Luxus trifft Lifestyle: Als Kreuzung aus Q7 und A8 wird der neue Q8 zum heimlichen Flaggschiff von Audi

Die Diesel-Affäre ist noch lange nicht ausgestanden und die Stimmung von Rupert Stadler könnte besser sein. Doch niemand macht so professionell eine gute Miene zum bösen Spiel wie der Vorstandsvorsitzende von Audi. Und diesmal hat er auch allen Grund dazu. Denn erstens ist er in Shenzhen und Dieseldeutschland ist genauso weit weg wie der auf dem Heimatmarkt aktuell eher aussichtslose Kampf gegen BMW und Mercedes. Sondern hier in China haben die Herren der Ringe traditionell die ältesten Rechte in der Oberklasse und statt über Selbstzünder zu diskutieren, müssen sie neugierige Fragen über ihre künftigen E-Tron-Modelle beantworten. Und zweitens zieht er vor hunderten von geladenen Gästen aus aller Welt das Tuch von einem Auto, das für die Bayern so etwas wie ein Befreiungsschlag werden könnte. Denn nach schier endlosem Vorgeplänkel kommt jetzt endlich der Q8, mit dem Audi eine Antwort auf Autos wie den BMW X6 gefunden haben und seine SUV-Palette krönen will. Technisch eng verwandt mit dem Q7 auf der einen und dem neuen A8 auf der anderen Seite, soll er Lifestyle und Luxus vereinen und so zum heimlichen Flaggschiff der Marke werden. Das dürfte sich allerdings auch im Preis niederschlagen, der zumindest zum Start kaum unter 70 000 Euro beginnen wird.

Dafür gibt es einen vornehmen Fünfsitzer, der sich vom Q7 deutlich unterscheidet. Nicht nur, weil der Q8 vorn bereits das neue Gesicht der kommenden Q-Modelle und hinten ähnlich wie der A8 ein durchgehendes Leuchtenband trägt und so endlich mal wieder etwas unterscheidbarer wird. Sondern vor allem, weil Designchef Marc Lichte die Proportionen spürbar verändert hat. Zwar gibt es keine ganz so schräge und schnelle Dachlinie wie etwa beim BMW X6. Doch ist der Q8 sieben Zentimeter kürzer und dafür drei Zentimeter breiter als der Q7 und sieht entsprechend knackiger aus.

Noch größer sind allerdings die Unterschiede im Innenraum, der bei knapp drei Metern Radstand reichlich Platz für Kind und Kegel bietet – nicht umsonst verkneift sich Audi eine dritte Reihe und lockt fünf Passagiere lieber mit der größten Beinfreiheit im Segment und 605 bis 1 755 Litern Kofferraum. Wo der Q7 noch aus einer alten Zeit stammt und abgesehen vom digitalen Cockpit eher konventionell gestricht ist, wurde der Q8 nach dem Vorbild des A8 fit für die Generation iPhone gemacht: Touchscreens statt Tasten, Sensoren statt Schalter lautet die Devise, nach der Lichte das Cockpit entrümpelt hat: Klarheit ist das neue Premium, schwärmt der Designchef und steckt sein Geld und seine Geduld lieber in eine noch feinere Verarbeitung und eine noch vornehmere Materialauswahl statt in ein Heer von Knöpfen. Da steht der Q8 weder dem A8 in etwas nach, noch seinem vornehmen Schwestermodell Bentley Bentayga.

Der Q8 soll aber nicht nur gut aussehen und sich gut anfühlen, sondern er soll auch gut fahren. Dafür gibt es Finessen wie die Luftfederung, den Allrad mit hecklastiger Kraftverteilung, die Hinterradlenkung und die bekannten Sechszylinder-Motoren mit drei Litern Hubraum, die wie im A8 alle als Mild-Hybrid ausgelegt sind. Mit einem starken E-Motor als Anlasser, einem 48-Volt-Netz und einem Lithium-Ionen-Akku als Pufferspeicher können die Motoren besser beschleunigen, länger Segeln, früher abschalten, komfortabler wieder neu starten und obendrein besser rekuperieren, so dass der Verbrauch im Alltag um rund 0,7 Liter sinken soll.

Los geht es mit dem Q8 50 TDI, der es auf 286 PS und 600 Nm bringt und mit dem Koloss von guten zwei Tonnen leichtes Spiel haben sollte. Nicht umsonst stellt Audi einen Sprintwert von 6,3 Sekunden und ein Spitzentempo von 232 km/h im Aussicht. Später folgen ein Q8 45 TDI mit 231 PS und als vorerst einziger Benziner der 55 TFSI mit 340 PS. Aber wenn es ein großes Q-Modell gibt, dass nach einem S- oder gar einem RS-Logo schreit, dann ist es dieses – selbst wenn der preis damit leicht an die 120 000 vielleicht sogar 140 000 Euro klettern könnte. Aber zumindest in China würden sie darüber wahrscheinlich nur lachen.

Zwar kann Audi-Chef Stadler die gute Stimmung in Shenzhen nur kurz genießen und muss wohl oder übel wieder zurück in das Deutschland der Dieselkrise und des derzeit kaum erreichbaren Konkurrenten Daimler. Doch der nächste Stimmungsaufheller ist schon in der Pipeline: In kaum drei Monaten hat Stadler wieder gut lachen und darf den e-tron enthüllen.



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