Im Gangnam-Style ins Gelände: Mit dem Kona macht Hyundai jetzt auf cool

Sie sehen gut aus, haben eine solide Qualität, bieten viel Autos fürs Geld und fahren bei Ausstattung und Antrieb längst auf Augenhöhe mit den Europäern. Doch beim ständigen Schielen nach Wolfsburg hat Hyundai Lust und Lebensfreude völlig aus den Augen verloren. Aber damit ist jetzt bald Schluss: Wenn die Koreaner im November als kleinen Bruder von Tucson und Santa Fe zu Schätzpreisen ab etwa 17 500 Euro den Kuna in den Großstadtdschungel schicken, dann machen sie plötzlich auf cool, versuchen sich im Lifestyle und zielen mit ihrem dritten SUV eher auf Fahrzeuge wie den Mini Countryman oder den Audi Q2 als auf Mazda CX-3, Honda H-RV oder Opel Mokka-X.

Dafür setzen sie auf ein SUV von handlichen 4,17 Metern, das für koreanische Verhältnisse so frisch und frech daher kommt wie die Tänzer aus dem trendigen Gangnam-Viertel in der Hauptstadt Seoul: Nicht nur die Farben sind fröhlicher als alles, was Hyundai bislang so angerührt hat. Schließlich gibt es den Kona in Lacken wie Acid Yellow, Tangerine Comet oder Ceramic Blue und gerne mit Kontrastfarben auf dem Dach. Sondern auch bei den Formen beweisen die Designer frischen Mut. So wird der zum neuen Familiy-Face erkorene Kaskaden-Grill flankiert von LED-Tagfahrleuchten, die weit nach oben in die Motorhaube gerückt sind. Und zu den rustikalen Kunststoffplanken auf den mit bis zu 18 Zoll großen Räder gefüllten Kotflügeln gibt es muskulöse Flanken, scharfe Sicken und ein knackiges Heck mit einer ungewöhnlich schnellen D-Säule. Auch innen lüften die Koreaner gründlich durch und blasen so den Staub von den Konsolen. Wo es früher vornehme aber langweilige Kunststofflandschaften gab, bringen jetzt grellbunte Plastikrahmen und Ziernähte bis hin zu grellen Gurten buchstäblich ein bisschen Farbe ins Spiel.

Aber so verspielt die Designer waren, so seriös haben die Ingenieure an dem Projekt gearbeitet. Schließlich hat der Kona das Zeug zu meistverkauften SUV und vielleicht sogar zum erfolgreichsten Modell im gesamten Portfolio. Deshalb machen die Koreaner für den schönen Schein keine Kompromisse und achten auf die Substanz. Dafür stehen bei 2,60 Meter Radstand solide Platzverhältnisse und ein Kofferraum von 361 Litern genauso wie die üppige Optionsausstattung mit dem ersten Head-Up-Display diesseits des Genesis, mit Sicherheitssystemen wie einer automatischen Notbremse mit Fußgängererkennung, aktiver Spurführungshilfe und Querverkehrswarner sowie einem umfangreichen Infotainment-Paket samt großem Touchscreen, er nun wie bei Audi & Co auf dem Armaturenbrett thront.

Während Hyundai der Kundschaft bei Ambiente und Ausstattung reichlich Wahlmöglichkeiten bietet, sind die Optionen beim Antrieb zunächst arg eingeschränkt. Denn zum Start gibt es lediglich zwei Benziner mit drei Zylindern, einem Liter Hubraum und 120 PS oder vier Zylindern, 1,6 Litern und 177 PS. Erst im nächsten Jahr reichen die Koreaner auch zwei neue Diesel nach, die beide 1,6 Liter Hubraum haben und auf 115 oder 136 PS kommen.

Doch trotz der mageren Motorenauswahl beweisen die Koreaner auch unter der Haube, dass sie es mit dem Kona ernst meinen: Weil sie anders als viele Konkurrenten zumindest als Option einen Allradantrieb anbieten, ist der Spaß mit diesem Auto am Ende der Straße noch nicht vorbei.