Alfa Romeo 8C Spider: Große Cabrio-Oper

Alfa Romeo 8C Spider: Seltener Anblick im Straßenverkehr – vom offenen Alfa-V8-Sportwagen wurden lediglich 500 Exemplare gebaut.

Eigentlich kam dieses Auto genau ein Jahr zu früh. Denn wann besser als zum 100. Firmengeburtstag in diesem Jahr hätte Alfa Romeo den 8C Spider enthüllen können? Schließlich ist der offene Zweisitzer nicht nur das schönste und schnellste, sondern auch eines der leidenschaftlichsten Autos der Marke aus Mailand. Doch hatten die Premiere im Frühling 2009 und der Beginn der Auslieferungen vor gut einem halben Jahr auch einen Vorteil: Passend zum Jubiläumssommer kann das Fahrvergnügen starten. Und ein Vergnügen ist die Fahrt mit dem 8C Spider ohne jeden Zweifel. Selbst wenn man dafür mehr als 210.000 Euro auf den Tisch seines Alfa-Händlers blättern musste. Die meisten der 125 für Deutschland reservierten Autos aus der auf 500 Exemplare limitierten Serie sind nämlich längst verkauft.

Wo ein Lamborghini auf coole Kante macht und Ferrari die immergleichen Pininfarina-Striche spazieren fährt, ist das aus Karbon gebackene Kleid des Alfa Romeo eine Hommage an das italienische Lebensgefühl: Dieser Wagen, gestaltet von Wolfgang Egger, der mittlerweile von Alfa Romeo zu Audi gewechselt ist, verkörpert die große italienische Auto-Oper.

Die Musik dazu spielt der famose Achtzylindermotor, den Alfa – wie das gesamte Fahrwerk und das Getriebe – von der Schwestermarke Maserati bezieht. Die Maschine beherrscht jede Tonlage vom sanften Säuseln im Leerlauf, dem verführerische Brabbeln im untertourigen Betrieb, das wütende Grollen während eines Zwischenspurts bis hin zum furienhaften Fauchen, wenn der Drehzahlmesser in Richtung des roten Bereichs unterwegs ist. Nicht nur per Gaspedal und Schaltwippen lässt sich der Sound modulieren, sondern auch mit Hilfe der Sporttaste. Wird sie gedrückt, öffnen sich zusätzliche Klappen, und dann fluten die Abgase auch die Auspuff-Endrohre drei und vier.

Cabrio in Vollendung: Das Design stammt vom Allgäuer Wolfgang Egger, der inzwischen für Audi tätig ist.

Im 8C kommt der Maserati-Motor auf 450 PS und geht mit 470 Nm zu Werke. Neben dem Sound ändert die gedrückte Sporttaste übrigens auch die Schaltpunkte der famosen Sechsgangautomatik. Dann schnellt der Alfa in 4,5  Sekunden auf Tempo 100, stürmt danach kraftvoll weiter und lässt bald die meisten Cabrios hinter sich. Denn Mercedes SL, BMW M6 oder Jaguar XK regeln bei 250 km/h ab, der 8C hingegen rast maximal 292 km/h schnell. Da muss die Frisur sitzen!

Während andere Autos aus Italien – darunter leider auch so mancher Alfa – schon bei viel niedrigeren Geschwindigkeiten so labbrig und weich wirken wie eine zu kurz gebackene Pizza, ist der 8C auch bei Vollgas eine Bank. Kein Knistern und kein Knarzen ist der Karbon-Karosserie zu entlocken, und selbst wer mit dezent überhöhtem Tempo durch die engen Kurven des Piemont oder des Nordschwarzwaldes schneidet, hat immer absolute Kontrolle über Wagen. Dafür sorgen nicht nur die stabile Struktur, das stramme Fahrwerk und die präzise Lenkung, sondern auch die Keramik-Bremsen, bei denen die Formulierung „al dente“ eine ganz neue Bedeutung bekommt.