Mercedes legt den Schalter um: So wollen die Schwaben endlich mit dem Strom schwimmen

Generation EQ, Exterieur

Generation EQ

Der elektrische Smart von 2007 war für Dieter Zetsche nur der Anfang. „Jetzt legen wir den Schalter“, verspricht der Daimler-Chef und kündigt auf dem Pariser Salon eine Elektro-Offensive an, mit der die Schwaben alle Fahrzeugsegmente von der Kompakt- bis zur Luxusklasse abdecken wollen. Dafür entwickeln sie nicht nur eine neue Architektur, die in jeder Dimension flexibel ist und vom Radstand über die Spurweite bis zur Batteriekapazität und der Motorleistung weitgehend frei skaliert werden kann. Sondern sie heben gleich auch eine neue Submarke aus der Taufe: So wie es für die sportlichen Kunden AMG und für die verwöhnten Besserverdiener Maybach gibt, wollen sie die elektrische Intelligenz künftig mit „EQ“ bedienen. „Denn emissionsfreie Automobile sind die Zukunft“, ist Zetsche überzeugt und will EQ zu einem umfassenden elektrischen Ökosystem machen. „Und unsere neue Marke geht deshalb weit über das E-Fahrzeug hinaus und steht für ein umfassendes Portfolio aus Services, Technologien und Innovationen.“

Als Vorboten dieser neuen Zeit rollen sie in Paris auf mächtigen 21-Zöllern die Studie „Generation EQ“ ins Rampenlicht. Auf den ersten Blick eine Art GLC Coupé von übermorgen, soll der aalglatte Viersitzer ohne Türgriffe oder Spiegel die Messegäste einstimmen auf ein „elektrifiziertes Design“, das ganz neue Stilmerkmale zeigt. Außen ist das vor allem die schwarz verglaste Frontpartie, die den einstigen Kühlergrill nur noch als blaue Illumination kennt und auch den großen Stern mit weißen Leuchtdioden nachbildet. Und innen ist das eine coole Cockpitlandschaft fast ohne Schalter und Knöpfe. Stattdessen gibt es ein virtuelles Cockpit, das breiter ist als in der neuen E-Klasse und Touchscreens, wo man auch hinschaut: Egal ob im Lenkrad, auf der schwebenden Mittelkomsoleoder in den Türkonsolen – überall reicht ein Fingertipp auf einem Bildschirm, und der EQ ist zu Diensten. Nur auf die traditionelle Sitzverstellung in den Türen wollten die Schwaben offenbar nicht verzichten.

Generation EQ

Generation EQ

Unter der coolen Karosse steckt eine Plattform, die mit einem intelligenten Mix aus Stahl, Aluminium und Karbon die Schwere zwischen Kosten und Gewicht eng geschlossen hält und Platz bietet für eine skalierbare Antriebs-Architektur. Für den Messeauftritt mit der maximalen Auslegung bestückt, kommt der EQ mit zwei Motoren auf 300 kW/408 PS und 700 Nm, die einen Sprint von 0 auf 100 in weniger als fünf Sekunden ermöglichen. Die Akkupacks im Wagenboden haben eine Kapazität von 70 kWh und sollen für bis zu 500 Kilometer reichen. Einmal leergefahren, lassen sie sich induktiv oder an der Steckdose mit den unterschiedlichsten Systemen laden. Dabei reichen im besten Fall fünf Minuten, um den Strom für 100 Kilometer nachzutanken.

Zwar nennt Daimler-Chef Zetsche das autonome Fahren neben er Connectivity, dem Sharing-Gedanken und der Elektrifizierung des Antriebs als eine der vier Säulen, auf die sich Mobilität bei Mercedes künftig stützen wird. Doch vom vollständigen Autopiloten ist beim Generation EQ noch nicht die Rede. Stattdessen will Mercedes die Fahrerassistenz weiter ausbauen und die Freizeit für den Fahrer so zumindest schrittweise erhöhen. Dabei setzen die Schwaben neben der intelligenten Fusion der Sensordaten vor allem auch die dreidimensionalen Karten des Providers HERE, den sie zusammen mit Audi und BMW vor Jahresfrist gekauft haben und der für Generation EQ zum ersten Mal eine Landkarte in Echtzeit bereitstellt.

Generation EQ

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Auch wenn Mercedes mit der Premiere von Paris den Schalter umlegen will, wird es noch etwas dauern, bis in Stuttgart das Licht der Elektromobilität so richtig hell erstrahlt. Denn vor Ende des Jahrzehnts ist mit dem ersten Serienmodell nicht zu rechnen. Gut, dass es bis dahin immerhin den elektrischen Smart gibt, dessen Reichweite für das lange Vorspiel gerade noch einmal aufgestockt wurde.



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