Das Dymaxion-Auto: Die Neuauflage einer Vision

Dymaxion-Neubau: Ein Auto wie aus einer anderen Welt. Copyright: Gregory Gibbons

Richard Buckminster Fuller ist Architekten gut bekannt, seine geodätischen Kuppelbauten gelten noch heute als ebenso spektakulär wie visionär. Doch der Amerikaner Fuller war noch viel mehr: Utopist, Erfinder – und Autokonstrukteur. 1933 entwarf und baute er das Dymaxion-Auto – der Name war ein Kunstwort aus den Begriffen “dynamic maximum tension”. Das rundliche Gefährt muss auf die Zeitgenossen gewirkt haben wie ein Ding von einem anderen Stern: sechs Meter lang, mit elf Sitzplätzen, einem Motor im Heck und zwei angetriebenen Vorderrädern sowie einem lenkbaren Hinterrad. Diese Anordnung macht es möglich, dass sich der Wagen, der an ein Flugzeug ohne Flügel erinnert, nahezu auf der Stelle drehen lässt.

Als Tausendsassa Fuller das erste Dymaxion-Auto auf der Weltausstellung 1933 in Chicago vorstellte, ereignete sich ein tragischer Unfall mit mehreren Toten und Schwerverletzten. Daraufhin zogen sich die Investoren aus dem Projekt zurück – und bis auf zwei weitere Prototypen entstanden keine weiteren Dymaxion-Autos mehr. Obwohl das Konzept überzeugend war. Das ungewöhnliche Auto war geräumig, wendig und aufgrund seiner aerodynamischen Form auch ausgesprochen sparsam – 7,8 Liter im Schnitt ist als Verbrauchswert überliefert. Für ein Sechs-Meter-Fahrzeug Baujahr 1933 ein spektakulärer Wert. Die technische Basis sowie der Motor stammten übrigens von Ford.

Guckst Du: Die Frontpartie des Dymaxion-Autos Nummer 4, mit eng beieinander liegenden Scheinwerferaugen und einer dreigeteilten Frontscheibe. Copyright: Gregory Gibbons

Sir Norman Foster, hierzulande vor allem bekannt durch den Bau der gläsernen und begehbaren Reichstagskuppel, ist einerseits Autosammler, andererseits arbeitete er früher mit Richard Buckminster Fuller zusammen, kannte also dessen Dymaxion-Konstruktion. Und anlässlich einer Fuller-Retrospektive, die erst kürzlich in Madrid gezeigt wurde, ließ Foster ein Dymaxion-Auto nachbauen – und zwar mit Hilfe der alten Originalpläne, des einen überlebenden Dymaxion-Exemplars, dass im Automuseum von Reno im US-Staat Nevada steht sowie mit Hilfe der Experten einer englischen Auto-Restaurierungs-Werkstatt. Das Ergebnis ist ein noch immer verblüffendes, beinahe zeitlos designtes Automobil mit höchst ungewöhnlichen Proportionen und Fahreigenschaften. Der britischen Zeitung “The Guardian” sagte Foster: “Das Dymaxion zu fahren ist eine Offenbarung.” Wäre doch schade, wenn Nummer vier das letzte Auto dieser Art wäre.