Ferrari F12 Berlinetta: Das Hammer-Gerät aus Maranello

Schnell und schön: Der F12 ist keine brutale Krawallschleuder, sonden ein rasendes Kunstwerk.

Downsizing, Elektro-Antriebs-Euphorie und Geiz ist Geil? Mag ja sein, dass das die bestimmenden Themen im großen Automobilgeschäft sind – aber gewiss nicht für eine Marke wie Ferrari. Wie weit die pfeilschnelle Fiat-Tochter tatsächlich über den Dingen steht, beweisen die Italiener jetzt mit dem neuen Flaggschifs F12 Berlinetta, das nächste Woche in Genf Premiere feiert und vermutlich Anfang 2013 in den Handel kommt: Denn der Nachfolger des 599 GTB sieht mit der endlos langen Haube, den muskulösen Flanken und dem knackigen Heck nicht nur verboten gut aus, sondern er bricht auch unter der Haube alle Rekorde: 740 PS machen ihn zum bislang stärksten Straßenmodell in der Firmengeschichte.

Heißer Hintern: Bei einem Spitzentempo von mehr als 340 km/h wird man den F12 wohl am häufigsten aus dieser Perspektive sehen.

In Fahrt bringt das rassige Coupé aus der Feder von Altmeister Pininfarina zwar derselbe V12-Motor, der am im  Familienmodell FF zum Einsatz kommt. Doch während der 6,3-Liter im Viersitzer vergleichsweise mickrige 660 PS leistet, haben die Italiener jetzt noch einmal 15 Prozent Leistung extra mobilisiert. Außerdem steigt das maximale Drehmoment auf 680 Nm, von denen 90 Prozent bereits ab 2500 Touren an der Hinterachse reißen. Kein Wunder, dass der F12 in nur 3,1 Sekunden auf Tempo 100 schnellt, nach 8,5 Sekunden schon 200 Sachen auf dem Tacho anzeigt und erst jenseits von 340 km/h außer Puste kommt.

Technisch eng mit den Formel-1-Rennwagen verwandt, ist der F12 aber nicht nur auf der Geraden schnell. Ferrari verspricht auch eine herausragende Kurvendynamik. Dafür gibt es neben Karbonbremsen und einem Trans-Axle-Getriebe mit Formel-1-Genen unter anderem ein weiter entwickeltes Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und eine Karosserie, die knapper geschnitten und leichter konstruiert ist. In jeder Dimension haben die Italiener ein paar Zentimeter gekappt und mit dem neuen Spaceframe aus Aluminium sowie jeder Menge Karbon das Gewicht um 70 auf kaum mehr als 1500 Kilo gedrückt.

Von wegen Sportstudio: Von so einem noblen Arbeitsplatz können die Formel-1-Fahrer bei Ferrari nur träumen.

Außerdem haben sie den 4,62 Meter kurzen und 1,27 Meter flachen Wagen im Windtunnel gründlich glatt geschliffen und ein paar aerodynamische Finessen eingebaut, die einerseits den Anpressdruck erhöhen, andererseits aber den Luftwiderstand senken. Lohn der Feinarbeit: Die Runde auf der Rennstrecke von Fiorano spult der F12 in 1:23 Minuten ab und ist damit schneller als jeder Serien-Ferrari zuvor.

Angenehmer Nebeneffekt von Leichtbau, aerodynamischem Feinschliff und Motor-Optimierung: Der Verbrauch sinkt um 30 Prozent auf 15 Liter. Das dürfte den Kunden allerdings ebenso egal sein wie der Preis, der sicher deutlich über 300.000 Euro liegen wird. Wer Ferrari kennt, der weiß, dass er sich darüber keine Gedanken machen darf: Während die einen noch überlegen und rechnen, haben nämlich die anderen schon das Scheckbuch zur Hand. Vermutlich wird es auch beim F12 Berlinetta sein wie schon so oft: die erste Jahresproduktion ist bereits zum Messedebüt ausverkauft.


Mazda Takeri: Bote einer besseren Zeit

Muskeln statt Mittelmaß: So sportlich kann eine japanische Mittelklasse-Limousine aussehen – wenn man die Designer nur machen lässt.

Er war die graue Maus in der Mittelklasse, doch jetzt treibt es der Mazda6 bunt. Das zumindest ist das Versprechen, das die Japaner mit der Designstudie Takeri geben. „Sie ist ein sehr konkreter Vorbote für unseren nächsten 6er, den wir im Herbst in Paris zeigen und zum Jahreswechsel in den Handel bringen“, sagt der europäische Designchef Peter Birtwhistle und bittet kurz vor der Europapremiere auf dem Genfer Autosalon zur ersten Testfahrt mit dem fragilen Schaustück.

Jetzt, wo der Takeri zum ersten Mal unter freiem Himmel fährt, kann man besonders gut erkennen, wie sportlich die Limousine gezeichnet ist. Ganz im Geist der neuen Designsprache Kodo gehalten, ist sie ein Destillat aus Kraft und Konzentration. Mit stierem Scheinwerferblick starrt sie dem Vordermann in den Spiegel, wirkt gespannt wie ein Sprinter im Startblock und lässt an den schlanken Flanken verführerisch die Muskeln spielen. Dabei ist sie so schnittig gezeichnet, dass sie glatt als viertüriges Coupé durchgehen würde. Kein Wunder also, dass die Japaner das bisherige Fließheck erst einmal gestrichen haben und stattdessen neben Limousine und Kombi viel eher mit einem Crossover-Modell irgendwo zwischen Mercedes CLS und BMW X6 liebäugeln.

Aber der Takeri nimmt den Betrachter nicht nur von außen für sich ein. Wer den Wagen von innen sieht, wird zum ersten Mal seit langer Zeit tatsächlich wieder Lust haben, in einen Mazda einzusteigen. Denn die kunststoffgraue Beliebigkeit weicht zumindest bei der Studie einem sportlich-schicken Ambiente aus Lack und Leder, das den Fahrer endlich wieder ins Zentrum des Geschehens rückt. Die Sitze sind stark konturiert und machen den Menschen zu einem Teil der Maschine, die Instrumente haben eine beinahe hypnotische Wirkung, das Lenkrad ist wie bei einem Sportwagen unten abgeflacht und der Schaltknauf ginge auch als Schubknüppel in einem Düsenjäger durch. „Leider werden wir derartige Details nicht in die Serie retten können“, dämpft Birtwhistle die Erwartungen. Für solche Spielereien ist bei einem Auto, das in der Basisversion keine 25.000 Euro kosten dürfte, einfach kein Geld da. Doch die neu entdeckte Liebe zum Detail, der Sinn fürs Sinnliche, den Ehrgeiz bei der Materialauswahl und vor allem die Position der Sitze und Instrumente – „das alles wird man im nächsten Mazda 6 wiederfinden“, sagt der Designer.

Schöner Wohnen: Auch im Innenraum ist Schluss mit der lustlosen Langeweile. "Allerdings werden wir nicht alles in die Serie retten können", dämpfen die Designer die Erwartungen.

Zwar will der Takeri beim Design innen wie außen mit jedem Zentimeter sportlich wirken. Und wenn man den Prototypen nicht nur mit Schrittgeschwindigkeit über den Hof bugsieren dürfte, dann sollte er auch mit Lust und Leidenschaft durch die Kurven schneiden. Doch unter dem Blech regiert der neue Sparkurs der Japaner. Denn genau wie der kleine Geländewagen CX-5, der Anfang des Jahres in den Handel kam, profitiert die nächste Generation des Flaggschiffs vom Technologiepaket Skyactiv. Das steht für eine Leichtbauplattform, mit der zum Modellwechsel 100 Kilogramm dahin schmelzen werden. Zugleich steht Skyactiv auch für neue Motoren und neue Getriebe, die mehr Leistung bei weniger Verbrauch bieten. Dabei hilft ihnen neben der Umstellung auf Direkteinspritzung und der extrem hohen Verdichtung auch eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik und erstmals bei Mazda ein System zur Bremsenergie-Rückgewinnung. Allein das spart zehn Prozent Sprit, weil es auf neuartige „Supercaps“ als Energiespeicher setzt, die in wenigen Sekunden geladen sind und den Strom – etwa in Ampelphasen – ebenso schnell wieder abgeben. Obwohl die Leistung der zunächst je zwei Benziner und Diesel auf deutlich mehr als 200 PS steigen dürfte, sollte der Verbrauch der sparsamsten Variante auf weniger als vier Liter fallen. „Wir können ganz ohne Elektromotor mit jedem Hybridmodell mithalten“, sagt Testingenieur Uwe Kracht. Und was die Reichweite angeht, sind die Japaner sogar voraus. „1500 Kilometer mit einer Tankfüllung sind locker möglich.“

Kesse Kehrseite: Mit diesem Heck geht die Limousine auch als Coupé durch und macht den Fünftürer überflüssig.

Natürlich ist der Takeri nur eine Studie, und ganz so extrovertiert wird das Serienmodell wohl doch nicht werden. Doch anders als dem zum Niederknien schönen Sportwagen Shinari, mit dem Designchef Ikeo Maeda vor zwei Jahren seinen Einstand gegeben hat, mangelt es dem Viertürer nicht an Bodenhaftung: Mehr als Farben, Felgen und die Scheinwerfer werde sich kaum mehr ändern, versprechen die Japaner. Und wer das nicht glauben mag, dem empfehlen sie einen Blick auf den Minagi vom Genfer Salon 2011. Denn aus dieser Studie ist mittlerweile ohne nennenswerte optische Abstriche der CX-5 geworden.


McLaren MP4-12C: Formel 1 für die Straße

Nur fliegen ist schöner: Näher kann man der Formel 1 auf der Straße kaum kommen.

Ein neuer automobiler Tiefflieger drängt auf die Überholspur. Knapp 20 Jahre nach dem legendären F1 baut der britische Rennstall McLaren jetzt wieder einen Straßensportwagen. Der Nomenklatur der Formel-1-Renner folgend, hört er auf das Kürzel MP4-12C und steht seit ein paar Wochen in Deutschland für exakt 200.000 Euro bei zunächst vier McLaren-Händlern.

Zeit, diesen sperrigen Namen auszusprechen, bleibt dem Fahrer kaum: Bis man die Buchstaben über die Lippen bekommen hat, zeigt der Tacho schon mehr als 200 km/h und der Horizont kommt einem gefährlich nahe. Denn schärfer, präziser und schneller als der Exot aus England fährt kaum ein anderer Spitzensportler dieser Preisklasse. Und dank Karbonkarosse, aktiver Aerodynamik, adaptivem Fahrwerk und Bremshilfe beim Lenken ist keiner technisch so nah an der Formel 1 wie der Bolide aus Woking. Das sichert McLaren eine Stellung im Wettbewerbsumfeld, die das Unternehmen aus dem Rennbetrieb bestens kennt: die Pole Position.

Glatter Keil: Das Design ist etwas bieder, aber die Fahrlleistungen reißen alles raus.

In Fahrt bringt den Zweisitzer ein Mittelmotor mit acht Zylindern und 3,8 Liter Hubraum, der dank zweier Turbos 600 PS leistet und mit bis zu 600 Nm zur Sache geht. Lässt man die Finger vom Setup für Antrieb und Fahrwerk, gibt sich der Motor handzahm und lammfromm. Man kann den McLaren buchstäblich mit dem kleinen Finger fahren, der V8 dreht kaum über 2000 Touren, die Doppelkupplung wechselt fast unmerklich die Gänge und im Auto ist es flüsterleise. Dauerläufe von Hamburg nach München sind damit fast so entspannt möglich wie in einer sportlichen Limousine.

Flotter Feger: 600 PS, 600 Nm und 330 km/h - so wird der MP4-12C zur Trumpfkarte - nicht nur im Autoquartett.

Doch wehe, man dreht an den beiden Schaltern auf der Mittelkonsole. Im Sport- und erst recht im Track-Modus zeigt der McLaren sein wahres Gesicht. Die Drehzahlen schnellen bis weit in die 8000er, jeder Gangwechsel fühlt sich stark und schnell an wie der Tritt eines Karate-Kämpfers und der Motor brüllt selbst die innere Stimme nieder, die den Fahrer vergebens zur Vernunft mahnt. Zu verführerisch ist die Selbstverständlichkeit, mit der sich die 1,3 Tonnen schwere Karbonflunder in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und in weniger als zehn Sekunden auf 200 km/h katapultieren lässt, zu spektakulär ist die Leichtigkeit, mit der sich der Wagen durch Schikanen wedelt und zu faszinierend die Präzision, mit der er sich an die Ideallinie heftet. Die Formel1-Technik macht die Jagd nach der Bestzeit zum Kinderspiel und weckt in jedem von uns einen kleinen Lewis Hamilton. Und wer genügend Mut hat und eine hinreichend lange Gerade findet, ist mit 330 km/h sogar schneller als mancher Formel-1-Pilot. Dass bei derartigen Spielen die teuren 20-Zoll-Reifen auf der Hinterachse schneller in Rauch aufgehen als später die Zigarre im Drivers Club und der Bordcomputer dann locker mal einen Verbrauch von 20 Litern anzeigt – wenn juckt das schon in dieser Liga. Bei maximal 2000 Autos im Jahr können selbst Klimaschützer gelassen bleiben. Außerdem ist der Wagen mit 11,7 Litern zumindest im Normzyklus vergleichsweise sparsam.

Luxus für Leistungssportler: Ganz so schlicht wie in einem F1-Boliden geht es am Steuer des McLaren nicht zu. Ein bisschen Komfort darf man bei 200.000 Euro schließlich auch erwarten.

So spektakulär die Fahrleistungen und so raffiniert die Technik, so zurückhaltend ist das Design: Nicht dass es ihm an Sportlichkeit mangeln würde, und zumindest die Flügeltüren sorgen vor dem Casino in Monte Carlo oder den Nobelhotels zwischen Moskau und Miami für den richtigen Showeffekt. Doch wo andere Sportwagen dieses Kalibers aggressiv und provozierend wirken, bleibt der Brite höflich und zurückhaltend. Einzig die riesigen Kiemen an der Flanke, die unkonventionellen Endrohre auf Hüfthöhe, der ausklappbare Spoiler vom Format eines Bügelbretts und natürlich und das Fenster zum Motorraum im Heck lassen vermuten, welch’ heißes Herz unter der kühlen Hülle aus lackiertem Karbon schlägt.

Gebaut wird der Zweisitzer am McLaren-Stammsitz in Woking, wo auch der Formel-1-Rennstall und die Entwicklung zu Hause sind. Kurze Wege, ein reger Personalaustausch und gemeinsame Mittagspausen aller Mitarbeiter sollen dafür sorgen, dass der Geist der Rundstrecke auch auf der Landstraße lebendig bleibt. Das merkt man selbst an kleinen Details: Nach den abschließenden Testfahrten von Lewis Hamilton wurde zum Beispiel extra noch einmal der Bezug des Lenkrads modifiziert. Wer dem MP4-12C jetzt ins Steuer greift, hat exakt das gleiche Gefühl in den Fingern wie der Profi in seinem Formel-1-Renner.


Tesla Model X: Ein Flügeltürer für die ganze Familie

Einer wie alle? Auf den ersten Blick sieht das Model X noch aus wie ein etwas eleganteres SUV von der Stange.

Wenn Elon Musk, der Chef von Tesla Motors, derzeit mit seiner Familie unterwegs ist, dann meist in einem Audi Q7. Doch so richtig zufrieden ist der Multimillionär mit diesem Fahrzeug nicht. Denn erstens schlägt sein Herz natürlich für die elektrische Fortbewegung, und zweitens mangelt es ihm bei dem deutschen Dickschiff an Platz und Performance. Deshalb auf beispielsweise einen Chrysler Voyager umzusteigen, kommt für ihn allerdings auch nicht in Frage. Denn die Mutter aller Großraumlimousinen ist zwar innen ungeheuer geräumig, dafür jedoch ziemlich unelegant. Und von Fahrspaß kann auch keine Rede sein.

Ein wenig muss Musk – vermutlich mit zahlreichen Menschen aus der Oberschicht in Amerika und anderswo – noch mit diesem Zustand klar kommen. Doch Ende 2013 oder Anfang 2014 wird sein Unternehmen solche Kompromisse überflüssig machen. Denn als drittes Modell nach dem Tesla Roadster und der für diesen Sommer avisierten Limousine Tesla Model S geht dann in rund zwei Jahren das Model X an den Start. Der Luxusliner aus der Fünf-Meter-Liga wird das unvermeidliche Cross-Over-Modell, ohne das heute offenbar kein Nobelhersteller mehr auskommt. Tesla zielt damit zum Beispiel auf Kunden, die jetzt noch Audi Q7 fahren oder Mercedes R-Klasse oder den BMW X6.

Irre! Sobald die Türen aufgehen, stockt den Zuschauern der Atem. So was kennt man bislang nur von Supersportwagen.

Während andere Marken mit solchen Zwittertypen oft nur den kleinsten gemeinsamen Nenner bedienen, holt Musk bei seinem Mix das Maximum aus allen Modellen heraus. „Wenn das Elektroauto ein Erfolg werden soll, reicht es nicht, ähnlich oder gleich gut zu sein wie konventionelle Fahrzeuge“, sagt der E-Pionier. „Sondern wir müssen besser sein.“ Deshalb bietet das Model X genau so viel Platz wie ein Minivan, hat aber Statur und Status eines sportlichen Geländewagens. Und damit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt, ist es nach Aussage des Chefs auch noch ähnlich dynamisch wie ein Porsche 911.

Dafür sorgt ein E-Motor – bei optionalem Allradantrieb auch zwei von dieser Sorte – mit gut 350 PS, der den Wagen in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 200 km/h. Gespeist wird die E-Maschine (oder die beiden E-Maschinen) von Lithium-Ionen-Akkus, die im Wagenboden integriert sind. Es wird dort zwei unterschiedliche Pakete mit 60 oder 85 Kilowatt-Stunden Speicherkapazität geben, die eine Reichweite von maximal knapp 500 Kilometern ermöglichen sollen. Einen benzinbetriebenen Range-Extender wie im Fisker Karma oder im Opel Ampera hält Musk bei dieser Reichweite für verzichtbar.

Kühne Kehrseite: Das Heck des Model X kombiniert den Schwulst des BMW 5er GT und den hängenden Hintern des Audi A7.

Der Elektroantrieb hilft aber nicht nur beim sauberen Vortrieb, er schafft auch den nötigen Platz für bis zu sieben Passagiere in drei Reihen. Das bieten normale Geländewagen und Minivans zwar auch. Doch spätestens, wenn die Insassen mehr als eine Handtasche mitnehmen möchten, wird es in ihnen eng. Der Tesla hat jedoch hinten keinen Tank und vorn keinen Motor. „Wir geben Menschen den Platz in ihrem Auto zurück“, sagt Musk und wuchtete während der Vorstellung des neuen Autos mehr als ein Dutzend Koffer aus den beiden großen Kofferraumklappen an Front und Heck des Modell X.

Das Innenleben ist praktisch und die Stauräume sind pfiffig. Doch der Clou des Model X ist das Türkonzept. Denn dort, wo normale Vans allenfalls mit Schiebetüren locken, hat Tesla-Designchef Franz von Holzhausen so genannte Falconwing-Doors eingebaut. Ganz ähnlich wie im Mercedes SLS, nur zwei Nummern größer, schwingen sie auf Knopfdruck nach oben und machen den Weg frei in die beiden hinteren Reihen. „Nie war das Einsteigen so einfach“, sagt Musk und entert fast Aufrecht in den noblen Innenraum.

Musk, den seine Fans als den Steve Jobs der Autoindustrie verehren, macht mit und bei Tesla so ziemlich alles anders als die großen Pkw-Konzerne aus der alten Welt. Das gilt auch für die Informationspolitik: Während Mercedes & Co. ihre Neuheiten meist bis zur letzten Minute geheim halten, spricht er sehr offen über seine Pläne. Auch beim Model X. Denn selbst wenn der Prototyp direkt von der Premierenbühne zu Testfahrten startete, wird es bis zur Markteinführung noch fast zwei Jahre dauern. Kein Wunder also, dass es derzeit weder konkrete technische Daten, noch einen Preis gibt. Die 50.000 bis 90.000 Dollar, die das Model S kosten soll, sind die einzige Richtgröße, die potenzielle Kunden momentan haben. Die scheinen solche Unwägbarkeiten allerdings nicht zu stören: Kaum war das Model X enthüllt, waren auch schon die ersten Reservierung unterschrieben.


Land Rover Defender „Bigfoot“: Auf großem Stollenfuß

Eisiger Exot: Von den Bigfoots gibt es bei Land Rover nur zwei Exemplare.

Es ist morgens halb neun, draußen ist es noch fast dunkel und David trägt ein breites Grinsen: Der Winter hat Finnland fest im Griff, die Bäume biegen sich unter der Schneelast, die Temperaturen klettern selbst mittags kaum über -10 Grad, und auf den Feldern rund um Hämeenlinna türmen sich die Schneewehen. „Genau die richtige Zeit für eine kleine Landpartie“, sagt David und lässt rasselnd den Diesel seines Land Rover Defender an. Dann, wenn unsereins kaum mehr einen Fuß vor die Tür und erst recht nicht auf ein Gaspedal setzten möchte, fährt der Brite am liebsten. Denn David sitzt nicht am Steuer irgendeines Land Rovers, sondern als Instruktor des Abenteuertrupps Land Rover Experience ist er Herr über die zwei einzigen Bigfoots aus dem Werksfuhrparkt des britischen Geländewagenherstellers. „Bigfoot“, der mit den großen Füßen – so nennen die Allrad-Abenteurer jene Spezialumbauten, bei denen die Geländewagen riesige Ballonreifen erhalten, damit ihnen der Winter nichts mehr anhaben kann. Jetzt braucht David zwar fast eine Leiter zum Einsteigen, doch dafür walzt sein Wagen alles nieder, was Frau Holle über Nacht in den Weg geworfen hat.

Das Prinzip des Bigfoots hat David von den Eskimos oder wenigstens von deren Nacheiferern in den Wintersportorten abgeschaut. Denn so wie deren Schneeschuhe vergrößern auch die dampfwalzenbreiten Reifen auf den 38 Zoll großen Felgen die so genannte Aufstandsfläche des Autos. Das verteilt den Druck und sorgt dafür, dass der Wagen nicht einsinkt. Außerdem wächst die Bodenfreiheit dadurch nahezu um das Dreifache. „Vorn unter dem Differential sind es normalerweise 110 Millimeter, jetzt sind es 278 mm.“

Der will nur spielen: Mit einem Auto wie diesem, kann einem der Winter nichts anhaben.

Wo normale Pneus durch den Schnee schneiden würden wie ein Messer durch weiche Butter, drückt der Bigfoot die weiße Watte schmatzend zusammen und bleibt immer oben auf. Je mehr Luft David aus den Reifen lässt, desto weiter gehen die Gummis in die Breite, und desto höher schwebt der Defender über den Schnee. Mit der Lenkpräzision ist es dann zwar nicht mehr so weit her, und für die Kurven braucht man ein bisschen mehr Platz. Aber nach ein paar Minuten fühlt man sich wie ein Snowboarder auf Rädern und surft förmlich durch das Winterwunderland. Man fährt wie auf einer großen Wolke und sieht nur im Rückspiegel die Furchen, die das Auto im Weiß hinterlässt. Wie tief der Schnee wirklich ist, merkt man erst beim Aussteigen – wenn man neben dem Wagen plötzlich bis zum Bauch versinkt.

Schnell ist der Bigfoot freilich nicht . Denn erstens holt der Fünfzylinder-Dieselmotor aus den 2,5 Litern Hubraum nur magere 126 PS. Und zweitens bremst die Getriebeuntersetzung gehörig. Selbst im fünften Gang schafft der Wagen bei Vollgas kaum mehr als 40 Sachen. Doch dafür kann man im Dritten noch anfahren und im Ersten wühlt sich der Wagen mit maximal 300 Nm so verbissen voran, als spüre er im Nacken den Atem der nächsten Eiszeit. Spätestens wenn mit Hilfe von Druckluftkompressoren die drei zusätzlichen Sperrdifferentiale mit einem ohrenbetäubenden Zischen schließen, kann den Defender scheinbar nichts mehr stoppen – außer vielleicht ein ungeschickter Fahrer. Denn einfach ist der Marsch mit dem Bigfoot nicht: Im viel zu engen Fußraum bleibt man mit schweren Winterstiefeln immer wieder zwischen den Pedalen hängen und im knapp geschnittenen Cockpit verlässt einen bisweilen die Kraft zum Lenken.

Auf großem Fuß: Die wirklich riesigen Reifen sinken im Schnee kaum ein.

“Von Land Rover wurden die beiden Bigfoots eigens als Bergefahrzeuge für die Abenteuertouren der ‘Experience’ gebaut”, erläutert der Instruktor. Immer dann, wenn Range oder Discovery nicht mehr weiterkommen, rückt David aus, taucht die Szenerie mit den großen Dachstrahlern in gleißendes Licht, wirft die Winde an und zieht die Karren aus dem Dreck. „Mit dem Bigfoot habe ich noch jeden wieder flott gemacht“, sagt der Brite voller Stolz.

Kundenfahrzeuge hat die Prototypenwerkstatt der Briten bislang noch nicht gebaut. „Dabei gab es schon reichlich Anfragen“, sagt der Instruktor. Bis auf weiteres jedoch müssen sich Bigfoot-Interessenten nach Island wenden, wo sich eine ganze Branche auf entsprechende Umrüstung spezialisiert hat. In einem Land, in dem die größte Gletscher Europas für die Einheimischen so etwas sind wie riesige Abenteuerspielplätze und Schneefelder auch mal zu Schnellstraßen werden, leben Firmen wie Arctic Trucks blenden von den dicken Dingern – schließlich kostet ein Umbau mit ein bisschen Zubehör schnell mal 20.000 Euro. Bei Land Rover steht die Bigfoot-Umrüstung sogar mit jeweils rund 45.000 Pfund in den Büchern.

Längst fahren deren Trucks nicht nur durch Eis und Schnee . „Was im finnischen Winter hilft, das bringt uns auch auf Schlamm und Sand weiter“, sagt David. Deshalb holt er die Bigfoots nicht nur aus der Garage, wenn die Land Rover Experience ihr Gastspiel am Polarkreis gibt. „Sondern die beiden Autos sind echte Weltenbummler“, sagt er und erzählt von Einsätzen in Marokko, im Oman, auf Island und im Süden Afrikas. Kein Wunder, dass noch ein Hotel-Parkzettel aus Marrakesch und ein Fährausweis aus Reykjavik im Handschuhfach liegen.

So gut sich der Bigfoot im Gelände schlägt, so mühsam ist allerdings die Fahrt auf befestigten Straßen. Dass der Wagen 33 Sekunden bis Tempo 100 braucht und dem Motor bei 110 Sachen die Puste ausgeht, ist jedoch kein Schaden. Denn mit diesen Reifen ist diese Geschwindigkeit schon Abenteuer genug.


Volvo-Tuning: Wikinger-Limousine auf Speed

Starker Raucher: Der Volvo von Jakob Almqvist beim Burnout.

Deutsche Tuner haben Volvo eher nicht auf dem Zettel – das ist in Skandinavien völlig anders, vor allem im Volvo-Heimatland Schweden. Dort gehören heiß gemachte Volvo praktisch zum Standard. Wenn man es so weit treibt wie Jacob Almqvist aus Vetlanda jedoch, dann ist es schon wieder etwas Besonderes. Der 28jährige hat in 2500 Arbeitsstunden während drei Jahren ein Auto auf die Räder gestellt, das brutal wie ein Wikingerüberfall daherkommt: mattschwarz, schnörkellos, urgewaltig.

Als Basis diente ein Volvo 244 DL aus dem Baujahr 1978. Den legte Almqvist nahezu komplett auseinander und fügte dann ein düsteres Monster zusammen, das Volvo-Fans die Glückstränen in die Augen treibt. In den Motorraum setzte er das Fünfzylinder-Turbotriebwerk aus einem Volvo 850 T5R. Die ursprünglich 2,3 Liter große Maschine bohrte Almqvist auf 2,6 Liter auf, statt der originalen 226 PS entwickelt die Maschine nun 514 PS – wenn der Turbolader 1,5 bar Druck beisteuert. Der Ladeluftkühler des Almqvist-Volvo stammt übrigens aus einem Setra-Bus.

Durchblick: Ein Boden aus Plexiglas im Fond des Autos eröffnet den Blick auf Hinterachsdifferential, Auspuffanlage und die Fahrbahn.

Überhaupt stecken in diesem Auto jede Menge Teile, die sich wie ein Best-of der Volvo-Tuningszene lesen. Die Bremsanlage etwa übernahm Almqvist aus einer Corvette, die hydraulische Handbremse stammt aus dem Sportmotorrad Honda CBR 900 und das Getriebe adoptierte der Tuner von einem BMW 330d.

Insgesamt entstand so ein Paket, das auf der Straße eine beeindruckende Performance abliefert. “Der Wagen fährt sich erstklassig”, sagt Erbauer Almqvist. Das gilt auch für Einsätze auf der Rennstrecke. Von 0 auf Tempo 100 geht der Wagen in vier Sekunden. Über den klassischen Dragstrip von 402 Metern schießt der Volvo in 11,9 Sekunden. Beim Dragrace-Treffen auf dem Kurs im schwedischen Manstorp gewann der Volvo von Almqvist locker die Volvo-Klasse.

Derzeit hat es das Auto ein wenig ruhiger – es befindet sich sozusagen im Winterschlaf. Und zwar im Museum des schwedischen Automagazins “Bilsports” in Karlskrona. Almqvist, der momentan als Mechaniker in einer Mercedes-Werkstatt in Norwegen arbeitet, hegt inzwischen bereits neue Pläne.

Bauherr: Jacob Almqvist und sein Volvo-Prunkstück.

“Mein nächstes Projekt wird noch einen Tick extremer”, sagt der Mann, der – bis auf die Lackierung – alle Tuningarbeiten selbst erledigt. Was genau er vor hat, behält er noch für sich. Über ein passendes Basisauto aber hat er schon nachgedacht: entweder er verarbeitet einen 68er Chevrolet Camaro, oder einen 67er Chevrolet Nova. “Alles andere”, sagt er, “ist noch geheim.”


Hiriko: Ein Autoknirps, der clever ist statt smart

Schöner stapeln: Wird der Hiriko nicht gebracht, stellt er sich auf, macht sich schlank und lässt sich besonders platzsparend parken.

Gegen dieses Auto wirkt selbst der Smart riesig und irgendwie von gestern. Mit dem neuen Kleinstwagenkonzept Hiriko wollen spanische Investoren und amerikanische Wissenschaftler den Stadtverkehr von Morgen aufmischen. Während der Fahrt ist der Zweisitzer, in den man wie früher bei der BMW Isetta, durch eine große Tür an der Stirnseite einsteigt, sogar ein bisschen länger als der Smart. Doch der Clou des Hiriko wird erst beim Parken sichtbar: Denn dann drücken sich die neuartigen Federbeine an der Hinterachse so weit nach oben, dass sich die an Gelenken befestigte Kabine dreht und sich der gesamte Wagen aufrichtet. Damit lasse sich das Fahrzeug so eng parken, dass beispielsweise auf einen Smart-Stellplatz gleich drei Hirikos passen, prahlten die Hersteller während der Präsentation des Projekts vor der EU-Kommission in Brüssel.

Kompakt und clever: So soll der Hiriko den Stadtverkehr der Zukunft verflüssigen.

Selbstredend darf ein moderner Stadtwagen für die nahe Zukunft nicht mehr mit Benzin oder Diesel durch die Zentren knattern. Und so fährt der maßgeblich vom renommierten Massachusetts Institute of Technologie (MIT) entwickelte Hiriko mit Strom und kommt mit einer Akkuladung bis zu hundert Kilometer weit. Die Motoren sind direkt in den Radnaben montier . Das spart Platz und schafft mehr Raum für die beiden Insassen, von denen einer den Wagen statt mit dem Lenkrad mit einem Joystick steuert. Weil jedes Rad einzeln angetrieben wird, ist das Auto ungeheuer wendig und kann beinahe auf der Stelle drehen.

Bislang gibt es lediglich einen Prototypen, der jetzt in Brüssel zu sehen war. Doch schon im nächsten Jahr soll in der Nähe von Bilbao die Produktion einer Kleinserie des Fahrzeugs beginnen. Die ersten 20 Autos sollen in der Herstellung kaum mehr als je 16.000 Euro kosten. Und wenn später einmal größere Stückzahlen gebaut werden, werde Preis deutlich sinken, versprechen die Projektpartner. 12.500 Euro plus Batteriemiete seien das angestrebte Ziel. So könnte aus der Idee tatsächlich ein urbanes Massenphänomen werden.