Weltraum statt Wüste: Im neuen Touareg fühlt man sich wie Captain Future

Die Wüste war gestern, jetzt fühlt man sich wie im Weltraum. Denn wenn VW jetzt auf der Motorshow in Peking mit der Studie T-Prime GTE einen ersten Ausblick auf den für Ende 2017 erwarteten Nachfolger des Touareg gibt, verabschiedet sich der große Geländewagen gar vollends vom Abenteuer und wird zum Multimedia-Mobil für Besserverdiener.

Dafür steht vor allem das neue Cockpit, das die Niedersachsen „Curved Interaction Area“ nennen. Dafür verschmelzen sie die ohnehin schon komplett animierten Anzeigen aus Passat & Co mit einem gebogenen 15-Zoll-Bildschrim in der Mittelkonsole und machen mit einem neuen Bediensystem auch noch den letzten Schalter überflüssig. Alle Funktionen werden über Touchpanels, mit Gesten oder der Sprache gesteuert, sagt Entwicklungsvorstand Frank Welsch und stellt eine baldige Serienreife dieser Technologie in Aussicht: „Sehr schnell könnte diese Art des Human-Machine-Interface im Topsegment selbstverständlich werden. Fortschritt wird hier unmittelbar spürbar, weil das reale Automobil mit der heute ebenso realen virtuellen Welt verschmilzt.“

Gegen dieses spektakuläre Interieur wirkt das Exterieur beinahe schon beliebig. Dabei hat sich auch das Designteam um Stylingchef Klaus Bischoff viel Mühe mit dem Koloss aus der Norddeutschen Tiefebene gegeben. Aus der etwas pummeligen Wuchtbrumme wird deshalb ein schnittiger und scharfer Luxusliner von 5.07 Metern, der ein entschlossenes Gesicht in den Wind reckt, durch große Nüstern auf der Motorhaube atmet und sich nach hinten ungewöhnlich dünn macht. Das kann man nicht nur sehen, sondern auch messen. Weil der nächste Touareg in einen neunen Baukasten wechselt, dürfte er genau wie sein Plattformbruder Audi Q7 beim Generationswechsel en paar Zentner abspecken.

Auch die Antriebstechnik ist neu und trotzdem wenig überraschend: Auf der Messe jedenfalls steht der Touareg von morgen mit einem Plug-In-Paket aus einem 2,0-Liter-Benziner und einer 100 kW starken E-Maschine, das auf 380 PS und 700 Nm kommt. Auf der einen Seite reicht das für einen Sprintwert von 6,0 Sekunden und ein Spitzentempo von 224 km/h. Und auf der anderen Seite kann der anderen Seite kann die noch immer zwei Tonnen schwere Wuchtbrumme damit nach 2,5 Stunden Ladezeit bis zu 50 Kilometer elektrisch fahren und kommt so auf einen Normverbrauch von nur noch 3,0 Litern. Ist der Akku leer, steigt der Verbrauch allerdings auf 8,0 Liter.

Zwar dauert es noch knappe zwei Jahre, bis der neue Touareg tatsächlich an den Start geht und mangels eines neuen Phaetons zum Flaggschiff der VW-Flotte wird. Doch erstens wird es mit den Niedersachsen bis dahin ja nicht langweilig auf der Buckelpiste. Schließlich stehen allein drei Varianten des Tiguan, ein SUV im Poloformat und ein neuer Kraxler in der Golf-Klasse auf dem Plan. Und zweitens ist die Botschaft unmissverständlich: VW kommt spät, aber dafür gewaltig. Nicht umsonst wollen die Niedersachsen bis zum Ende der Dekade in jedem relevanten Segment mindestens ein SUV anbieten.



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