Speedy Gonzales: Mit 192 PS wird der aufgefrischte Seat Ibiza Cupra gar vollends zur spanischen Spaßgranate

Ibiza CupraDie Avenida Diagonal, die Ramblas oder die Ronda Litoral – wer mit dem Auto durch Barcelona fährt, dem reicht eigentlich das Basismodell des Seat Ibiza mit  75 PS. Denn so dicht wie die Straßen der katalanischen Hauptstadt die meiste Zeit sind, gibt es keinen Grund für mehr Motorleistung. Doch man muss nur einmal hinauf auf den Tipidabo und von dort aus möglichst nah an der Luftlinie nach Mortorell fahren, dann weiß man, weshalb Seat dort in seinem Stammwerk seit 1996 auch einen Ibiza Cupra baut. Denn nur ein paar Ampeln jenseits des Stadtzentrums schlängeln sich in einsame, kurvige Sträßchen durchs Küstengebirge, die wie gemacht sind für einen übermotorisierten Kleinwagen. Erst recht, wenn der jetzt für das letzte Drittel seiner Laufzeit noch einmal aufgefrischt wird,  dabei zu Preisen ab künftig 23 060 Euro noch ein bisschen mehr Muskeln und vor allem eine elektronische Differentialsperre bekommt.

 

Ibiza CupraWie seine braven Brüder außen nur dezent retuschiert und innen vor allem an neuer Elektronik mit größerem Touchscreen und besserer Smartphone-Integration zu erkennen, stürmt der spanische Bruder des VW Polo künftig nicht mehr mit 180, sondern jetzt 192 PS durch die Serpentinen. Dazu haben die Entwickler – und das ist noch viel wichtiger – das Drehmoment des 1,8 Liter großen Turbos für den scharf gemachten Spanier von 250 auf 320 Nm angehoben und die Bandbreite deutlich erweitert. Jetzt ist die maximale Anzugskraft schon bei 1.450 Touren abrufbar und reißt vor 4 200 Touren nicht wieder ab. Auf dem Papier bedeutet das jetzt einen Sprintwert von 6,7 Sekunden und ein Spitzentempo, das künftig bei 235 km/h – immerhin 0,5 Sekunden weniger und zehn km/h mehr. Außerdem können sich Theoretiker über einen Verbrauch freuen, der auf 6,0 Liter zurück geht.

 

Ibiza CupraAber wichtiger ist etwas anderes: Die Praxis. Da steht das neue PS-Paket für einen Fahrspaß, wie in Seat in dieser Klasse noch nicht geboten hat. Denn der zumindest innen leider ein wenig zu leise Cupra reagiert spürbar giftiger auf jeden Gasstoß, beißt sich wütend in den Asphalt und kommt vor allem noch besser durch die Kurven. Dafür sorgt besonders die elektronische Differential-Sperre XDS, die man zum Beispiel aus dem Golf GTI kennt. Durch gezielte Bremseingriffe reduziert sie die Tendenz zum Untersteuern und vermittelt einem so das Gefühl, den Wagen auch in schnelleren Kehren besser unter Kontrolle zu haben. Dazu eine wunderbar direkte Lenkung und ein Fahrwerk, dessen Härte man zusammen mit der Lenkkraftunetrstützung auf Knopfdruck verstellen kann – schon fühlt man sich auf den schmalen Slalomsträßchen wie Speedy Gonzales bei der Bergprüfung und hofft, dass der heiße Ritt durchs Hinterland von Barcelona so schnell noch nicht zu Ende geht. Das Schaulaufen auf den Boulevards der Stadt muss noch ein wenig warten, zumal der Cupra bei aller Liebe zur sportlichen Verfeinerung, zu ein paar Schwellern, Schürzen und Spoilern nun nicht gerade ein Blickfang ist.

Die Avenida Diagonal, die Ramblas oder die Ronda Litoral – sollen die Wirte ruhig die Stühle rausstellen und schon mal ein paar Tapas auftischen für all die 75 PS-Fahrer. Im Cupra wirken diese Lockungen nicht. Hier giert man nicht nach Pata Negra, sondern nach Passstraßen und statt Chorizo lässt man sich Kurven schmecken. Wer zum Teufel will schon nach Barcelona.



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