Back to the Future: So setzt Mercedes seine Silberpfeile unter Strom

Sie haben alle Rekorde gebrochen, waren die schnellsten Autos ihrer Zeit und sind als Silberpfeile zur Legende geworden. Doch jetzt, wo alle Welt auf elektrische Antriebe und die Digitalisierung setzt, drohen die berühmten Mercedes-Rennwagen in Vergessenheit zu geraden. Damit genau das nicht passiert, holt  Designchef Gorden Wagener Autos wie den W125 von 1937 aus dem Museum und überträgt die Idee mit dem EQ Silver Arrow in die Neuzeit. In Pebble Beach, wo die Reichen und die Schönen jedes Jahr im August das Hochamt der Automobilkultur feiern und Traumwagen an der Tagesordnung sind, zieht er deshalb das Tuch von einem Silberpfeil der Neuzeit, mit Captain Future auf Rekordjagd gehen könnte.

„Mit historischen Silberpfeilen war Mercedes-Benz schon vor über 80 Jahren ein Geschwindigkeitspionier – unter anderem dank deren Stromlinienform“, sagt Wagener und will daran mit dem EQ Silver Arrow anknüpfen. „Wo, wenn nicht hier in Pebble Beach kann man solche Träume auch mal ausleben“.

Dabei ist binnen eines knappen Jahres ein Tiefflieger entstanden, wie er spektakulärer kaum sein könnte: 5,30 Meter lang und kaum mehr als einen Meter hoch, bietet er unter einer nach vorne zu öffnenden Kanzel einen luftigen Center-Seat, in dem Mensch und Maschine eins werden. Dazu gibt es außen eine extrem coole und cleane Karbonkarosse fast ohne Sicken und Kanten mit einem senkrechten Leitwerk und zwei ausfahrbaren Heckspoilern sowie spektakuläre Räder mit 168 Aluminiumspeichen, die jeweils zur Hälfte frei neben dem schlanken Karosseriekörper stehen. Und innen empfängt den Fahrer bei aller Reduktion auf das wesentliche der übliche Mercedes-Luxus mit feinem Holz und weichem Leder und einem Hightech-Cockpit, das auf ein gebogenes Display und den ersten Touchscreen in einem Mercedes-Lenkrad baut.

Damit der EQ Silver Arrow nicht nur pfeilschnell aussieht, sondern zumindest in der Theorie auch rekordverdächtige Fahrleistungen erzielt, wird unter der Hülle nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ein Elektroantrieb mit 750 PS und einem 80 kWh großen Akku sollen eine Reichweite von 400 Kilometern und Rasen ohne Reue ermöglichen. Nicht umsonst sprintet die Studie in weniger als zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist gut für Spitzengeschwindigkeiten weit jenseits der 300 km/h.

Zwar ist den Schwaben mit dem Silver Arrow nach den beiden Maybach-Studien der letzten Jahre ein weiterer großer Coup gelungen und Mercedes sichert sich einmal mehr die maximale Aufmerksamkeit. Doch wird der Silberpfeil für Captain Future gerade hier auf der Monterey Peninsula so mache Enttäuschung provozieren. Denn Traumwagen hin und Showcar her, sind die Petrolheads von Pebble Beach für gewöhnlich reich genug, um sich ihre Träume ohne lange Wartezeit zu erfüllen. Doch da beißen sie bei Wagener und seinen Kollegen auf Granit: Ja, das erste EQ-Serienmodell wird in zwei Wochen enthüllt und geht zum Jahreswechsel in den Handel. Doch daraus Hoffnungen für den Silberpfeil abzuleiten, wäre ein wenig gewagt: Dieser Traumwagen wird auf ewig ein Traum bleiben.



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