Opel Insignia Biturbo: Der Berge-Bügler

Anti-Aging: Um den Insignia gegen das Altern zu wappnen, bekommt er jetzt einen neuen Dieselmotor mit Biturbo.

Von außen sieht der Insignia noch immer Klasse aus. Doch innen nagt an ihm schon der Zahn der Zeit. Zwar ist der Wagen erst seit vier Jahren auf dem Markt und wirkt im Grunde noch immer elegant und stimmig. Aber pixelige Grafiken auf dem Monitor des Bordcomputers, klotzige Schalter und ein Navigationssystem ohne Online-Zugang zeigen, dass es langsam Zeit für eine Modellpflege wird. Die ersten Details hat Opel schon geändert: So gibt es jetzt einen Tempomat mit Abstandsregelung – und endlich einen Spitzendiesel, der diesem Namen auch gerecht wird. Denn mit 195 PS, 420 Nm und einem feinfühlig ansprechenden Doppelturbo tritt der neue Zweiliter-Motor so kräftig an, dass er jeden Berg platt bügelt.

Opel rühmt den neuen Motor als Musterbeispiel des Downsizing: „In dieser Liga waren bislang Sechszylinder mit rund drei Litern Hubraum die übliche Wahl. Mit der Biturbo-Technologie entwickeln wir mit einem kleineren Motor noch mehr Kraft bei gleichzeitig 30 Prozent weniger Verbrauch“, sagt Insignia-Chefingenieur Volker Scharf. Er ist durchaus stolz auf die 4,2 Liter Verbrauch, mit denen der Insignia auf dem Prüfstand im besten Fall zufrieden ist. Dabei hilft auch die Start-Stopp-Automatik, die bei allen Handschaltern serienmäßig eingebaut wird. Gleichzeitig setzen sich die Hessen mit dem Bituro vor die Konkurrenz aus Wolfsburg. Denn VW spart sich die teuren Doppellader, weshalb die Diesel-Leistungsskala des Passat bei 170 PS endet.

Eiliger Ölbrenner: Mit 195 PS fährt der Insignia dem Passat davon.

Der neue Motor ist tatsächlich eine Wucht. Egal bei welchem Tempo und welcher Topographie man auch aufs Gas tritt: Immer macht der Insignia einen kleinen Satz nach vorn und legt einen Zahn zu. Dass der Kraftmeier kein Leisetreter ist, stört dabei kaum. Überholen jedenfalls wird so zum Kinderspiel, Bergpässe machen richtig Spaß und lange Autobahnetappen schmelzen wie die Schneereste in der Frühjahrssonne. Nur den Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern kann man vergessen: Mit schlankem Gasfuß schafft man es rund sechs Liter. Schnell gefahren und voll beladen werden es eher sieben Liter – für so viel Kraft noch immer ein gutes Ergebnis.

Der neue 2.0 CDTi ist der stärkste von vier Dieselmotoren, deren Leisungspalette bei 110 PS beginnt. Er kostet mindestens 33.405 Euro und ist damit gut 2000 Euro teurer als der bisherige stärkste Selbstzünder mit 160 PS. Angeboten wird der Motor in allen drei Karosserievarianten und auf Wunsch auch mit Allrad. Technisches Highlight ist sein Doppelturbo: Zwei Lader laufen gestaffelt allein oder im Team und sprechen so schnell an, dass kein Turboloch mehr spürbar ist. Schon bei 1250 Touren stehen 320 Nm breit und bei 1750 Umdrehungen entwickelt der Motor seine volle Antrittskraft von 400 Nm. Entsprechend flott ist der Wagen unterwegs: Den Sprint auf Tempo 100 schafft er in 8,7 Sekunden und Schluss ist erst bei 230 km/h.

Der Diesel im Insignia kommt spät, dafür aber gewaltig. Denn eigentlich hätte der Biturbo schon vor drei Jahren fertig sein sollen. Jetzt also montiert Opel einen klasse Motor in ein Auto, das schon langsam Staub ansetzt. Klar, die ersten Flocken wird der Selbstzünder mit seinem druckvollen Antritt locker wegblasen. Doch ausruhen dürfen sich die Hessen darauf nicht. Denn in die Begeisterung für den neuen Selbstzünder mischt sich die Ernüchterung, wie schnell das Flaggschiff altert und wie modern jüngere Konkurrenten wie Kia Optima, Hyundai i40 oder Peugeot 508 gegen den Insignia mittlerweile wirken.



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