Gernegroß mit neuem Grinsen: So will der Renault Clio die Pole Position halten

Er ist der Champion und er soll es auch bleiben. Deshalb frischt Renault jetzt drei Jahre nach dem Start den Clio auf und bringt Europas meistverkauften Kleinwagen mit retuschiertem Design, renoviertem Innenraum, raffiniertem Infotainment und erweiterter Motorauswahl an den Start. Nur eines ändert sich zum Verkaufsbeginn im September nicht: Der Preis. Der beginnt auch künftig mit 11 990 Euro für den Fünftürer und sieht wie bisher einen Kombi-Aufschlag von 1 000 Euro vor.

Nachdem der Clio das erste Auto mit dem neuen Familiengesicht aus der Feder von Designchef Laurens van den Acker war, zeigt er nun auch als erstes Modell eine zaghafte Evolution. Mit neuer Schürze und größeren Lufteinlässen schaut er ein bisschen entschlossener drein und grinst trotzdem ein wenig frecher, mit einer neuen Lichtsignatur ist er auch bei Nacht besser zu erkennen und mit der neuen Option auf LED-Scheinwerfer sieht er nicht nur besser aus, sondern man sieht auch besser hinaus.

Aber das große Augenmerk haben die Entwickler auf den Innenraum gelegt. „Fast alles, was man sehen und fühlen kann, haben wir neu gemacht“, sagt Projektleiter Fabien Orivel und rattert eine lange Liste vom Lenkrad über die Armaturentafel und die Türverkleidungen bis hin zu den Chromrahmen um die Instrumente herunter. Selbst den Handbremshebel und den Schaltknauf haben die Franzosen ausgetauscht, um das Wohlfühlambiente zu verbessern. Nicht nur das Platzangebot und mache Ausstattungsdetails erinnern damit an höhere Fahrzeugklassen. Auch das Ambiente zeugt davon, wie gerne der Kleine ein Großer wäre.

An der Technik ändert sich dagegen nur wenig. Es gibt ein Update für die Online-Navigation sowie eine soundgewatlige Bose-Anlage und die einzige Hardware-Premiere ist ein neuer Spitzendiesel. Wem die 75 oder 90 PS des 1,5-Liters nicht genügen, der bekommt den Vierzylinder deshalb jetzt auch mit 110 PS. Überraschend leise und angenehm kultiviert, mobilisiert er bis zu 260 Nm und schwimmt entsprechend souverän im Verkehr mit: 11,2 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 194 km/h. Selbst wenn er auf dem Papier ein bisschen hinter dem stärksten der drei Benziner zurück bleibt, ist er in der Praxis eine bessere Wahl als der schmächtige Turbo mit 1,2 Litern Hubraum und 120 PS. Es sei denn, man nimmt gleich das Sportmodell RS, das mit 200 oder 220 PS angeboten wird und mit bis zu 235 km/h über die linke Spur knüppelt.

Einziger Haken an dem starken Diesel ist der Preis. Weil es den potentesten Ölbrenner nur mit der noblen Intens-Ausstattung gibt, hat man immer mindestens 19 790 Euro auf der Rechnung. Zwar kann man sich darüber mit serienmäßigen Extras wie den ED-Leuchten oder der Schlüsselkarte hinweg täuschen. Aber man kann sich für das gleiche Geld eben auch einen nicht ganz so gut ausgestatteten Mégane kaufen.

Neue Schminke um die Nase, innen deutlich aufgewertet und ein Diesel mit ein bisschen Fahrspaß – damit wirkt der Clio drei Jahre nach dem Start frischer denn je. Nötig war das allerdings nicht, sagt Projektleiter Orivel: „Denn während andere Autos im Lauf ihres Modellzyklus langsam abbauen, sind die Zulassungszahlen beim Clio seit der Einführung kontinuierlich gestiegen und lagen Ende 2015 bei stolzen 410 000 Einheiten.“ Warum sie sich dann trotzdem die Mühe gemacht haben? „Weil wir unseren Platz an der Spitze verteidigen Wollen.“ Und mit dem Händen im Schoss könnte das ein bisschen schwierig werden.



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