RAM 1500: Perfekt gerüstet durch Detroit

Abenteuer in Downtown: Mit einem Auto wie dem RAM 1500 fühlt man sich selbst in der maroden Innenstadt von Detroit sicher und solide aufgehoben. (Foto: M. Görmann)

Die Schulden sind abgebaut, die Modellpalette wurde erneuert und damit floriert auch wieder das Geschäft – lange sind die „Big Three“, die drei großen Autohersteller aus Detroit, nicht mehr so selbstbewusst aufgetreten wie jüngst bei der Autoshow in Detroit. Doch in der Stadt will dieser Aufschwung irgendwie nicht so recht ankommen. Zwar melden die Statistiken steigende Einwohnerzahlen, und ein bisschen mehr Leben als noch vor einigen Jahren gibt es in Downtown durchaus. Doch selbst im Zentrum stehen ganze Straßenzüge leer, einstige Prachtbauten sind nur noch Ruinen mit rußschwarzen Fensterhöhlen, und man muss nur fünf Minuten fahren, schon steht man etwa in der seit Jahrzehnten ungenutzten Packard-Fabrik Mitten in den Trümmern einer Industrie, die nach außen hin wieder einen so lebendigen Eindruck macht.

Das ideale Auto für eine Stadtrundfahrt der etwas anderen Art ist ein Pick-Up wie der RAM 1500. Denn zum einen lässt sich der robuste Pritschenwagen selbst ohne den aufpreispflichtigen Allradantrieb auch von knöcheltiefen Schlaglöchern, ausgefahrenen Schotterpisten, niedergerissenen Zäunen und den vom Zahn der Zeit schon ziemlich klein gemahlenen Mauerresten nicht stoppen. Und zum anderen fühlt man sich in diesem Auto selbst in den unwirtlichsten Gegenden einfach gut aufgehoben und halbwegs sicher: „My Car is my Castle“ – für dieses Gefühl braucht es keinen luxuriösen Geländewagen oder eine aufgedonnerte Limousine. Es braucht jedoch auf jeden Fall eine Menge Blech, ein respekteinflößendes Design sowie eine Sitzposition, die einen guten Aus- und Überblick garantiert. Nicht, weil die Gegend so schön wäre. Sondern weil es in dieser Umgebung besser ist, wenn man rechtzeitig erkennt, wer oder was da möglicherweise auf einen zukommt. Es hat ja wahrscheinlich einen Grund, dass rund um das Packard-Werk regelmäßig stark bewaffnete Wachmänner patrouillieren.

Riese in Ruinen: In der alten Packard-Fabrik wirkt sogar der RAM wie ein Bote aus der Zukunft. (Foto: M. Görmann)

Spötter könnten jetzt anführen, der RAM passe noch aus einem weiteren Grund ganz gut in die Ruinen. Denn auf den ersten Blick wirkt der Pick-Up ebenfalls wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Die Planwagen der Siedler stehen schließlich auch nur noch in den Museumsdörfern. Aber der Eindruck täuscht. Die Dinosaurier wehren sich gegen das Aussterben und erleben gerade ein sanfte Evolution. Und der RAM 1500 fährt dabei voraus. Denn er war bei der Premiere im vergangenen Sommer der erste seiner Art, der tatsächlich mit halbwegs moderner Spritspartechnik aufwarten konnte.

So haben die Amerikaner nicht nur eine Start-Stopp-Automatik ins Optionsprogramm aufgenommen, sondern wahrscheinlich zum allerersten Mal stand der RAM bei der Entwicklung nicht nur an der Laderampe und auf der Offroad-Piste, sondern auch im Windkanal und hat deshalb jetzt den geringsten cW-Wert im Segment aufzubieten. Zudem hat der Wagen durch den Einsatz neue Materialien um etwa einen Zentner abgespeckt und alle Modellvarianten fahren nun mit einer neuen Achtgang-Automatik vor, sowie mit Lamellen im Kühlergrill, die sich bei geringer Motorbeanspruchung schließen, dadurch die Aerodynamik verbessern und so den Verbrauch weiter senken. Laut Chrysler ist der RAM dadurch um mindestens 20 Prozent sparsamer geworden, was ihm soeben den Titel „Truck oft the Year“ einbrachte.

Trotzdem thront hinter dem fast mannshohen Kühlergrill noch immer eine mächtige Maschine. Dass der V6-Benziner des Basismodells im Motorraum dennoch fast ein wenig verloren wirkt, liegt weniger an den 3,6 Litern Hubraum, sondern an den üppigen Platzverhältnissen. Schließlich muss unter diese Haube ja auch der 5,7 Liter große und 395 PS starke Hemi-V8 passen, der auch weiterhin im Angebot bleibt.

Bunter Hund: Der RAM ist ein Auto für jeden Zweck - egal, ob man in der Stadt wohnt oder auf dem Land. (Foto: M. Görmann)

Aber wenn man nicht gerade eine halbe Rinderherde zum Schlachter karren oder ganze Bäume aus dem Wald zerren muss, reicht der Sechszylinder locker. Zumal beim Generationswechsel im vergangenen Jahr die Leistung um 42 und das Drehmoment um 13 Prozent gestiegen sind. In Downtown Detroit jedenfalls kommt man mit 305 PS und bis zu 364 Nm Drehmoment allemal schneller voran, als es die Polizei erlaubt. Bei der Auffahrt auf den Highway ist man überrascht, wie mächtig sich der Motor ins Zeug legt und wie schnell das Trumm auf Touren kommt. Und wenn man in der leeren Packard-Fabrik nach einem kurzen Rundgang den V6 wieder startet, hallt sein Klang ziemlich gewaltig von den hohen Wänden wieder. Außerdem hat schon der kleinste Antrieb aller Spartechnik zum Trotz natürlich großen Durst: Im Mittel 14 Liter hat sich der Wagen mit dem Widder-Logo im Kühlergrill auf unserer Testfahrt gegönnt.

Unter dem Blech ist der RAM vergleichsweise modern. Aber innen wirkt er ähnlich trostlos wie die Industriegebiete rund um die Ford-Fabriken draußen in Dearborn. Natürlich funktioniert alles einwandfrei, es gibt mehr Ablagen, als sich europäische Van-Fahrer je träumen ließen. Und in der viertürigen Kabine mit der Bank im Fond und dem Klappsitz in der Mitte der ersten Reihe könnten sechs ausgewachsene Footballspieler selbst in ihren Sportrüstungen bequem reisen. Doch zumindest das Basismodell ist ausgesprochen schlicht und schmucklos möbliert. Das Auge wandert über endlose Landschaften aus grauem Hartplastik, elektrische Assistenzsyteme sucht man vergebens, selbst die Sitze müssen – der Fahrersitz ausgenommen – von Hand eingestellt werden und nicht einmal für einen Schaltknauf hat es offenbar gereicht. Denn die Gänge wählt man, wie sonst die Radiosender, über einen Drehregler in der Mittelkonsole oder per Schaltwippen im Lenkrad. Aber dafür kostet das Dickschiff in der Basisversion auch lediglich 22.640 Dollar und bietet damit mehr Material für die Moneten als die meisten anderen Autos. Obendrein wirkt an Bord alles so robust und rustikal, dass man diesen RAM am Ende eines Arbeitstages wahrscheinlich sogar auskärchern kann.

Außerdem: es geht auch anders. Wer in der Preisliste weiter nach oben wandert, bekommt nicht nur ein moderneres Cockpit und einen riesigen Touchscreen, sondern auch so viel Lack und Leder, dass es kaum mehr einen Unterschied zu einem luxuriösen Geländewagen gibt. Außer dem Platz natürlich. Schließlich passt auf die Pritsche der halbe Hausstand oder, falls in Detroit doch mal aufgeräumt wird, verdammt viel von dem Schutt und dem Schrott, der zum Beispiel hier rund um die Packard-Fabrik verstreut liegt.

Aber der RAM ist nicht nur der große Kerl fürs grobe Zeug. Sondern, den so genannten RAM-Boxen sei Dank, lässt er sich auch kleinteiliger bestücken. Denn diese mit einem Druck auf die Zentralverriegelung zu öffnenden Fächer in den doppelten Seitenwänden der Pritsche sind fast so etwas wie ein konventioneller Kofferraum, in dem auch empfindliches Gut trocken und sicher befördert werden kann.

In den USA sind Pick-Ups so populär wie hierzulande die Kompaktklasse. In Europa jedoch sind die Pritschenwagen Außenseiter. Doch es gibt auch hier viele Fans dieser Fahrzeuggattung. Und so holen gleich mehrere freie Importeure Modelle wie den RAM 1500 ins Land, die dann mit Top-Ausstattung und V8-Motor allerdings 40.000 Euro und mehr kosten. Kunden gibt es dennoch offenbar genug – selbst wenn es in Düsseldorf oder Dresden rein gar nicht so ausschaut wie in Downtown Detroit.


Cadillac Fleedwood Presidential Limousine von 1950: Veteran aus dem Weißen Haus

Mer Prunk wagen: Schon in den Fünfzigern waren die Präsidentenlimousinen in Amerika sehr stattliche Autos.

Mehr Prunk wagen: In den fünfziger Jahren waren die Präsidentenlimousinen in den USA sehr stattliche Autos.

Wenn es um den ersten Mann im Staat geht, sind die Amerikaner nicht kleinlich. Deshalb hat der Präsident nicht nur seinen eigenen Jumbo-Jet und eine eigene Hubschrauberstaffel, sondern in der Garage des Weißen Hauses parkt traditionell auch eine Limousine, die weltweit ohne gleichen ist. Geschätzt sieben Meter lang, mannshoch und vom Volksmund nur „The Beast“ genannt, ist sie ein Panzer-Pkw mit Rädern, und zählt zu den teuersten und sichersten Fahrzeugen der Welt.

Barak Obamas alten und neuen Dienstwagen ist immer wieder mal im Fernsehen zu sehen, zuletzt in dieser Woche auf der Parade zu seiner zweite Inauguration. Doch die älteren Exemplare aus der Präsidentenflotte sind weltweit in Museen verstreut. Einige stehen bei Ford und General Motors in Detroit in den Werkssammlungen, Ronald Reagens „Motorcade“ parkt zusammen mit seiner „Airforce One“ in der Presidential Library, eine halbe Stunde nördlich von Los Angeles, und der Cadillac von Dwight D. Eisenhower hat es sogar bis nach Deutschland geschafft und kann derzeit im Technik-Museum Sinsheim bestaunt werden.

Regierungsbank auf Rädern: Auf diesen Polstern saß schon US-Präsident Eisenhower.

Der 34. Präsident der Vereinigten Staaten galt als Autonarr und hatte in seinen beiden Amtszeiten von 1953 bis 1961 gleich mehre Cadillac-Dienstwagen, darunter auch jenen schwarzen Fleetwood Baujahr 1950, der jetzt groß und staatstragend zur Testfahrt rund um Sinsheim bereit stand.  Von den technischen Finessen der heutigen Präsidentenlimousine konnten Eisenhowers Sicherheitsberater zwar nur träumen, denn an einen schusssicheren Tank war damals noch eben so wenig zu denken wie an eine hermetisch versiegelbare Passagierkabine mit eigener Sauerstoffversorgung. Und statt Blendgranaten und Nebelwerfern mussten ein paar kleine Klappen genügen, Schießscharten nämlich, durch die Eisenhowers Personenschützer im Angriffsfall aktive Gegenwehr hätten leisten können.

Doch zumindest in Sachen Fahrkomfort hatte es der Präsident in den Fünfzigern nicht schlechter als Mr. Obama heute. Statt seriennaher Ledersitze gab es in Eisenhowers Limousine ein wunderbar rotes Plüschsofa, die Beinfreiheit reichte fast schon für einen kleinen Tanz im Fußraum und natürlich war das Dach so hoch, dass der Präsident beinahe aufrecht aus dem Wagen schreiten konnte. Für die Fotografen gab es eine extra-helle Innenraumbeleuchtung, damit der Präsident auch im Auto  passend in Szene gesetzt werden konnte, und wenn es etwas privater zugehen sollte, surrte auf Knopfdruck eine große Trennscheibe nach oben.

Schmucker Arbeitsplatz: Der Fahrer hatte zwar einen schweren und verantwortungsvollen Job - aber zumindest einen bequemen Platz.

Auch der Fahrer hatte einen vergleichsweise schmucken Arbeitsplatz – und einen ziemlich schweren Job. Nicht nur, weil er den wohl wichtigsten Mann der Welt stets heil ans Ziel bringen musste. Sondern vor allem, weil der schwarze Lindwurm alles andere als leicht zu fahren ist – zumindest heute, nachdem er mehr als 60 Jahr auf dem Blech hat. Der 5,4 Liter große V8-Motor meldet sich zwar so bereitwillig zum Dienst wie am ersten Tag, doch mit dem großen Lenkrad gibt man allenfalls Richtungsempfehlungen ab, so eigenwillig benimmt sich das sieben Meter lange Prunkschiff mit einem Gewicht von 3,6 Tonnen. Immerhin: 160 PS bringen das Auto dann doch verblüffend flott in Fahrt. Überraschend st auch, dass ausgerechnet die  Präsidentenlimousine eines der wenigen US-Fahrzeuge mit Handschaltung ist. Man kann sich bei der Testfahrt heute deshalb lebhaft vorstellen, wie der Chauffeur damals in den Fünfzigern beim Spiel mit den Pedalen geschwitzt haben muss, damit die Fuhre ja sanft genug in Fahrt kommt und der Präsident nicht zu heftig durchgeschüttelt wird.

Barocker Brocken: Obwohl die Panzerung nur dezent ist, wirkt der Fleetwood wie ein echtes Dickschiff.

Unerreicht ist das Design der Präsidentenlimousine. Während Barak Obama in einem eher schlichten schwarzen Wagen unterwegs ist, der allem Chrom zum Trotz eher an einen Lastwagen als eine Luxuslimousine erinnert, ist Eisenhowers Fleetwood ein wunderbar schwülstiger Vertreter der frühen fünfziger Jahre und des aufkeimenden Heckflossen-Barocks. Vorn ein imposanter Kühlergrill, der in der Sonne funkelt, die Flanken prall geschwungen wie die Filmdiven jener Zeit und am Heck zwei zumindest schon angedeutete Flossen – das hat Eisenhower sicher gefallen. Denn der Präsident war ein Autofan.

Deshalb besaß er – anders als heute Barak Obama – auch gleich mehrere Präsidenten-Limousinen. Zur Amtseinführung 1953 fuhr er mit einem der ersten Cadillac Eldorado Cabriolets über die Pennsylvania Avenue in Washington. Anschließend ließ er sich in dem jetzt in Sinsheim ausgestellten Fleetwood chauffieren, und 1956 wurden gleich zwei neue Cadillac-Cabriolets in Dienst gestellt. Groß und mächtig wie Ozeandampfer wurden sie im Volksmund Queen Mary II und Queen Elizabeth II genannt und schlugen sich so wacker, dass sie nach Eisenhower auch noch John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson dienten, bevor sie 1968 außer Dienst gestellt wurden.

Lebensretter: Eisenhower hat seine Amtszeit unbeschadet überstanden. Aber als Gebrauchtwagen in Bolivien im Einsatz, hat der Fleedwood dem dortigen Präsidenten bei einem Attentat das Leben gerettet.

Auch Eisenhowers Fleetwood hatte eine längere Karriere, selbst wenn der Präsident den Wagen nur zwei Jahre lang nutzte. Kaum war sein nächstes Auto fertig, verschenkte er die Limousine bei einem Staatsbesuch in Bolivien – und rettete dem dortigen Präsidenten Victor Paz Estenssoro damit das Leben. Denn während Eisenhower nie auf die Panzerung seiner Limousine vertrauen musste, konnte der Bolivianer nur deshalb so lange regieren, weil der Cadillac armdicke Stahlplatten in den Türen und Zentimeter dickes Panzerglas in den Fenstern hatte: Paz Estenssoro wurde kurz nach dem Empfang der Limousine Ziel eines Attentats. Drei seiner Leibwächter starben in den Maschinengewehrsalven der Angreifer, das Auto wurde regelrecht durchsiebt. Doch Victor Paz Estenssoro überlebte den Anschlag unverletzt und war insgesamt zwölf Jahre Präsident seines Landes.

 


Chevrolet Corvette C7 Stingray: Motown lässt die Muskeln spielen

Scharf und schnell: Wenn diese Front im Rückspiegel auftaucht, heißt es: Platz machen.

Sie ist so amerikanisch wie Burger, Bullenreiten und Baseball und kein anderer Sportwagen steht so sehr für den American Way of Drive wie die Chevrolet Corvette. Pünktlich zum 60. Geburtstag der leistungsstarken Legende bringen die Amerikaner jetzt die siebte Generation des kultigen Kraftmeiers an den Start und räumen dabei im Handstreich mit einigen Vorurteilen auf: Brachial und brutal ist zwar auch die siebte Auflage des Klassikers, die nach der Premiere auf der Motorshow in Detroit in den USA im Sommer und in Europa wohl im Herbst in den Handel kommen wird. Immerhin verspricht Entwicklungschef Tadge Juechter die stärkste und schnellste  Corvette aller Zeiten. Doch zum verführerischen Design und dem potenten V8-Motor gibt es nun auch ein wenig technische Finesse  – wie einen Leichtbaurahmen aus Aluminium sowie eine Haube und ein Dach aus Kohlefaser sowie erstmals einen Innenraum mit viel Leder, Aluminium und Karbon, der bei der ersten Sitzprobe auf dem Messestand eine ganz ordentliche Figur macht.

Dickes Ende: So einen brachialen Abgang erlaubt sich kaum ein anderer Sportwagen.

Das Design des von Fans und Fachleuchten in der Generationenfolge nur C7 genannten Coupé ist zwar deutlich modernisiert, erinnert aus manchen Perspektiven ein wenig an Ferrari und soll vor allem international besser funktionieren, sagt Designchef Ed Welburn. Aber obwohl die Corvette alles andere als ein Retro-Auto ist und mit ihrer von einer großen Lufthutze durchbrochenen Motorhaube, den fetten Kiemen in den schlanken Flanken und einem brutalen Heck samt vier mittig positionierten Endrohren auch in jedem futuristischen Video-Spiele auftreten könnte, zitiert sie ein Detail, das man noch aus den sechziger Jahren kennt: ein Stachelrochen. Dieser “Stingray” ist das Markenzeichen der Corvette-Generationen, sagt Juechter. “Und diese hier ist so scharf geworden, dass wir Logo und Namen nach mehr als 30 Jahren einfach wieder hervorkramen mussten.”

Comeback des Stachelroches: Wie in den Sechzigern trägt die neue Corvette jetzt wieder den Beinamen Stingray.

Der Grund dafür ist nicht allein der neue V8-Motor mit 6,2 Litern Hubraum, etwa 450 PS und mehr als 600 Nm, der die Corvette wahlweise mit einer Sechsgang-Automatik oder einer Handschaltung mit sieben Gängen in weniger als vier Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen soll und die Tachoskala wohl bis fast zur 300er-Marke ausreizen wird. Sondern dafür stehen auch eine ausgeglichene Gewichtsverteilung und ein adaptives Fahrwerk, das Querbeschleunigungen von bis zu einem G erlaubt. Und vor allem stehen dafür die fünf so genannten Drive-Modes, die man mit einem Drehschalter auf dem Mitteltunnel aktivieren kann und die gleich zwölf Parameter des Fahrwerks – von der Getriebesteuerung bis zu den Bildschirmen im Cockpit – verändern. Da kann man es auch verschmerzen, dass Chevrolet die Corvette angeblich aus Kostengründen nun doch nicht auf eine Mittelmotorbauweise umgestellt hat.

Moderne Zeiten: Für den Innenraum verspricht Chevrolet mehr Qualität und Liebe zum Detail.

Ebenfalls gestrichen wurde die Idee von einem Sechszylindermotor. Und das ist gut so. Denn eine Corvette ohne V8 ist wie ein Burger ohne Ketchup und bei den Fans offenbar auch gar nicht durchzusetzen. Weil Chevrolet trotzdem auch an den Verbrauch denken muss, haben die Ingenieure für die Abrüstung einen Trick gewählt, der auch bei den deutschen Herstellern gerade sehr beliebt ist: Zylinderabschaltung. Auf dem Papier ein standesgemäßer V8, fährt der Sportler in der Praxis mit leichtem Gasfuß die meiste Zeit nur als Vierzylinder durch die Gegend und ist zusammen mit der neuen Benzindirekteinspritzung entsprechend genügsam. Juechter spricht deshalb nicht nur von der schnellsten und sportlichsten, sondern auch von der sparsamsten Corvette aller Zeiten. Details zum Verbrauch allerdings nennt er noch nicht.

Auch eine weitere Zahl will bei Chevrolet noch niemand nennen: den Preis. Doch wenn sich die Amerikaner in dieser Disziplin ähnlich treu bleiben wie in allen anderen Corvette-Kategorien, dürfte die C7 auch in dieser Hinsicht weit vorn sein. In den USA dürfte das Auto auch in der neuen Generation deutlich billiger sein als jeder Porsche, denn die Corvette bietet traditionell mehr “Bang for the Bucks” als die meisten anderen Autos.


Neuer Rolls-Royce Wraith: Zuwachs auf der Geisterbahn

Nebulöse Andeutung: Das neue Rolls-Royce-Modell wird den Namen Wraith tragen. Wie es aussieht, wird erst auf dem Autosalon in Genf Anfang März enthüllt.

Falls Sie ein HWNI sind, ein High-Net-Worth-Individual mit einem verfügbaren Kapital im siebenstelligen Bereich, wird Sie die Nachricht über einen neuen Rolls-Royce besonders interessieren. Es wird das stärkste Modell der Marke, und es trägt einen mysteriösen Namen.

Am 5. März werden die Verantwortlichen der britischen BMW-Tochtermarke Rolls-Royce die Krawattenknoten noch ein wenig sorgfältiger knüpfen als sonst. Denn da beginnt der Autosalon in Genf und dort wird zum ersten Mal ein neues Modell der Luxusmarke zu sehen sein: der Rolls-Royce Wraith. Das Auto werde “mit Superlativen aufwarten”, kündigte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös jetzt bei der Händlerkonferenz der Marke in London an. “Es wird der stärkste Rolls-Royce, den jemals die Spirit of Exstasy zierte.”

Weitere Details nennt Müller-Ötvös allerdings noch nicht, denn die sollen erst bei der offziellen Weltpremiere Anfang März verkündet werden. Allerdings beendte er die Geheimniskrämerei um den Namen des Ghost Coupés: das Auto wird Rolls-Royce Wraith heißen. Nach den Baureihen Phantom und Ghost wird das Portfolio nun also um eine drittes, übersinnlich-diffuses Phänomen erweitert.

Die Briten lassen dazu wissen, dass der Begriff Wraith aus einem schottischen Dialekt abgeleitet ist und soviel wie Geist oder Gespenst bedeutet. Und ein bisschen Esoterik kann ja nicht schaden, wenn es um Autos geht, die mindestens 250.000 Euro kosten, meist jedoch weitaus mehr – also die auf jeden Fall vollkommen abgehoben sind.

Der Wraith dürfte prima dazu passen. Aller Voraussicht nach steckt unter seiner Haube der 6,6-Liter-V12-Motor aus der Limousine Ghost, der in diesem Modell mit einer Leistung von 570 PS ausgeliefert wird, im neuen Wraith jedoch der Ankündigung des Autobauers aus Goodwood gemäß noch mehr Schmalz haben soll; es wird auf jeden Fall ausreichend Leistung zur Verfügung stehen.

Mit dem neuen Wraith setzt Rolls-Royce eine Tradition fort, die 1938 mit dem ersten Modell dieses Namens begann. Das damalige Auto verfügte über einen Sechszylinder-Reihenmotor mit rund 120 PS, Trommelbremsen rundum und als erster Rolls-Royce der Firmengeschichte über einen geschweißten Leiterrahmen. Bis dahin kamen genietete Rahmen zum Einsatz. Der Krieg beendete die Karriere dieses Autos, die sich 1946 in runderneuerter Form mit dem Modell Silver Wraith fortsetzte.

Das kommende Modell, dessen Auslieferung Ende 2013 beginnen wird, soll den Aufwärtstrend von Rolls-Royce absichern. Im vergangenen Jahr verkauften die Briten weltweit 3575 Fahrzeuge – so viele wie noch in der 108-jährigen Geschichte der Marke. Die vier deutschen Rolls-Royce-Händler steuerten insgesamt 63 verkaufte Neuwagen zu diesem Ergebnis bei.


Ford Atlas Concept: Der Pickup von morgen

Ford Atlas Concept: Auf der Autoshow in Detroit zeigte Ford mit dieser Studie, wie die Zukunft der Pickup-Baureihe F-150 aussehen könnte.

Seit Jahrzehnten sind die Pickups der Serie F von Ford die meistverkauften Autos in den USA, auch im vergangenen Jahr war das so. Logisch, dass die Marke alles daran setzt, dass das auch so bleibt, gerade jetzt, wo sich der US-Automarkt erholt hat und der schärfste Konkurrent Chevrolet das Modell Silverado – den ewigen zweiten der Pickup-Bestsellerliste – runderneuert hat. Und so debütiert auf der gegenwärtig stattfindenden Autoshow in Detroit nicht nur der wuchtige Silverado, sondern dort enthüllte Ford jetzt auch eine Studie namens Atlas Concept.

“Das Auto ist ein Vorgeschmack auf all jene Innovationen, mit denen wir all das verändern werden, was Menschen in Zukunft von einem Pickup erwarten”, sagte Raj Nair, der weltweit verantwortliche Produktentwickler des Ford-Konzerns. Der Wagen sieht auf den ersten Blick so aus, als sei er noch nicht komplett ausgepackt – wie ein Geschenk, an dem noch Papier- und Kartonfetzen hängen. Doch dieser grobe, vielleicht sogar ungeschlachte Optik ist erwünscht. Designchef J Mays nennt sie den “Built Tough”-Look.

Schlaue Pritsche: In die bei der Studie blau beleuchtete Ladefläche sind geschickt verborgene Verzurrösen und mehrere Steckdosen integriert.

Im Innenraum des Minilasters gibt es ein modern anmutendes Cockpit, die bekannt klobigen Bedienelemente – die die Knöpfe und Schalter sollen auch von Händen in dicken Handschuhen zu greifen sein – sowie extra schlank geformte Sitze. Das wiederum schafft Platz in der zweiten Reihe.

Erstmals spielt auch das Thema Kraftstoffersparnis bei einem F-Truck von Ford eine zentrale Rolle. Als Antrieb kommen die so genannten Ecoboost-Motoren zum Einsatz, allesamt Benzin-Direkteinspritzer mit Turboaufladung und einem speziell auf leichte Nutzfahrzeuge abgestimmten Start-Stopp-System. Neu an der Studie sind darüber hinaus automatische Klappen am Kühlergrill, die sich je nach Kühlluftbedarf öffnen oder schließen und so die Aerodynamik des Autos verbessern. Ebenso gibt es Klappen in den Rädern, die sich bei höheren Geschwindigkeiten selbsttätig schließen und so die Verwirbelungen an den Felgen minimieren. Auch ein ausfahrbarer Spoiler unter der Frontpartie und in Fahrt automatisch einfahrende Trittbretter sollen dabei helfen, die Windschlüpfigkeit der Karosserie zu steigern und damit den Spritverbrauch zu senken.

Arbeitsplatz: Im Cockpit wird deutlich, dass Ford den Pickup noch immer in erster Linie aus Arbeitsgerät versteht.

In Summe sollen neue Motoren und aerodynamischer Feinschliff den Verbrauch des Pickups um bis zu 20 Prozent drücken. Gerade gewerbliche Nutzer dürfte dies erheblich interessieren, denn die Spritpreise werden auch in den USA wohl nicht mehr fallen.

Das Atlas Concept bietet noch ein paar weitere Innovationen, auf die sich künftige F-150-Kunden schon einmal freuen dürfen. Unter anderem eine hintere Ladeklappe mit integrierten Tritten und mit der Funktion, dass die Klappe auch als Verlängerung der Ladefläche fixiert werden kann. Sodann gibt es eine optische Hilfe im Zentraldisplay, damit das Ankuppeln eines Anhängers nicht zum Geduldsspiel wird. Außerdem wird eine 360-Grad-Kamera verfügbar sein, die es dem Fahrer ermöglicht, den Pickup quasi aus der Vogelperspektive wahrzunehmen, damit auch knifflige Rangiermanöver gelingen. Dazu gibt es LED-Scheinwerfer vorn und hinten, eine LED-Beleuchtung der Ladefläche sowie unterhalb der Pritsche verborgene Ladehilfen, die sich ausziehen lassen um zum Beispiel Mountainbikes oder Schubkarren rasch und problemlos aufladen zu können. Offiziell nannte Ford noch kein Datum für den Serienstart der neuen Pickup-Generation, doch das Auto sieht bereits so fertig aus, dass vermutlich schon auf der nächsten Autoshow in Detroit im Januar 2014 die aus dem Atlas Concept hervorgehende, neue Ford F-Serie stehen wird.


Chevrolet Corvette 427: Das Beste zum Schluss

Furioses Finale: Die Corvette 427 markiert die letzte Ausbaustufe der Generation C6.

Was Italienern Ferrari und den Deutschen Porsche, das ist für Amerikaner die Corvette. Kein anderer Sportwagen in den USA hat solch eine Tradition, einen so guten Ruf und einen derart großen Freundeskreis wie der heißeste Renner aus dem General-Motors-Imperium. Und so ist es kein Wunder, dass eine ganze Nation allmählich auf Drehzahl kommt, weil Chevrolet zum 60. Geburtstag der Corvette in der kommende Woche auf der Autoshow in Detroit die siebte Generation enthüllt. Jedes noch so kleine Informationshäppchen wird begierig aufgenommen, tausende Gerüchte jagen durchs Internet und PS-Paparazzi verdienen sich mit den Fotos der ersten Prototypen eine goldene Nase.

Doch auch wenn die Autowelt auf die C7, also die neue Corvette-Generation, wartet, lohnt sich noch einmal ein Blick auf die aktuelle Modellpalette. Nicht nur, weil es wohl Spätsommer wird, bis die ersten Autos auch nach Europa kommen. Sondern weil die US-Amerikaner nach dem Motto „das Beste zum Schluss“ jetzt noch einmal zu einem furiosen Finale blasen und die Corvette 427 lancieren. Die hat ihren Namen von den 427 cubic inches Hubraum des feuerrot lackierten V8-Motors, die sich in Europa zu imposanten sieben Liter umrechnen lassen. Und weil die Ingenieure diesem Koloss 512 PS entlocken und das Auto ausschließlich als Cabriolet angeboten wird,  ist die 427er das stärksten Cabrio der Corvette-Geschichte.

Stürmische Tiefflieger: Das Sondermodell ist das stärkste Cabrio in der Corvette-Geschichte.

Kraft allein jedoch war den Ingenieuren nicht genug. So wurde nicht nur der Motor getunt, sondern mit Karbonteilen aus den Sportmodellen Z06 und ZR1 auch das Gewicht gedrückt. Jetzt wiegt das Auto 1531 Kilo und jedes PS muss gerade mal sechs Pfund schleppen. „Damit haben wir ein besseres Leistungsgewicht als der Audi R8 Spyder oder der Ferrari California“, sagt Chefingenieur Tadge Juechter. Und das zu einem Preis, für den es die anderen Supersportwagen allenfalls als junge Gebrauchte gibt. Selbst wenn aus den 76.000 Dollar (so hoch ist der US-Preis) auf dem Weg über den Atlantik 100.750 Euro werden, ist die Corvette in dieser Liga geradezu ein Schnäppchen.

Wie so oft bei amerikanischen Sportwagen steht allerdings die Liebe zum Detail in einem krassen Gegensatz zur Lust an der Leistung. So akribisch die Ingenieure am Motor feilten, so oft sie für die Fahrwerksabstimmung um die Nordschleife gejagt sind, und so viel Karbon sie aus Gründen der Gewichtsersparnis auch einsetzten – genauso lustlos wirkt das Innenleben: Billiges Plastik, antiquierte Anzeigen, schlechte Sitze, ein Head-Up-Display das offenbar aus den Zeiten von Raumschiff Orion stammt und ein halbautomatisches Verdeck, das für den kurzen Weg unter die große Klappe eine halbe Ewigkeit braucht und obendrein nur im Stand bei angezogener Handbremse funktioniert. Solche Nachlässigkeiten werden durch Zierstreifen, eingestickte Corvette-Schriftzüge oder Zielflaggen-Logo mit dem Hinweis auf den 60. Geburtstag auch nicht rausgerissen.

Kraftpaket: Sieben Liter Hubraum und 512 PS - damit macht man im Autoquartett fast jeden Stich.

Aber all das ist vergessen, wenn man per Knopfdruck der Motor startet. Ein Gasstoß im Leerlauf, dann wackeln beim Nachbarn die Wände und im Garten fällt das Laub von den Bäumen. Der Adrenalinpegel steigt, im Nacken stellen sich die Haare auf und plötzlich gibt es nur noch eine Richtung: nach vorn. Nur kurz geht ein Zittern durch das Auto wie bei einem Rennpferd am Start, die 335er Walzen auf den 20-Zoll-Rädern im breiten Heck gönnen sich zwei, drei Runden, ehe das Gummi sich mit dem Asphalt verzahnt und dann schleudern bis zu 637 Nm die Corvette dem Horizont entgegen. Von 0 auf 100 in 4,2 Sekunden und ein Spitzentempo von 307 km/h – das sind die Werte eines echten Supersportwagens. Aber Achtung: Wer das in den USA ausprobieren möchte, der muss ganz, ganz vorsichtig sein. Denn so gut gelaunt die Cops der Corvette bei der Testfahrt normalerweise hinterher winken, reichen solche Fahrten schnell für „lebenslänglich“.

Grüße von gestern: Im Cockpit sieht man der Corvette ihr Alter mittlerweile an. Macht aber nichts, denn in ein paar Monaten gibt's ja eine neue.

Aber bei dem brettharten Fahrwerk und dem knochentrockenen Getriebe hält sich der Reiz des Rasens auf den miserablen Highways und Byways im Hinterland von Los Angeles ohnehin in Grenzen. Auf einer ordentlichen Rennstrecke, da mag die 427er vielleicht einem Porsche Paroli bieten oder einem Ferrari davon fahren. Aber der legendäre Mullholland-Drive ist mit diesem Auto ein Ritt auf Messers Schneide, nach dem einem selbst dann der Schweiß auf der Stirn steht, wenn die Sonne ausnahmsweise mal nicht vom Himmel brennt.

Deshalb muss man die Corvette nicht immer mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren: Wer das Magnetic-Ride-Fahrwerk mit dem Drehschalter auf dem Mitteltunnel auf “Tour” einstellt, dem Tempomat bei 120 fixiert und sich den Wind durch die Haare wehen lässt, erlebt das Cabrio als Power-Cruiser erster Güte. Und in der Stadt wirkt es als perfekter Blickfang, dem sich bei jedem Ampelstart ein paar aufrechte Daumen entgegen recken.

Das faszinierendste an der Corvette allerdings ist der Klang. Laut, rau und ungehobelt macht sie einen Krawall wie Bruce Springsteen im Open-Air-Stadion. Mal leise säuselnd, mal dunkel grollend, mal brüllend laut und zwischendurch mit gellenden Fehlzündungen – so wird die Corvette zum Rockstar unter den Rennwagen und ist selbst dann noch zu hören, wenn das Cabrio schon längst in den Sonnenuntergang verschwunden ist.


Toyota IQ-Sonderserien: Zwei wie Himmel und Hölle

Jeckyll und Hyde: So unterschiedlich können die Ausprägungen eines Autos sein.

In den ersten elf Monaten des abgelaufenen Jahres wurden kaum 2000 Exemplare in Deutschland neu zugelassen – so richtig erfolgreich also ist der Toyota iQ nicht. Auch wenn der 3+1-Sitzer viel cleverer konzipiert ist als der Smart, ist sein Image blass und farblos. Dabei hat der Drei-Meter-Winzling jede Menge Potenzial. Das beweisen zwei Sonderserien, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die Modelle iQ EV und der iQ Sport.

Die mit einer strömungsgünstiger geformten Front etwas frischer und moderner wirkende Elektroversion fährt mit einem 64 PS starken E-Motor vor, der wie eh und je die Vorderachse antreibt und flüsterleise durch die Stadt surrt. Einen Auspuff hat der Stromer natürlich nicht und das schlechte Gewissen kann sich der Fahrer sparen. Denn zumindest bei Toyota in Köln wurde der iQ vor der Testfahrt mit Solarstrom betankt.

Während das E-Mobil dem Zeitgeist folgt und sich ein grünes Mäntelchen umhängt, zeigt der iQ als Sportler einen ganz und gar anderen Charakter. Dafür kommt ein kleiner Kompressor zum Einsatz, und schon leistet der 1,33 Liter große Vierzylinder-Benziner nicht mehr 98, sondern 122 PS. Damit macht man zwar im Autoquartett auch noch keinen Stich, doch wenn maximal 174 Nm Drehmoment auf ein Gewicht von weniger als 1000 Kilo treffen, kommt der Fahrspaß garantiert nicht zu kurz. Das hätte sich vielleicht auch Aston Martin überlegen sollen, als die britische Marke den iQ zum luxuriösen, aber lahmen Luxusmini Cygnet aufgehübschte.

Schnelle Starter: Beim Sprint gehen beide beherzt zur Sache. Nur geht dem Stromer anschließend schnell die Puste aus.

Zwar nutzen beide Autos eine komplett unterschiedliche Antriebstechnik, doch bei der ersten Ausfahrt sind sich die zwei ungleichen Zwillinge dann doch ähnlicher, als man erwartet – zumindest im Stadtverkehr. Denn bis Tempo 50 haben beide ungeheuer viel Bumms, lassen ordentlich die kleinen Reifen auf der Vorderachse qualmen und wuseln s0 wendig durch den Verkehr, dass es eine echte Freude ist.

Die Geräuschentwicklung wiederum ist komplett gegensätzlich. Während der elektrische Zwerg flüsterleise davon zischt und sich anfühlt wie ein Autoscooter auf dem Rummelplatz, macht der kleine Kompressor-Knirps Krach wie ein großer, brüllt auf wie ein Bullterrier-Baby und erinnert an ein Go-Kart mit Straßenzulassung.

Jenseits der Stadtgrenzen rücken die beiden iQ-Sonderserien weiter auseinander. Dem Elektriker geht dort relativ bald die Puste aus, überholen wird zur Geduldsprobe und bei Tempo 125 ist Schluss. Die Krawallschachtel dagegen dreht dann erst richtig auf. Zwar flackert die ESP-Kontrollleuchte im Disco-Takt und die Antriebsräder zerren manchmal gefährlich an der Lenkung, doch mit straffer abgestimmtem Fahrwerk und breiteren Rädern kullert der iQ wie ein Kugelblitz über die Landstraße, schafft den Sprint von 0 auf 100 in weniger als neun Sekunden und stielt auf der Autobahn jedem anderen Kleinwagen die Schau. Denn wo für den iQ sonst bei Tempo 170 km/h Schluss ist, schießt er jetzt mit bis zu 190 km/h über die linke Spur. Da schaut mancher Smart-Fahrer ziemlich überrascht aus der Wäsche.

Kraftpaket: Ein Kompressor genügt, schon entwickelt der 1,33-Liter-Benziner um 25 Prozent mehr Leistung.

So unterschiedlich die Technik der beiden Zwergen-Zwillinge, so unterschiedlich sind auch die Ambitionen der Ingenieure. Den elektrischen Kleinwagen hat Toyota eigentlich nur als Alibi gebaut, um zu beweisen, dass das Unternehmen nicht nur die Hybridtechnik beherrscht. Nach fast fünf Millionen Hybridfahrzeugen war es für Toyota fast ein Kinderspiel, jetzt einfach den Verbrenner ganz weg zu lassen. Doch weil der iQ EV selbst mit dem vergleichsweise kleinen Akku von 11,6 kWh und einer enttäuschend Reichweite von theoretisch 85 und praktisch kaum mehr als 50 Kilometern noch dreimal so viel kostet wie das normale Serienmodell, denkt in Tokio niemand ernsthaft an eine Serienproduktion. Rein elektrische Mobilität sieht Toyota vor dem Einsatz der Brennstoffzelle allenfalls bei Mini-Mobilen und Mobilitätshilfen im lokalen Umfeld. „Wir bauen lediglich eine dreistellige Anzahl von Fahrzeuge für Flottentests und Pilotkunden in Japan und in den USA “, sagt Toyota-Sprecher Henning Meyer. „Mehr Autos kommen erst, wenn sich die Marktlage gravierend verändert und die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen gestiegen ist. Und in Deutschland ist dieses Fahrzeug vorerst gar kein Thema. “

Laut und leise: Während der Stromer (rechts) nur surrt, macht der Kompressor-Knirps (links) ordentlich Krawall.

Beim iQ-Kompressor sieht die Sache ein wenig anders aus. Den hätte die Zentrale in Köln lieber heute als Morgen im Angebot. Nicht nur, weil er in Köln bei der Toyota Motorsport GmbH (TMG) entwickelt worden ist, sondern vor allem, weil er gut ins neue Konzept der Japaner passt. Schließlich will die kopfgesteuerte Firma endlich wieder ein paar Autos für den Bauch anbieten und sich ein paar Emotionen leisten. „Da wäre es doch schön, wenn wir Sportwagen wie den GT-86 mit solchen Sonderserien flankieren könnten“, sagt Toyota-Mann Meyer. TMG-Entwickler Sebastian Janssen nickt dazu entschlossen. Die gut 200 Mitarbeiter des ehemaligen Formel-1-Rennstalls jedenfalls wären nur zu gerne bereit. „In einem halben Jahr könnte das Auto auf der Straße sein“, sagt Janssen.

Dass so ein Konzept bei den Kunden ankommt, zeigt der Blick nach Japan, wo die iQ-Sonderserie im vergangenen Sommer bereits angeboten wurde – mit wahnwitzigem Erfolg: Obwohl das Auto etwa doppelt so viel kostete wie das Serienmodell, waren alle 100 Exemplare binnen drei Minuten vergriffen.