Pirelli-Kalender 2011: Nackedeis im Olymp

Daria Werbowy als Ajax: Nur mit Pfeil und Bogen bekleidet - und scharf gestellt von Karl Lagerfeld.

Einem Multitalent wie Karl Lagerfeld gelingt scheinbar alles. Der Mann entwirft Mode, braut Duftwässerchen zusammen und kreierte kürzlich eine neue Flascheform für Cola Light. Jetzt griff er auch für den Pirelli-Kalender 2011 zur Kamera. In seinem Studio in Paris entstanden insgesamt 36 Aufnahmen für das Kult-Kalendarium des italienischen Reifenherstellers, das für das kommende Jahre unter dem Motto “Mythology” steht. Jetzt wurde das Werk in Moskau vorgestellt – mit Riesenbrimborium und Karl Lagerfeld, dem französischen Schriftsteller Frédéric Beigbeder, den Models des aktuellen Kalenders und natürlich Pirelli-Vorstandschef Marco Tronchetti Provera auf der Bühne. Insgesamt waren an dem neuen Werk 20 Fotomodelle, darunter auch fünf Herren, sowie die Schauspielerin Julianne Moore engagiert.

“Ich bin Polytheist, ich bevorzuge diese Mythologie ohne Hölle, ohne Sünde, ohne Vergebung.” So erklärt Karl Lagerfeld die Idee der Bilder des neuen Kalenders, den er jetzt, in seiner 38. Ausgabe, zum ersten Mal fotografierte. Es entstanden Schwarz-Weiß-Ausnahmen vor pechschwarzem Hintergrund, die Götter, Halbgötter und Helden der klassischen Antike zeigen. Die Models tragen dazu außer etwas Schmuck, Blättern auf den Brüsten, Waffen, Schilden oder Plexiglas-Formen vor den Genitalien nichts sonst als ihre makellose Haut.

Wie bereits die 37 Ausgaben zuvor wird es auch diesen Pirelli-Kalender nicht zu kaufen geben. Die Reifenfirma verschenkt das Werk an Geschäftskunden. Anfangs als frivoler Wandschmuck für Werkstätten und Autohaus-Kantinen gedacht, ist aus dem Kalender inzwischen ein vielbeachtetes Stück Fotokunst geworden. Pirelli engagiert Top-Fotografen, die wiederum arbeiten mit Top-Models. Und so avancierte das Werbegeschenk zu einem Werk zeitgenössischer Fotokunst.

Karl Lagerfeld in einem Interview über die Arbeit am Kalender, er habe “nur gute Bekannte ausgewählt, weil ich Personen wollte, die bei mir keinerlei Befangenheit empfinden.” Davon ist auf den Bildern nichts zu spüren. “Das, was mir an den mythischen Figuren gefällt, ist, dass sie keine Netzstrümpfe und Spitzen brauchen, um den Betrachter anzuregen. Bilder mit Pfennigabsätzen und Strumpfhaltern konnte Helmut Newton besser als ich.”



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