Da werden Sie Augen machen – und Ohren: Mit dem Facelift wertet Audi den A3 gleichermaßen auf und ab

Geht es nach Audi, wird man den A3 künftig buchstäblich mit neuen Augen sehen. Denn wenn die Bayern ihren kompakten Bestseller zur Hälfte der Laufzeit jetzt erstmals gründlich auffrischen, erkennt man den vornehmen Vetter des VW Golf von außen vor allem an den schmalen LED-Matrix-Scheinwerfern, die jetzt neu ins Optionsprogramm aufgenommen werden. Und selbst wer sich die 980 Euro für den individuellen Lichtkegel spart, sieht künftig tatsächlich besser. Schließlich sind Drei- und Fünftürer, Limousine und Cabrio ab sofort serienmäßig zumindest mit Bi-Xenon-Scheinwerfern ausgestattet. Dazu gibt es außen außerdem größere Lufteinlässe im Bug, einen markanteren Diffusor am Heck und innen die ebenfalls nicht ganz billige Option auf das Virtual Cockpit, das für bis zu 650 Euro Aufpreis ein digitales Kino hinter dem Lenkrad zaubert, wie man es bislang nur von A4, TT und R 8 kennt.

Zugleich wächst das Heer der Assistenzsysteme: Als ersten Kompakten gibt es den A3 deshalb mit einem Stau-Piloten, der nicht nur automatisch Tempo und Abstand hält und nach dem Stillstand von alleine wieder anfährt, sondern wie sonst nur in der Oberklasse kurzfristig auch das Lenken übernimmt. Kameras warnen den Fahrer jetzt auch vor Querverkehr und wer am Lenkrad ausfällt, wird mit dem Emergency Assist sicher zum Stillstand gebracht.

Soweit, so gut. Selbst wenn der Preis mit der Modellpflege um rund 500 auf mindestens 23 300 Euro steigt, ist das Geld gut angelegt. Schließlich sichern die Bayern dem A3 so wieder den ersten Platz in der Konzernhierarchie und halten sich den Übervater Golf zumindest so lange vom Leib, bis der Branchenprimus im Herbst selbst sein großes Update bekommt.

Doch dummerweise wertet Audi den A3 nicht nur auf, sondern im gleichen Atemzug auch wieder ab. Und statt ihn mit neuen, funkelnden Augen zu sehen, werden den Kunden dabei die Ohren klingeln. Denn als wichtigste Neuerung im Motorenprogramm hält nun auch beim A3 ein Dreizylinder Einzug. Der Winzling presst zwar mit Hilfe eines Turbos immerhin 115 PS und 200 Nm aus seinem exakt einen Liter großen Hubraum. Auf dem Papier sind die Fahrleistungen mit 206 km/h Spitze und 9,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h für den Fünftürer mit DSG nicht so schlecht. Und bestenfalls 4,5 für einen Benziner sind in dieser Klasse allemal ein vorzeigbarer Wert.

Doch in der Praxis ist der Motor leider lange nicht so souverän, wie man es von einem Premium-Modell in der Kompaktklasse erwartet. So ruhig und gelassen der Dreizylinder beim gemütlichen Gleiten auch auftritt, so angestrengt und vorlaut wirkt er beim Beschleunigen. Bei niedriger Drehzahl passiert nicht viel, bei höherer wird er unangenehm laut und knöchern und wer auf sich nicht von der Überholspur drängen lassen will, der braucht neben viel Geduld vor allem einen stoischen Gleichmut gegenüber den nervös drängelnden Hintermännern. Denn so richtig flott fühlt sich er Rumpfmotor vor allem beim Beschleunigen aus hohen Geschwindigkeiten leider nicht an.

Weil die Bayern das bei aller Begeisterung fürs Downsizing offenbar selbst wissen, beschränkt sich das Update für die Motorpalette nicht auf das Einstiegstriebwerk. Sondern neben den drei unveränderten Dieseln mit 110, 150 oder 184 PS und dem ebenfalls bekannte 150 PS starken 1,4-Liter-Benziner mit Zylinder-Abschaltung gibt es nun auch einen neuen Zweiliter-Turbo mit immerhin 190 PS und ein Update für das Sportmodell S3. Spätestens wenn man zum ersten Mal seine jetzt 310 PS abruft, ist die schöne Premium-Welt dann noch wieder in Ordnung.