Subaru WRX STI: Es gibt noch echte Flügelstürmer

Nichts für Feld, Wald und Wiese: Dieser Subaru ist vor allem für die Rennstrecke gemacht.

Subaru? Das ist doch die Allradmarke mit den rustikalen Kombimodellen für Feld, Wald und Wiese, oder? Stimmt schon, doch es gibt Ausnahmen. Denn zumindest für die Rallye- und Renngemeinde mit einem Faible für Feger aus Fernost ist Subaru durchaus auch ein Vollgas-Schwerkaliber. Lange bevor Citroen und erst recht VW die Hatz auf den Schotter- und Staubpisten dominierten, steuerte PS-Profi Collin McRae in Subaru-Rallye-Rennwagen wiederholt zum Weltmeistertitel. Die Autos mit dem Namenskürzel WRX STi wurden von den Fans verehrt und brachten es nach ganz oben in den Charts der Playstation-Community. Damit das nicht vollends in Vergessenheit gerät, bringt Subaru den alten Rallye-Recken jetzt im neuen Gewand wieder zurück auf die Straße: Mit dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring fing es an, jetzt steht das Auto auch bei den Händlern.

In der neuen Generation ist der Subaru WRX STi nur noch als kompakte Limousine mit Stufenschnitt erhältlich, das alte Image als Krawallschachtel wird natürlich weiterhin gepflegt. Das Grundmodell ist zwar vergleichsweise dezent gestylt und nur an der große Hutze auf der Motorhaube sowie den breiten Kiemen in den vorderen Kotflügeln zu erkennen. Doch wer 3300 Euro Aufpreis hinlegt und die Variante „Sport“ bestellt, der bekommt das Auto mit einem riesigen Heckflügel, der so wunderbar provozierend und altmodisch aussieht, dass man sich schon wieder daran freuen kann. Fehlen eigentlich nur noch die goldenen Felgen von früher, die Subaru demnächst bei einem Sondermodell nachreichen will.

Nur keinen Abflug machen: Der riesige Flügel garantiert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Abtrieb.

Das Auto ist eine Schau. Erst recht, wenn man auf den Startknopf drückt und der 2,5 Liter große Boxer-Motor sein röhrendes Lied anstimmt. Mit Hilfe eines Turboladers kommt der Vierzylinder auf imposante 300 PS, und wer den Motor geschickt im engen Band der optimalen Drehzahl hält, der kann ihm bis zu 407 Nm Drehmoment entlocken. Das reicht, um den nicht nur wegen des Motors infernalisch lauten Flügelstürmer in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 zu prügeln und wenig später mit maximal 255 km/h den meisten kompakten Sportlerwagen davon zu fahren.

Aber der Sprint auf der langen Geraden ist im Subaru nur eine lästige Pflicht. Seine Kür sind die Kurven. Schließlich verfügt der Wage nicht nur über Allradantrieb, sondern jetzt auch noch eine einstellbare Differential-Sperre. Per Knopfdruck lässt sich so die Traktion an beiden Achsen variieren und wahlweise mit ausgeglichener Kraftverteilung scharf und schnell durch die Kehren schneiden oder mit etwas mehr Last am Heck spektakulär im Drift durch die Radien rasieren. Wie immer man es an- und einstellt: Spaß macht diese rasante Zeitreise allemal. Zumindest, solange man nicht auf den Bordcomputer schaut. Sind schon die 10,4 Liter Durchschnittsverbrauch aus dem Normzyklus ein stattlicher Wert, zeigt das Display bei beherzter Fahrweise ruckzuck fünf bis acht Liter mehr.

Boxer mit Punch: Der 2,5 Liter große Vierzylinder kommt auf 300 PS - genug für 255 km/h.

Zwar lodert das alte Feuer schon nach ein paar Kilometern wieder lichterloh und moderne Kompaktsportler wie der VW Golf R oder erst recht der Golf GTI, der Opel Astra OPC oder der Renault Mégane RS wirken plötzlich ziemlich farb- und freudlos. Doch so schnell wie die Begeisterung aufflammt, ist sie auch wieder erkaltet. Zumindest, wenn man den Subaru im Alltag bewegen will. Denn bei aller Liebe zur rasanten Vergangenheit gewinnen Verstellfahrwerke plötzlich ungeheuer an Reiz, wenn einen das Auto beispielsweise auf einer zweistündigen Fahrt von A nach B brutal durchgeschüttelt hat. Nach dem dritten Irrläufer in dem in den unteren Gängen etwas hakeligen Sechsganggetriebe wächst die Sehnsucht nach einer zeitgemäßen Doppelkupplung. Und für den Wunsch nach ein paar Assistenzsystemen oder einem voll integrierten Navigationssystem muss man sich auch nicht schämen. Ach ja, und wo wir gerade dabei sind: Ein bisschen weniger Hartplastik und Karbon-Imitat und stattdessen ein paar modernere Instrumente wären auch kein Schaden.

Immerhin sind nicht nur das Ambiente (leider), der Auftritt und der Antritt (Gott sei Dank) ein bisschen von gestern, sondern auch die Preise machen eine Rolle rückwärts. Denn um neben den Hardcore-Fans auch ein paar ambitionierte Neueinsteiger zu erreichen, hat Subaru den Einstiegspreis um 7500 Euro gesenkt und verkauft den WRX STI ab sofort ab 41.900 Euro.


Audi A3 Clubsport Quattro Concept: Kraftakt in der Kompaktklasse

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Sportlich, nicht spießig: Mit 525 PS rennt dieses Stufenheck 310 km/h – das fegt auch das letzte Staubkörnchen vom Kofferraumdeckel.

Schluss, aus, Ende, vorbei: Audi will sich von BMW und Mercedes nicht länger vorführen lassen und schlägt jetzt zurück. Nachdem die beiden Konkurrenzmarken dem A3 mit dem 306 PS starken BMW M 235i und der 360 PS-Granate Mercedes CLA 45 AMG die Schau gestohlen haben und selbst der VW Golf R mit 300 PS das Niveau des letzten Audi RS3 erreicht, lassen die Ingolstädter jetzt die Muskeln spielen und rütteln am Kräfteverhältnis in der Kompaktklasse – mit dem A3 Clubsport Concept. Das Schaustück, das seine Weltpremiere auf dem GTI-Treffen am Wörthersee feierte, knackt nämlich sogar die 500-PS-Marke und lässt damit selbst etliche Porsche-Typen alt aussehen.

In Fahrt bringt die in magnetic-blue lackierte Sportlimousine der von den Fans geliebte Fünfzylinder-Turbomotor, der in der bislang stärksten Ausbaustufe auch im TT RS zum Einsatz kommt. Während dort allerdings bei 360 PS Schluss ist, satteln die Bayern bei der Studie mit Hilfe eines größeren Laders und mehr Ladedrucks noch einmal 50 Prozent drauf und kommen so auf den Fabelwert von 525 PS. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment auf 600 Nm und ermöglicht zusammen mit dem standesgemäßen Quattro-Antrieb und einem Leistungsgewicht von 2,9 Kilogramm pro PS Fahrleistungen, von denen man in der Kompaktklasse bislang kaum zu träumen wagte. Von 0 auf 100 beschleunigt der blaue Blitz in 3,6 Sekunden. Damit nimmt er nicht nur dem schon erwähnten BMW 1,2 Sekunden und dem Mercedes 0,9 Sekunden ab, sondern lässt sogar einen Porsche 911 (Sprintwert 4,1 Sekunden für den Carrera 4S) beim Kavalierstart stehen.

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Das dicke Ende: Der Auspuff ist auf maximalen Durchsatz ausgelegt – die Ohren werden es den Entwicklern danken.

Nur ein fixer Start alleine war den Audi-Entwicklern aber zu wenig. Sie versprechen für die Studie auch eine irrwitzige Kurvendynamik und setzen zu diesem Zweck auf eine radselektive Momentensteuerung für den perfekten Drift. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei 310 km/h – da werden CLA 45 und M 235i im Rückspiegel ganz klein. Und natürlich haben sich die Audi-Leute auch beim Thema Verzögerung etwas einfallen lassen. Um die Kraft zu zähmen, setzten sie nicht nur auf Karbonbremsscheiben in den markanten 21-Zoll-Felgen, sondern schrauben auch eine Air-Brake auf den Heckdeckel: Wenn der Fahrer in die Eisen steigt, stellt sich dieser Spoiler in Sekundenschnelle senkrecht in den Wind und verkürzt so den Bremsweg aus Tempo 250 um zwölf Meter.

Zum potenten Antrieb, dem strammen Fahrwerk und der leichten Karosserie gibt es ein etwas aufdringliches Design, das vor allem auf den Geschmack der GTI-Fans am Wörthersee abgestimmt ist. Von der Seite gesehen ist der Wagen noch einigermaßen unauffällig, doch vorn reißt die Limousine ihren in Karbon gefassten Kühlerschlund soweit auf, als wolle sie ihre Konkurrenten förmlich verschlingen. Und am hinteren Ende kommen sie dann aus den armdicken Endrohren links und rechts des mächtigen Diffusors wieder heraus. Zusammen übrigens mit einem Sound, der nicht minder spektakulär sein dürfte: Wenn Ansaug- und Abgasanlage auf maximalen Durchsatz ausgelegt sind, wird aus dem Rhythmus des Fünfzylinders ein wütendes Fauchen. Angesichts des Grundformats einer kleinen Stufenhecklimousine ist das geradezu furchteinflößend.

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Sportlicher Standard: Innen ändert sich im Vergleich zum S3 auf den ersten Blick nicht viel.

Offiziell ist das Clubsport Concept nur eine Studie. Doch der nach Ingolstadt zurück gekehrte, vormalige VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg hält sich zu Gute, dass die meisten seiner Schaustücke es auch auf die Straße geschafft haben. Zwar räumt Hackenberg ein, dass Audi mit diesem Schowcar in den Kategorien Leistung, Dynamik, Klang und Design ans Limit geht. Doch zugleich soll das Auto genau so auch demonstrieren, „wie viel sportliches Potenzial in der A3-Familie steckt.“ Wenn die Studie also mal kein Fingerzeig auf den nächsten RS3 ist – vielleicht nicht mit 525 PS. Aber 100 PS weniger wären ja auch schon weit mehr als genug.


VW Beetle Dune: Happy Hippie

Und hoch das Bein: Der Beetle für Beachboys steht fünf Zentimeter höher.

Und hoch das Bein: Der Beetle für Beachboys steht fünf Zentimeter höher.

Blumen im langen Haar, Stirnbänder und Wallekleider – früher oder später kommt alles wieder, sogar Automoden. Beispiel VW. Um die Langeweile zu vertreiben und den Lifestyle zu betonen, wird in Wolfsburg jetzt die Flower-Power-Ära aufgefrischt. In Form des Beetle Dune. Die Neuinterpretation des legendären Beach-Buggys wurde als Studie Anfang des Jahres auf der Autoshow in Detroit gezeigt, inzwischen hat der Vorstand grünes Licht für das Auto gegeben: Der Beetle für Strandfans geht in Serie. Und zwar nicht nur als Coupé wie auf der Messe zu sehen, sondern auf Wunsch auch oben ohne. Weil der Dune gründlich umgerüstet wurde und nicht nur ein paar bunte Plastikplanken trägt, muss der coole Käfer vor dem Serienstart allerdings noch das komplette Testprogramm mit Dauerlauf, Hitze- und Kältetest absolvieren. Und das bedeutet: Auf die Straße kommt das Auto erst 2016. Doch nach einer ersten Ausfahrt mit dem Showcar auf der Insel Sylt steht schon jetzt fest, dass sich das Warten lohnen wird.

Froh mit Farbe: Ein paar bunte Kleckse machen aus dem Beetle ein Gute-Laune-Auto.

Froh mit Farbe: Ein paar bunte Kleckse machen aus dem Beetle ein Gute-Laune-Auto.

Schon als Coupé ist der Dune ein Garant für gute Laune und wirkt aufs Gemüt so erfrischend wie eine Song von „The Mamas & The Papas“ an einem verregneten November-Tag. Der goldene Arizona-Lack funkelt mit der Sonne um die Wette, der verchromte Einsatz im Bug glänzt wie eine verspiegelte Pilotenbrille und die dicken Backen der um insgesamt fünf Zentimeter verbreiterten Kotflügel wirken erfreulich prall. Dazu wuchtige Stoßfänger mit Unterfahrschutz und fünf Zentimeter mehr Bodenfreiheit – schon fühlt man sich am Ellenbogen in List wie am Strand von Pismo Beach, wo Bruce Meyers vor 50 Jahren die erste Buggy-Karosse auf ein VW-Käfer-Chassis schraubte. Fehlt eigentlich nur noch der Allradantrieb, den VW der rustikalen Optik zum Trotz erst einmal nicht anbieten wird. Erstens, weil der Beetle noch nicht auf dem MQB-Baukasten des aktuellen Golf basiert und deshalb nicht so mir nichts dir nichts auf Vierradantrieb umgerüstet werden kann. Und zweitens, weil auch die originalen Buggys nur zwei angetriebene Räder hatten – und trotzdem über die Dünen der Baja California flogen wie wild gewordene Sandflöhe.

Käfer in Strandlaune: Bei der Entwicklung hatten die Niedersachsen die alten Beach-Buggys im Sinn.

Käfer in Strandlaune: Bei der Entwicklung hatten die Niedersachsen die alten Beach-Buggys im Sinn.

Während damals ein Vierzylinder-Boxer mit mageren 1,5 Litern Hubraum und 44 PS reichen musste, steckt diesmal – leider natürlich im Bug statt im Heck – ein potenter 2,0-Liter-Turbo unter der Haube, der schon dem Golf GTI Beine gemacht hat. 210 PS, rund 300 Nm Drehmoment und ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe reichen, um den Sandstrand umzupflügen oder nach dem Sundowner in der Sansibar rechtzeitig zum Dinner wieder bei Gosch in List zu sein. Nicht umsonst krabbelt der Käfer in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 und schafft 227 km/h. Von so viel Flowerpower konnten die Hippies in den Sechzigern nur Träumen.

Aber man müsse es ja nicht so toll treiben, sagt Matthias Zeuner, der das Produktmarketing für den Beetle leitet. Anders als die Cross-Modelle von Polo & Co soll es den Dune mit allen Motoren geben – also auch mit den jeweils 105 PS starken Basisaggregaten aus der Diesel- und Benzinersparte.

Das ist aber nicht die einzige Extrawurst, die Zeuner durchgesetzt hat. „Weil der Beetle einfach was Besonderes ist“, wird er nicht in die Cross-Familie eingemeindet, sondern darf als „Dune“ seinen eigenen Weg gehen. Und wo die Verantwortlichen in den anderen Baureihen lediglich die Fassade ein bisschen neu gestalteten, haben die Techniker diesmal sogar den Unterbau modifiziert. „Wir haben nicht nur neue Anbauteile montiert, sondern für die neuen Stoßfänger auch die Struktur an Front und Heck geändert“, sagt Zeuner. Und die knapp drei Zentimeter mehr Spurweite sowie die fünf Zentimeter mehr Standhöhe findet man bei den Cross-Modellen auch nicht.

Weniger Flower, mehr Power: Die Studie wird angetrieben von einem 210 PS-Turbomotor. In der Serie gibt's alle Beetle-Motoren ab 105 PS.

Weniger Flower, mehr Power: Die Studie wird angetrieben von einem 210 PS-Turbomotor. In der Serie gibt’s alle Beetle-Motoren ab 105 PS.

Innen hat das Kreativteam ebenfalls ein wenig umgeräumt. Das Arizona-Orange ziert Kedern und Konsolen, anstelle das Handschuhfachs feiert der bekannte Haltegriff aus dem Käfer sein Comeback und neben dem Cockpit prangt ein Display mit AMOLED-Technik, das sind Dioden, die viel präzisier und prägnanter leuchten. Auf dem Bildschirm läuft auch die nächste Generation der Navigationssoftware, die VW „Sideways“ nennt; neu an dem System ist, dass es selbständig Sonderziele vorschlägt. So zeigt der Pfadfinder zum Beispiel nicht nur Restaurants in der Nähe an, sondern er weiß auch, ob dort gerade Freunde des Fahrers sind und hilft so, Cliquen zusammenzubringen.

Ein eigenständiger Name, mehr Freiheiten für die Designer und größere Änderungen am Fahrwerk – das schlägt sich natürlich im Preis nieder. Während VW zum Beispiel beim Cross-Polo rund 1500 Euro aufschlägt, wird das Modell Beetle Dune wohl rund 3000 Euro mehr kosten als der normale Beetle. Das Dune Coupé dürfte also knapp 21.000 Euro kosten und das Dune Cabrio etwa 24.000 Euro.

Der Zukunft entgegen: Noch ein Jahr testen und entwickeln, dann startet der Beetle Dune Anfang 2016 in Serie.

Der Zukunft entgegen: Noch ein Jahr testen und entwickeln, dann startet der Beetle Dune Anfang 2016 in Serie.

Der Produktmanager sagt, er wolle den Spirit der Studie in die Serie retten. Aber wie so oft bleiben dennoch die pfiffigsten Lösungen auf der Strecke: Die taillierte Motorhaube mit den kessen Kühlrippen zum Beispiel ist nicht gut für die Aerodynamik und wird deshalb im Serien-Dune einem normalen Blechteil weichen. Der in den beiden Spoilern integrierte Halter für Ski und anderes Sportgerät wäre zu teuer – fällt also ebenfalls weg. Und auch im Innenraum wird es noch ein paar Abstriche geben. Der Tablet-Computer in der Mittelkonsole mitsamt seiner Sideways-Programmierung beispielsweise muss dem Seriensystem weichen, das aber mit CarPlay und Mirror Link zumindest Smartphones widerspiegeln kann. Und der lässige Haltegriff vor dem offenen Handschuhfach wurde von den Sicherheitsexperten wieder gestrichen. „Dann hätten wir den Airbag ändern und neue Crashtest machen müssen und noch ein paar Monate mehr verloren“, sagt Produktmanager Zehner. Gewartet haben die Fans auf so ein Auto allerdings schon lange genug. Die erste erste Studie eines neuen Strandkäfers stand bereits auf der Autoshow in Los Angeles – im Januar 2000.


Opel Corsa: Auf Adams Spuren

Tiefflug im Tarnkleid: Der Corsa geht vor der Serienfreigabe durch ein hartes Testprogramm.

Tiefflug im Tarnkleid: Der Corsa geht vor der Serienfreigabe durch ein hartes Testprogramm.

Zwölf Millionen Autos in vier Generationen und gut drei Jahrzehnten sowie im Schnitt 370.000 Kunden pro Jahr – so hat es der Kleinwagen Corsa zum wichtigsten europäischen Modell von Opel gebracht. Umso mehr dürfte es die Hessen schmerzen, dass ihr Bestseller inzwischen auf Platz fünf der Europa-Kleinwagen-Rangliste zurückgefallen ist und auch in Deutschland von VW Polo und Ford Fiesta nur noch die Rücklichter sieht. Doch geht es nach Menschen wie Werner Joeris, dann ändert sich das bald wieder. Denn Joeris ist der leitende Ingenieur für den neuen Corsa und bereitet den für diesen Herbst terminierten Generationswechsel vor: Auf dem Autosalon in Paris wird der Hoffnungsträger Weltpremiere feiern und dann kurz vor dem Jahreswechsel zu nahezu unveränderten Preisen ab knapp unter 12.000 Euro auf den Markt kommen. Die Ausgangslage könnte kaum besser sein: Nach Jahren der Krise steht Opel wieder einigermaßen erholt da: Die Verluste wurden halbiert, die Zulassungszahlen sind auf dem Weg nach oben und mit Neuheiten wie den Modellen Adam oder Mokka setzte Stimmungsumschwung ein. „Diesen Schwung wollen wir jetzt in ein Volumensegment bringen“, sagt Joeris.

Neues Auto, altes Format: Weil die Rohkarosse gleich bleibt, ändert sich an den Abmessungen nur wenig.

Neues Auto, altes Format: Weil die Rohkarosse gleich bleibt, ändert sich an den Abmessungen nur wenig.

Anders als beim Adam setzt Joeris beim Corsa allerdings auf ein weniger buntes Konzept, sondern auf innere Werte: Evolution statt Revolution lautet das Motto, Aspekte wie Fahrspaß, Fahrkomfort und die Fahrerassistenzsysteme stehen beim neuen Corsa im Mittelpunkt. Und der Innenraum. „Da wollen wir neue Standards setzen und die Kunden mit einem echten Sprung nach vorn überraschen“, so der Projektleiter. Premium ist angesagt, wo bislang Plastik dominierte.

Das bestätigen schon die ersten Prototypen, die jetzt einer kleinen Gruppe von Journalisten zur Abnahmefahrt bereitgestellt wurden. Von außen getarnt, so dass man nichts vom neuen Design erkennen kann, empfängt einen der Corsa innen mit reichlich Lack und Leder: Lenkrad, Handbremse oder Schaltknauf tragen feinen Lederbesatz mit aufwändigen Nähten und unter den Gummimatten, die zur Tarnung im Interieur angebracht wurden, blitzt jede Menge Chrom und Klavierlack durch. Dazu gibt’s den großen Touchscreen mit Navi-App und die bunten Klimaregler aus dem Adam. Nur die schlichten Instrumente mit den drögen Displays und die uralten Lenkstockhebel wollen nicht so recht ins frische Bild passen.

Drei gewinnt: Der neue Dreizylinder-Turbo mit 115 PS ist eine große Nummer.

Drei gewinnt: Der neue Dreizylinder-Turbo mit 115 PS ist eine große Nummer.

Angetrieben werden die Erlkönige allesamt von einem neuen Dreizylinder-Turbomotor, der vorerst an der Spitze der Antirebspalette stehen dürfte. Aus einem Liter Hubraum holt das Aggregat wahlweise 90 oder – wie in den Prototypen – 115 PS; die Maschine macht einen ausgesprochen munteren Eindruck. Sie dreht schnell hoch, die Turbo-Gedenksekunde ist kurz wie bei einem Twinscroll-Lader und mit bis zu 166 Nm Drehmoment kann man die Reifen beim Ampelspurt fast schon an die Haftgrenze bringen. „Die Freude am Fahren“, sagt Motorenentwickler Matthias Alt, „ist eben doch nicht nur in München zu Hause.“

Es ist aber nicht allein die Kraft, mit der das kleine Triebwerk überzeugen kann. Mehr noch überrascht es mit seiner Laufkultur: Dank einer Ausgleichswelle gibt es kein lästiges Gerüttel und Geschüttel und bis auf das dezente Nageln beim Anfahren haben die Hessen auch die Geräuschkulisse gut im Griff: Selten hatte ein Dreizylinder einen so sonoren Klang wie die neue Ecotec-Maschine.

Auf Kurs in die Zukunft: Der Corsa soll den Erfolg des Adam wiederholen.

Spurtstark, schnell und drehfreudig – so fährt der Dreizylinder bei der Testrunde durchs deutsch-französischer Grenzgebiet locker den stärkeren Vierzylinder-Modellen aus der aktuellen Baureihe davon. Zumal Entwickler Alt das kleine Kraftpaket endlich mit einem zeitgemäßen Sechsganggetriebe ausgerüstet hat, das mit kurzen Wegen und einer knackigen Abstufung überzeugt. Die Quittung für das flotte Kennenlernen präsentiert der Bordcomputer – mit Verbrauchswerten jenseits von sieben Litern. Die Opel-Leute werden das als Beleg für den versprochenen Fahrspaß und verweisen ansonsten auf den Prüfstandswert: der liegt bei 4,3 Liter Durchschnittsverbrauch und ist damit konkurrenzfähig. Außerdem gibt es ja für sparsame Gemüter noch zwei Dieselmotoren mit etwa 75 und 95 PS, die weniger als vier Liter Durchschnittsverbrauch bieten werden. Und wer schon beim Kauf sparen möchte, der bekommt im Basismodell auch einen Vierzylinder-Benziner mit etwa 75 PS.

Noch geheim: Wie der neue Corsa innen aussieht, will Opel erst später verraten.

Noch geheim: Wie der neue Corsa innen aussieht, will Opel erst später verraten.

Zum ebenso patenten wie potenten Motor gibt es ein solide abgestimmtes Fahrwerk, das dem Kunden allerdings schon beim Kauf eine Entscheidung abverlangt: Während die meisten Hersteller mittlerweile auf verstellbare Dämpfer setzen, muss man beim Corsa zwischen einem komfortablen oder einem sportlichen Set-Up wählen. Dann bügelt der Kleinwagen entweder auch die schlimmsten Landstraßen überraschend glatt, oder er kachelt um die Kurven, als wolle er die getunte OPC-Variante überflüssig machen.

In den Antrieb, die Abstimmung und ins Ambiente hat Opel so viel Geld und Geduld investiert, dass Firmenchef Karl-Thomas Neumann von einer „echten Revolution“ spricht. Doch zumindest in einem Punkt orientierten sich die Entwickler konsequent am Vorgängermodell, bei den Abmessungen. Sieht man einmal von der etwas flacheren Dachlinie ab, hat der neue Corsa mit rund vier Metern Länge fast auf den Millimeter genau das gleiche Format wie der Alte.


Ferrari California T: Maranello setzt wieder auf Turbo-Power

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Schnelles Sonnendeck: 316 km/h Spitze sind für ein Cabrio extrem schnell.

Ferrari biete den Kunden – nach mehr als zwanzig Jahren Turboabstinenz – jetzt wieder ein Auto mit Lader an. Es ist geradezu ein Tabubruch, denn nachdem die Marke gut zwei Jahrzehnte lang die Vorteile von Saugmotor und Hochdrehzahlkonzept predigte, schert sie nun ein in den allgemeinen Downsizing-Trend und stellt den überarbeiteten Ferrari California künftig mit Turbomotor auf die Räder. „Wir müssen mit der Zeit gehen und können nicht mehr die Augen verschließen vor den CO2-Grenzwerten “, sagt Marketing-Chef Nicola Boari.

Nobel-Hobel: Die Verarbeitung kann sich mittlerweile sehen lassen - das war nicht immer so bei Ferrari.

Nobel-Hobel: Die Verarbeitung kann sich mittlerweile sehen lassen – das war nicht immer so bei den Ferrari.

Was nach Bescheidenheit klingt, ist im Grunde das genaue Gegenteil. Zwar schrumpft der Hubraum des V8-Benzindirekteinspritzers von vormals 4,3 auf nun 3,9 Liter, doch zugleich klettertdie Leistung von 490 auf 560 PS und das maximale Drehmoment macht einen riesigen Sprung von 505 auf 755 Nm. Im Gegenzug sinkt der Durchschnittsverbrauch um 15 Prozent auf 10,5 Liter je 100 Kilometer. Soweit die Theorie, jedoch auch in der Praxis liegen Welten zwischen den beiden Aggregaten: Der Turbo spricht ähnlich spontan an wie der Sauger, prügelt den immerhin knapp 1,8 Tonnen schweren Zweisitzer jetzt aber mit einer Vehemenz nach vorn, wie man sie eher von einem Supersportwagen erwartet hätte.

Ja, man kann mit dem California auch weiterhin entspannt über eine sanft geschwungene Küstenstraße cruisen und hat dabei dank einer neuen, längeren Übersetzung des siebten Gangs dabei mehr Ruhe und obendrein eine größere Reichweite. Und nein, man wird dem Sportmodell 458 Italia auch künftig nicht folgen können, weil dieses Auto – besonders in der verschärften Variante Speciale -einfach noch stärker, leichter und handlicher ist. Doch an Rasanz mangelt es dem Turbo-California deshalb nicht: Von 0 auf 100 geht in 3,6 Sekunden (bislang 3,8 Sekunden), 11,2 Sekunden vergehen bis Tempo 200 danach lässt sich immer weiter rasen bis zur Höchstgeschwindigkeit von 316 km/h. Garniert wird das mit rasend schnellen Gangwechseln. Und einem exzellenten Fahrverhalten, das durch den tieferen Schwerpunkt aufgrund des etwas tiefer positionierten Motors nun noch präziser ist.

Blasorchester: Mit Turbo-Hilfe kommt der 3,9 Liter große V8 auf 560 PS.

Blasorchester: Mit Turbo-Hilfe kommt der 3,9 Liter große V8 auf 560 PS.

Von einem Turboloch ist nichts zu spüren. Und auch auf die Ferrari-typische, faszinierende Klangkulisse muss man nicht verzichten. Die ganz hohen, kreischenden Töne hat der California zwar nicht mehr im Repertoire, dafür jedoch tiefere Bässe. Nach wie vor reichen also ein Kavalierstart, zwei, drei Gangwechsel, ein Zwischenspurt und 500 Meter auf einer gewundenen Landstraße, dann schaltet man die Musikanlage ab und lauscht lieber der große italienischen Oper aus den vier Endrohren. „Nicht zuletzt der Sound macht einen Ferrari aus“, sagt Motorenentwickler Vittorio Dini.

Die Kunden wird es freuen. Und sie können die Arbeit des Laders sogar auf einem neuen Display zwischen den Lüftungsdüsen verfolgen, das man wie eine Outdoor-Uhr per Fingertipp auf den Chromkranz steuert. Die Controller hingegen werden Signore Dini und sein Team öfter mal verflucht haben. „Wir waren selbst überrascht wie kompliziert und teuer es war, einen Turbo zu entwickeln, der einem Ferrari gerecht wird“, sagt der Ingenieur mit Blick auf den extrem aufwändig konstruierten Lader, der unter anderem einen aus drei Teilen gefertigten Krümmer mit identisch langen Abgaskanälen erfordert. Vor diesem Hintergrund ist es fast schon bescheiden, dass der Preis des California T im Vergleich zum Vorgängermodell um lediglich 3000 Euro klettert und künftig bei 183.499 Euro beginnt.

Schattenseite: Obwohl man das Auto wohl meist von hinten sehen wird, ist das Heck nicht gerade die Schokoseite des California T.

Schattenseite: Obwohl man das Auto wohl meist von hinten sehen wird, ist das Heck nicht gerade die Schokoseite des California T.

Dafür erhält man ein rundum modernisiertes Auto, bei dem zum Beispiel sämtliche Karosserieteile bis auf das versenkbare Hardtop modifiziert und neu modelliert wurden, so dass der California T ein wenig schlanker wirkt und sich noch straffer auf die Straße duckt. Und neue eine Software für Fahrwerk, Lenkung, Getriebe und die Regelsysteme gibt es auch. Das Navigationssysteme allerdings ist auch nach dem Wechsel des Lieferanten allenfalls mäßig, das Verdeck zwingt den Ferrari-Fahrer auch künftig für fast 20 Sekunden in den Stillstand wenn es geöffnet oder geschlossen werden soll, und die Liste der Assistenzsysteme ist sehr kurz für ein Auto, das mit Typen wie einem BMW M6 Cabrio, einem Mercedes SL 63 AMG oder einem Porsche 911 Turbo konkurriert.

Dass die Turbotechnik von der Ferrari-Kundschaft goutiert wird, dürfte klar sein. Der California ist bislang mit mehr als 10.000 Zulassungen in den vergangenen fünf Jahren das mit Abstand erfolgreichste Einzelmodell der Marke; zugleich hat es die wohl tolerantesten Kunden des Hauses. Motorenentwickler Dini begründet das so: „70 Prozent der California-Käufer kommen schließlich von anderen Marken und haben vorher nie einen Ferrari besessen.“