Alltag trifft Abenteuer: Als C3 Aircross wird der Picasso zum Lebenskünstler

Kunst ist vergänglich – selbst wenn sie von einem Meister kommt. Das müssen jetzt auch die Citroen-Kunden lernen und deshalb so langsam abschied vom Picasso nehmen. Die wie bei allen Herstellern neigt sich auch bei den Franzosen die Ära der bemannten Raumfahrt dem Ende zu und aus dem Van wird peu a peu ein aufgebocktes Crossover. Dieser Trend erfasst jetzt als nächstes die geräumige Version des C3, die von November an zu Preisen ab 15.290 Euro als C3 Aircross auf der SUV-Welle schwimmen will.

Mehr noch als Konkurrenten wie der Kia Stonic oder der Mazda CX3 ist der 4,15 Meter lange C3 dabei auf Matsch und Modder getrimmt: Die Stoßfänger sind bulliger als bei jedem anderen Bonsai-SUV, die Beplankung ist rustikaler und die Motorhaube ist so hoch, dass man selbst in einem Range Rover respektvoll in den Spiegel schaut, wenn sich der Franzose heranpirscht.

Auf der einen Seite ist das nötig, weil das Segment mittlerweile so dicht besetzt ist, dass man sich zumindest über das Styling seine Nischen suchen muss, wenn man überhaupt noch auffallen will. Nicht umsonst bietet Citroen mit acht Karosseriefarben, drei Kontrastlacken für das Dach und drei Style-Paketen auch noch 85 Kombinationen für den möglichst individuellen Auftritt an. Außerdem müssen sich die Franzosen ja irgendwie von ihrem neuen Partner Opel abgrenzen, wo der Aircross dank einer vorehelichen Liebelei als Basis für den etwa 1.500 Euro teureren Crossland X herhalten muss.

Auf der anderen Seite ist das allerdings eine grobe Täuschung. Denn anders als noch immer etwa die Hälfte der Konkurrenten will der C3 Aircross von der Pampa so gar nichts wissen und ist vor allem für den Asphalt gemacht. Trotzdem gibt es immerhin eine etwas erweiterte Traktionskontrolle mit einem unterschiedlichen Setup für unterschiedliche Untergründe und eine Bergabfahrhilfe, falls den treusorgenden Familienvater doch mal der Hafer sticht.

Citroen geht aber nicht nur beim Design seinen eigenen Weg. Auch das Fahrgefühl ist ein anderes: Weil die Sitze etwas plüschiger sind als üblich und die Federn etwas softer, weil mehr Licht ins Auto kommt und mehr Lärm draußen bleibt, und weil einem Details wie der ungewöhnliche Handbremshebel oder die immer wiederkehrenden Rechtecke als zentrales Dekorelement ständig ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, fährt man im C3 irgendwie entspannter als in T-Roc oder Kona: Laissez faire lautet in diesem SUV für Softies die Devise und all die Aggression des Alltags fällt von einem ab.

Einen Beitrag zu dieser Entschleunigung leisten – eher unfreiwillig – auch die Motoren. Zwar gibt es den Aircross auch mit einem 131 PS starken Benziner, der den Fahrer für sein knurriges Dreizylinder-Pöttern mit soliden 200 Sachen entlohnt. Und wahrscheinlich fühlt man sich auch mit dem 110 PS starken Diesel nicht untermotorisiert. Aber für einen Geschwindigkeitsrausch ist der C3 Aircross das falsche Auto. Zumal die Palette neben diesen Toptriebwerken noch Benziner mit 82 und 110 und einen zweiten Diesel mit 99 PS umfasst. Dafür allerdings wiederlegen diese Motoren noch ein weiteres Vorurteil gegenüber dem SUV: Mit Verbrauchswerten ab 3,7 Litern ist es mit deren Durst nicht mehr weit her.

Während der C3 außen auf Pampa macht, gibt er innen den praktischen Pampers-Bomber. Selbst wenn es am Kopf vor allem unter dem Panoramadach ein bisschen kneift, spricht Citroen vom größten Innenraum in der Klasse. Und was die Franzosen auf den 2,40 Metern Radstand an Beinfreiheit bieten, kann sich tatsächlich sehen lassen. Das liegt nicht zuletzt an der geteilten Rückbank, deren beiden ungleichen Hälften sich getrennt um bis zu 15 Zentimeter verschieben lassen. So findet man einen individuellen Kompromiss zwischen Kniefreiheit und Kofferraumvolumen und kann das Gepäckabteil Schrittweise von mindestens 410 auf maximal 1 289 Liter vergrößern. Und für den Kleinkram gibt es zahlreiche pfiffige Ablagen – vom Handschuhfach, in das auch 1,5 Liter-Flaschen passen bis zum Becherhalter im umklappbaren Mittelteil der Rücklehne.

Dazu legen die Franzosen auch bei der Ausstattung nach und bieten ein Dutzend Helfer, die das Leben an Bord leichter, sicherer und vor allem entspannter machen sollen – vom großen Panorama-Dach über das Head-Up-Display bis hin zu Assistenzsystemen wie dem Abstandsregeltempomat oder der Verkehrszeichenerkennung. Ganz neu in dieser Liste ist ein System, das sie sich mit dem charmanten und soften Charakter des C3 Aircross selbst eingebrockt haben. Weil das Auto so entspannt und komfortabel ist, dass man gar nicht mehr aussteigen möchte, mahnen sie jetzt auf langen Fahrten ohne Unterbrechung alle zwei Stunden zur Pause.



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