Bentley Continental GT Speed Cabrio: Im Smoking auf die Sonnenbank

Traumwagen vor Traukulisse: Ein Auto wie der Bentley GT Speed braucht eine große Bühne – zum Beispiel die Skyline von San Francisco.

Das Auto ist schnell wie ein Supersportwagen, edel wie eine Luxusyacht und teuer wie eine Eigentumswohnung – viel vornehmer als im Bentley Continental GTC kann man den Sommer kaum genießen. Doch genug ist nie genug: Weil man die Kauflust der Besserverdiener offenbar nur mit immer noch exklusiveren Modellen stimulieren kann, legen die Briten jetzt nach und bringen den offen Luxuswagen im Juni auch in einer Speed-Version an den Start. Der Name ist Programm: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h wird der Schlitten zum schnellsten viersitzigen Cabrio der Welt.

Wie im vergangenen Jahr beim Coupé, gibt es nun auch für das  offene Modell noch ein bisschen mehr Überfluss unter der Haube, einen Hauch mehr Strenge für das gleitergleiche Fahrwerk und ein dezent modifiziertes Design, das nur dem Kenner die Speed-Version verrät. Während andere Boliden die Radhäuser dick aufblasen und sich mit Schwellern und Spoilern schmücken, zeugen bei Bentley nur der etwas dunklere Kühlergrill, die von innen neu gestalteten Auspuffendrohre und eine kleine Lippe auf dem Heckdeckel von der Kraftkur. Allerdings hat die vielleicht stilvollste Art, einen Supersportwagen zu fahren, auch ihren Preis: Ist schon das gewöhnliche Bentley-Cabrio kein Schnäppchen, schlägt die VW-Tochter nun noch einmal gut zehn Prozent auf und verkauft den rollenden Landsitz für stolze 227.290 Euro; teurer geht natürlich immer, denn zahlreiche Extras und Individualisierungsangebote treiben den Preis deutlich höher.

Kraftpaket: Unter der Haube arbeitet der bekannte W12-Motor. Nur hat das Sechsliteraggregat jetzt 625 statt 575 PS - und gewaltige 800 Nm Drehmoment.

Im Maschinenraum arbeitet der bekannte W12-Motor, den Bentley mittlerweile für den gesamten VW-Konzern entwickelt. Beatmet von zwei Turboladern und jetzt noch einmal im Detail verfeinert, steigt die Leistung für den Speed um etwa zehn Prozent von 575 auf 625 PS. Gleichzeitig klettert das maximale Drehmoment auf schier unvorstellbare 800 Nm und ist quasi zu jeder Zeit abrufbereit: Egal in welchen der acht Gänge die Automatik gerade kaum fühlbar geschaltet hat, egal ob Stadtverkehr oder Autobahn – kaum streichelt man auch nur sanft das Gaspedal, macht der Bentley einen Satz nach vorn und presst die Passagiere tief in die Lederpolster, auf denen man anders als bei Lamborghini & Co. nicht kauert, sondern thront.

Dabei klingt der Motor so gelassen, als würde gerade eine schmucke Yacht gemächlich über den Comer See tuckern. Doch von diesem Sound darf man sich nicht täuschen lassen. Wer dem Briten die Sporen gibt, der merkt schnell, das der GTC kein Lustschiff ist, sondern auch als Rennboot taugt: Immerhin schafft er den Sprint von 0 auf 100 in lediglich 4,4 Sekunden und gilt den Briten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h als schnellster offener Viersitzer der Welt.

Selbst bei scharfer Fahrt verliert der Bentley nicht die Contenance. Natürlich tut sich der 2,5 Tonnen schwere Kawentsmann in engen Kurven im wörtlichen Sinne etwas schwerer als ein rassiger Roadster. Doch mit variabler Dämpfung, einer dezenten Tieferlegung um zehn Millimeter, einer präzisen Lenkung und einer feinfühligen Automatik mit Sportprogramm und Lenkradwippen kann man selbst im Smoking ausgesprochen dynamisch um die Ecken flitzen.

Der Name ist Programm: Mit 325 km/h Spitze ist der Speed das schnellste viersitzige Cariolet der Welt.

Zwar kann es der „Speed“ zumindest auf dem Papier mit jedem Supersportwagen aufnehmen und bewegt sich trotz seines stattlichen Formats und Gewichts halbwegs leichtfüßig auch durch enge Kurven. Doch von der zweckmäßigen Nüchternheit eines Lamborghini oder Ferrari ist an Bord des Briten nichts zu spüren. Wo es Kraft im Überfluss gibt, muss man an Lack und Leder nicht sparen. Und bei dem Gewicht spielen ein paar Kilo für echte Hölzer, für Klimabedienzüge aus massivem Metall und das gute Dutzend Elektromotoren für Sitze, Hauben und Klappen auch keine Rolle mehr. Deshalb wirkt die luxuriöse Sitzgruppe wie eine Oase des Wohlstands im Auge des Orkans: selbst auf der Rückbank herrschen geradezu fürstliche Platzverhältnisse. Wo sich im Gallardo bisweilen schon zwei Passagiere gefährlich nahe kommen, genießt man hier die Landpartie tatsächlich zu viert. Und genügend Platz fürs Gepäck gibt es natürlich auch.

Der Continental ist zwar in etwa so zeitgemäß und zweckmäßig wie ein Ozeandampfer oder ein Landschloss, doch Konjunkturflaute hin und Klimasorgen her: Das Auto hat einen Reiz. Wunderschön gezeichnet, liebevoll ausgestattet und beeindruckend motorisiert, ist es das perfekte Spielzeug für die Sonnenseite des Lebens. Das gilt selbst im Winter, weil man es bei aufgestelltem Windschott, geschlossenen Seitenscheiben und voll aufgedrehter Nackenheizung im Bentley sogar bei Minusgraden ganz gut aushalten kann.



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