Es muss nicht immer SUV sein: Mit dem A6 Avant bietet Audi eine elegante Alternative zum SUV-Standard

Der Audi Q8 kommt gerade zu den Händlern, der neue BMW X5 steht in den Startlöchern und Mercedes macht sich bereit für den Generationswechsel beim GLE – Die SUV-Welle schwappt unaufhaltsam durchs Oberhaus und spült immer mehr konventionelle Fahrzeuge davon. Doch bei Audi stemmen sie sich tapfer gegen den Trend, den sie selbst befeuern, und bieten jetzt eine elegante Alternative für alle, die sich am SUV so langsam sattgesehen haben. Denn in diesen Tagen bringen die Bayern zu Preisen ab 51 650 Euro den neuen A6 Avant an den Start und beweisen damit, dass es Platz, Praktikabilität und Prestige nicht ausschließlich mit erhöhter Bodenfreiheit, üppigem Format und protzigem Design gibt.

Große Überraschungen darf man von diesem Auto allerdings kaum erwarten nicht im Vergleich zum Vorgänger und erst recht nicht zur Limousine. Einmal mehr ködern die Bayern Vielfahrer und Firmenkunden deshalb mit einem ausgesprochen schnörkellosen Design, und mit viel Platz – nicht umsonst streckt sich der Avant jetzt auf 4,94 Meter und bietet zum Beispiel mehr Kniefreiheit in der zweiten Reihe als jeder andere Kombi seiner Klasse, behaupten die Ingenieure Bayern. Nur der Kofferraum hat sich auf dem Papier nicht verändert: Mit 565 Litern bei aufrechten und 1 680 Litern bei umgeklappten Rücksitzen ist er genauso groß wie bislang. Allerdings sieht das Heck von außen nun eleganter aus, ist von innen breiter, so dass zur Not sogar eine Euro-Palette über die Hinterachse passen würde und leichter zu beladen ist der Wagen auch. Denn die Heckklappe ist jetzt serienmäßig elektrisch und im Wagenboden gibt es ohne Aufpreis ein Schienensystem, in dem man Zurrhaken oder Gepäcknetze befestigen kann.

Dazu gibt es wie schon im A7 und in der Limousine das innovativen Bediensystem mit vielen großen Touchscreens und Sensorfeldern anstelle der ganzen kleinen Schalter und Hebel, es gibt mehr als drei Dutzend Assistenzsysteme, es gibt ein adaptives Fahrwerk mit optionaler Hinterachslenkung und es gibt eine neue Generation von Motoren, die mit ihrem Mild-Hybrid-System im Alltag bis zu 0,7 Liter Spritersparnis versprechen.

Den größten Unterschied zu SUV spürt man im Avant beim Fahren: Ja, man sitzt etwas tiefer, was den Ausblick beeinträchtigt und das Aussteigen erschwert. Aber dafür ist man näher am Geschehen, fährt engagierter und hat die bessere Kontrolle über den Wagen. Außerdem merkt man in jeder Kurve den tieferen Schwerpunkt und das geringere Gewicht. Und hey, mit der größeren Länge kann man selbst in engen Parklücken gut leben – wofür gibt es schließlich eine gestochen scharfe Kamera-Überwachung, die nach allen Seiten schaut.

Dabei ist der Fahrspaß keine Frage der Leistung: Natürlich sind die drei Liter großen Sechszylinder, die als Benziner 340 und als Diesel 231 oder 286 PS leisten, stark und schnell und vor allem souverän – und kommen mit Allrad und Achtgang-Automatik dem Triebstrang der Q-Modelle am nächsten. Aber abgesehen von seinem bisweilen etwas angestrengten Klang reicht schon der Basisdiesel allemal aus: Egal ob bei einer flotten Landpartie oder der üblichen Dienstfahrt auf der Autobahn: Mit 204 PS und 400 Nm ist der 2,0 Liter große Vierzylinder ausreichend motorisiert und mit guten acht Sekunden für den Sprint sowie 241 km/h Spitze muss er den Vergleich mit E-Klasse oder Fünfer nicht scheuen.

Erst der A8, dann der A7 und jetzt der A6 als Limousine und Avant – damit hat Audi zwar binnen weniger als zwei Jahren tatsächlich die komplette obere Hälfte der Modellpalette ausgetauscht. Doch so ganz durch ist der Generationswechsel trotzdem noch nicht. Schließlich fehlt jetzt noch der A6 Allroad. Mit allen Vorzügen des Kombis plus mehr Bodenfreiheit und einem abenteuerlustigen Design liefert er spätestens im nächsten Frühjahr einen weiteren Grund dafür, dass es nicht immer SUV sein muss.



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