Neue Idee aus Maranello: Der Familienrenner Ferrari “FF”

Revolution statt Evolution: Mit einem Shooting Break will Ferrari künftig gegen Aston Martin Rapide, Porsche Panamera und Bentley Continental GT bestehen.

Das ist mal wieder eine echte Überraschung: Dass Ferrari in diesen Tagen einen Nachfolger für den 612 Scaglietti präsentieren würde, damit hatte die PS-Branche längst gerechnet. Doch was die Italiener jetzt kurz vor der offiziellen Premiere auf dem Autosalon in Genf Anfang März enthüllt haben, wird manchem Ferraristi die Sprache verschlagen. Während Erzkonkurrent Lamborghini das Messer wetzt und als Ersatz für den Murcièlago einen weiter verschärften Extremsportwagen angekündigt hat, rudern die Entwickler in Maranello ein gutes Stück zurück und geben den Blick frei auf einen Supersportwagen, der beinahe auch als Familienkutsche durchgehen würde. Denn aus dem bisherigen, leidenschaftlichen Zwölfzylinder-Coupé ist unter der Hand von Altmeister Pininfarina ein Shooting Break geworden, der seinen Platz zwischen Kombi und Coupé erst noch finden muss. Immerhin bietet er mit vier angeblich vollwertigen Sitze sowie 450 Liter Stauraum, einer umklappbaren Rückbank und dann gar 800 Litern Fassungsvermögen mehr Alltagsnutzen als etwa ein Porsche 911. Und direkte Konkurrenten wie Bentley Continental GT oder Aston Martin Rapide sticht damit er ohnehin aus. Das bringen die Italiener bereits im Namen zum Ausdruck: FF steht auf dem Kennzeichen und meint „Ferrari Four“ – also einen buchstäblich flotten Vierer.

Ferrari selbst spricht angesichts des 4,91 Meter langen Zweitürers mit einer scheinbar vom BMW Z3 Coupé inspirierten Silhouette von einem „konsequenten Bruch mit der Vergangenheit“. Nicht Evolution, sondern Revolution sei das Motto, wenn der Wagen in diesem Sommer an den Start gehe. Denn kein anderes Fahrzeug in dieser Klasse kombiniere ein solches „Maß an extremer Sportlichkeit und hoher Leistung mit unglaublicher Vielseitigkeit, großartigem Komfort und souveräner Eleganz“.

Obwohl die Italiener noch nie so viel Wert auf Variabilität und Alltagstauglichkeit gelegt haben wie bei diesem Modell, haben sie ihre alten Tugenden nicht vergessen. Im Gegenteil. Der FF ist nicht nur der geräumigste, sondern auch der stärkste Viersitzer der Firmengeschichte. Dafür sorgt ein weiterentwickelter V12-Motor mit nun 6,3 Litern Hubraum und 660 PS. Geregelt von einer an der Hinterachse platzierten Doppelkupplung bringt er bis zu 683 Nm auf die Straße und garantiert eine atemberaubende Beschleunigung: 3,7 Sekunden reichen aus dem Stand bis Tempo 100, und wer’s wirklich eilig hat, schafft 335 km/h.

Kuriose Kehrseite: Seit dem Z3-Coupé von BMW gab es bei keinem Sportwagen mehr solch ein Heck. Doch der steile Abschluss schafft Platz für vier SItze und mehr Kofferraumvolumen als in einem VW Golf.

Ferrari Four heißt der Wagen allerdings nicht nur wegen seiner vier Sitzplätze. Sondern Die Italiener feiern gleich noch eine weitere Technikpremiere und installieren erstmals einen Allradantrieb. Der sei, so melden sie zur Premiere, besonders variabel und vor allem sehr leicht und leiste so einen Beitrag zum vergleichseweise niedrigen Gewicht: 1,7 Tonnen bringt der FF auf die Waage und glänzt so mit einem Leistungsgewicht von 2,7 Kilogramm. Das macht den Ferrari nicht nur spurtstark, sondern zusammen mit der optionalen Start-Stopp-Automatik auch einigermaßen sparsam – wenn man andere Autos dieses Kalibers zum Vergleich heran zieht. Natürlich ist ein Normverbrauch von 15,7 Litern alles andere als zeitgemäß. Doch beim Vorgängermodell 612 Scagliette waren es noch fünf Liter mehr.

Wer sich einen Ferrari leisten kann, wird sich darum ebenso wenig scheren wie um den Preis. Ob der FF nun knapp 270.000 Euro kostet wie sein Vorgänger oder mit Allradantrieb über die 300.000er-Marke klettert, wird reiche Raser nicht stören. Die Erfahrung lehrt, dass schnelle Autos auch schnelle Entscheidungen verlangen. Wer bei Ferrari nicht sofort und am besten blind bestellt, muss nämlich in der Regel sehr lange auf sein neues Auto warten.



Einen Kommentar hinterlassen