenfeuerwerk abgebrannt, ist der Premierenkalender auch für 2016 schon jetzt wieder bis zum Platzen gefüllt. Über 100 Generationswechsel, Facelifts, neue Varianten und ganz neue Modelle werden für reichlich Bewegung im Autohandel und ein buntes Bild auf den Straßen sorgen. Alle offiziellen Ankündigungen und die wichtigsten Gerüchte sind hier nach Segmenten zusammen gefasst.

 

Dick im Geschäft: Die Neuheiten der Business-Klasse

Volvo S90

Volvo S90

Die wichtigsten Neuheiten des Jahres gibt es 2016 in der gehobenen Mittelklasse. Dort will sich bereits im Frühjahr die Mercedes E-Klasse als neuer Leitstern unter den Geschäftslimousinen etablieren. Doch der Himmel gehört den Schwaben nicht lange alleine. Sondern kurz darauf drängt Volvo mit seinem neuen Flaggschiff S90 ins Blickfeld und irgendwann sollte auch Alfa endlich die neue Giulia fertig haben, die uns die Italiener eigentlich zum Jahreswechsel versprochen hatten und nun nochmal ein paar Monate nach hinten schieben. Dazu im Sommer das Cadillac-Flaggschiff CT6 und im Herbst einen ersten Ausblick auf die für Anfang 2017 versprochenen Neuauflagen von BMW Fünfer, Audi A8 und Porsche Panamera – da wird es dem gehobenen Management mit großzügiger Dienstwagenregelung schnell warm ums Herz. Zumal es in diesem Segment nicht nur für standesbewusste Vielfahrer, sondern auch für Praktiker ein paar wichtige Premieren gibt: Denn schon im März in Genf steht neben dem Volvo S90 auch der für Europa viel wichtigere Lademeister V90, Kia stellt dem Optima zum allerersten Mal einen Kombi zur Seite und im Oktober in Paris zeigt Mercedes die neue E-Klasse auch als T-Modell. Auch Schöngeister sollen auf ihre Kosten kommen – zum Beispiel mit dem neuen Audi A5 und dem Lexus Coupé RC.

 

Matsch more: Der Boom auf der Buckelpiste geht weiter

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Zwar hat mittlerweile wirklich auch der allerletzte Hersteller mindestens einen Geländewagen im Programm. Doch weil die Prognosen für die SUV weiter steil nach oben zeigen und die Kauflust ungebrochen ist, reißt die Flut der Neuheiten auf der Buckelpiste nicht ab. Das mit Abstand wichtigste Modell wird dabei der neue VW Tiguan, der nach seiner IAA-Premiere aus dem letzten September im Frühjahr endlich auf die Straße kommt. Er startet als konventioneller Fünfsitzer, kommt im Herbst aber auch als Tiguan XL mit sieben Sitzen und wahrscheinlich 2017 auch als Coupé. Außerdem streut VW die Gene des Geländegolfs großzügig im Konzern und lässt auch die anderen Marken daran teilhaben. Den großen Tiguan gibt es deshalb auch als ersten Geländewagen von Skoda und den kleinen als Buckelpisten-Premiere bei Seat. Und als wäre es damit noch nicht genug, darf Audi im Frühjahr endlich mit dem Q2 gegen den BMW X1 oder den ebenfalls zur Erneuerung anstehenden Mini Countryman antreten.

Infiniti QX30

Infiniti QX30

Dazu gibt es fürs Mittelfeld einen aufgefrischten Opel Mokka, ein Update samt Hybrid-Antrieb für den Toyota RAV-4, einen zweiten, sehr viel kleineren Allradler von Toyota im Herbst, den Infiniti QX30 auf Basis des Mercedes GLA, einen neuen Peugeot 3008, die nächste Generation des Jeep Compass  und ein Facelift für den Ford Kuga. Für die gehobene Mittelklasse kommen der Nachfolger des Renault Koleos und der Ford Edge und wer gerne in Samt und Seite in den Schlamm fährt, der kann das mit dem neuen Cadillac XT5, dem Jaguar-Erstling F-Pace oder der jüngsten Generation des Lexus RX versuchen. Und dann gibt es ja auch noch Bentley Bentayga, der als luxuriösester aller Geländewagen die Spirale wieder ein Stückchen weiter nach oben schraubt.

Noch immer nicht genug? Dann lässt sich der Entscheidungsbaum mit ein paar neuen Varianten noch weiter verästeln. Schließlich gibt es den Audi Q7 im neuen Jahr auch als Sportmodell mit S-Label, beim BMW X4 leistet sich die M GmbH eine Performance-Variante und Mercedes macht den GLC zum SUV-Coupé.

 

Lass die Sonne in den Herz: Die neuen Open-Air-Modelle der Saison

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

In den letzten Jahren hingen dicke Wolken über dem Segment der offenen Autos. Doch 2016 klart die Stimmung für Cabrios und Roadster mächtig auf und alle Welt setzt ihre Kunden an die frische Luft. Am größten ist die neue Offenheit bei Daimler, wo im Frühjahr gleich vier neue Open-Air-Modelle starte: Für Sparer gibt es ein neues Smart Cabrio, für Snobs zum ersten mal seit Jahrzehnten wieder eine offene S-Klasse und für Sportler wahlweise den aufgefrischten SL oder ein Update für den SLK, der mit der Modellpflege zum SLC wird. Und als wäre das noch nicht genug, dürfte im Lauf des Jahres auch die C-Klasse noch ihre Hüllen fallen lassen.

Range Rover Evoque Cabrio

Range Rover Evoque Cabrio

Die Konkurrenz kommt da kaum hinterher. Denn BMW hat 2016 am unteren Ende der Skala nur den offenen Mini und am oberen als zweites Cabrio von Rolls-Royce den Dawn zu bieten, und bei Audi stehen allenfalls der R8 Spyder und der Nachfolger des A5 im Kalender. Aus dem Ausland kommen dazu noch die offene Version des Chevrolet Camaro, das Comeback des Citroen Mehari und natürlich der Fiat 124 Spider, mit dem die Italiener die Wiederentdeckung des Dolce Vita feiern wollen. Ach ja, und dann steht uns noch ein weiteres Frischluft-Experiment ins Haus. Denn mit dem Evoque Cabrio will Land Rover ausloten, ob der SUV-Boom auch unter freiem Himmel funktioniert.

 

Ein bisschen Spaß muss sein: Das tut sich 2016 auf der Überholspur

Honda NSX

Honda NSX

Da können die Schnellfahrer einpacken und alle Konkurrenten ihre Ambitionen begraben: Der neue König der Überholspur steht bereits fest, bevor das Jahr 2016 begonnen hat. Denn wenn Bugatti im Genf den Chiron vom Stapel lässt, bleibt für die anderen nur noch ein Platz unter ferner liefen. Nicht umsonst will die französische VW-Tochter das ohnehin schon schnellste und stärkste Serienmodell der Welt in jeder Dimension noch einmal deutlich besser machen. Weil der Tiefflieger damit aber auch noch einmal teurer werden dürfte und dann wahrscheinlich vollends unbezahlbar ist, lohnt vielleicht doch ein Blick auf die anderen Neuheiten, die sich im Rückspiegel der Normalsterblichen bahnbrechen wollen. Das kunterbunte Spektrum beginnt mit dem 350 PS starken Ford Focus RS und BMW M2, mit dem die Scharfmacher aus Garching ihr Programm nach unten abrunden und den rebellischen Geist des Legendären 2002ti aufleben lassen. Es führt über die zweite Variante für die McLaren Sport Series und die aufgefrischten Porsche-Modelle von Elfer sowie Cayman und Boxster, die künftig in der Baureihe 718 zusammen gefasst werden. Und es gipfelt in so vorlauten PS-Protzen wie dem neuen Camaro, der ein paar Wochen nach seinem US-Start jetzt auch in Deutschland auf die Überholspur drängt, oder dem Ford GT, der zum Ende des Jahres Jagd auf Lamborghini & Co macht. Dazu noch ein Facelift für den Nissan GT-R und als überfällige Sehnsuchtsmodelle endlich einen neuen Aston Martin sowie den seit Urzeiten angekündigten Honda NSX, schon ist auf dem Highway wieder die Hölle los.

 

Im Namen des Volkes: Die bürgerlichen Neuheiten für die breite Masse

Während sich in der Oberklasse und in den Nischen jede Menge Bewegung abzeichnet, ist es in den Volumensegmenten eher still. Neue Kleinwagen sind selten, in der Kompaktklasse tut sich wenig und bei den bezahlbaren Mittelklasse ruht der See relativ still. Zu den wichtigsten Neuheiten im Namen des Volkes dürften deshalb der überfällige Nachfolger des Ford Ka bei den ganz kleinen und der Renault Mégane, der Opel Astra Sportstourer sowie die nächste Generation des Honda Civic und der neue Fiat Tipo bei den Kompakten zählen. Außerdem macht VW den Beetle als Dune zum Standkäfer du bereitet für den Herbst das nächste Facelift für den Golf vor. Und wer viel Auto für relativ wenig Geld haben will, der schaut nach dem Renault Talisman, der im ersten Halbjahr als Limousine und Kombi den Laguna beerbt. Am wenigsten tut sich allerdings bei den Vans, die offenbar jeden Drive verloren haben. Gäbe es nicht noch Facelifts für den Citroen C3 Picasso und den Opel Zafira, wäre der Renault Scénic nach aktuellem Stand die einzige echte Neuheit.

 

Grüne Welle: Jede Menge neuer Öko-Autos

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Der Durchbruch für das Elektroauto lässt zwar weiter auf sich warten. Doch weil die CO2-Vorgabegen streng sind und das Gewissen schlecht ist, haben die Autohersteller trotzdem eine ganze Menge neuer Öko-Modelle in Petto. Das mit Abstand wichtigste und zugleich gewöhnlichste ist der Toyota Prius, der als globaler Bestseller unter den Grünen im Frühjahr in die fünfte Generation geht und noch einmal alles etwas besser machen will. Während Toyota beim Prius weiterhin auf die bekannte Technik setzt, drehen vor allem die deutschen das Rad ein bisschen weiter und forcieren ihre Plug-In-Offensive: Bei BMW werden deshalb der Active Tourer, der Dreier und der Siebener zum Teilzeitstromern mit Steckdosen-Anschluss, bei Audi fährt der Q7 an die Ladesäule und bei Mercedes kommt die neue E-Klasse mit Plug-In-Batterie. Doch auch die reinen Akku-Autos nehmen im neuen Jahr einen neuen Anlauf. Nicht umsonst wartet alle Welt gespannt auf die überfällige Markteinführung des Tesla Model X. Außerdem gibt es von Chevrolet im Frühjahr die Serienfassung des Bolt, dem im Herbst ein Ableger von Opel folgen wird. Ach ja, und die Brennstoffzelle säuselt natürlich auch weiter: Nach dem Toyota Mirai kommen deshalb im Sommer die ersten Exemplare des Honda Clarity auf die Straße.


Sportler mit gebremstem Schaum: Auch mit M-Performance fährt der BMW X4 der Konkurrenz hinterher

X4München. Ist BMW das Doping ausgegangen oder hat die M GmbH das Bodybuilding verlernt? Wenn die schnelle Truppe aus Garching jetzt das Tuch vom getunten X4 zieht, lässt der Beau für die Buckelpiste zwar die Muskeln spielen, fährt der Konkurrenz aber weiter hinterher. Denn während die M GmbH beim großen Bruder X6 ein echtes M-Modell auf die Räder gestellt und kräftig ins Blech gegriffen hat, reicht es beim X4 nur für eine M-Performance-Variante mit gebremstem Schaum – und obendrein einem unaussprechlichen Namen. Denn bis einem BMW X4 M40i xDrive über die Lippen kommt, sind ein Mercedes GLC 63 oder ein Porsche Macan Turbo schon ums Eck.

Zwar bringt es der neue, drei Liter große Sechszylinder dank seines Twin-Turbos auf 360 PS und leistet damit solide 20 Prozent mehr als der bislang stärkste Benziner im X4 35i. Und auch die Fahrleistungen sind nicht schlecht. Schließlich beschleunigt der Bayer in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und wird nur aus Gründen der Political Correctness bei 250 km/h abgeregelt. Doch für ein Kräftemessen mit der Konkurrenz reicht das leichter nicht: Der Porsche hat 400 PS und wenn AMG den neuen GLC in die Finger bekommt, werden es dort sogar 467 PS sein.

X4Und die Lücke bei der Leistung ist nicht das einzige Manko. Sicher wird auch die milde M-Version gnadenlos gut fahren. Immerhin ist schon der zivile X4 nach dem Macan das agilste Auto in der Klasse, und die M GmbH wäre nicht die M GmbH, wenn sie das Fahrwerk nicht noch einmal straffer abgestimmt und die Kraftverteilung etwas hecklastiger ausgelegt hätte. Doch wo die Konkurrenten dicke Backen machen und sich mächtig aufplustern, gibt sich der X4 M40i vergleichsweise verhalten und  tritt entsprechend bescheiden auf. Böse Blicke jedenfalls wird mit diesem Auto niemand einfangen.

Doch es gibt einen Punkt, an dem der X4 M40i die Konkurrenz dafür umso älter aussehen lässt: Beim Preis. Denn mit seinen 65 000 Euro kostet er kaum 6 000 Euro mehr als der X4 35i und jede Pferdestärke gibt es für nur rund 100 Euro.


BMW X4: Schräger Typ – schon bald auf Erfolgskurs?

Schräger Typ: Der BMW X4 übernimmt die Linienführung des X6, ist aber nicht ganz so provozierend.

Elegant und effizient, praktisch, familienfreundlich und je nach Motorisierung auch einigermaßen vernünftig. So hat es der BMW X3 zum Bestseller im Segment der kompakten SUV geschafft. Doch bald kommt eine Prise Extravaganz dazu. Denn nach dem Vorbild des X6 plant BMW auch eine Klasse darunter ein Modell mit schrägem Abschluss, für das die Marketingleute das Kürzel SAC erfunden haben – die Buchstaben stehen für Sports Activity Coupé. „Während der X3 vor allem rationale Kunden anspricht, wollen wir mit diesem Fahrzeug alle jene Käufer erreichen, die sich für das Design begeistern“, sagt BMW-Manager Richard Jacobi. In wenigen Tagen wird der X4-Prototyp, eine leuchtend blaue Studie, auf der Motorshow in Shanghai enthüllt. Das Serienmodell dürfte dann im kommenden Jahr zu Preisen ab etwa 45.000 Euro in den Handel gelangen.

Das Auto ist mit 4,65 Metern exakt gleich lang wie der X3 und hat ebenfalls vier Türen. Doch die Dachlinie duckt sich vier Zentimeter flacher über den Innenraum und während der X3 mit Rücksicht auf Kind und Kegel einen geräumigen Kasten am Heck trägt, leistet sich der X4 eine elegante Kuppel, die in einem kessen Bürzel ausläuft. Die Form, nicht die Funktion gibt hier den Ton an.

Zur eleganten Silhouette gibt es eine Frontpartie, die mit Scheinwerfern bis direkt an die BMW-Niere und großen Lufteinlässen die Breite betont, während die muskulöse Flanke mit der neuen Sickengrafik und dem markanten Schwung über der Hüfte den Wagen gleichermaßen streckt und erdet. „Mit diesem Kunstgriff lassen wir den Wagen satt uns breit auf der Straße stehen“, sagt Designer Domagoj Dukec über die neue Linie, die er sich bei „echten“ Coupés wie dem BMW 6er abgeschaut hat.

Dickes Ende: Der Unterfahrschutz sieht aus wie ein Diffusor, die Auspuff-Endrohre erinnern an einen Sportwagen, so spielt der X4 den bayerischen Bodybuilder.

Mit dem X4 folgen die Bayern einem Trend, den sie selbst losgetreten haben. Denn vor dem X6 von 2008 schien die Kreuzung aus Coupé und Geländewagen viel zu gewagt, als dass ein Hersteller sie angeboten hätte. Und auch in München gab es zahlreiche Skeptiker. Doch die sind mittlerweile verstummt. Schließlich ist der X6 ein Erfolgsmodell, dass alle Erwartungen übertrifft. Selbst jetzt, wo sich die Karriere der ersten Generation nach mehr als 200.000 Exemplaren dem Ende zuneigt, hat das Modell längere Lieferzeiten als die meisten anderen BMW-Modelle.

Zwar verwehrt Produktmanager Jacobi noch den Blick in den Innenraum der Studie, weil er damit mutmaßlich die bevorstehende Modellpflege für den X3 vorwegnehmen würde. Und aus dem gleichen Grund verrät BMW auch noch nichts zur geplanten Motorenpalette. Doch klar ist längst, dass der X4 im Grunde ein fertig entwickeltes Fahrzeug ist. „Im nächsten Jahr steht das Auto bei den Händlern.“ Und zwar ziemlich genau so, wie es jetzt auch in Shanghai zu sehen ist. „Ein paar Anpassungen werden wir noch machen müssen“, räumt Jacobi ein. Doch diese Änderungen dürften sich auf die 21-Zoll-Felgen, die LED-Scheinwerfer, die Außenspiegel und die Türgriffe beschränken. Im Prinzip also wird dieses Auto auf die Straße kommen.