Maserati GranTurismo Sport: Schnella Italia

Schnelle Schönheit: Zum ersten Mal beschleunigt der GranTurismo jetzt bis auf 300 km/h.

Er ist der ungekrönte Schönheitskönig unter den Sportwagen – der Maserati GranTurismo. Kein Bolide ist so lustvoll und leidenschaftlich gezeichnet wie das italienische Coupé. Doch jedes Modell weiß: Schön sein ist leicht, schön bleiben dagegen harte Arbeit. Was bei Stars und Sternchen zur Not der plastische Chirurg richtet, machen beim Auto die Ingenieure und Designer. Nicht umsonst heißt die Überarbeitung zur Mitte der Laufzeit „Facelift“. Das erhielt jetzt auch der große Zweitürer aus Modena, der seinen Vorsprung beim Concorso d’Eleganza auf der Überholspur nun mit ein paar dezenten Retuschen sichern will und im Juli zu Preisen ab 123.620 Euro als GranTurismo Sport in den Handel kommt.

Dabei arbeiten die Italiener vor allem die sportliche Seite des Wagens heraus. Die neue Frontschürze mit den großen Nüstern zum Beispiel ist inspiriert vom Rennwagen MC Stradale, die Scheinwerfer mit dem LED-Tagfahrlicht haben jetzt einen stechenderen Blick, die dunkleren Rückleuchten lassen die jeweils 96 Leuchtdioden noch deutlicher hervor treten und die in frischen Farben lackierten Bremssättel in den dunklen Felgen betonen den stärkeren Biss, den der GranTurismo im Ernstfall entwickeln kann. Dazu gibt es innen neue Sitze mit mehr Seitenhalt und einem Hauch mehr Beinfreiheit für die Hinterbänkler.

PS statt Pavarotti: Der V8 macht mehr Musik als ein großes Orchester.

Das Herz des Maserati schlägt unter seiner langen Haube: 4,7 Liter hat der V8-Motor und dank neuer Elektronik jetzt noch ein bisschen mehr Muskeln. Die Leistung steigt um zehn auf 460 PS und das Drehmoment klettert um 20 auf 520 Nm. Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass der GranTurismo eigentlich zwei, drei Zentner zuviel auf den Rippen trägt: Wer nur den Fuß fest genug aufs Gaspedal drückt oder mit der neuen Launch-Control startet, der schießt mit der Automatikvariante in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und jagt danach bis 298 km/h weiter. Die Variante mit elektrohydraulischer Schaltung ist sogar noch schneller: Beim Sprint nimmt sie der Automatik eine Zehntelsekunde ab und bei Vollgas knackt sie die 300er-Marke.

Zwar ist der GranTurismo als großer Tourer vor allem für die weiten Strecken, die breiten Boulevards und die großen Geraden gemacht, doch auch auf engen Gebirgsrouten, in schnellen Kurven und kitzligen Kehren schlägt er sich für seine Größe und sein Gewicht durchaus wacker – vor allem, nachdem Maserati noch einmal an der so genannten Skyhook-Federung gefeilt hat. Sie ist im Sportmodus jetzt spürbar steifer und direkter. So poltert der Luxusliner zwar ein wenig über Bodenwellen und durch Schlaglöcher, aber dafür hält er nun präzise die Spur, wirft sich mit Verve in die engsten Kurven und lässt sich auch von schnellen Richtungswechseln nicht aus der Ruhe bringen.

Elegantes Ende: Am Heck hat sich außer den Rückleuchten kaum etwas geändert.

Das Auto ist wunderbar anzuschauen und toll zu fahren. Doch das Beste am GranTurismo ist sein ohrenbetäubender Sound: Mit Sportauspuff samt Schallklappen und einer Elektronik, die so wunderbar dosierte Zwischengas-Stöße einspielt, taugt der Maserati für die große italienische Oper auf Rädern und zaubert einem in jeder Tonlage eine Gänsehaut. So bekommt man schon allein durch den Anlasssound weiche Knie und feuchte Hände, bevor man überhaupt den ersten Meter gefahren ist. Wie wenig sich beim Facelift tatsächlich geändert hat, das hat man da schon längst wieder vergessen.



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