Mercedes Maximus: So wehrt sich die S-Klasse gegen Audi A8 und BMW Siebener

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Der BMW Siebener ist brandneu und die nächste Generation des Audi A8 steht schon in den Startlöchern. Doch Hermann-Joseph Storp lässt sich die Zuversicht nicht nehmen. Als Chefingenieur der Mercedes S-Klasse verantwortet er die erfolgreichste Luxuslimousine der Welt und denkt nicht im Traum daran, diesen Titel zu verspielen. Nicht umsonst hat er pünktlich zum Showdown im Smoking mehr als 6 000 Teile seines Luxusliners überarbeitet oder ausgetauscht und die S-Klasse mit dem „größten Facelift aller Zeiten“ bestens für die Verteidigung des Luxusthrons gerüstet. Wenn das Update am 22. Juli zu Preisen ab 84 639 Euro in den Handel geht, sei das beste Auto der Welt noch einmal ein kleines bisschen besser geworden, sagt Storp und hegt keinen Zweifel, dass die S-Klasse ihren Vorsprung auf Audi und BMW damit halten kann.

Dabei kämpft Storp vor allem in einer Disziplin, die in den letzten Monaten etwas ins Hintertreffen geraten ist. Denn den größten Fortschritt macht der Luxusliner bei den Motoren: „Alle Aggregate sind komplett neu“, sagt der Chefingenieur und so verlockend der 469 PS starke Achtzylinder im 560er, der ebenfalls neue V8 im S 63 AMG mit 612 PS und natürlich der V12 mit 530 PS im Grundmodell und 630 PS bei AMG oder Maybach auch sein mögen, schlägt sein Herz für die neuen Dreiliter-Sechszylinder. Sie sind wie vor Urzeiten schon mal endlich wieder in Reihe statt im V montiert und stehen einen Spagat zwischen Vernunft und Vergnügen, wie man ihn so bislang noch nicht gekannt hat. Die Diesel leisten 286 PS im S350d und 340 PS im S400d und werden damit zu den stärksten Selbstzündern, die es bei Mercedes bislang gegeben hat. Zugleich bringen sie die Schwaben endlich wieder auf Augenhöhe mit Audi und BMW und sind für Motorenmann Oliver Vollrath der Beweis, dass Diesel wie diese definitiv auch weiterhin eine Zukunft haben werden. Nicht umsonst ist das Triebwerk bereits auf künftige Normen ausgelegt und imponiert mit bis zu 700 Nm genauso wie mit einem Normverbrauch von bestenfalls 5,1 Litern.

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Noch mehr Eindruck schindet allerdings der neue V6-Benziner, den es mit 367 PS im S450 und als S500 mit 435 PS gibt. Natürlich ist das eine Mogelpackung, weil den 500er bei Mercedes seit Urzeiten ein Achtzylinder treibt. Doch wer sich von Zahlenspielen und Statusdenken freimachen kann und nicht ganz so genau hinhört, der macht schnell seinen Frieden mit dem Fake-V8. Denn 48 Volt-Technik, Startergenerator und elektrischem Verdichter sei dank, ist der S500 mit bis zu 520 Nm und einem Sprintwert von 4,8 Sekunden so spontan und souverän, wie man es von einem Achtzylinder erwartet. Nur dass er dabei mit einem Normverbrauch von 6,6 Litern nahe an einen Vierzylinder kommt.

Dummerweise muss man sich fast zwingen, um die neuen Antriebe artgerecht genießen zu können. Denn die S-Klasse entwickelt sich mit der Modellpflege wieder ein Stück weiter zum Chauffeursauto – und zwar auch dann, wenn man allein im Wagen ist. Denn Intelligenz und Einflussbereich der Assistenzsysteme werden wieder ein bisschen größer. Dank der Verknüpfung mit den aktuellen Here-Karten schauen die Helfer weiter voraus und passen das Fahrverhalten nun auch dem Streckenverlauf an. Wer auch auf der Landstraße mit Tempomat fährt, bremst deshalb automatisch auch vor Kurven oder Kreisverkehren auf ein komfortables Tempo herunter und auf der Autobahn muss man künftig nur noch den Blinker antippen, damit die S-Klasse bei nächster Gelegenheit selbst die Spur wechselt.

Damit man bei so viel Unterstützung nicht wegdämmert oder vor Langeweile zergeht, empfehlen sich die neuen Energizing-Funktionen, bei denen Klimaanlage, Beduftung, Massage, das jetzt in 64 Farben changierende Ambientelicht und die Musikanlage sechs fein orchestrierte Wellness-Programme für alle Stimmungslagen starten und die Sorgen des Alltags in weite Ferne rücken. Spätestens dann sind auch alle Gedanken an einen Audi A8 oder einen BMW Siebener vergessen.

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Mercedes-Benz S-Klasse S 560

Also alles bestens im besten Auto der Welt? Nicht ganz. Dass mit dem neuen Lenkrad und seinen Blackberry-Tasten jetzt die Bedienung für den Tempomat in die Speichen gerutscht ist, daran wird man irgendwann sich gewöhnen. Doch dass Mercedes im Modelljahr 2018 noch immer keinen Touchscreen einbaut, das kommt einem angesichts der Konkurrenz vor wie in der Steinzeit.

Die Motoren völlig neu, das Cockpit modernisiert und mit den buchstsäblich erfrischenden Wellness-Funktionen fast schon eine Spa-Klasse, so hat Chefingenieur Storp tatsächlich noch einmal jede Menge aus der S-Klasse herausgeholt. Und war dabei offenbar so sehr mit Antrieb und Ausstattung beschäftigt, dass es für einen neuen Auftritt nicht mehr gereicht hat. Denn abgesehen von frischen Frontscheinwerfern mit künftig drei markanten Streifen für das Tagfahrlicht und Rückleuchten mit Stardust-Optik ist die neue S-Klasse zumindest von außen ganz die alte.



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