Mercedes Vision Gran Turismo: Silberpfeil für Gamer

Virtueller Renner: Der Vision Gran Turismo wurde eigens für das Playstation-Spiel "Gran Turismo 6" entworfen.

Lenkrad oder Spielekonsole? Wer auch nur ein paar Tropfen Benzin im Blut hat, für den war das bislang keine Frage. Doch jetzt jagt bald ein Mercedes durch die virtuelle Welt, der auch den größten Vollgasfetischisten in Versuchung führen könnte. Denn exklusiv für den Playstation-Klassiker “Gran Turismo 6″ haben die Schwaben einen Silberpfeil für Gamer und Autofans auf die Räder gestellt, gegen den sogar der SLS zahm und langweilig aussieht.

Das Profil erinnert an einen Quecksilbertropfen im Sturm, von vorn ist dieser Vision Gran Turismo einfach nur flach, breit und aggressiv und von hinten mit unfassbaren acht Endrohren ziemlich furchteinflößend. Dazu gibt es eine Motorhaube, die sich wölbt wie von Muskelpaketen gespannt, Kotflügel, die kräftiger hervorstehen als die Oberarme von Arnold Schwarzenegger und einen Kühlergrill, der aussieht wie die Doppelgarageneinfahrt für zwei Go-Karts. Inspiriert vom legendären Mercedes 300 SL und von Details der neuen A-Klasse hat das Team um Mercedes-Designchef Gordon Wagener eine Frontpartie gestaltet, in der gleißend helle LED-Blöcke unterschiedliche Muster bilden können.

Breit und flach: So lässt die jüngste Silberpfeil-Studie selbst den SLS seltsam zahm aussehen.

Anders als bei vielen anderen eher freizügigen Designstudien, die hin und wieder auf Messen auftauchen, war es bei der Vision Gran Turismo aber nicht mit einer schnittigen Hülle getan. Weil die Rennsimulation der Wirklichkeit möglichst nahe kommen sollte und deshalb extrem detailverliebt ausgearbeitet ist, braucht das Auto auch ein komplett modelliertes Interieur und natürlich ein halbwegs realistisches Fahrverhalten. Animationen gibt es dazu zwar noch nicht,doch im Begleittext zu den ersten Bildern ist von einem Formel-1-Cockpit die Rede, von roten Sportintegralsitze auf schwarzem Boden, von einer Instrumententafel in Form von Flügeltüren, von einer Glasscheibe als Info-Display und von Schalterleisten im Dachhimmel. Das macht auf jeden Fall neugierig. Und wenn man sich dann noch einen in Mittellage montierten V8-Biturbo-Motor mit 585 PS und 800 Nm vorstellt, der vergleichsweise schlanke 1,4 Tonnen bewegen muss, dann möchte man den Wagen ebenso gerne über eine virtuelle Piste treiben wie über eine reale Strecke.

Genau diesen Gedanken hatten offenbar auch die Mercedes-Leute. Denn sie entwickelten nicht nur den virtuellen Renner für das Rennspiel – wie übrigens fast zwei Dutzend andere Autohersteller auch, die für “Gran Turismo 6″ exklusive Prototypen gestalteten. Denn die Schwaben bildeten das Auto gleich im Maßstab 1:1 und in der Realität nach.

Lautstarker Abgang: Acht Endrohre zieren das Heck der extremen Sportwagen-Studie.

Der monströse Renner wird in der kommenden Woche auf der Motorshow in Los Angeles erstmals gezeigt. Den Aufwand haben die Mercedes-Konstrukteure übrigens nicht nur für den Showeffekt getrieben, sondern es steckt mehr dahinter. Wenn es stimmt, was in Stuttgart berichtet wird, ist die Studie Vision Gran Turismo auch ein Vorbote für den neuen Supersportwagen von AMG, der im nächsten Sommer den SLS beerben soll. So abgefahren wie der Renner, der aus der virtuellen Welt kommt, wird das Serienauto garantiert nicht aussehen. Aber ein paar Designelemente des Prototypen werden sich wohl auch beim Straßenwagen wiederfinden.

Lenkrad oder Spielekonsole? Wer sich angesichts des Vision Gran Turismo partout nicht entscheiden kann und nicht bis zum nächsten Jahr warten will, für den hat Mercedes einen passenden Kompromiss parat – zum Beispiel den ebenfalls für die Messe in Los Angeles angekündigten S 65 AMG. Der sieht zwar nicht ganz so spektakulär aus und dürfte trotz 630 PS auch nicht ganz so dynamisch sein. Doch dafür hat er auf der Rückbank so viel Platz, dass man dort bequem mit der Playstation spielen kann. Dann geht es nicht mehr um entweder oder – sondern man genießt so einfach beides.



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