Bulli is back: Jetzt kommt der legendäre VW Bus doch zurück

Blick zurück nach vor: In dieser sehr kompakten Form könnte es klappen mit dem Comeback des Bulli.

„Manche Visionen müssen reifen, bis aus ihnen etwas neues Entstehen kann“, heißt es zum Auftakt des Genfer Autosalons bei VW. Manchmal dauert diese Reifezeit sogar zehn Jahre. Denn fast exakt ein Jahrzehnt ist es her, dass die VW-Studie „Microbus“ ihre Weltpremiere erlebte. Das Remake des Bulli aber verschwand bald wieder in der Versenkung. Nun jedoch enthüllen die Wolfsburger auf dem Genfer Salon erneut eine Neuinterpretation des legendären Bulli, der erst das Wirtschaftswunder mobil gemacht und dann die Hippies ans Ziel ihrer Träume gebracht hat. Inzwischen jedoch ist aus dem Ur-VW-Bus ein Minivan geworden. Das Auto ist sehr viel kompakter und erschwinglicher als noch vor zehn Jahren, hat aber jetzt wohl gute Chancen, in zirka drei Jahren als Serienmodell auf die Straße zu kommen.

Im Gegensatz zum ersten Microbus ist der Bulli 2.0 nicht als Zwilling des Kompaktvans Touran oder als Ersatz für die Großraumlimousine Sharan entworfen, sondern in der Neuauflage büßt das Auto knapp einen Meter Länge ein und landet mit 3,99 Metern in einem Segment, in sich Autos wie der Opel Meriva, der Toyota Verso-S oder der künftige Ford B-Max tummeln, VW aber noch gar nicht vertreten ist. Dabei setzen die Niedersachsen nicht nur auf das augenzwinkernde Design, das mit der Zweifarblackierung und dem großen V auf der Haube das Original aus den fünfziger Jahren zitiert, aber trotzdem kein Retroauto ist. Sondern der neue Bulli soll auch mit einem ungewöhnlich großzügigen Raumangebot überzeugen: Wie der erste Transporter aus Wolfsburg hat der neue Wagen vorn eine durchgehende Sitzreihe und bietet insgesamt Platz für sechs Personen. Diese Konstruktion hat noch einen weiteren Vorteil: Legt man beide Bänke um, bekommt man eine völlig ebene Liegefläche, die je nach persönlicher Biographie an den Italienurlaub mit den Eltern oder den Sommer der Liebe mit der Kommune erinnert. Natürlich kann man auch die Fondrückenlehne separat umklappen und so den Laderaum von 370 auf üppige 1600 Liter vergrößern.

Wie immer bei Studien haben die Designer auch beim Bulli ein wenig weiter gedacht, als es die Kostenrechner in der Serieversion zulassen werden. Statt einer normalen Schaltereinheit für Klima, Radio und Navigation gibt es in der Mittelkonsole ein voll integriertes iPad, das zur zentralen Bedienschnittstelle für den Wagen wird. Im minimalistischen Cockpit gibt es daher nur noch wenige weitere Anzeigen.

Falsches Format: So groß wie der Bulli aussieht, ist er gar nicht – mit 3,99 Metern liegt er auf VW-Polo-Niveau.

Visionär ist auch der Antrieb der Studie: Weil die Elektrifizierung des Automobils en vogue ist, fährt natürlich auch der Bulli mit Strom: Ein 115 PS starker E-Motor an der Vorderachse bringt die Studie in 11,5 Sekunden auf Tempo 100, erreicht elektronisch limitierte 140 km/h und kommt mit dem Strom der Lithium-Ionen-Akkus (40 kWh Kapazität) im doppelten Boden des Bullis immerhin 300 Kilometer weit.

Das ist zwar mit Blick auf die vollen Innenstädte von Berlin, Stuttgart oder München und die sonnigen Strände von Kalifornien eine schöne Vorstellung. Doch könnten die hohen Batteriepreise und die limitierte Infrastruktur dem Comeback des Bullis auch schnell wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Deshalb will sich VW lieber nicht auf die Elektrotechnik festlegen. Stattdessen schreiben die Niedersachsen vorsichtshalber schon mal in den Begleittext, dass unter die Haube natürlich auch Benzin- oder Diesel-Direkteinspritzer mit 1,0 oder 1,4 Litern Hubraum passen. An einem Motor jedenfalls sollte die Wiedergeburt des Klassikers nicht scheitern.



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