Bolide auf der Buckelpiste: Mit den Muskeln der M GmbH wird der X4 zum Sportwagen auf Stelzen

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Mehr Sport als Utility – nach diesem Motto hat BMW jetzt den X4 ins Trainingslager geschickt und das Gelände-Coupé mit Hilfe der M GmbH kräftig gedopt. Für ein waschechtes M-Modell hat den Bayern zwar offenbar (noch) der Mut gefehlt, so dass es erst einmal nur für die kalorienarme „M Performance“-Variante mit dem sperrigen Kürzel X4 M40i xDrive reicht. Doch wenn der Sportler auf Stelzen in diesen Tagen zu Preisen ab 65 000 Euro in den Handel kommt, bekommt der Porsche Macan GTS einen würdigen Widersacher. Und alle anderen Geländewagen in dieser Klasse haben – sorry Range Rover Evoque, Entschuldigung Audi SQ5, pardon Mercedes GLC – gegen den bayerischen Chef-Dynamiker ohnehin keine Chance.

Außen neue Schürzen mit größeren Nüstern an der Front und einem Difusor-Einsatz im Heck, Anbauteile in „Ferricgrey“, was natürlich viel besser klingt als „Eisengrau“ oder die 20-Zöller und innen der Modellschriftzug in den Türleisten und dem Kombiinstrument oder das M-Logo in Lenkrad und Schaltknauf – auf den ersten Blick mag der X4 M40i mit seiner Kraft-Kosmetik noch wirken wie ein Sondermodell zur Verkaufsförderung. Doch erstens kommt mittlerweile auf jeden zweiten X3 bereits ein X4, so dass die schräge Nummer nun wirklich keinen Anschub mehr braucht. Und zweitens haben die Bayern ja nicht nur die sportliche Schminke aufgetragen. Sondern er hat natürlich auch am Motor gearbeitet und vor allem am Fahrwerk.

So hat die M GmbH aus dem drei Liter großen Sechszylinder des X4 35i noch einmal knapp 20 Prozent mehr Leistung heraus gekitzelt, Federn und Dämpfer strammer abgestimmt und den Allradantrieb noch ein bisschen hecklastiger ausgelegt. Und weil es vor den beiden Endrohren jetzt eine Klappensteuerung gibt, stimmt der X4 in der richtigen Laune ein ziemlich leidenschaftliches Lied an. Künstliche Fehlzündungen bei den schnellen Gangwechseln, ein sündiges Brabbeln im Leerlauf und ein Donnerhall beim Kickdown – wenn der X4 in den Sportmodus wechselt oder der rechte Fuß ein wenig dynamischer arbeitet, dann ist es, als würde man bei einem wichtigen Bayern-Spiel vom VIP-Block der Allianz-Arena in die Fan-Kurve wechseln.

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Genau wie beim Macan GTS stehen jetzt 360 PS im Datenblatt und das maximale Drehmoment klettert von 400 auf 465 Nm. Das ist ein Pfund, mit dem man im X4 vergnüglich wuchern kann. Was sind schon 1,9 Tonnen Leergewicht, wenn man den Punch eines Preisboxers hat. Nicht umsonst nimmt der Kraftmeier dem X35i beim Sprint sechs Zehntel ab und ist bereits nach 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Und dass er tatsächlich nur 250 km/h schnell wird, ist allein dem Respekt gegenüber den echten M-Modellen geschuldet. Denn so viel Dampf, wie da weit jenseits von 200 Sachen noch auf dem Kessel ist, dürfte deutlich mehr drin sein.

Mehr noch als mit seinem ungestümen Vorwärtsdrang beeindruckt der aufgebockte Koloss aber mit seinem Können in den Kurven: Die Lenkung wunderbar direkt und präzise, die Bindung zwischen Fahrer und Fahrbahn eng und innig, die Bremsen mit hungrigem Biss und das Heck mit gerade so viel Eigendynamik, dass es ein bisschen an den Nerven kitzelt und trotzdem keine Angst macht – so swingt man mit dem X4 durchs Gebirge wie beim Riesenslalom auf Carving-Ski und wundert sich spätestens beim Aussteigen, wie hoch man eben noch gesessen hat. Denn abseits der Autobahn fühlt sich dieser X4 eher nach einem Vierer an als nach einem X.

BMW X4 M40i

BMW X4 M40i

Schnell und scharf wie kein anderes Modell in der Baureihe und in der richtigen Gangart durchaus etwas vorlaut, aber optisch eher dezent und innen betont nah an der Serie – so wirkt der X4 M40i wie alle sportlichen Sprösslinge der M-Performance-Familie ein bisschen halbgar. Wie alkoholfreies Weißbier, Butterbrenzen mit Margarine oder Schwarzwälder Kirsch mit Diätsahne: Als Top-Modell der Baureihe durchaus stimmig, für einen echten M aber viel zu wenig und deshalb allenfalls ein Appetitanreger, der Lust auf einen Hauptgang ohne Kompromisse macht. Dass er dafür gerade mal 6 200 Euro mehr kostet als das Serienmodell und jede zusätzliche Pferdestärke läppische 115 Euro kostet, ist da nur ein schwacher Trost. Das haben mittlerweile offenbar auch die Muskelmänner aus Garching erkannt und ihre Strategie deshalb überdacht: “Wir schauen uns gerade sehr genau an, in welchen Segmenten wir mit M oder M Performance-Modellen unser Angebot erweitern können“, sagt der Frank van Meel, der Chef der M GmbH. Der X4 M40i ist deshalb womöglich nur das Vorspiel: „Wenn irgendwann der Ruf nach mehr laut werden sollte, werden wir da sehr genau zuhören.“


Klein, aber Schwein: Der neue BMW M2 ist die in Blech gepresste Freude am Fahren

BMW M2 CoupeSpaßbefreite Elektro-Autos, knatternde Dreizylinder sowie Familienkutschen mit hohem Dach und angetriebener Vorderachse – was hat BMW seinen Kunden in den letzten Jahren nicht alles zugemutet. Doch keine Sorge, die Freude am Fahren ist noch nicht vergessen. Sondern als Trost für alle Bedenkenträger bringt die M GmbH jetzt mit dem neuen M2 einem BMW reinsten Wassers an wischt alle Zweifel aus der Welt: Nein, zumindest in Garching haben sie noch nicht vergessen, wie man Lust und Leidenschaft buchstabiert und wie man Autos baut, aus denen man am liebsten gar nicht mehr aussteigen möchte. Sondern es braucht mit dem M2 nur ein paar weniger Kilometer, dann gräbt sich dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht, das nie mehr vergeht. Selbst dann nicht, wenn man am Ende der Probefahrt die Sprache aufs Geld kommt. Denn auch wenn der ab Mitte April lieferbare M2 mit einem Grundpreis von 56 700 Euro etwa doppelt so viel kostet wie der kleinste Zweier und knapp 17 000 Euro über dem M235i liegt, ist er mit weitem Abstand das billigste M-Modell, das BMW zu bieten hat. Und mehr Emotionen pro Euro bietet ohnehin kein anderes Auto aus München.

Quell dieser Freude ist der bekannte Reihensechszylinder, dessen neu programmierte Elektronik jetzt 370 PS aus dem Dreiliter-Turbo kitzelt – fast 50 PS mehr als im M235i. Das ist zwar noch immer ein Hauch weniger als beim A 45 AMG des Hauptkonkurrenten aus Stuttgart. Doch erstens wirkt ein Sechszylinder einfach souveräner als ein Würfel mit vier Töpfen. Und zweitens springt die M GmbH nicht auf die alberne Allradwelle, sondern lässt es nach alter Väter Sitte beim Heckantrieb und sichert sich so unangefochten den Sieg in der Spaßwertung.

Denn während die Gänge – natürlich auf Wunsch von Hand! – nur so durch die engen Gassen fliegen, die Knöchel vom festen Griff um das dicke Sportlenkrad schon langsam weiß werden und die rote Nadel weit über 6 000 Touren schnellt, prügelt der Sechszylinder den Wagen so vehement voran, dass einem Hören und Sehen vergeht: Im besten Fall nach 4,3 Sekunden hat man 100 Sachen auf der Uhr, beim Überholen auf der Landstraße ist man ruckzuck auf 160, 180 und selbst da hat der bayerische Bolide noch so viel Dampf, dass die Ingenieure bei 250 km/h nur vorübergehend die Reißleine ziehen. Wer will und dafür extra zahlt, kann den gewöhnlichen Kompakten auch mit bis zu 270 km/h davon fahren.

BMW M2 CoupeAber es ist ohnehin nicht das Spitzentempo, dass im M2 zur stetigen Verlockung wird. Sondern mit dem Fahrwerk und Lenkung aus M3 und M4, mit dem elektronischen Sperrdifferential an der Hinterachse und natürlich mit seinem Heckantrieb zieht es den Kraftprotz unter den Kompakten wie von selbst auf eine kurvige Landstraße, die gar nicht eng und verwinkelt genug sein kann. Dort ist der Zweier in seinem Element. Unerschütterlich hält er den Bodenkontakt, scharf schneidet er durch die Kurven, und bei jedem Zwischenspurt lässt er ganz leicht das Heck kommen, bevor ihn ein geschickter Lenkengriff oder zur Not das Stabilitätsprogramm mühelos wieder einfängt.

Dabei klingt der M2 so echt und ehrlich wie ein Rockstar beim unplugged-Konzert. „Ja, auch wir haben vor den vier Endrohren eine Klappensteuerung“, muss Projektleiter Frank Isenberg fast schon peinlich berührt einräumen. Und natürlich feuert die Elektronik ihr Zwischengas nicht nur für die geschmeidigen Gangwechsel, sondern auch für den Showeffekt. Doch umso stolzer erzählt er davon, dass er das Gewicht nicht mit exotischen Materialen unter 1 500 Kilo gedrückt hat. Sondern durch den Verzicht auf überflüssige Dämmung. Und jedes noch so kleine Funktionsgeräusch, das jetzt aus Antrieb oder Karosse in den Innenraum dringt, genießt man wie das authentische Knacken einer Schallplatte in einer antiseptischen Welt  gefühlskalter MP3-Files. So ist der M2 nicht nur ungestümer als die meisten anderen BMW, sondern er ist auch ein bisschen ungehobelt und deshalb nur umso reizvoller.

Das gilt auch für das Design des Coupés. Innen lebt der M3 deshalb zumindest noch einen Hauch von Purismus und ertrinkt nicht im üblichen Cocktail aus Glanzlack und Alcantara. Und außen spielt er so unverhohlen mit seiner Kraft, dass sich i3-Fahrer vor Scham abwenden und das BMW-Logo von ihrem Elektroauto knibbeln werden: Als hätten die Ingenieure das Blech nur mit der allergrößten Mühe über die Muskeln dieses Zweier zerren können, platzt die Karosserie beinahe aus allen Nähten. Die um bis zu acht Zentimeter weiter ausgestellten Koftflügel über den 245er Reifen vorn und den 265ern im Heck sehen deshalb aus, als hätte Mister Universum seinen Bizeps in ein Kinder-Shirt gezwängt. Und das Heck ist so breit, dass man diesen Zweier auch dann noch als M2 erkennen kann, wenn man ihn so sieht, wie ihn die meisten Verkehrsteilnehmer sehen werden: Als blauen Punkt, der rasend schnell am Horizont verschwindet.

Politisch korrekt ist so ein Auto nun wirklich nicht, und natürlich passt es auch nicht in die Zeit. Aber es passt zur Marke und zahlt in diese mindestens so viel ein wie jedes neue Öko-Modell. Und vielleicht bekommen auf diese Weise sogar all die spaßbefreiten Elektro-Autos, die knatternden Dreizylinder und die Familienkutschen mit hohem Dach und angetriebener Vorderachse einen Sinn. Denn je mehr vernünftige Autos die Bayern bauen, desto leichter können sie sich solche wundervollen Ausreißer wie den M2 erlauben.


Voll auf die Zwölf: Mit Hilfe der M GmbH schnürt der Siebener jetzt doch noch die Sportschuhe

BMW M760Li xDrive

BMW M760Li xDrive

Obenrum trägt er den Smoking der des vornehmen Flaggschiffs, doch unter der Haube schlägt das Herz eines Boxers. Denn wenn BMW jetzt auf dem Genfer Salon das Tuch von der neuen V12-Version des Siebeners zieht, rücken die Bayern ihr Flaggschiff in die sportliche Ecke. Nicht weniger Prestige, aber deutlich mehr Performance ist die Botschaft, die sich nicht zuletzt auch ein einem neuen Typenkürzel niederschlägt: M760 Li steht deshalb auf dem Heckdeckel und lässt keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind dieser Luxusliner ist.

Jetzt als so genanntes M Performance-Modell geführt und mit Schützenhilfe der M GmbH aus Garching für den Sport im Smoking ertüchtigt, fährt der Siebener mit einem weiterentwickelten V12-Motor vor, wie er bislang zum Beispiel bei Rolls-Royce Ghost und Wraith zum Einsatz kommt: Aus stolzen 6,6 Litern Hubraum holt der ungekrönte König der bayerischen Kraftmeier damit künftig 600 statt bislang 544 PS und wuchtet imposante 800 Nm auf beide Achsen. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 in 3,9 Sekunden. Und weil jetzt die M GmbH ihrer Finger im Spiel hat, muss auch nicht mehr bei 250 Sachen Schluss sein. Sondern wer sich bei einem Schätzpreis weit jenseits von 150 000 Euro noch das M Drivers Package leisten mag, der kann künftig mit bis zu 305 km/h über die linke Spur fliegen.

Dabei hilft dem Siebener neben dem obligatorischen Allradantrieb vor allem sein in dieser Klasse einzigartiges Fahrdynamik-Paket. Die Rohkarosse mit dem hohen Karbonanteil und die Hinterachslenkung machen ihn so handlich wie einen Fünfer, der Wankausgleich hält den Luxusliner immer sauber im Lot und mit dem vorausschauenden Fahrwerk bügelt er Fahrbahnschäden aus, bevor man sie überhaupt erreicht hat.

BMW M760Li xDrive

BMW M760Li xDrive

Aber nicht nur der Fokus auf das dynamischere Fahrverhalten ist neu im bayerischen Oberhaus. Sondern auch beim Design erlaubt sich die M GmbH gewisse Freiheiten. Außen erkennt man das an einer neuen Frontschürze mit größeren Nüstern und Anbauteilen in einem grauen Kontrastlack. Man hört es an der Klappensteuerung des Sportauspuffs und man fühlt es am dickeren Lenkrad. Außerdem prangt das M-Logo wie ein Sportabzeichen auf den Pedalen, in den Türleisten oder auf dem Getriebewählheben und es flammt im Kombi-Instrument mit dem 330er-Tacho auf.

Doch weiß offenbar auch BMW, dass manche Besserverdiener den Pelz lieber nach innen tragen und nicht ganz so dick auftragen wollen. Deshalb gibt es fürs gleiche Geld auch eine deutlich dezentere Variante namens „Excellence“, die anstelle des Aerodynamik-Pakets noch mehr Zierrat aus Chrom bekommt und am Heckdeckel satt der Hieroglyphen aus dem Baureihen-Puzzle nur einen schlichten V12-Schritzug trägt.

BMW M760Li xDrive

BMW M760Li xDrive

Zwar hat BMW den Siebener mit dem M760 Li zum ersten Mal ein wenig aus der Ecke des Biedermanns für die Business-Elite geholt. Doch als Antwort auf einen S 63 oder gar einen S 65 des Hauptkonkurrenten AMG taugt der potente Luxusliner noch nicht. Und auch mit gegen den Audi S8 macht der 760 in der Prestige-Wertung keinen Stich. Das mag die Mannschaft in Garching grämen, doch dafür reibt man sich in Buchloe die Hände. Denn dort sitzt Alpina und füllt mit Begeisterung die klaffende Lücke. Denn parallel zum M760 Li zeigt der Veredler aus dem Allgäu seinen neuen B7. Der basiert zwar auf dem V8-Modell 750 Li, kommt aber mit dem Turbo-Tuning aus Buchloe auf gut 30 Prozent mehr Leistung und steht jetzt mit 608 PS in der Liste. Auch seine Drehmoment-Kurve gipfelt bei 800 Nm, doch die Tacho und Stoppuhr zeigen die besseren Werte. Ebenfalls mit Allrad ausgestattet, schnellt der B7 in 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und hat ganz ohne nachträgliche Freischaltung Auslauf bis 310 km/h. Nur in einer Disziplin können und wollen die Kemptener die Münchner nicht schlagen: Beim Preis. Denn für die 147 300 Euro, die Alpina für den B7 verlangt, wird es den M760 Li ganz sicher nicht geben.