Schlaumeier und Schönheitskönig: So will der Nissan Micra zum Star der Stadt werden

Er war mal eine ganz große Nummer unter den Kleinwagen. Doch in den letzten Jahren ist der Nissan Micra irgendwie vom Radar verschwunden. Zu brav, zu bieder und zu langweilig war die vierte Generation geraten, als dass sie sich neben Autos wie dem Mazda 2, den Seat Ibiza und erst recht neben Ford Fiesta, VW Polo oder Renault Clio hätte behaupten können. Doch mehr als 30 Jahre nach dem Debüt des Millionendings holt Nissan jetzt in Paris zum Gegenschlag aus: Wenn im März die fünfte Generation an den Start geht, will sie europäischen Kleinwagenkunden buchstäblich den Kopf verdrehen und sich so zum Star in der Stadt aufschwingen, verspricht Firmenchef Carlos Ghosn: „Als der erste Micra kam, war das eine Revolution unter den Kleinwagen und ein neues Kapitel für Nissan. Und genau wie damals werden wir auch diesmal wieder die Latte für das höher legen, was man von einem Kleinwagen erwarten kann“, sagt Ghosn und will sich mit den besten in dieser Klasse messen.

Dabei setzen die Japaner vor allem auf ein markantes Design. So, wie sie mit Qashqai und Juke den Markt aufgemischt haben, will auch der Micra frischen Wind in sein Segment bringen und macht deshalb Schluss mit der lustlosen Langeweile seines Vorgängers. Stattdessen gibt es ganz im Stil der Studie Sway ein ausdrucksstarkes Gesicht mit winzige Kühlergrill, riesigen Scheinwerfern und Sicken in der Motorhaube, die ähnlich große Augenbrauen imitieren, wie sie Firmenchef Ghosn im Gesicht trägt. Die Flanke ist dominiert von einer zackigen Sicke, die jedes Coupé schmücken könnte, das Dach scheint dank der schwarz gehaltenen C-Säule förmlich zu schweben und das Heck ist geprägt von Rückleuchten, die wie Bumerangs geformt sind.

Aber der Micra will nicht nur scharf aussehen, sondern auch schlau sein. Deshalb übernimmt er ein paar Technologien seiner größeren Geschwister und wird so zum technologischer Vorreiter im Segment: Als erster Kleinwagen bietet er deshalb den Around View Monitor, der den Wagen beim Rangieren aus der Vogelperspektive zeigt, und zum ersten Mal in dieser Liga warnt die Elektronik nicht nur beim Verlassen der Fahrspur, sondern greift dem Fahrer zur Kurskorrektur auch automatisch ins Lenkrad.

Während der Micra also bei Design und Technik ein ganz Großer sein will und zugunsten des Innenraums auch im Format in jeder Dimension ein paar Zentimeter zulegt, regiert unter der Haube eine neue Bescheidenheit. Denn zum Start gibt es neben einem Diesel mit 1,5 Litern Hubraum allein einen 0,9 Liter großen Dreizylinder-Benziner. Beide Motoren arbeiten mit Turbo-Technik und kommen auf 90 PS. Später im Jahr soll ein 1,0 Liter großer Vierzylinder folgen, der mit 75 PS zum Einstiegsmodell wird und den Preis auf rund 11 500 Euro drücken dürfte.

Mit dem neuen Micra, der nicht wie für den Rest der Welt in Indien, sondern als erster Nissan in einer Fabrik des Allianzpartners Renault im französischen Flins vom Band läuft, machen die Japaner zwar einen großen Schritt nach vorn. Doch für das selbstgesteckte Ziel vom japanischen Designführer wird ein pfiffiger Kleinwagen allein nicht reichen. Wirklcih spannend wird es deshalb erst in gut einem Jahr, wenn auf Basis des neuen Micra auch der nächste Juke kommt. 



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