Vive la Revolution: Mit dem Q2 mischt Audi den Großstadtdschungel auf

Größer könnte der Kontrast kaum sein: Die Häuserzeilen eingefallen und allenfalls noch vom bunten Putz zusammen gehalten, die Asphalt von Schlaglöchern zerfressen und auf den Straßen verbeulte US-Oldtimer in allem Farben des Regenbogens – und mittendrin eine kleine Flotte von funkelnden Geländewagen, die mit Metallic-Lack und LED-Scheinwerfern wirken, wie von einem anderen Stern: Willkommen auf Kuba, willkommen bei der ersten Testfahrt mit dem Audi Q2.

Zwar ist das neue Einstiegsmodell für die Q-Familie, das bei uns im November zu Preisen ab knapp unter 23 000 Euro an den Start geht, tatsächlich ein Fremdkörper im Straßenbild. Doch bitten die Bayern nicht ohne Grund ausgerechnet im bröckelnden Reich der Castro-Brüder zur Jungfernfahrt. Denn Projektleiter Jens Kosyna sieht im Q2 für Audi einen ähnlichen Aufbruch wie man ihn gerade auf der Insel spürt und die jungen Designer aus seinem Team lieben die Kontraste, die sich im Straßenbild genauso wiederfinden wie im Q2 selbst. Schließlich ist der Benjamin für die Buckelpiste nicht einfach nur ein weiteres, austauschbareres Q-Modell, das sich von Q3, Q5 und Q7 nur durch seine Größe unterscheidet. Sondern Audi wagt mit diesem Auto tatsächlich einen glaubwürdigen Neuanfang, zeigt endlich mal wieder Ecken und Kanten und lässt sich nicht mehr in eine Schublade pressen. Fast sinnbildlich dafür ist dafür das Polygon – jenes scharfkantige Dreieck auf der hinteren Tür, in dem sich die Tornadolinie teilt und so eine neue Formensprache einführt.  Dass damit die Flanke schlanker wird, die Kotflügel weiter hervortreten und Assoziationen mit dem Ur-Quattro wecken, ist ein gern genommener Nebeneffekt. Und dass sich die neuen Ecken auch im Single-Frame-Grill wiederfinden, könnte zu einer Mode für alle kommenden Q-Modelle werden.

Auf zu neuen Ufern – das gilt beim Q2 aber nicht nur für die Form, sondern auch für das Format. Denn mit 4,16 Metern Länge ist der Q2 noch einmal 20 Zentimeter kürzer als der etwa 6 000 Euro teurere Q3 und fällt zudem 15 Zentimeter kürzer aus als der A3 Sportback, mit dem er sich die Plattform teilt. Und auch Konkurrenten wie den Mercedes GLA oder den BMW X1 unterbietet der Q2 um mehr als eine Handbreit und einige Tausend Euro. Kein Wunder, dass Kosnya vor allem den nächsten Mini Countryman als Wettbewerber sieht.

Aber nur, weil der Q2 außen klein und kompakt ist, spart Audi nicht an innerer Größe. In der ersten Reihe fühlt man sich deshalb besser aufgehoben als in einem A3 – was nicht zuletzt an der insgesamt acht Zentimeter höheren Sitzposition liegt. Und selbst in der zweiten Reihe können Erwachsene noch halbwegs ordentlich sitzen, nach dem sie sich erst einmal durch die schmale Tür gezwängt haben. Genau wie beim Kofferraum mit 405 bis 1050 Litern Fassungsvermögen sticht der Q2 damit auch größere Konkurrenten wie den GLA locker aus.

Auch bei der Ausstattung wird nicht gekleckert, sondern gekotzt. Zwar gibt es den Neuling mit Blick auf den attraktiven Einstiegspreis auch nahezu nackt mit antiquierten Halogen-Scheinwerfern und manueller Sitzverstellung. Doch weil Audi im Kleinwagen längst keine Verzichtserklärung mehr sieht, bedienen sich die Bayern ansonsten ganz oben und packen den Q2 voll mit Technik aus dem Q7. Das gilt für das coole Virtual Cockpit mit seinem riesigen Digital-Display genauso wie für das Heer der Assistenzsysteme, die Musikanlage von Bang & Olufsen, die LED-Scheinwerfer oder das Online-Navigationssystem mit WLAN-Hotspot und kabelloser Ladeschale für das Smartphone: Es gibt kaum ein Technik-Feature, das es nicht gibt im Q2 – selbst wenn sich der Preis damit wahrscheinlich glatt verdoppeln lässt. Und dann sind da ja auch noch die vielen modischen Extras wie die farbigen und zum Teil sogar hinterleuchteten Zierkonsolen oder die unterschiedlichen Abdeckungen der C-Säule, die alle anderen Q-Modelle plötzlich ein bisschen trist und spießig erscheinen lassen.

Während Audi bei der Ausstattung ganz nach oben geschielt hat, schauen die Bayern bei der Fahrdynamik zur Konkurrenz nach München – nicht umsonst spricht Projektleiter Kosyna sogar vom Go-Kart-feeling und spendiert dem Q2 dafür serienmäßig die Progressivlenkung aus dem S3. Dazu die stramme Abstimmung für Federn und Dämpfer, das geringe Gewicht von bestenfalls 1 205 Kilo und einen niedrigen Schwerpunkt – fertig ist der neue Chef-Dynamiker unter den SUV-Zwergen. Allerdings macht Audi nicht den Fehler, Sportlichkeit mit Härte zu übersetzen. Sondern selbst auf den miserablen Straßen von Havanna wahrt der Q2 noch einen gewissen Restkomfort und rumpelt entsprechend sanftmütig durch die vielen Schlaglöcher – spätestens da erscheinen auch die fünf zentimeter mehr Bodenfreiheit sinnvoll, die den Q2 buchstäblich über den A3 heben.

Zu diesem Kompromiss aus knackigem und komfortablem Fahrverhalten passt auch die Motorenauswahl. Schließlich beginnt die Palette mit einem Dreizylinder-Benziner, der aus nur einem Liter Hubraum 116 PS schöpft. Darüber rangiert der 1,4-Liter große TFSI-Motor mit Zylinder-Abschaltung und 150 PS, der bei der ersten Ausfahrt einen ausgesprochen munteren Eindruck macht und wohl den größten Verkaufsanteil erreichen wird. Und an der Spitze steht ein 2,0 Liter großer Turbo, der es auf 190 PS bringt und serienmäßig mit Allrad ausgeliefert wird. Bei den drei Dieseln ist die Leistungsabstufung identisch und auch dort gibt es die stärkste Version obligatorisch als Quattro. Dabei muss es aber nicht bleiben, sagt Projektleiter Kosyna: „Mit dem MQB als Basis für den Q2 haben wir schließlich noch Luft in jeder Richtung.“ Das gilt für rein elektrische Varianten oder einen Plug-In-Hybrid genauso wie für einen SQ2 oder gar einen RSQ2 mit dem 400 PS starken Fünfzylinder aus dem TT RS.

Wendig, handlich und leicht – davon profitiert man nicht nur auf einer kurvigen Landstraße, sondern auch im Stadtverkehr, dem natürlichen Habitat des Q2. So kurz, wie der kleine Kraxler gezeichnet ist und so knackig, wie er sich fahren lässt, surft man mit ihm förmlich durch die Rushhour und zirkelt ihn mit dem kleinen Finger in die Parklücke – wenn man dabei nur ein bisschen mehr sehen würde! Denn die ganze gute Aussicht durch die erhöhte Sitzposition hilft nicht viel, wenn einem hinten die breiten C-Säulen den Blick verstellen. Aber vielleicht ist Rücksicht nicht die wichtigste Tugend bei einem Auto, das vor allem den Aufbruch markieren und den Blick nach vorne richten soll. Und zumindest bei der Jungfernfahrt in Havanna gibt es außer Schmutz und Elend ohnehin nicht viel zu sehen.


Viel News und doch nichts Neues: In Genf setzt die PS-Branche auf eine bewährte Mischung

Der Start ins neue Jahr gelungen, die Aussichten gar nicht so schlecht, die neue Konkurrenz aus dem Silicon Valley erst einmal in Zaum gehalten und selbst die Dieselkriese halbwegs im Griff – die Stimmungslage auf dem Genfer Salon könnte schlimmer sein als in diesem Jahr. Entsprechend wenig Grund haben die Hersteller allerdings auch, sich auf echte Risiken einzulassen und wirklich etwas Neues zu probieren. Zwar findet jeder für sich noch ein paar Nischen und schließt die nächsten Lücken im Portfolio. Doch echte Neuheiten gibt es unter den vielen News des Salons kaum. Von der Neuerfindung des Autos jedenfalls, von der digitalen Revolution und dem radikalen Umbau der Mobilität ist zwar bei den Pressekonferenzen der Hersteller viel zu hören, aber auf den Ständen danach nur wenig zu sehen. Stattdessen setzt die PS-Branche auf eine bewährte Mischung aus Faszination und Funktionalität, auf praktische Alltagsautos und vernünftige Kleinwagen auf der einen oder schillernde Luxusliner und brüllende Boliden auf der anderen Seite.

Nirgendwo wird die Diskrepanz zwischen Vision und Wirklichkeit so deutlich wie im VW-Konzern. Denn einerseits redet kein anderer Hersteller diesmal so laut vom Wandel wie der Wolfsburger Zwölf-Markenkonzern, der bei der Digitalisierung und beim autonomen Fahren jetzt auf die Überholspur wechseln und zum Vorreiter der Revolution werden will. Und andererseits gibt es bei den Niedersachsen und ihren Töchtern mehr konventionelle Neuheiten als je zuvor. Jedes für sich und für die jeweilige Marke betrachtet, mögen sie sogar frisch und neu sein. Denn ein kleiner Geländewagen wie der Q2 passt prima zu Audi und ist eine überfällige Antwort auf Konkurrenten wie den Mercedes GLA oder den BMW X1. Auf ein Polo-SUV wie den T-Cross haben die VW-Händler spätestens seit dem Debüt des Opel Mokka gewartet. Der serienreife Geländewagen Seat Ateca ist genau so ein Sebstläufer wie die Skoda Vision S, aus der im Herbst der Kodiak wird, und selbst der Bugatti Chiron als 1 500 PS starker und 420 km/h schneller Überflieger ist ein faszinierendes Auto. Nur mit der rosigen Vision vom voll vernetzten, smarten und sauberen Mobilitäts-Device, das autonom durch leere und grüne Straßen surrt, haben all diese Neuheuten vergleichsweise wenig gemein.

Die Konkurrenz nimmt dem Mund zwar diesmal nicht ganz so voll wie die Niedersachsen, die sich nicht ganz freiwillig gerade neu erfinden müssen. Doch viel besser sieht es bei den anderen Ausstellern auch nicht aus. Sondern auch dort geht es weniger um Innovationen als um Portfoliopflege und bestenfalls um bewährte Ideen im neuen Gewand. Ein Cabrio der Mercedes C-Klasse, ein BMW Siebener mit V12-Motor oder mit Plug-In-Hybrid, ein V90 als riesengroßer Volvo-Kombi oder der Levante als erstes SUV von Maserati – alles neue Autos und trotzdem irgendwie alles schon einmal da gewesen.

Das sieht diesseits der Oberliga nicht anders aus: Von Ford zum Beispiel gibt es deshalb vor allem ein Facelift für den Kuga und von Opel ein Update für den Mokka. Und bei Fiat ist man so sehr im gestern gefangen, dass einem auf dem Stand sogar lauter alte Bekannte begegnen, selbst wenn es ganz neue Autos sind. Denn egal ob 124 Spider oder Tipo als Fließheck oder Kombi – beide Modelle hat Fiat vor Jahrzehnten schon einmal ins Rennen geschickt.

Auch die Franzosen passen in dieses Bild und kochen ihre Genfer Suppe nach dem bewährten Rezept. Ja, der neue Renault Mégane Kombi ist eine elegante Erscheinung und der neue Scénic sieht so klasse aus, dass man sich fast noch einmal Kinder wünscht. Aber nennenswerte Innovationen haben beide Modelle nicht zu bieten. Und sind trotzdem noch kreativer als der aufgefrischte 2008 bei Peugeot oder der große Spacetourer  bei Citroen. Und selbst der E-Tense bei der Citroen-Schwester DS ist da kein großer Trost. Denn als reine Fingerübung der Designer bleibt dieser elektrische Sportwagen wohl ohne nennenswerten Einfluss.

Da kann man sich schon fast die Asiaten loben, die in Genf vergleichsweise groß auffahren – allen voran die Koreaner. Denn Hyundai wagt sich mit dem Ioniq erstmals im großen Stil ins Grüne und nimmt das Vorbild Toyota Prius gleich mit einem Hybriden, einem Plug-In und einem reinen Elektrofahrzeug ins Visier und Kia zeigt mit ebenfalls als Hybrid konzipierten Niro, dass man ein kleines SUV auch mit gutem Gewissen fahren kann. Dazu ein fast schon Audi-liker Kombi des Kia Optima, der schmucke kleine Toyota-Geländewagen C-HR oder ein ziemlich überdrehter Vorbote des nächsten Honda Civic – so würzen die Gäste aus Fernost geschickt das Einerlei aus Europa.

Interessant ist bei all dem Hype um neue Autos die Rückbesinnung auf alte Werte – vor allem bei Sportwagen. Nicht genug, dass Opel den GT zumindest als Studie noch einmal auf die Bühne fährt. Bei Renault spricht alles vom Comeback der Alpine, selbst wenn sie erst im Herbst in Paris zu sehen sein wird. Und damit niemand glaubt, Porsche hätte seine Ideale auf dem Altar der Political Correctness geopfert, gibt es neben dem zum Vierzylinder kastrierten Boxster jetzt auch einen puristischen Elfer nach alter Väter Sitte. Denn als 911 R gibt er den radikal reduzierten Sportwagen mit 500 PS-Sauger und Handschaltung – aber ohne Klima und Radio.

Während die Großserienhersteller Business as usual machen, übernehmen die Rolle der Innovatoren die Kleinserienhersteller. Sie bringen die Isetta als pfiffiges Elektroauto zurück, experimentieren wie Quant mit dem Quantino mit neuer Akku-Technologie oder lösen das Reichweichenproblem von Elektroautos wie E-Tender mit einem Generator im Anhänger. Und selbst Borgward sieht man da plötzlich in einem ganz anderen Licht, wenn die deutsch-chinesischen Wiedergänger ihren BX7 Ende 2017 nach Deutschland nur als Elektroauto oder Plug-In-Hybrid ins Land holen.

Natürlich gibt es Revolutionen nicht über Nacht und wahrscheinlich muss man der Industrie ein bisschen Zeit lassen, bis sie sich neu erfunden hat. Doch so laut, wie die Hersteller vom Wandel sprechen, müssen sie den Worten irgendwann auch einmal Taten folgen lassen. Aber vielleicht ist das alles gar nicht so eilig, wie alle immer tun. Denn der Markt brummt und wie gut es der Branche wirklich geht, zeigen vor allem zwei extreme Beispiele aus der Kategorie Traumwagen: der 770 PS starke Lamborghini Cetenario und der neue Bugatti Chiron mit sogar 1500 PS. Nicht nur, weil solche Autos überhaupt noch gebaut werden. Sondern vor allem, weil sich die Kunden offenbar darum rissen. Denn obwohl der Lamborghini netto 1,75 Millionen Euro kostet, sind die je 20 Coupés und Roadster bereits verkauft. Und selbst für den knapp drei Millionen Euro teuren Bugatti hat Firmenchef Wolfgang Dürheimer bereits 150 Bestellungen in den Büchern.


Neuvorstellung Audi Q2: Kleiner ist feiner: So mischt der Audi Q2 den Großstadtdschungel auf

Audi Q2Es hat zwar ein bisschen länger gedauert. Doch jetzt hat Audi endlich eine Antwort auf den Mercedes GLA und den BMW X1 gefunden und schickt im Herbst für Schätzpreise um 25 000 Euro den Q2 ins Rennen.

Konstruiert auf dem Modularen Querbaukasten des Konzerns und nach den eher rundgelutschten Audi-Neuheiten der letzten Jahre ungewöhnlich kantig gezeichnet, feiert der kleine Kraxler jetzt seine Weltpremiere auf dem Genfer Salon und kann noch vor den Sommerferien bestellt werden.

Er misst 4,19 Meter und ist damit rund 20 Zentimeter kürzer als der Q3. Trotzdem bietet er bei 2,60 Metern Radstand Platz für fünf Personen und hat schon in der konventionellen Konfiguration 405 Liter Kofferraum. Wer die auf Wunsch dreigeteilte Rückbank umlegt, kann durch die optional natürlich elektrische Heckklappe bis zu 1050 Liter laden.

Obwohl deutlich höher gebaut als ein A3 und mit der entsprechenden Bodenfreiheit für leichte Abwege konstruiert, will der Q2 ein Sportler sein und rückt den Fahrer deshalb im Wagen fast so tief auf den Boden wie in einer Limousine.

Zum sportlichen Anspruch passen auch Antrieb und Fahrwerk. Zwar beginn die Auswahl der Motoren für die Benziner bei einem Einzylinder-Dreizylinder mit 116 PS und bei den Dieseln mit einem gleich starken 1,6-Liter-Vierzylinder. Doch wer unter den jeweils drei Triebwerken das stärkste wählt, der kann auf Zweiliter mit je 200 PS bauen und bekommt natürlich serienmäßig Allradantrieb. Dazu gibt es die Progessivlenkung mit einer zunehmend sportlichen Übersetzung für alle Varianten sowie die Fahrprofilregelung Drive Select und adaptive Dämpfer gegen Aufpreis. Auf der einen Seite sollte das für Spitzengeschwindigkeiten jenseits von 230 km/h reichen. Aber weil der Q2 in der Grundversion gerade einmal 1 205 Kilo wiegt, müsste er als Diesel bei vier und als Benziner bei etwa fünf Litern Normverbrauch starten.

Auch bei Assistenz und Infotainment gehen die Bayern in die Vollen und holen den Q2 so aus der Ecke der preissensiblen Einstiegsmodelle. Nach dem Motto „kleiner ist feiner“ statten sie ihn deshalb – natürlich zumeist gegen Aufpreis – unter anderem mit dem Virtual Cockpit aus dem TT aus, montieren auf Wunsch ein Head-Up-Display, installieren ein Online-Navi mit WLAN-Hotspot und Touchpad und bauen sämtliche elektronischen Helfer für Spurführung und –wechsel sowie die automatische Abstandsregelung ein.

Zwar hat Audi mit Q2, Q3, Q5 und Q7 jetzt schon vier Geländewagen am Start. Doch angesichts der rosigen Prognosen für das SUV-Segment wollen es die Bayern dabei nicht belassen. Schon im nächsten Jahr legen die Herren der Ringe deshalb noch einmal nach und schlagen dabei  ins andere Extrem um. Denn wo der Q2 das untere Ende der Fahnenstange markiert, kommt dann ein Q8 als neues Top-Modell für die Buckelpiste.


Die wollen nur spielen: In Genf rüsten sich VW und Audi für die Party im Großstadt-Dschungel

Audi Q2Bislang haben sie sich fein raus gehalten. Doch jetzt rüsten sich auch die VW-Marken für die Dschungelparty im Stadtgetümmel und schicken ihre ersten kleinen Geländewagens ins Rennen. Den Anfang machen jetzt auf dem Genfer Salon die Führungsmarken Audi und VW: Aus Ingolstadt tritt gegen BMW X1 und Mercedes GLA noch in diesem Jahr der neue Q2 an, und aus Wolfsburg läzft sich gegen Opel Mokka und Renault Capture ein SUV auf Basis des VW Polo warm.

Der Q2 basiert auf dem Modularen Querbaukasten des Konzerns und ist nach den eher rundgelutschten Audi-Neuheiten der letzten Jahre diesmal ungewöhnlich kantig gezeichnet. Er misst 4,19 Meter und ist damit rund 20 Zentimeter kürzer als der Q3. Trotzdem bietet er bei 2,60 Metern Radstand Platz für fünf Personen und hat schon in der konventionellen Konfiguration 405 Liter Kofferraum. Wer die auf Wunsch dreigeteilte Rückbank umlegt, kann durch die optional natürlich elektrische Heckklappe bis zu 1050 Liter laden.

Obwohl deutlich höher gebaut als ein A3 und mit der entsprechenden Bodenfreiheit für leichte Abwege konstruiert, will der Q2 ein Sportler sein und rückt den Fahrer deshalb im Wagen fast so tief auf den Boden wie in einer Limousine.

Zum sportlichen Anspruch passen auch Antrieb und Fahrwerk. Zwar beginn die Auswahl der Motoren für die Benziner bei einem Einzylinder-Dreizylinder mit 116 PS und bei den Dieseln mit einem gleich starken 1,6-Liter-Vierzylinder. Doch wer unter den jeweils drei Triebwerken das stärkste wählt, der kann auf Zweiliter mit je 200 PS bauen und bekommt natürlich serienmäßig Allradantrieb. Dazu gibt es die Progessivlenkung mit einer zunehmend sportlichen Übersetzung für alle Varianten sowie die Fahrprofilregelung Drive Select und adaptive Dämpfer gegen Aufpreis. Auf der einen Seite sollte das für Spitzengeschwindigkeiten jenseits von 230 km/h reichen. Aber weil der Q2 in der Grundversion gerade einmal 1 205 Kilo wiegt, müsste er als Diesel bei vier und als Benziner bei etwa fünf Litern Normverbrauch starten.

Auch bei Assistenz und Infotainment gehen die Bayern in die Vollen und holen den Q2 so aus der Ecke der preissensiblen Einstiegsmodelle. Nach dem Motto „kleiner ist feiner“ statten sie ihn deshalb – natürlich zumeist gegen Aufpreis – unter anderem mit dem Virtual Cockpit aus dem TT aus, montieren auf Wunsch ein Head-Up-Display, installieren ein Online-Navi mit WLAN-Hotspot und Touchpad und bauen sämtliche elektronischen Helfer für Spurführung und –wechsel sowie die automatische Abstandsregelung ein.

Während der Q2 bereits in diesem Herbst startet, müssen die VW-Kunden auf das Polo-SUV noch ein bisschen länger warten. Entsprechend haben die Designer das mit 4,13 Metern Länge und 2,57 Metern Radstand nur einen hauch kleinere Schaustück für Genf auf noch ein wenig stärker überzeichnet und ihm obendrein das Dach abgeschnitten. Das schürt nicht nur die Hoffnung auf ein SUV-Cabrio, wie es das aus Wolfsburg seit dem legendären Kübelwagen nicht mehr gegeben hat. Sondern das öffnet auch den Blick in ein wegweisendes Cockpit: Denn ganz ähnlich wie die Studie Budd-E aus Las Vegas glänzt das Innenleben des Bonsai-SUV mit digitalen Displays, Touchscreens und Sensorfeldern und verzichtet deshalb auf fast alle Schalter. Nur die Lenkstockhebel, die Taster in den Türtafeln und natürlich der umso prominenter auf die Mittelkonsole gerückte Schalter für das Verdeck bilden da eine Ausnahme.

Die Formensprache ist neu, das Segment ist neu und das Ambiente auch – nur der Antrieb kommt einem sattsam vertraut vor. Denn hinter dem verdächtig von Land Rover inspirierten Grill pöttert ein Dreizylinder-Turbo, der aus einem Liter 110 PS und 175 Nm schöpft. Das klingt schmächtig. Doch weil der T-Cross gerade einmal 1 250 Kilo auf die Waage bringt, reicht das für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 10,3 Sekunden und für ein Spitzentempo von 188 km/h. Viel schneller sind Konkurrenten wie der Renault Captur oder der Peugeot 2008 auch nicht. Und weil VW den Polo für Abwege auf den Dschungel der Großstadt zuschneidert und deshalb konsequenterweise auf einen Allradantrieb verzichtet, ist der Wagen im Mittel mit 5,0 Litern zufrieden. Ein schlechtes Gewissen müsste man in diesem SUV also nicht haben.

Nachdem VW-Chef Herbert Diess am Bau eines Geländewagens auf Polo-Basis keinen Zweifel mehr lässt, gibt es jetzt eigentlich nur noch eine spannende Frage: Die nach dem Preis. Und auch die beantwortet der Markenvorstand indirekt gleich mit. Denn wenn er es ernst meint mit der Idee vom „preiswerten Spaßmobil mit hoher Alltagstauglichkeit“ und dem „echten Volks-Wagen“, dann muss das Serienmodell deutlich unter 20 000 Euro starten.

Zwar hat Audi mit Q2, Q3, Q5 und Q7 jetzt schon vier Geländewagen am Start. Doch angesichts der rosigen Prognosen für das SUV-Segment wollen es die Bayern dabei nicht belassen. Schon im nächsten Jahr legen die Herren der Ringe deshalb noch einmal nach und schlagen dabei  ins andere Extrem um. Denn wo der Q2 das untere Ende der Fahnenstange markiert, kommt dann ein Q8 als neues Top-Modell für die Buckelpiste.


Ein Kessel buntes: So aufregend wird das Autojahr 2016

Autofahrkäufer sehen spannenden Zeiten entgegen. Denn als hätten Hersteller und Importeure nicht schon in den letzten Jahren ein imposantes Neuheitenfeuerwerk abgebrannt, ist der Premierenkalender auch für 2016 schon jetzt wieder bis zum Platzen gefüllt. Über 100 Generationswechsel, Facelifts, neue Varianten und ganz neue Modelle werden für reichlich Bewegung im Autohandel und ein buntes Bild auf den Straßen sorgen. Alle offiziellen Ankündigungen und die wichtigsten Gerüchte sind hier nach Segmenten zusammen gefasst.

 

Dick im Geschäft: Die Neuheiten der Business-Klasse

Volvo S90

Volvo S90

Die wichtigsten Neuheiten des Jahres gibt es 2016 in der gehobenen Mittelklasse. Dort will sich bereits im Frühjahr die Mercedes E-Klasse als neuer Leitstern unter den Geschäftslimousinen etablieren. Doch der Himmel gehört den Schwaben nicht lange alleine. Sondern kurz darauf drängt Volvo mit seinem neuen Flaggschiff S90 ins Blickfeld und irgendwann sollte auch Alfa endlich die neue Giulia fertig haben, die uns die Italiener eigentlich zum Jahreswechsel versprochen hatten und nun nochmal ein paar Monate nach hinten schieben. Dazu im Sommer das Cadillac-Flaggschiff CT6 und im Herbst einen ersten Ausblick auf die für Anfang 2017 versprochenen Neuauflagen von BMW Fünfer, Audi A8 und Porsche Panamera – da wird es dem gehobenen Management mit großzügiger Dienstwagenregelung schnell warm ums Herz. Zumal es in diesem Segment nicht nur für standesbewusste Vielfahrer, sondern auch für Praktiker ein paar wichtige Premieren gibt: Denn schon im März in Genf steht neben dem Volvo S90 auch der für Europa viel wichtigere Lademeister V90, Kia stellt dem Optima zum allerersten Mal einen Kombi zur Seite und im Oktober in Paris zeigt Mercedes die neue E-Klasse auch als T-Modell. Auch Schöngeister sollen auf ihre Kosten kommen – zum Beispiel mit dem neuen Audi A5 und dem Lexus Coupé RC.

 

Matsch more: Der Boom auf der Buckelpiste geht weiter

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Zwar hat mittlerweile wirklich auch der allerletzte Hersteller mindestens einen Geländewagen im Programm. Doch weil die Prognosen für die SUV weiter steil nach oben zeigen und die Kauflust ungebrochen ist, reißt die Flut der Neuheiten auf der Buckelpiste nicht ab. Das mit Abstand wichtigste Modell wird dabei der neue VW Tiguan, der nach seiner IAA-Premiere aus dem letzten September im Frühjahr endlich auf die Straße kommt. Er startet als konventioneller Fünfsitzer, kommt im Herbst aber auch als Tiguan XL mit sieben Sitzen und wahrscheinlich 2017 auch als Coupé. Außerdem streut VW die Gene des Geländegolfs großzügig im Konzern und lässt auch die anderen Marken daran teilhaben. Den großen Tiguan gibt es deshalb auch als ersten Geländewagen von Skoda und den kleinen als Buckelpisten-Premiere bei Seat. Und als wäre es damit noch nicht genug, darf Audi im Frühjahr endlich mit dem Q2 gegen den BMW X1 oder den ebenfalls zur Erneuerung anstehenden Mini Countryman antreten.

Infiniti QX30

Infiniti QX30

Dazu gibt es fürs Mittelfeld einen aufgefrischten Opel Mokka, ein Update samt Hybrid-Antrieb für den Toyota RAV-4, einen zweiten, sehr viel kleineren Allradler von Toyota im Herbst, den Infiniti QX30 auf Basis des Mercedes GLA, einen neuen Peugeot 3008, die nächste Generation des Jeep Compass  und ein Facelift für den Ford Kuga. Für die gehobene Mittelklasse kommen der Nachfolger des Renault Koleos und der Ford Edge und wer gerne in Samt und Seite in den Schlamm fährt, der kann das mit dem neuen Cadillac XT5, dem Jaguar-Erstling F-Pace oder der jüngsten Generation des Lexus RX versuchen. Und dann gibt es ja auch noch Bentley Bentayga, der als luxuriösester aller Geländewagen die Spirale wieder ein Stückchen weiter nach oben schraubt.

Noch immer nicht genug? Dann lässt sich der Entscheidungsbaum mit ein paar neuen Varianten noch weiter verästeln. Schließlich gibt es den Audi Q7 im neuen Jahr auch als Sportmodell mit S-Label, beim BMW X4 leistet sich die M GmbH eine Performance-Variante und Mercedes macht den GLC zum SUV-Coupé.

 

Lass die Sonne in den Herz: Die neuen Open-Air-Modelle der Saison

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

In den letzten Jahren hingen dicke Wolken über dem Segment der offenen Autos. Doch 2016 klart die Stimmung für Cabrios und Roadster mächtig auf und alle Welt setzt ihre Kunden an die frische Luft. Am größten ist die neue Offenheit bei Daimler, wo im Frühjahr gleich vier neue Open-Air-Modelle starte: Für Sparer gibt es ein neues Smart Cabrio, für Snobs zum ersten mal seit Jahrzehnten wieder eine offene S-Klasse und für Sportler wahlweise den aufgefrischten SL oder ein Update für den SLK, der mit der Modellpflege zum SLC wird. Und als wäre das noch nicht genug, dürfte im Lauf des Jahres auch die C-Klasse noch ihre Hüllen fallen lassen.

Range Rover Evoque Cabrio

Range Rover Evoque Cabrio

Die Konkurrenz kommt da kaum hinterher. Denn BMW hat 2016 am unteren Ende der Skala nur den offenen Mini und am oberen als zweites Cabrio von Rolls-Royce den Dawn zu bieten, und bei Audi stehen allenfalls der R8 Spyder und der Nachfolger des A5 im Kalender. Aus dem Ausland kommen dazu noch die offene Version des Chevrolet Camaro, das Comeback des Citroen Mehari und natürlich der Fiat 124 Spider, mit dem die Italiener die Wiederentdeckung des Dolce Vita feiern wollen. Ach ja, und dann steht uns noch ein weiteres Frischluft-Experiment ins Haus. Denn mit dem Evoque Cabrio will Land Rover ausloten, ob der SUV-Boom auch unter freiem Himmel funktioniert.

 

Ein bisschen Spaß muss sein: Das tut sich 2016 auf der Überholspur

Honda NSX

Honda NSX

Da können die Schnellfahrer einpacken und alle Konkurrenten ihre Ambitionen begraben: Der neue König der Überholspur steht bereits fest, bevor das Jahr 2016 begonnen hat. Denn wenn Bugatti im Genf den Chiron vom Stapel lässt, bleibt für die anderen nur noch ein Platz unter ferner liefen. Nicht umsonst will die französische VW-Tochter das ohnehin schon schnellste und stärkste Serienmodell der Welt in jeder Dimension noch einmal deutlich besser machen. Weil der Tiefflieger damit aber auch noch einmal teurer werden dürfte und dann wahrscheinlich vollends unbezahlbar ist, lohnt vielleicht doch ein Blick auf die anderen Neuheiten, die sich im Rückspiegel der Normalsterblichen bahnbrechen wollen. Das kunterbunte Spektrum beginnt mit dem 350 PS starken Ford Focus RS und BMW M2, mit dem die Scharfmacher aus Garching ihr Programm nach unten abrunden und den rebellischen Geist des Legendären 2002ti aufleben lassen. Es führt über die zweite Variante für die McLaren Sport Series und die aufgefrischten Porsche-Modelle von Elfer sowie Cayman und Boxster, die künftig in der Baureihe 718 zusammen gefasst werden. Und es gipfelt in so vorlauten PS-Protzen wie dem neuen Camaro, der ein paar Wochen nach seinem US-Start jetzt auch in Deutschland auf die Überholspur drängt, oder dem Ford GT, der zum Ende des Jahres Jagd auf Lamborghini & Co macht. Dazu noch ein Facelift für den Nissan GT-R und als überfällige Sehnsuchtsmodelle endlich einen neuen Aston Martin sowie den seit Urzeiten angekündigten Honda NSX, schon ist auf dem Highway wieder die Hölle los.

 

Im Namen des Volkes: Die bürgerlichen Neuheiten für die breite Masse

Während sich in der Oberklasse und in den Nischen jede Menge Bewegung abzeichnet, ist es in den Volumensegmenten eher still. Neue Kleinwagen sind selten, in der Kompaktklasse tut sich wenig und bei den bezahlbaren Mittelklasse ruht der See relativ still. Zu den wichtigsten Neuheiten im Namen des Volkes dürften deshalb der überfällige Nachfolger des Ford Ka bei den ganz kleinen und der Renault Mégane, der Opel Astra Sportstourer sowie die nächste Generation des Honda Civic und der neue Fiat Tipo bei den Kompakten zählen. Außerdem macht VW den Beetle als Dune zum Standkäfer du bereitet für den Herbst das nächste Facelift für den Golf vor. Und wer viel Auto für relativ wenig Geld haben will, der schaut nach dem Renault Talisman, der im ersten Halbjahr als Limousine und Kombi den Laguna beerbt. Am wenigsten tut sich allerdings bei den Vans, die offenbar jeden Drive verloren haben. Gäbe es nicht noch Facelifts für den Citroen C3 Picasso und den Opel Zafira, wäre der Renault Scénic nach aktuellem Stand die einzige echte Neuheit.

 

Grüne Welle: Jede Menge neuer Öko-Autos

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Der Durchbruch für das Elektroauto lässt zwar weiter auf sich warten. Doch weil die CO2-Vorgabegen streng sind und das Gewissen schlecht ist, haben die Autohersteller trotzdem eine ganze Menge neuer Öko-Modelle in Petto. Das mit Abstand wichtigste und zugleich gewöhnlichste ist der Toyota Prius, der als globaler Bestseller unter den Grünen im Frühjahr in die fünfte Generation geht und noch einmal alles etwas besser machen will. Während Toyota beim Prius weiterhin auf die bekannte Technik setzt, drehen vor allem die deutschen das Rad ein bisschen weiter und forcieren ihre Plug-In-Offensive: Bei BMW werden deshalb der Active Tourer, der Dreier und der Siebener zum Teilzeitstromern mit Steckdosen-Anschluss, bei Audi fährt der Q7 an die Ladesäule und bei Mercedes kommt die neue E-Klasse mit Plug-In-Batterie. Doch auch die reinen Akku-Autos nehmen im neuen Jahr einen neuen Anlauf. Nicht umsonst wartet alle Welt gespannt auf die überfällige Markteinführung des Tesla Model X. Außerdem gibt es von Chevrolet im Frühjahr die Serienfassung des Bolt, dem im Herbst ein Ableger von Opel folgen wird. Ach ja, und die Brennstoffzelle säuselt natürlich auch weiter: Nach dem Toyota Mirai kommen deshalb im Sommer die ersten Exemplare des Honda Clarity auf die Straße.