Unikat im Kupferdress: Ein Sportwagen wie aus dem Märchen

Mercer Cobra: Virgil Exner gestaltete dieses Auto als Hommage an die US-Marke Mercer, die zwischen 1909 und 1925 rund 5000 Autos baute. Foto: RM AuctionsVirgil Exner war Autodesigner und Anfang der sechziger Jahre Kreativchef der US-Marke Chrysler. Nach seiner Pensionierung legte er den Zeichenstift allerdings nicht beiseite – sondern gestaltete weiterhin Autos. Mit Vorliebe sogenannte Revival-Cars, Phantasiemodelle für Marken, die längst das Zeitliche gesegnet hatten.

Das US-Magazin “Esquire” hatte Interesse an diesen Entwürfen und bat Exner, für die Dezember-Ausgabe vier seiner Lieblingsentwürfe detailliert auszuarbeiten. So entstanden hinreißende Skizzen für Autos der verflossenen Marken Bugatti, Duesenberg, Pierce-Arrow und Mercer. Aus mindestens einem dieser Autoträume wurde dann ein realer Traumwagen, und der wird jetzt im kalifornischen Monterey versteigert. Der Schätzpreis liegt zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar.

Das der Wagen tatsächlich gebaut wurde, liegt an George Hartley. Der war Chef der “American Copper Development Association” und in dieser Funktion darauf aus, den Autoherstellern Kupfer als Metallwerkstoff der Zukunft zu verkaufen. Ein wichtiges Vehikel bei diesem Unterfangen sollte das von Exner gestylte Auto werden, denn für den Bau des Wagens, der bei der Turiner Karosseriebetrieb Sibona-Bassano erfolgte, wurden insgesamt elf unterschiedliche Kupfer- und Messing-Legierungen verwendet.

Bremsscheiben, Felgen, Türtafeln, Mittelkonsole, Instrumenteneinfassungen, Kühlergrill und Motorabdeckungen sind aus Kupfer, sogar das Lenkrad ist aus einer Chrom-Kupfer-Aluminium-Legierung gefertigt. Die Basis des sehr speziellen Autos ist das verlängerte Chassis eines englischen Cobra-Sportwagens.

Als das Auto fertig war – angeblich soll die Herstellung des Wagens Exner keine 15.000 Dollar gekostet haben – wurde es umgehend an den Kupfer-Lobbyisten Hartley verkauft, diesmal allerdings für 35.000 Dollar. Daraufhin wurde der glänzende Mercer-Cobra auf eine werbewirksame Welttournee geschickt. Der Wagen erregte überall Aufsehen, wo er gezeigt wurde, doch Kupfer blieb, vom Kabelbaum moderner Autos einmal abgesehen, ein seltener Werkstoff moderner Fahrzeuge. Ändern könnte sich das jedoch mit dem vermehrten Aufkommen von Elektromodellen, denn die Spulen der E-Motoren dieser Fahrzeuge sind in aller Regel aus Kupferdraht gewickelt.