Im Stil des Stinger: So will Kia mit dem neuen Ceed mehr Stiche in der Golf-Klasse machen

Aller guten Dinge sind Drei – mit dem deutschen Volksmund haben die Koreaner zwar vielleicht keinen Vertrag, aber mit diesem Sprichwort können sie sich wahrscheinlich trotzdem anfreunden. Denn wenn sie jetzt in Genf den neuen Ceed enthüllen, dann ist erstens aus einem ohnehin schon sehr ansehnlichen und aussichtsreichen Auto in der dritten Auflage ein richtig gutes Auto geworden. Zweitens wurde der Wagen schließlich in Frankfurt gezeichnet und entwickelt und sollte deshalb mit deutschen Sprichwörtern kein Problem haben. Und drittens misst sich der Ceed mit niemand anderem als dem deutschen Meister VW Golf.

Doch so sehr die Koreaner bei der Entwicklung nach Wolfsburg geschielt haben mögen, hatten zumindest die Designer ein anderes Vorbild: Sie haben sich ihren Imageträger Stinger noch einmal angeschaut und viel vom sportlich-selbstbewussten Design auf den neuen Fünftürer übertragen. Etwas länger, deutlich breiter und ein wenig flacher als bisher, steht der neue Ceed deshalb stolz und souverrän auf dem Gelf-Platz und lässt sich kaum mehr übersehen.

Auch innen legen die Koreaner noch einmal nach und möbeln den weiterhin in der Slowakei gebauten Wagen gründlich auf. An den Golf mag er zwar noch nicht heranreichen und das digitale Kombiinstrument fehlt ihm auch. Doch vornehme Materialien und große Touchscreens machen einen schmucken Eindruck und das Komfortniveau ist wie immer überdurchschnittlich. Nicht umsonst gibt es nun zur Sitz- und Lenkradheizung auch kaum sichtbare Heizdrähte für die Frontscheibe.

Ebenfalls kräftig aufgerüstet hat Kia bei den Assistenzsystemen: Neben der automatischen Abstandsregelung und den Warnern für Kreuzungen und Querverkehr gibt es deshalb jetzt zum ersten mal bei einem Auto aus Korea auch eine aktive Spurführung mit Lenkeingriff und damit den ersten Schritt zum autonomen Fahren.

Unter der Haube gibt es ebenfalls viel Neues. Zwar übernimmt Kia den Einliter-Dreizylinder mit 120 PS aus dem Vorgänger. Doch für den bisherigen 1,6-Liter-Benziner kommt ein neues Triebwerk mit 1,4-Litern, das als Turbo 140 und als Sauger 100 PS leistet. Und obwohl schon alle Welt den Abgesang auf den Diesel anstimmt, hat Kia auch nochmal einen neuen Selbstzünder entwickelt. Der hat 1,6 Liter Hubraum und 115 oder 136 PS, kommt mit Rücksicht auf die strenge Euro 6D-Norm samt SCR-Katalysator und Partikelfilter und erreicht auch in der neuen Verbrauchnorm respektable Werte unter 110 g/km.

Los geht es für den Ceed im Juni erst einmal mit dem neuen Fünftürer. Doch dabei soll es nicht bleiben. Eine Neuauflage für den Kombi ist gesetzt, ein Coupé im Stil des Schwestermodells Hyundai i30 Fastback gilt als höchst wahrscheinlich und eine SUV-Variante ist nicht ausgeschlossen. Schließlich hat Europa-Chef Michael Cole für den Ceed eine klare Mission: Das europäischste Auto im Modellprogramm soll in Europa bitte auch wieder an der Spitze der Statistik stehen. Und wenn er im Geist des Stinger nebenbei ein bisschen den Golf piekst, ist das auch kein Schaden.



Einen Kommentar hinterlassen