Luxus-Salon auf Rädern: Waschen, fönen, fahren

Gut getarnt: Von außen sieht der rollende Salon aus wie jeder andere Sprinter.

Gut getarnt: Von außen sieht der rollende Salon aus wie jeder andere Sprinter.

Wer sagt denn, dass der Berg nicht auch mal zum Propheten kommt? Zumindest dann kann das zutreffen, wenn es um so profane Dinge wie einen Haarschnitt geht, man zufällig in Beverly Hills wohnt und zudem die Telefonnummer von Twain Taylor kennt. Denn der Figaro hat aus dem Diskretionsdrang und der Zeitnot vieler Promis ein Geschäftsmodell Tugend gemacht und für Hollywoods High Society den wahrscheinlich ersten Friseursalon auf Rädern eröffnet. Weil sich Stars und Sternchen nun ungern schlecht frisiert oder frisch eingeschäumt von Paparazzi erwischen lassen, aber auch kein haariges Badezimmer im eigenen Haus haben möchten, bietet der Mister Taylor der Schickeria seit knapp einem Jahr den schnellen Schnitt vor der eigenen Haustüre an – und ist fast jeden Tag ausgebucht.

 

Findiger Figaro: Twain Taylor hat sich den Barber-Van ausgedacht und 50.000 Dollar in den Umbau investiert.

Findiger Figaro: Twain Taylor hat sich den Barber-Van ausgedacht und 50.000 Dollar in den Umbau investiert.

Logisch, dass sich Taylor den Service gut bezahlen lässt: Eine schlichte Rasur kostet 150 Dollar; Waschen, Legen, Föhnen werden mit 250 Dollar berechnet und das Verwöhnpaket mit Schnitt, Rasur und Hot-Towel-Treatment gibt es für 450 Dollar. In Bel Air, am Rodeo Drive oder am Wilshire Boulevard ist das kaum einem Kunden zu teuer, und so fährt er von Villa zu Villa, parkt bisweilen direkt neben einem roten Teppich, oder auch mal vor dem Football-Stadion und am Flughafen und macht manchen Star bisweilen auf die letzte Minute schick für den großen Auftritt.

 

„Es gibt hier einfach jede Menge Leute, die viel Geld und wenig Zeit haben“, umreißt der Barbier von Beverly Hills seine Geschäftsidee, das offenbar voll aufgeht. Denn Taylor ist so gut gebucht, dass er für Aufträge mit weniger als 48 Stunden Vorlauf sogar 100 Dollar Aufpreis nehmen kann. Natürlich wird auch die Anfahrt in Rechnung gestellt und mittlerweile beschäftigt Taylor immer öfter auch einen Fahrer, damit er Zeit für den Salon an. Dass er allerdings auch während der Fahrt schneidet, das ist noch nicht vorgekommen. Er würde es auch nicht tun, schon aus Sicherheitsgründen. Wer die Straßen von Los Angeles kennt, der weiß, dass dies eine kluge Entscheidung ist.

 

Feiern und Föhnen: Taylor will, dass seine Kunden maximale Entspannung genießen - etwa mit Schampus und Schmusesongs.

Feiern und Föhnen: Taylor will, dass seine Kunden maximale Entspannung genießen – etwa mit Schampus und Schmusesongs.

Taylor ist ein Friseur, wie es das Klischee verlangt – überdreht, überkandidelt und so schillernd, dass selbst die Herren Glööckler oder Moshammer gegen ihn wirken würden wie Durchschnittsmenschen. An Taylors Ohren funkeln Brillanten, das Zähne strahlen wie Spotlights am Filmset und der schwarze Anzug mit den Mercedes-Sternen auf den Manschettenknöpfen sitzt perfekt.

 

Klar auch, dass es für einen Coiffeur dieses Kalibers mit einem normalen Kastenwagen nicht getan war. Statt einfach einen Stuhl in einen x-beliebigen Van zu schrauben, hat er sich einen Mercedes Sprinter binnen zwölf Wochen für mehr als 50.000 Dollar zum Luxussalon umrüsten lassen und damit den Wert des Lieferwagens mehr als verdoppelt: Parkett auf dem Boden, Holzvertäfelung an den Wänden, dazu Lederüberflächen, etliche Spiegel, Spotlights sowie Bildschirme fürs Unterhaltungsprogramm. Und wie ein Thron steht in der Mitte ein riesiger Ledersessel mit verchromter Fußlehne und Mercedes-Stern in der Kopfstütze, der jedes Filmset schmücken würde. Dazu gibt’s jede Menge Hightech und Handwerkszeug: Für Kurzweil sorgen WLAN-Router, Satelliten-Fernsehen mit hunderten von Kanälen, eine gut gefüllte Minibar und der eingebaute Humidor. Und damit Twain einen guten Job machen kann, gibt es nicht nur ein Standbecken mit fließend warmem und kaltem Wasser, dutzende von Rasieren, Scheren, Kämmen, Bürsten und Föns, sondern auch ein Fach mit klimatisierten Handtüchern, Reinigungsboxen fürs Werkszeug und sogar einen automatischen Staubsauger, hinter dessen gefräßiger Klappe mit einem Wisch die abgeschnittenen Haare verschwinden.

 

Rasieren auf Rädern: Taylors Kunden fehlt meist die Zeit für einen Besuch im Friseursalon.

Rasieren auf Rädern: Taylors Kunden fehlt meist die Zeit für einen Besuch im Friseursalon.

„Das war so zimmlich das kniffligste Auto, das wir bislang gebaut haben“, sagt Ron Weaver, dessen Firma Automotive Design & Fabrication in San Fernando im etwas schmuddeligen Norden von Hollywood die Umrüstung übernommen hat. Dabei kennt sich Weaver mit solchen Extrawürsten eigentlich aus. Schließlich baut er im Jahr mehr als 300 Sprinter aus und um, von denen viele bei den Stars und Sternchen im Einsatz sind – und sei es nur als Kombination aus Wohnmobil und Werkstattwagen für Motorradausflüge in die nahe Wüste.

 

Rapper, Soap-Schauspieler, Tänzer, TV-Moderatoren, Nachrichtensprecher, Spitzensportler, Filmproduzenten, Regisseure oder Modemacher – auf Twain Taylors seinem Ledersessel hat schon so ziemlich alles gesessen, was im jungen und mehrheitlich schwarzen Hollywood Rang und Namen hat – und kurze Haare. Denn mit Locken kann man Taylor genau sowenig locken wie mit glatten Langhaar-Frisuren – wahrscheinlich, weil ihm die einfach zu lange dauern.

 

Der Kunde ist König - und thront deshalb auf einem Ledersessel, um den Taylor einen beeindruckenden Salon herum bauen ließ.

Der Kunde ist König – und thront deshalb auf einem Ledersessel, um den Taylor einen beeindruckenden Salon herum bauen ließ.

Zwar ist Twain tatsächlich ein Künstler an der Klinge, doch weiß der Selfmade-Mann, dass seine Kunden nicht nur wegen des schnellen Schnitts bei ihm Schlange stehen. „Viele Männer hier in Hollywood, die einen vollen Kalender oder eine anstrengende Frau haben, genießen vor allem die halbe Stunde Quality-Time, die ich ihnen bieten kann. Und wenn sie nur mal in Ruhe ein kaltes Bier trinken und ein bisschen fernsehen wollen“, sagt der findige Geschäftsmann mit Blick auf den riesigen Bildschirm und die prall gefüllte Minibar gegenüber des großen Stuhls. „Kein Wunder, dass ich bei jedem wichtigen Football-Spiel auf Wochen ausgebucht bin.“