CrossOver im Kimono: Als Infiniti QX30 wird der Mercedes GLA jetzt zum Japaner

Infiniti-Chef Roland Krüger hat beim Blick auf die Statistik gut Lachen: „Wir sind die am schnellsten wachsende Premium-Marke der Welt“, freut sich der einstige BMW-Manager und schaut besonders gerne auf die Daten aus Deutschland. Denn ausgerechnet dort, wo die wichtigsten Wettbewerber zu Hause sind, hat die noble Nissan-Schwester sogar 100 Prozent zugelegt und im ersten Halbjahr schon so viele Autos verkauft wie 2015 zusammen. Soweit so gut. Dumm nur, dass die Basis für die Verdopplung so klein ist und am Ende für Januar bis Juni eben doch nur 1 120 Neuzulassungen in den Büchern stehen. Doch der Trend weist zumindest in die richtige Richtung, sagen die Japaner und hoffen, dass er sich jetzt sogar noch einmal beschleunigt. Schließlich flankieren sie ihren Wachstumsbeschleuniger Q30 nun mit dem trendigen QX30, der in diesen Tagen zu Preisen ab 38 600 Euro in den Handel kommt.

Dass einem der 4,43 Meter kurze Cross-Over verdächtig bekannt vorkommt, hat einen guten Grund. So, wie der Q30 von der Mercedes A-Klasse abgeleitet wurde, ist der QX30 ein GLA im Kimono. Allerdings haben die Japaner den aufgebockten Kompakt-Sportler außen wieder hübsch neu eingekleidet, ihm den typischen Infiniti-Grill ins Gesicht gepflanzt, die Scheinwerfer dem menschlichen Auge angepasst und vor allem ihren eigenwilligen Schwung ins Blech der D-Säule geschnitten, der an die erste und letzte Phase im Lauf des Mondes erinnern soll.

Innen dagegen hat sich im guten wie im schlechten wenig geändert. Es bleibt bei der bequemen Sitzposition in der ersten und dem mäßigen Platzangebot in der zweiten Reihe, bei vertrauten Instrumenten und einer schrägen Mischung aus noblem Leder und nüchternem Kunststoff. Nur das Navi haben die Japaner ausgetauscht und neben den geänderten Controller gleich auch noch den Schalthebel aus dem Stuttgarter AMG-Modell geschraubt. Denn eine Lenkradschaltung war ihnen offenbar doch zu viel des guten.

Auch die Technik ist sattsam bekannt. Allerdings übernimmt Infiniti eine strenge Vorauswahl und bietet den QX30 nur in einer einzigen Variante an: Als 2,2-Liter-Diesel mit 170 PS, Doppelkupplung und Allradantrieb an. Mit bis zu 350 Nm beschleunigt der QX30 damit in 8,5 Sekunden von 0 auf 100, schafft bei Vollgas akzeptable 215 km/h und ist zumindest auf dem Prüfstand mit 4,9 Litern zufrieden.

Obwohl dieser Triebstrang genau so auch im GLA zum Einsatz kommt, wirkt er im Infiniti irgendwie ein bisschen sanfter, gelassener und unter dem Strick komfortabler. Wo die Schwaben im übertriebenen Bemühen um Jugendlichkeit ein bisschen weit gegangen sind, erlauben sich die Japaner mehr Ruhe und Reife. Aber ob das allein reicht, um die Kunden vom Original oder starken Konkurrenten wie dem Audi Q2, dem BMW X1 oder dem Mazda CX-3 weg zu locken darf bezweifelt werden. Zumal der Preisvorteil gegenüber dem GLA bei nur etwa 2 000 Euro liegt und man noch immer lange nach einem Infiniti-Händler suchen muss: Gerade mal zehn Center und sieben Servicepunkte haben die Japaner bislang und sind schon froh, wenn sie am Jahresende drei Dutzend Nadeln in die Deutschlandkarte stecken können.

Zwar hat Infiniti beim Sturm aufs Establishment also noch einen weiten Weg, und selbst wenn der verkappte GLA das Zeug zum meistverkauften Modell hat, wird er es alleine nicht richten können. Doch ein Etappenziel haben die Japaner schon mal erreicht: Zumindest in Deutschland haben sie gerade den Erzrivalen Lexus überholt.



Einen Kommentar hinterlassen