Mercedes plant einen Pickup

Mercedes Pickup: Das erste Auto dieses Typs von Mercedes soll noch vor 2020 auf die Straße kommen.

Mercedes Pickup: Das erste Auto dieses Typs von Mercedes soll noch vor 2020 auf die Straße kommen.

Und ständig lockt die Nische – so muss man die jüngste Ankündigung von Mercedes wohl deuten. Der schwäbische Autobauer ließ jetzt verlauten, dass er künftig auch ein Pickup-Modell bauen werde. Das neue Modell wird das erste Fahrzeug dieses Typs der Marke sein – oder wie es Mercedes formuliert “der erste Pickup eines Premium-Herstellers”.

Bei dem Wagen wird es sich um einen sogenannten Midsize-Pickup handeln, also ein Fahrzeug mit rund einer Tonne Nutzlast. Damit ist auch klar, dass der Mercedes-Pickup nicht für die USA, den zentralen Markt für diesen Fahrzeugtyp, konzipiert wird. Dort nämlich beherrschen großkalibrige Pickups die Szene, und Autos wie beispielsweise der VW Amarok sind dort weniger gefragt. In ungefähr diesem Format soll jedoch der künftige Mercedes-Pritschenwagen antreten, weshalb die Verantwortlichen von vornherein sagen, die Hauptmärkte für das Auto seien “Lateinamerika, Südafrika, Australien und Europa”.


Pirelli-Kalender 2015: Zum Glück keine Reifen

März-Kalenderblatt: Das Model Joan Smalls in Boxerpose. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel

März-Kalenderblatt: Das Model Joan Smalls in Boxerpose. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel

Im nächsten Jahr findet in Mailand die Weltausstellung Expo statt, und quasi als Vorgeschmack auf die große Sause lud jetzt der ortsansässige Reifenhersteller Pirelli in die Stadt, um dort die 42. Ausgabe des Pirelli-Kalenders zu enthüllen. Das großformatige Werk, das bei Kennern geschätzt ist und von Sammlern begehrt wird, wurde vom Modefotografen Steven Meisel gestaltet. Binnen fünf Tagen im Mai dieses Jahres wurden die Fotos aufgenommen, in einem Studio in New York. Während das Kalender-Konzept bislang oft darin bestand, spärlich bekleidete Models an exotischen Orten zu inszenieren, fielen diesmal die Reisekosten vergleichsweise niedrig aus. Steven Meisel begründet das so: “Ich wollte weder einen Begriffskalender machen, noch mich an besondere Locations binden. Ich wollte vielmehr zwölf Manifeste, auf denen die Frau und ihre Sinnlichkeit in zwölf vollkommen unterschiedlichen Aufnahmen im Mittelpunkt stehen.”
Kalendermotiv August: Das Model Sasha Luss im recht unvollständigen Matrosen-Outfit. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel

Kalendermotiv August: Das Model Sasha Luss im recht unvollständigen Matrosen-Outfit. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel


Meisel versuchte nach eigenen Angaben, die aktuellen Frauen-Stereotypen, die vor allem in der Mode immer wieder vorkommen, im Kalender darzustellen. “Ich wollte Kleidung und Accessoires auf das Wesentliche reduzieren und meine schöpferische Freiheit voll ausleben. Und ich fand meine Anregungen im Spiel mit Farben, Make-up und Materialien. Es war eine sehr zufriedenstellende Erfahrung.”
Der Titel des aktuellen Kalendariums lautet ganz schlicht “Calendar Girls 2015″. Zu sehen sind zwölf der momentan bekanntesten Models, darunter die beiden deutschen Sasha Luss und Anna Ewers.
Kalendermotiv Juni: Das deutsche Model Anna Ewers. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel

Kalendermotiv Juni: Das deutsche Model Anna Ewers. Copyright Pirelli Kalender 2015, Steven Meisel


In der Mode-, Model- sowie in der Fotografenszene ist der Pirelli-Kalender seit Jahrzehnten eine Institution. Die erste Ausgabe wurde 1964 veröffentlicht. Dass jetzt dennoch erst die 42. Ausgabe erscheint, hat mit einer vorübergehenden Einstellung des Projekts zwischen 1975 und 1983 zu tun, doch seither erscheint das Werk wieder regelmäßig.
Insgesamt arbeiteten sich bereits 29 Fotografen und vier Fotografinnen an dem Kalendarium ab, einige von ihnen schufen gleich zweimal einen Pirelli-Kalender. Einen ästhetischen Stempel haben dem Kalendarium unter anderem Annie Leibovitz, Herb Ritts, Richard Avendon, Peter Lindbergh oder Bruce Weber aufgedrückt. Und nach wie vor gilt: Dieser Kalender wird nicht verkauft, sondern von Pirelli verschenkt. Dass dennoch jedes Jahr etliche Werke im Internet für zum Teil erkleckliche Summen angeboten werden, ist eine andere Geschichte.


Jaguar F-Type Coupé: King of Cool

Dach zu, es zieht: Das Coupé ist der schönere Sportwagen.

Porsche fahren kann jeder. Und weil das mittlerweile tatsächlich immer mehr Menschen tun, hat man sich selbst am legendären Elfer langsam sattgesehen. Deshalb kommt es passionierten Schnellfahrern gerade recht, dass Jaguar nach einem halben Jahrhundert Pause endlich zum idealen Sportwagen zurück gefunden hat und nun die Überholspur mit dem F-Type bereichert. Schon das im vergangenen Sommer eingeführte Cabrio ist ein Erfolg. Immerhin hat Jaguar bislang rund 10.000 Exemplare verkauft und drei Viertel der Kundschaft von der Konkurrenz akquiriert. „Und das war nur das Vorspiel“, sagt Projektleiter Ian Hogan und lenkt den Blick auf die bessere Hälfte des Open-Air-Modells, das F-Type Coupé, das jetzt in den Handel kommt und für Hogan „der ultimative Sportwagen von Jaguar“ ist. Mit einem Basispreis von 67.000 Euro ist das geschlossene Auto nicht nur 7000 Euro billiger als das offene – es ist auch steifer, schneller, schärfer und damit noch näher am Porsche.

Vor allem aber ist das 4,47 Meter lange und 1,31 Meter hohe Coupé das deutlich schönere Auto. Genauso aggressiv und puristisch gezeichnet wie das Cabrio, wird der F-Type mit Dach zu einem Gesamtkunstwerk, nach dem sich die Passanten zweimal umdrehen. Eine lange, flache Motorhaube, die niedrige, weit nach hinten gerückte Kabine, eine Silhouette zum Niederknien und ein Heck, das man mit Blicken ständig tätscheln möchte – dagegen sieht ein Porsche gewöhnlich und unspektakulär aus.

Aber bei aller leidenschaftlichen Form muss man nicht lange suchen, um ein paar Ärgernisse zu entdecken. Der Heckspoiler zum Beispiel, der bei Tempo 100 aufklappt, sieht einfach billig aus, und im Innenraum nimmt die Liebe zum Detail von vorn nach hinten deutlich ab: Schon das Cockpit ist eher praktisch als premium, und das Kunststoffgebirge hinter den Sitzen schaut man besser nur flüchtig an. Auch der Kofferraum ist mit 196 Litern Stauraum allenfalls Durchschnitt. „Leute, das ist ein Sportwagen“, verteidigt Designchef Ian Callum seinen bislang vielleicht besten Entwurf. „Der Stauraum reicht fürs Wochenendgepäck. Wer mehr transportieren will, soll gefälligst einen Range Rover kaufen.“

Kunst der Kehrseite: Von hinten ist der F-Type am schönsten.

Außerdem braucht es ohnehin nur einen Druck auf den Startknopf, dann sind die Formalitäten vergessen. Denn sobald der Motor läuft und die Trompeten im Heck das auch lautstark verkünden, fokussiert sich der Fahrer auf seine eigentliche Aufgabe und will nur noch eines: loslegen. Und zwar möglichst fix.

Das kann er schon im Basismodell mit einem drei Liter Kompressor-V6, der 340 PS leistet und mit 260 km/h bereits die 250er-Grenze einreißt. Oder er nimmt den mehr als ausreichenden V6 S für 78.500 Euro, in dem der Sechszylinder auf 380 PS kommt, noch ein bisschen mehr Krawall macht, noch ein bisschen stärker anschiebt und mit 275 km/h noch ein bisschen schneller fährt. Und wer es richtig krachen lassen will, der bestellt für 103.700 Euro aufwärts den F-Type R, der alles noch mal deutlich besser kann. Nicht nur besser als die Sechszylinder, sondern auch besser als das Cabrio. Denn während der Kompressor-V8 im offenen Modell aus fünf Litern Hubraum „nur“ 495 PS holt, stehen hier 550 Pferdestärken an der Startlinie. Außerdem steigt das maximale Drehmoment von 625 auf 680 Nm und aus dem Powercruiser wird ein Kraftmeier, der keinen Vergleich mit der Konkurrenz scheuen muss. Erst recht nicht, wenn im Dynamic Modus alle Sinne geschärft und alle Muskeln gespannt sind. Während der Komfort-Modus bisweilen noch ein bisschen soft wirkt und man in schnellen Kurven immer wieder mal erschrocken einatmen muss, ist der F-Type im Sporttrimm bestimmt, bissig und bis in den Grenzbereich extrem gut berechenbar – eben so, wie man sich den „definitiven Sportwagen“ einer Marke vorstellt. Und auch die Quartettwerte sind mit 4,2 Sekunden von 0 auf 100 und 300 km/h Spitze für manchen Stich gut.

Der heiße Stuhl: Hier wird's einem warm ums Herz.

Wie ernst es Jaguar mit dem Sportwagen-Anspruch nimmt, kann man neben der angehobenen Motorleistung an ein paar weiteren Details des R-Modells erkennen. So bekommt das Coupé in dieser Variante als erster Serien-Jaguar bissfeste Keramik-Bremsen und ein Torque-Vectoring-System, mit dem einem Hören und Sehen vergeht: Noch bevor das Auto überhaupt die Chance zum Untersteuern hat, bremst die Elektronik die beiden kurveninneren Räder ab und drückt den Wagen förmlich in die Kurve. Das ist so wirkungsvoll, dass Jaguar zur Demonstration dieser Eigenheit nicht auf eine normale Rennstrecke bat, sondern eigens einen engen und verwinkelten Kart-Kurs ausgewählte. Und selbst durch den schnürt der F-Type, als wäre es eine breite Formel-1-Piste.

Nicht dass man das mit dem Neunelfer nicht auch könnte. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wäre der Porsche sogar noch präziser und schärfer, noch besser berechen- und beherrschbar und würde vielleicht sogar noch einen Tick brachialer beschleunigen. Aber er macht dabei lange nicht so ein Spektakel wie der Jaguar, wirkt nicht so emotional, aufgeregt und aufregend: Der eine bleibt cool, der andere ist cool. Das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten.

Auf dem Boulevard der eiligen Eitelkeiten mag Jaguar mit dem F-Type die Nase damit tatsächlich vorn haben. Doch wirklich einholen können die Briten die Schwaben nicht. Weniger weil der Porsche am Ende das präzisere und filigranere Auto ist, sondern vor allem, weil Porsche den längeren Atem hatte: Denn wo die Zuffenhausener gerade den 50. Geburtstag gefeiert haben, melden sich die Briten jetzt nach 50 Jahren erst wieder in der Welt der Sportwagen ‎zurück.


BMW 760 Li Sterling: Die Limousine aus der Silberschmiede

BMW 760 Li Sterling inspired by Robbe & Berking: Der lange Name gehört zum "wertvollsten Auto, das bislang bei BMW Individual gefertigt wurde", wie es aus München heißt.

Geld ist genug da, woran es hapert ist dessen gleichmäßige Verteilung. Und so gibt es weltweit immer mehr Menschen, die ihren Reichtum mit besonders exklusiven Dingen ausleben – zum Beispiel einzigartigen Autos. Der Bau und Verkauf derartiger Highend-Fahrzeuge ist ein lukratives Geschäft, für Rolls-Royce, Bentley, Ferrari, Lamborghini, und auch für die auf Sonderwünsche spezialisierten Abteilungen von Großserienherstellern wie Audi, Mercedes oder BMW.

Bei den Münchner kümmert sich die hauseigene Firma M GmbH in Garching bei München um solche Fahrzeuge, und dort wiederum ist es die Individual Manufaktur, die praktisch jeden Kundenwunsch ins Auto zu bringen versucht. Ob nun Zierleisten aus Porzellan, Edelhölzern oder sogar Lachshaut, wie es unlängst ein deutscher Fischfabrikant wünschte, die Möglichkeiten der Personalisierung eines Autos sind groß, erst recht dann, wenn Geld keine besondere Rolle spielt.

Um genau darauf hinzuweisen, nämlich auf die mannigfaltigen Möglichkeiten einer individuellen Ausstattung, hat die Individual Manufaktur in den vergangenen zweieinhalb Jahren gemeinsam mit der Flensburger Silberschmiede Robbe & Berking ein Unikat des BMW 7ers auf die Räder gestellt, das auch extrem verwöhnte Menschen noch überraschen dürfte. Denn die Limousine in Langversion und mit Zwölfzylindermotor ist mit insgesamt zwölf Kilogramm Sterling Silber ausstaffiert.

BMW-Embleme: Bei Robbe & Berking entstanden die Markenlogos aus massivem Silber, das dann in den bekannten BMW-Farben emailliert wurde. Selbstverständlich entstand das Edel-Logo komplett in Handarbeit.

Das reicht von den emaillierten Markenlogos an Front und Heck aus massivem Silber über die typische BMW Niere, die Zierspangen in den Türgriffen, die Einstiegsleisten sowie zahlreiche Dekorleisten im Interieur. Und natürlich gibt es im Fond eine Art Minibar mit zwei Silberbechern und einer Silberkaraffe. Doch das mit dem Silber allein ist noch gar nicht der Clou. Sondern die meisten der Edelmetallteile wurden mit der so genannten Martelé-Technik bearbeitet, also dem berühmten Hammerschlag. Dabei wird das Silber in millimetergenauer Handarbeit mit einem kleinen Hammer gezielt eingedellt; und diese hunderte von Minidellen wiederum ergeben ein wunderbar schillerndes Spiel aus Lichtreflexen, das die Silberteile geradezu zu leuchten scheinen.

So, wie der BMW 760 Li Sterling jetzt vorgestellt wurde, kostet der Wagen rund 320.000 Euro. Doch BMW möchte das Auto gar nicht verkaufen. Stattdessen soll der Silberschlitten als Anschauungsobjekt in der Individual Manufaktur dienen, um die pro Jahr rund 400 Kunden pro Jahr auf die verfügbare Handwerkskunst und auf die immensen Möglichkeiten einer Individualisierung hinzuweisen. Sollte der ein Oligarch oder andere Scheich dann tatsächlich bestimmte Details aus Sterling-Silber für sein Auto wünschen – bitte sehr.

Die meisten Kunden übrigens, die bei der Individual Manufaktur in Garching vorstellig werden, möchten ein Modell der 6er- oder 7er-Baureihe nach ihren persönlichen Wünschen ausgestattet bekommen. Rund die Hälfte der Kunden kommt aus Europa und den USA, die andere Hälfte stammt aus Russland, China und dem mittleren Osten. Der Alterdurchschnitt dieser Klientel liegt bei 52 Jahren und damit etwas unter dem der durchschnittlichen BMW-Kunden (55).

Hammerschlag-Finish: Eine Zierleiste aus massivem Sterling-Silber, die zuvor in der Matelé-Technik, also dem klassischen Hammerschlag-Verfahren, bearbeitet wurde, wird noch auf Hochglanz poliert.

Über die Preise einzelner Sonderwünsche wird natürlich nicht gesprochen. Sagen könne man allerdings, heißt es bei der Individual Manufaktur, dass der Durchschnittskunde zusätzlich etwa 20 bis 30 Prozent des Auto-Kaufpreises in die exklusive Sonderausstattung investiert. Es komme aber auch vor, dass ein Auto durch die Spezialbehandlung der BMWExperten glatt doppelt so teuer werde.

Doch wie schon erwähnt: Am Geld scheitert es praktisch nie, wenn ein Wunsch ausnahmsweise mal nicht gewährt werden kann. Meist liegt das dann an gesetzlichen Vorgaben, Sicherheitsnormen oder einfach daran, dass BMW bestimmte Dinge nicht mit dem eigenen Markenimage in Verbindung bringen möchte. Ansonsten ist alles möglich, und die Kunden wissen das zu schätzen. Friedrich Nitschke, der Chef der M GmbH und damit auch der Verantwortliche für alle Aktivitäten der Individual Manufaktur, sagt dazu lediglich lächelnd: “Dieser Geschäftsbereich ist, wie alle anderen unserer Firma, hochprofitabel.”


Volvo Concept Coupé: Der coole Schöne aus dem Norden

Volvo Concept Coupé: Die Studie wird die schwedische Marke auf der IAA in Frankfurt Mitte September enthüllen.

Rund ein Jahr ist der deutsche Designer Thomas Ingenlath nun Kreativchef bei der schwedischen Marke, da tritt er zum ersten Mal mit einer Arbeit für die Marke öffentlich in Erscheinung. Und wie! Concept Coupé heißt die Studie, die auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt (12. bis 22. September) gezeigt wird. Und schon jetzt ist klar, dass der lässig-elegante Zweitürer zu den Hinguckern der Show gehören wird. “Das Volvo Concept Coupé ist kein unrealistisches Traumauto”, sagt Ingenlath. “Es demonstriert vielmehr eindrucksvoll das Potential unserer neuen Produktplattform.” Um die, also um den technischen Unterbau, geht es nämlich eigentlich. Die Plattform trägt den wenig poetischen Namen skalierbare Produkt-Architektur, kurz SPA. Alle künftigen Modelle sollen auf dieser technologischen Basis aufbauen. Für Chefdesigner Ingenlath ist sie ebenfalls entscheidend. Denn “nur wenn die technische Basis stimmt, lässt sich eine Karosserie in den gewünschen Porportionen darauf aufbauen”, erklärt er.

Die gewünschten Proportionen bei Volvo seien zum Beispiel eine lange, flache Motorhaube und eine insgesamt gestreckte, schlanke Silhouette. Und um das Hinzukriegen, muss erst einmal der Abstand zwischen Vorderachse und Armaturenbrett groß genug sein – sonst wirkt das ganze Auto nunmal gestaucht und irgendwie pummelig.

Volvo-Cockpit: Alles auf einen Blick.

Ein Blick ins Innere der Studie zeigt, wie sich Volvo das Interieur der künftigen Modelle vorstellt, nämlich nobel und leicht unterkühlt. Skandinavisch eben. Die Instrumententafel ist mit Leder überzogen, es gibt Echtholz- und Metallverkleidungen und dazu einen Schalthebel aus handgefertigtem Kristall. Vor allem aber gibt es schlaue, moderne Bedienelemente. Der wirklich sehr große Touchscreen in der Mittelkonsole ist das Bedienzentrum für sämtliche Funktionen von Klimaanlage bis Navigation, von Infotainment bis hin zur Steuerung der Assistenzsyteme. Die relevanten Informationen von dort lassen sich auch ins Head-Up-Display einspielen, und damit direkt ins  Blickfeld des Fahrers.

Das neue technische Grundgerüst, so teilt Volvo mit, sei auch eine Voraussetzung für autonom fahrende Autos. Schon im nächsten Jahr wird der Hersteller eine autonome Lenkung vorstellen, die Unfälle vermeiden und den Fahrkomfort verbessern soll. Und noch vor dem Jahr 2020 soll der erste Volvo auf die Straße kommen, der das vollkommen autonome Fahren beherrscht.

Markante Leuchten: Wie die Frontscheinwerfer das Fahrzeuggesicht, so prägen die Rückleuchten die Heckansicht. des Konzeptwagens

Nicht nur Hightech-Elektronik und maximale Vernetzung soll der neue SPA-Baukasten erlauben, sondern auch eine große Bandbreite an Antrieben ermöglichen. In der Studie beispielsweise ist ein Plug-In-Hybridantrieb verbaut. Das System besteht aus einem 2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Kompressor- und Turboaufladung sowie aus einem Elektromotor an der Hinterachse. Der Antrieb entwickelt insgesamt eine Leistung von rund 400 PS und ein Maximaldrehmoment von etwa 600 Nm.

Das nächste neue Volvo-Serienmodell wird die neue Generation des SUVs XC 90 sein, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Das Auto ist zugleich das erste Modell der Marke, das auf der neuen Plattform basiert. Und das bestimmte Designelemente tragen wird, die jetzt bei der Studie schon zu sehen sind. Etwa die T-förmigen LED-Tagfahrlichter oder der leicht nach hinten versetzten Passagierkabine. “Wir arbeiten immer noch an der endgültigen Gestaltung des Kühlergrills und des Markenlogos, die wir mit dem neuen Volvo XC 90 im kommenden Jahr enthüllen werden”, sagt Ingenlath. Aber so weit darf man wohl vorgreifen: Wenn nicht alles täuscht, wird das Auto trotz seiner Größe ziemlich elegant und schneidig aussehen.

 


Monza Concept: Silberstreif am Opel-Horizont

Opel Monza Concept: Zum Abheben schick – die Studie für die IAA.

Wann hat man zuletzt Opel so selbstbewusst und stilsicher gesehen? Der Hersteller aus Rüsselsheim, dem in den vergangenen Jahren schon mehrfach das Ende vorausgesagt worden war, hat ganz offensichtlich die Kurve gekriegt und präsentiert sich auf der anstehenden IAA im September in Frankfurt so vital wie schon lange nicht mehr. Herzstück des Opel-Messeauftritts wird die Studie Monza Concept, die als das bündelt, was die Marke in Zukunft ausmachen soll. “Der Monza Concept stellt das Opel-Fahrzeug von morgen dar”, sagt Vorstandschef Karl-Thomas Neumann.

Besonders gilt das für die ruhige und elegante Formensprache des Wagens, der massiv und schlank zugleich wirkt. Die Frontparie des Konzeptautos deutet an, wie künftige Modelle der Marke aussehen könnten: klar gegliedert, schnörkellos und vor allem auf den ersten Blick als Opel erkennbar. Sieht man von Gimmicks wie den extragroßen Flügeltüren ab, wäre das Design ein richtig guter Ansatz für, sagen wir, die nächste Insignia-Generation.

Tag der offenen Tür: Die Flügeltür öffnet fast die komplette Breitseite des Autos. Einsteigen war nie bequemer.

Während manche äußere Details wie etwa die wuchtigen 21-Zoll-Räder oder eben die spektakulären Flügeltüren dem Showeffekt geschuldet sind, gehören manche Innovationen im Innenraum laut Opel durchaus zu den Neuheiten, die in Zukunft die Modelle der Marke prägen sollen. Etwa die LED-Projektionstechnik, die die komplette Armaturentafel zu einer frei konfigurierbaren Informations-, Bedien- und Unterhaltungsfläche werden lässt. Selbst Dekorelemente können durch die insgesamt 18 integrierten LED-Projektoren ganz nach Wunsch des Fahrers auf die Armaturenfläche gezaubert werden. Neumann sagt dazu: “Der Opel Monza Concept ist so nichts weniger als unsere Vision der automobilen Zukunft.”

4,69 Meter misst die Studie in der Länge, und mit nur 1,31 Meter Höhe duckt sich das Auto flach auf die Fahrbahn. Damit es im Innenraum des Viersitzers dennoch luftig und  aufgeräumt zugeht, wurde die Bodengruppe maximal abgesenkt, so dass trotz der flachen Silhouette ausreichend Kopffreiheit vorhanden ist und ein angenehmes Raumgefühl herrscht. Sogar den Kofferraum des Coupés haben die Entwickler bereits ausgemessen: er fasst ordentliche 500 Liter

Streck' dich: Lang und länger wird der Rücken des Coupés, der in einem eleganten Heckabschluss mündet.

Das Monza Concept ist so aufgebaut, dass es diverse Antriebssysteme beherbergen könnte. Im Showcar für die IAA-Bühne steckt ein Elektroantrieb mit einem Reichweitenverlängerer, also ein Konzept ganz ähnlich dem des Opel Ampera. Der Verbrennungsmotor zur Stromversorgung unterwegs ist in diesem Fall ein 1,0-Liter-Dreizylinder aus der neuesten Motorenfamilie von Opel, die ebenfalls auf der IAA debütiert. Allerdings läuft das Aggregat des Konzeptautos nicht mit Benzin, sondern mit Erdgas. Durch die Wahl dieses Kraftstoffs soll die CO2-Bilanz des Autos noch einen Tick besser werden, was allerdings gegenwärtig für die Autowelt irrelevant ist, den vorerst handelt es sich ja um ein Einzelstück, das vermutlich nur wenige Kilometer je aus eigener Kraft fahren wird.

“Wir haben eine klare Vision, wie Opel-Autos in Zukunft sein werden, und eine klare Strategie, mit der wir dieses Ziel verwirklichen”, sagt Opel-Chef Neumann. “Der Monza Concept gibt dieser Strategie ein unverwechselbares Gesicht.” Bleibt zu hoffen, dass daraus in den nächsten Jahren nicht nur ein cool-sportliches, sondern vor allem auch ein zufrieden lächelndes Gesicht wird.

 


BMW i8: Ist das der Sportwagen der Zukunft?

BMW i8: Mit diesem Auto glaubt BMW einen neuen sportlichen Überflieger im Angebot zu haben.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Leuten bei BMW garantiert nicht. Das neue Hybridmodell i8, so tönen die Münchner Autobauer, sei “der progressivste Sportwagen unserer Zeit”. Der flache 2+2-Sitzer ist das zweite Modell der BMW-i-Sparte, in der zukunftsweisende Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten zu Hause sind. Erst vor zwei Wochen stellte BMW den Elektro-Kompaktwagen i3 vor, der noch in diesem Jahr zum Preis von 34.950 Euro als reines E-Mobil oder ab 39.950 Euro mit Elektromaschine und einem Benziner als Reichweitenverlängerer auf den Markt kommen soll. Jetzt folgten die ersten öffentlichen Testfahrten mit i8-Serienmodellen in Südfrankreich; die Autos waren allerdings noch mit weiß-blauen Spiralen beklebt, denn das finale Design soll erst auf der IAA Mitte September in Frankfurt enthüllt werden.

Vom endgültigen Designeindruck abgesehen sind jedoch die allermeisten Details des künftigen Hybrid-Sportwagens bereits bekannt. Und vor allem interessiert natürlich “der revolutionäre Ansatz”, der “zu einer einzigartigen Relation zwischen den Fahrleistungen und dem Kraftstoffverbrauch” führe, wie BMW mitteilt.

Hybrid-Feger: Ein Dreizylinder-Benziner und eine E-Maschine sorgen für Vortrieb.

Das Hybrid-System besteht aus einem Dreizylinder-Benziner mit Doppelturboaufladung und einer Leistung von 231 PS sowie einem Elektromotor mit 131 PS Leistung. Während der Benziner die Hinterräder antreibt, gibt die E-Maschine ihr Drehmoment an die Vorderräder ab. Die Energie für den E-Motor stammt aus einem Lithium-Ionen-Akku, der an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden kann; es handelt sich also um ein so genanntes Plug-In-Hybridmodell. Dieses Antriebssystem ermöglich rein elektrisches Fahren mit einer Reichweite von maximal 35 Kilometern und einer Geschwindigkeit bis zu 120 km/h, als auch einen Allradvortrieb – wenn nämlich beide Aggregate aktiv sind. Im Schnitt soll der i8 lediglich 2,5 Liter Benzin je 100 Kilometer verbrauchen und 59 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen, doch diese Werte kann man gleich wieder vergessen, denn es handelt sich um Labordaten, die mit dem realen Autoalltag praktisch nichts zu tun haben. Fakt ist dennoch: Für einen 362 PS starken Sportwagen der in rund 4,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 schießen kann, dürfte der i8 vergleichsweise spritsparend sein.

Schnittiger Abgang: Man erkennt noch nicht viel, aber so viel lässt sich schon sagen – nämlich dass der i8 ein ziemlich rassiges Auto ist.

Zumal der Wagen durchaus stattliches Format hat: Das Auto ist knapp 4,70 Meter lang, 1,94 Meter breit und beinahe 1,30 Meter hoch. Dank einer Mischbauweise aus Aluminium und Karbon wiegt das Auto trotz des Extragewichts von E-Maschine und Akkupaket fahrbereit etwas weniger als 1500 Kilogramm, was durchaus respektabel ist. Der aktuelle Porsche 911 Carrera mit herkömmlicher Motorisierung wiegt kaum weniger.

Serienmäßig wird der i8 mit 20-Zoll-Aluminiumrädern antreten, und um auch hier Gewicht zu sparen, sind zum Beispiel Schrauben und Bolzen ebenfalls aus Alu gefertigt. Erstmals bei einem Serienauto kommt im neuen BMW-Sportwagen auch chemisch gehärtetes Glas zum Einsatz. Die beiden nur 0,7 Millimeter dicken Scheiben zwischen Fahrgastzelle und Gepäckraum, zwischen denen eine spezielle Akustikfolie eingelegt ist, wiegen nur rund halb soviel wie eine Scheibe aus herkömmlichen Autoglas. Natürlich verfügt das Auto auch über diverse Fahrprogramme, ein adaptives Fahrwerk und alle anderen Sportwagen-Features, die momentan den Stand der Technik bedeuten.

Ein wichtiges Detail hat BMW aber noch nicht genannt, und das könnte die auf den ersten Blick so schöne und effiziente neue Autowelt dann doch etwas unwirklich erscheinen lassen: es ist der Preis.


Virtuelles Filmauto: Audi macht auf Science Fiction

Audi Fleet Shuttle Quattro: Ein merkwürdiger Name für ein merkwürdiges Auto, dass außerdem ausschließlich im Computer existiert.

Die Erde wurde von feindlichen Außerirdischen angegriffen, doch noch gibt es Widerstandsgeist auf dem Planeten. Die Menschen erwarten eine zweite Attacke, doch diesmal wollen sie vorbereitet sein und sich um jeden Preis verteidigen. Dazu beginnt ein gigantisches Trainingsprogramm, in dem der Schüler Ender Wiggin den Militärs besonders auffällt. Er soll die Menschheit in ihre Schicksalskampf führen… Das ist ganz grob gesagt die Story des Bestsellers “Ender’s Game” von Orson Scott Card, der jetzt verfilmt wurde und am 24. Oktober in den deutschen Kinos starten soll. In den Hauptrollen des Science-Fiction-Films sind unter anderem Asa Butterfield, Hailee Steinfeld, Ben Kingsley, Viola Davis, Abigail Breslin und Harrison Ford zu sehen (Drehbuch und Regie: Gavin Hood). Und es gibt auch einen automobilen Star der Zukunftsstory: einen flachen, breiten und vollkommen undezent aussehenden Audi, der den seltsamen Namen Fleet Shuttle Quattro trägt.

Flügeltürer: Auch in der Zukunft greifen Autobauer nach der Audi-Vision auf eine alte aber immer wieder effektvolle Methode der Türmechanik zurück.

Entwickelt wurde der futuristische Audi von den Designern der Marke – und zwar komplett am Computer. Und genau diesen gigantischen Datensatz des Autos bauten die Filmmacher per Digitaltechnik in ihr Werk ein. Es ist das erste Mal, dass ein Audi-Modell rein virtuell in einer Hollywood-Produktion mitmischt. “Der Audi im Film steht für Fortschritt und taucht in besonderen Schlüsselszenen auf, die das Leben des Protagonisten nachhaltig prägen”, sagt Audi-Marketingmann Florian Zitzlsperger.

Für Autobauer und Filmemacher eröffnen die neuen digitalen Möglichkeiten eine geradezu rosige Zukunft. Denn im Prinzip lässt sich jedes noch so abgedrehte Gefährt auf eine bestimmte Marke hin zuschneidern, mit den nötigen Erkennungsmerkmalen versehen und dann in einen Film einfügen, ohne dass auch nur ein Schweißpunkt gesetzt oder ein Blech gebogen werden musste.

Flacher Abgang: Wären nicht die roten Lichter am Heck, so ganz genau könnte man vorne und hinten bei diesem Auto nicht unterscheiden.

Für Kreative eröffnet das gänzlich neue Möglichkeiten, und für die Controller wird ein Filmengagement auch wieder interessanter, denn ein digitales Filmauto ist vermutlich erheblich billiger zu realisieren als ein reales Modell, das womöglich auch noch voll funktionsfähig sein muss. Obwohl das Geld bei Audi nun eigentlich nicht das Problem sein dürfte, die Marke scheffelte allein im vergangenen Jahr einen Gewinn von 5,4 Milliarden Euro.

 


Lamborghini Egoista: Vollgas-Solo zum 50. Geburtstag

Lamborghini Egoista: Das Ding sieht von oben aus wie ein Rennboot – oder wie ein Jet, dem die Flügel gestutzt wurden.

Die italienische Automarke Lamborghini feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag, und zur großen Gala in Sant’Agata Bolognese gab es nun ein spezielles Geschenk. Vor etwa tausend Gästen trat Walter De Silva, der Design-Chef des VW-Konzerns, zu dem ja auch die Vollgasmarke mit dem Stier-Logo gehört, auf die Bühne und sprach feierlich: “Ich hatte den Wunsch, ein Geschenk zu machen, und da kam mir der Gedanke an ein Auto, das das Wesen von Lamborghini unterstreicht: denn die Fahrzeuge werden dort von je her mit großer Leidenschaft und viel Herz gebaut. Der Verstand rückt in die zweite Reihe.” Man kann das so und so verstehen, in diesem Fall aber war es wohl als Kompliment gemeint. Jedenfalls rollte dann ein Auto auf die Bühne, das selbst für Lamborghini wahrhaft extrem geraten ist. Da Silva beschrieb es so: “Dieses Auto steht für extremen Hedonismus. Mit einem Wort – ein kompromissloses Auto: ein Egoist.”

Am Steuer des Einsitzers, der mit ohrenbetäubenden Getöse die Partygesellschaft zur Aufmerksamkeit zwang, saß Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Angetrieben wird das geradezu bizarr geformte Auto von einem 5,2-Liter-V10-Motor mit einer Leistung von 600 PS. Das Cockpit besteht aus Karbon und Aluminium und lässt sich komplett entfernen – Vorbild dafür waren die Apache-Helikopter, bei denen die Pilotenkabine im Notfall abgestoßen werden kann. Sozusagen ein Schleudersitz mit Karosserie.

Zackiges Geschenk: Lamborghini wird 50 - und feiert sich selbst mit einem extremistischen Einzelstück.

Blickt man das Auto von der Seite an, soll man nach Auskunft der Designer, die die Ideen De Silvas umsetzten, einen “stilisierten Stier in Angriffsposition und mit gesenkten Hörnern” erkennen – was auch sonst. Insgesamt wirkt das Fahrzeug mehr wie ein Ufo auf Rädern als Irgendetwas sonst. Die zerklüftete Optik, die matten Felgen mit Karbonlamellen, die orangefarbenen Antireflex-Scheiben, das Head-Up-Display nach Kampfjetmanier und hundert andere Details sollen diesem Auto eine absolute Alleinstellung sichern. Das kann man durchaus auch wörtlich nehmen, denn von diesem Modell wird es kein weiteres Exemplar geben. Überhaupt soll der Wagen ein Traum bleiben, denn der gehört Lamborghini und ist nicht für den Verkauf vorgesehen. Das Schlusswort aus der Presseerklärung zu diesem Wagen: “Der Egoista steht für pure Emotionen, die Insel, die es noch nicht gibt, die niemand je haben wird, die immer ein Traum bleibt – für alle.”


Renault Twin’Z: Ein Kleinwagen als Designexperiment

Renault Twin'Z: Grüne Felgen und eine seidenblau schimmernde Karbonkarosserie.

Die nächste große Automesse in Shanghai findet erst statt, doch es muss ja nicht immer eine Autoshow sein, auf der spektakuläre Fahrzeuge erstmals enthüllt werden. Man kann das, eine Weltpremiere zelebrieren, auch bei anderen Gelegenheiten. Renault demonstriert dies gerade auf der Möbelmesse in Mailand. Dort zeigt die französische Marke das Konzeptauto Twin’Z, dessen Gestaltung maßgeblich vom britischen Möbeldesigner Ross Lovegrove stammt. Lovegrove, in der Kreativszene auch als “Mister Organic” bekannt, ist berühmt für seine Formgebung, die sich an Vorbilder aus der Natur orientiert und dadurch oft ebenso schlichte wie bezaubernde Dinge hervorbringt. Das Auto, das jetzt in Mailand auf grünen Felgen, die wie ein Korallengewächs aus der Radnabe hervorzuwachsen scheinen, präsentiert wird, ist ein Beispiel dafür.

Der Twin’Z ist das fünfte von insgesamt sechs Konzeptfahrzeugen, mit denen Renault-Designchef Laurens van den Acker die Formensprache der Marke neu definieren möchte. Nach den Studien Dezir, Captur, R-Space und Frendzy folgt also nun ein Fahrzeug. das “für Menschen konzipiert wurde, die in der Lebensmitte stehen und ihre Zeit aktiv und dynamisch gestalten”.

Durchgehend geöffnet: Die gegenläufig angeschlagenen Türen öffnen den Innenraum auf ganzer Länge; eine B-Säule gibt es nicht..

Die Grundform des Autos legte Renault fest. Es handelt sich im Prinzip um einen Zwilling des Elektro-Kleinwagens Zoe, die Dimensionen sind fast zentimetergenau gleich. Und: Auch der Twin’Z wird von einem Elektromotor angetrieben und im doppelten Fahrzeugboden sind die Lithium-Ionen-Akkus untergebraucht. Doch interessieren die technischen Details bei diesem Auto eher am Rande. Viel mehr zählt das Design, denn das stammt weitgehend vom Lovegroves Londoner Firma Studio X. “Das Renault-Design muss immer offen für Einflüsse von außen sein”, sagt Renault-Designchef van den Acker. “Es gibt zahlreiche Verbindungen zwischen der Arbeit von Ross Lovegrove, die sich stark an der Natur orientiert, und unserer Designstrategie, die auf sinnlichen, organischen Formen basiert.”

Wenn man das liest, könnte man meinen, man hat es hier mit einem ziemlich abgedrehten Konzeptfahrzeug zu tun, doch eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Der Twin’Z sieht zwar ungemein lässig und cool und, vor allem wegen seiner aufwändigen LED-Beleuchtung, die sich rund um und über das Auto verteilt, auch ziemlich technoid aus. Doch er ist aus jeder Perspektive eindeutig als Auto, als Kleinwagen, als durchweg vertrautes Alltagsvehikel erkennen.

Kreativ-Duo: Renault-Designchef Laurens van den Acker und Stardesigner Ross Lovegrove im Konzeptauto.

Interessant ist vor allem der Innenraum. Dort gibt es praktisch nichts, was nicht unbedingt nötig ist. Die Sitze scheinen wie Pilze aus dem Fahrzeugboden zu wachsen, Knöpfe oder sonstige Bedienelemente sind nicht zu erkennen. Es gibt lediglich eine Art Tablet-Computer anstelle der Mittelkonsole, mit dem sich sämtliche Fahrzeugfunktionen steuern lassen. Und es gibt einen kleinen Monitor vor dem wie ein waagerechter Stamm aus dem Armaturenbrett herauswachsenden Lenkrad, der als Cockpitanzeige fungiert. Und, vielleicht das Auffälligste am Interieur des Wagens: Der komplette Innenraum ist mit LED-Leuchtringen geschmückt, die wie die Höhenlininen auf einer Landkarte sanft durchs Auto schwingen.

Über die Bedeutung der Studie Twin’Z könnte man lange debattieren. Fest steht: In ein Serienprodukt eingehen werden allenfalls einige Details des fröhlich-organischen Konzeptautos. Ansonsten ist es vor allem ein hübsches Experiment – und ein weiterer Beweis, dass man nicht unbedingt ein Autodesigner sein muss, um gute Ideen für ein attraktives Fahrzeug zu entwickeln.