Jaguar B99: Bertone zeigt, wie ein cooler Jaguar aussehen sollte

Jaguar B99: Das italienische Designhaus stellte bereits mehrmals Studien für Jaguar vor. Der B99 aber sticht alle bisherigen aus.

Jaguar-Desingchef Ian Callum hatte in den vergangenen Jahren einen schwierigen Job: Es galt, das seit Jahrzehnten festgefahrene Jaguar-Design zu erneuern – und er tat dies mit Mut und Verve. Die aktuellen Limousinen XF und XJ sind moderne Autos mit fließenden Linien, coupéartiger Anmutung und außer dem Markenlogo kaum noch einer Erinnerung an Jaguar-Optik früherer Tage. Man kann einen Neuanfang kaum radikaler gestalten.

Wie man es aber auch machen könnte, zeigt jetzt beim Autosalon in Genf das italienische Designhaus Bertone. Zum 99 Firmenjubiläum stellt die norditalienische Firma aus der Nähe von Turin die Studie B99 vor. Es ist eine hinreißende Limousine der 4,50-Meter-Klasse, flach, elegant, schnörkellos – und auf den ersten Blick als ein Jaguar erkennbar. Dabei hält sich das Konzeptauto B99 fern von Retro-Elementen; vielmehr wirkt die wohlproportionierte Karosserie zeitlos. Dieses Auto wäre wohl auf Anhieb eine Stilikone, würde es denn gebaut.

Genau das ist übrigens die große Frage: Ob der B99 von Bertone für Jaguar überhaupt eine Chance hat, mehr als eine hübsche Fußnote des Genfer Autosalons 2011 zu werden. Einerseits ist zwar bekannt, dass Jaguar an einem Mittelklassemodell arbeitet, denn seit zwei Jahren – damals wurde der Ford-Mondeo-Ableger Jaguar X-Type eingestellt – klafft hier eine Lücke im Sortiment. Andererseits aber würde ein Auto wie der B99 die bisher eingeschlagene Designrichtung schon wieder verlassen. Denn mit den ultramodernen und so gar nicht mehr nach Jaguar aussehenden Formen der aktuellen Modell hat der Italo-Brite nichts gemein.

Lässige Linien: Interessant am B99 sind auch die hinten angeschlagenen Fond-Türen, die sich nahezu unsichtbar machen.

2014, so hört man, soll der Mittelklasse-Jaguar auf den Markt kommen und in Konkurrenz treten mit BMW 3er, Mercedes C-Klasse oder Audi A4. Würde er so aussehen wie der B99 von Bertone, läge er ästhetisch auf der Pole-Position in diesem Segment. Darüber hinaus ist die Studie auch technisch äußerst fortschrittlich. Angetrieben wird das Auto nämlich von einem Hybridsystem, das aus einem Benzinmotor mit lediglich 1,2 Liter besteht, der hauptsächlich dazu da ist, während der Fahrt Strom zu produzieren. Der eigentliche Vortrieb wird von zwei E-Motoren generiert, die in den beiden hinteren Rädern platziert sind. Jede der beiden E-Maschinen soll eine Leistung von 135 PS bereit stellen – grundsätzlich klingt das nach einem recht flotten Antriebs-Dreier.

Offiziell herrscht erst einmal Schweigen darüber, ob diese Studie Chancen haben könnte, das kommende Jaguar-Modell noch zu beeinflussen. Man darf aber davon ausgehen, das hinter den Kulissen wohl eifrig um die Form und generelle Linie des künftigen Einstiegsmodells gerungen wird. Und wenn sich auf der Messe in Genf die Besucher in dicken Trauben um den B99 scharen werden, dürfte das vielleicht nicht ohne Einfluss bleiben auf das, was Jaguar in drei Jahren dann wirklich auf die Straße lässt.


Lancia Stratos: Comeback des Karacho-Keils

Coole Kerle: So scharf wie der Stratos war vor 40 Jahren kein anderer Sportwagen. Und sein Nachfolger hätte auch heute das Zeug, Autos wie den Audi TT, den Porsche Cayman oder jeden Lotus auszustechen.

Coole Kerle: So scharf wie der Stratos war vor 40 Jahren kein anderer Sportwagen. Und sein Nachfolger (links im Bild) hätte auch heute das Zeug, Autos wie den Audi TT, den Porsche Cayman oder jeden Lotus auszustechen.

Es ist eine dieser Geschichten, wie sie nur das Internet schreiben kann: Erst tauchen in den PS-Blogs Gerüchte auf, dann streut irgendjemand schemenhafte Fotos, die Auto-Papparazzi erlegen einen angeblichen Prototypen und plötzlich spekuliert die Sportwagenwelt über ein Comeback des Lancia Stratos. Seit wenigen Tagen hat das Rätselraten ein Ende: Ja – so lautet die Botschaft der Website www.new-stratos.com – eines der erfolgreichsten und vor allem coolsten Rallye-Autos aller Zeiten wird neu aufgelegt – zunächst allerdings nur ein einziges Exemplar. Denn der passionierte Oldtimerfahrer Michael Stoschek, im Hauptberuf Chef des erfolgreichen Automobilzulieferers Brose, hat sich derart in den Donnerkeil aus Italien verguckt, dass er für sich und seinen Sohn eine Neuinterpretation des Zweisitzers in Auftrag gab. Jetzt schließt Stoschek, bei entsprechender Resonanz potenzieller Kunden, den Bau einer Kleinserie von 25 Exemplaren nicht aus.

Aktuelles Sportstudio: Innen verbreitet der New Stratos die Atmosphäre eines modernen, coolen Sportwagens.

Der Wagen mit der mattschwarzen Karbonkarosserie wird seit fast zwei Jahren bei Pininfarina entworfen und entwickelt. Eben erst drehte das Auto erste Testrunden auf dem Fiat-Prüfgelände in Balocco. Im November soll das neue Modell auf einer Rennstrecke in Frankreich präsentiert werden. Das Datum hat Stoschek mit Bedacht gewählt. Denn es ist dann genau 40 Jahre hat, dass Bertone auf dem Turiner Salon das Tuch von der Flunder zog. Ein Jahr später zeigte Lancia die Serienfassung des kantigsten Coupés aller Zeiten. In der Straßenversion kam der Wagen mit der markanten Karosserie aus Glasfaser-Kunststoff zunächst auf 190 PS, sprintete in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreichte 248 km/h. Als Rallye-Rennwagen war der Stratos derart überlegen, dass er 1974, 1975 und 1976 dreimal in Folge die Weltmeisterschaft gewann.

Technisch sind der alte und der neue Stratos einander ähnlicher als man vermutet. Wie schon das Original wird auch der Nachbau von einem Ferrari-Motor angetrieben. War es in den siebziger Jahren der 2,4 Liter große V6 des Dino, hat Stoschek einen F-430 Scuderia ausgeschlachtet. Von diesem Modell stammen die verkürzte Bodengruppe und der 4,3 Liter große V8, der im Originalauto auf 510 PS kommt. Weil der fast komplett aus Karbon gefertigte New Stratos wohl um die 100 Kilo leichter sein wird als der Ferrari, sollte er deutlich schneller fahren. Den Ferrari-Sprintwert von 3,6 Sekunden wird er deshalb wohl unter- und das Spitzentempo von 320 km/h sicher überbieten.

Daumen hoch: Michael Stoschek ist nach der ersten Testfahrt zufrieden. Im November wird der Wagen präsentiert und im nächsten Jahr könnte es eine Kleinserie geben.

Weil vom ersten Stratos keine 500 Exemplare gebaut wurden und alle Versuche einer Wiederbelebung bislang scheiterten, ist der Stratos heute eine rasende Rarität, für die Fans tief in die Tasche greifen. War das Auto am Tiefpunkt seiner Karriere angeblich für unter 20.000 Mark zu haben, muss man heute nach Einschätzung vieler Sammler mindestens 70.000 oder 80.000 Euro für ein mittelprächtiges Exemplar hinblättern. Und wenn es ein Wettbewerbsauto mit ein bisschen Rennhistorie sein soll, ist leicht das Dreifache fällig. Michael Stoschek wird darüber nur lächeln. Denn erstens hat er natürlich längst einen originalen Stratos in der Garage, und zweitens wird es sein das neue Auto kaum unter einer Million Euro geben.