BMW 760 Li Sterling: Die Limousine aus der Silberschmiede

BMW 760 Li Sterling inspired by Robbe & Berking: Der lange Name gehört zum "wertvollsten Auto, das bislang bei BMW Individual gefertigt wurde", wie es aus München heißt.

Geld ist genug da, woran es hapert ist dessen gleichmäßige Verteilung. Und so gibt es weltweit immer mehr Menschen, die ihren Reichtum mit besonders exklusiven Dingen ausleben – zum Beispiel einzigartigen Autos. Der Bau und Verkauf derartiger Highend-Fahrzeuge ist ein lukratives Geschäft, für Rolls-Royce, Bentley, Ferrari, Lamborghini, und auch für die auf Sonderwünsche spezialisierten Abteilungen von Großserienherstellern wie Audi, Mercedes oder BMW.

Bei den Münchner kümmert sich die hauseigene Firma M GmbH in Garching bei München um solche Fahrzeuge, und dort wiederum ist es die Individual Manufaktur, die praktisch jeden Kundenwunsch ins Auto zu bringen versucht. Ob nun Zierleisten aus Porzellan, Edelhölzern oder sogar Lachshaut, wie es unlängst ein deutscher Fischfabrikant wünschte, die Möglichkeiten der Personalisierung eines Autos sind groß, erst recht dann, wenn Geld keine besondere Rolle spielt.

Um genau darauf hinzuweisen, nämlich auf die mannigfaltigen Möglichkeiten einer individuellen Ausstattung, hat die Individual Manufaktur in den vergangenen zweieinhalb Jahren gemeinsam mit der Flensburger Silberschmiede Robbe & Berking ein Unikat des BMW 7ers auf die Räder gestellt, das auch extrem verwöhnte Menschen noch überraschen dürfte. Denn die Limousine in Langversion und mit Zwölfzylindermotor ist mit insgesamt zwölf Kilogramm Sterling Silber ausstaffiert.

BMW-Embleme: Bei Robbe & Berking entstanden die Markenlogos aus massivem Silber, das dann in den bekannten BMW-Farben emailliert wurde. Selbstverständlich entstand das Edel-Logo komplett in Handarbeit.

Das reicht von den emaillierten Markenlogos an Front und Heck aus massivem Silber über die typische BMW Niere, die Zierspangen in den Türgriffen, die Einstiegsleisten sowie zahlreiche Dekorleisten im Interieur. Und natürlich gibt es im Fond eine Art Minibar mit zwei Silberbechern und einer Silberkaraffe. Doch das mit dem Silber allein ist noch gar nicht der Clou. Sondern die meisten der Edelmetallteile wurden mit der so genannten Martelé-Technik bearbeitet, also dem berühmten Hammerschlag. Dabei wird das Silber in millimetergenauer Handarbeit mit einem kleinen Hammer gezielt eingedellt; und diese hunderte von Minidellen wiederum ergeben ein wunderbar schillerndes Spiel aus Lichtreflexen, das die Silberteile geradezu zu leuchten scheinen.

So, wie der BMW 760 Li Sterling jetzt vorgestellt wurde, kostet der Wagen rund 320.000 Euro. Doch BMW möchte das Auto gar nicht verkaufen. Stattdessen soll der Silberschlitten als Anschauungsobjekt in der Individual Manufaktur dienen, um die pro Jahr rund 400 Kunden pro Jahr auf die verfügbare Handwerkskunst und auf die immensen Möglichkeiten einer Individualisierung hinzuweisen. Sollte der ein Oligarch oder andere Scheich dann tatsächlich bestimmte Details aus Sterling-Silber für sein Auto wünschen – bitte sehr.

Die meisten Kunden übrigens, die bei der Individual Manufaktur in Garching vorstellig werden, möchten ein Modell der 6er- oder 7er-Baureihe nach ihren persönlichen Wünschen ausgestattet bekommen. Rund die Hälfte der Kunden kommt aus Europa und den USA, die andere Hälfte stammt aus Russland, China und dem mittleren Osten. Der Alterdurchschnitt dieser Klientel liegt bei 52 Jahren und damit etwas unter dem der durchschnittlichen BMW-Kunden (55).

Hammerschlag-Finish: Eine Zierleiste aus massivem Sterling-Silber, die zuvor in der Matelé-Technik, also dem klassischen Hammerschlag-Verfahren, bearbeitet wurde, wird noch auf Hochglanz poliert.

Über die Preise einzelner Sonderwünsche wird natürlich nicht gesprochen. Sagen könne man allerdings, heißt es bei der Individual Manufaktur, dass der Durchschnittskunde zusätzlich etwa 20 bis 30 Prozent des Auto-Kaufpreises in die exklusive Sonderausstattung investiert. Es komme aber auch vor, dass ein Auto durch die Spezialbehandlung der BMWExperten glatt doppelt so teuer werde.

Doch wie schon erwähnt: Am Geld scheitert es praktisch nie, wenn ein Wunsch ausnahmsweise mal nicht gewährt werden kann. Meist liegt das dann an gesetzlichen Vorgaben, Sicherheitsnormen oder einfach daran, dass BMW bestimmte Dinge nicht mit dem eigenen Markenimage in Verbindung bringen möchte. Ansonsten ist alles möglich, und die Kunden wissen das zu schätzen. Friedrich Nitschke, der Chef der M GmbH und damit auch der Verantwortliche für alle Aktivitäten der Individual Manufaktur, sagt dazu lediglich lächelnd: “Dieser Geschäftsbereich ist, wie alle anderen unserer Firma, hochprofitabel.”



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