Sportwagen-Rarität Benarrow PB 5: Einer wie sonst keiner

Breit und böse: Von der Frontpartie des Audi S5 ist beim Benarrow PB 5 nichts mehr zu erkennen.

Neue Automarken gibt es nicht alle Tage, und in Deutschland schon gar nicht. Doch in Wittlich an der Mosel versuchen jetzt tatsächlich ein paar Enthusiasten ihr Glück mit einem neuen Modell und starten gleich dort, wo es am schwersten ist: In der sportlichen Oberklasse. Benarrow PB 5 heißt das ebenso elegante wie exotische Coupé, das zu einem Preis ab 267.750 Euro die auf absolute Exklusivität bedachten unter den Besserverdienern erreichen will.

Im ersten Leben war der PB 5 mal ein Audi S5, den die Macher des Projektes bis aufs Grundgerüst entkleiden. In rund acht Wochen wird aus der Basis dann in Handarbeit – erst bei Karosseriebauern in England, dann bei Kunsthandwerkern an der Mosel – ein schillernder Sonderling, der ähnlich extravagant aussieht wie ein Opel von Bitter oder ein Mercedes von Brabus. Bis auf das Dach und die Türen bleibt kein Blechteil erhalten.Statt des immergleichen Singleframe-Grills und den üblichen LED-Schwingen von Audi trägt der PB 5 einen zum schmalen Schlitz verengten Kühler, aus dem vier Knopfaugen-Scheinwerfer angriffslustig funkeln. Dazwischen prangt, wie ein Orden, das Markenlogo mit einem großen B, das über einem groben Zahnkranz schwebt. Die Flanken haben mächtige Muskeln angesetzt und das Heck fließt elegant aus dem flachen Dach. Kein Wunder: Immerhin haben die Macher mit Hilfe englischer Designer den Wagen nach hinten um fast 20 Zentimeter verlängert. Das sorgt nicht nur für neue Proportionen, sondern auch für einen größeren Kofferraum. Fasst er beim Original 450 Liter, passen nun 30 Liter mehr hinter die kleine Klappe.

Während das Coupé außen mit einem schillernden Designeranzug eingekleidet wurde, trägt der PB 5 innen das prunkvolle Ornat eines Unterweltkönigs: Rotes Leder und funkelnde Konsolen, wohin man auch schaut. Die Frage nach dem guten und dem schlechten Geschmack muss dabei jeder für sich beantworten. Doch völlig unbestritten sind die gründliche Verarbeitung und die Liebe zum Detail. Denn nicht nur das Leder ist phantasievoll und penibel über die Sitze gezogen, sondern auch jedes Detail wurde modifiziert – wenngleich Kenner die ursprüngliche Audi-Architektur noch erkennen werden. Veredelt wurden die Instrumente, das Zündschloss oder die Lüfterdüsen, die das Markenlogo wieder aufnehmen.

Kühne Kehrseite: Auch das Heck wurde gründlich umgebaut. 20 Zentimeter länger, neu geschnitten und mit riesigen Endrohren ginge der PB 5 von hinten auch als Ferrari durch.

Damit der PB 5 nicht nur in Preis und Prestige mit Bentley konkurrieren, sondern auch bei der Leistung mithalten kann, hat Benarrow das Fahrwerk und den V8-Motor vom Audi-Tuner MTM auf Vordermann bringen lassen. Mit einem gewaltigen Kompressor steigt die Leistung von 353 auf 506 PS, und das maximale Drehmoment klettert auf 540 Nm. Damit kennt das Coupé beinahe kein Halten mehr: Mit Allradantrieb und kurzen Federwegen förmlich auf die Straße gepresst, schnellt der PB 5 davon wie der Pfeil, der ihm den Namen gab: Bis Tempo 100 benötigt das Coupé nur 4,6 Sekunden, und langen Geraden lässt er den S5 weit hinter sich. Wo die Audi-Entwickler dem Sportmodell bei 250 km/h den Hahn zudrehen, schafft es der Benarrow gut 300 km/h.

Hinter dem ambitionierten Projekt stecken die Manager des Anlagenbauers Benninghoven aus Mühlheim an der Mosel, die ihr Geld normalerweise mit wohnhausgroßen Asphaltmischern für den Straßenbau verdienen. Sie haben sich das extravagante Coupé, dem im nächsten Jahr auch noch ein Cabrio folgen soll, Ende letzten Jahres zum 100. Geburtstag des Unternehmens geschenkt. In den Automobilbau müssen die Herren erst noch hineinwachsen – aber zumindest mit Straßen kennen sie sich schon bestens aus.


Pappkamerad: Dieser Smart darf auf keinen Fall feucht werden

Smart voller Pappkartons: Tausemde Mini-Pappschachteln kleben auf der Karosserie dieses Smart Fortwo Cabrios, dass jetzt in Paris ausgestellt wird.

Autohersteller sind ganz wild darauf, “irgendwie mit Kunst” in Verbindung gebracht zu werden. Ob Mini oder Audi, BMW oder Mercedes – gern werden Kreative mit einem Pkw bedacht, damit sie den dann hübsch zurecht machen. So was bringt erstens öffentliche Wahrnehmung und reichert das Image mit so genannten weichen Faktoren an.

Smart biegt nun auch auf diese Spur ein. Der Autohersteller und die Verpackungsfirma CD Cartondruck aus Obersulm sowie der Kartonhersteller Gmund überließen der Berliner Künstlerin Sarah Illenberger ein Auto und reichlich Pappschachteln, damit sie beides zusammenfüge. Das ist in den vergangenen Wochen geschehen, und nun erlebt der Papp-Smart in Paris seine Weltpremiere. Parallel zum dortigen Autosalon wird das Auto im Rahmen der “Smart Urban Stage” (einer Marketing-Tournee durch diverse Metropolen) in der “Porte de Javel Bas” in Paris ausgestellt (28. September bis 17.Oktober).

Grüne Pickel: Detailaufnahme der Kartonklötzchen auf der Smart-Oberfläche. Unbekannt ist, bis zu welcher Geschwindigkeit sie haften bleiben.

Der Smart ist über und über mit Pappschächtelchen in unterschiedlichen Grüntönen und Größen beklebt. Außenspiegelgehäuse und Teile der Inneneinrichtung – etwa der Rückspiegel, die Sonnenblenden oder die Fußmatten – sind ebenfalls aus Pappkarton. Und sie sind dennoch voll funktionsfähig, wie die Firma CD Cartondruck hervorhebt. Deren Vorstandschef Steffen Schnizer spricht von “überraschenden und nachhaltigen Veredelungsmöglichkeiten”, die der intelligente Einsatz von Kartons und Faltschachteln böten.

Beeindruckend ist aber vor allem die Geduld, die Sarah Illenberger aufgebracht haben muss, um das Auto in puzzeliger Handarbeit derart vollständig mit Minikartons zu bekleben. Von etwas weiter weg betrachtet soll der Wagen übrigens den Eindruck erwecken, er sei von Blattwerk nahezu überwuchert. Das hört Smart natürlich gern, denn je grüner und ökologischer der Kleinstwagen rüberkommt, desto willkommener ist den Verantwortlichen die Show.


Eilfracht: Renault macht den Trafic zum Renntransporter

Rasender Transpoter: Mit getuntem Motor und tiefergelegtem Fahrwerk taugt dieser Renault Trafic sogar für die Rennstrecke.

Falls Ihnen mal dieser Kastenwagen auf die Pelle rücken sollte, dann räumen Sie besser die linke Spur. Als Servicefahrzeug für den Cup-Clio hat Renault einen Transporter vom Typ Trafic zum Rennwagen aufgerüstet.

Auf den ersten Blick wirkt der Minilaster ziemlich unspektakulär. Die bunten Aufkleber könnten schließlich auch an jedem normalen Lieferwagen pappen. Doch wer genau hinschaut, erkennt Breitreifen mit Semi-Slicks, ein tiefergelegtes Fahrwerk und einen Überrollbügel in der Kabine. Spätestens dann sollte man verstanden haben: Das ist kein normaler Leicht-Lkw.

Sorgen muss sich aber nicht nur der Vorausfahrende machen. Auch dem Fahrer wird angesichts dieses Gefährts schnell mulmig: Man zwängt sich in Schalensitze die enger sind als jeder Schraubstock. Die Boxencrew zurrt einen mit Hosenträgergurten so fest, dass man kaum mehr ins kleine Sportlenkrad greifen kann. Und weil der Wagen um 300 Kilogramm abgespeckt wurde, gibt es kein Gramm Isolierung mehr. So wird es drinnen ruckzuck heiß und laut wie im Maschinenraum eines U-Bootes.

Von wegen Langstreckenkomfort: Wie jeder Rennwagen hat auch der Renault Trafic einen Überollkäfig und stramme Schalensitze.

Grund dafür ist der 2,5 Liter große Dieselmotor unter der Haube. Normalerweise kommt er auf 150 PS. Aber dank eines neuen Steuerchips sind 180 PS drin. Bei einem Gewicht von etwa 1,8 Tonnen reicht das für Sprintwerte knapp unter zehn Sekunden und ein Spitzentempo von rund 200 km/h. Da werden die Fahrer aus der Sprinter-Fraktion grün vor Neid.

Der rote Renntransporter liegt wie ein Brett auf der Piste und geht um die Kurven wie ein kleines Sportcoupé. Die Bremsen haben mehr Biss als bei manchem Porsche, und bei jedem Zwischenspurt sinkt man tiefer in den Sitz. Da hat selbst der Cup-Clio Mühe, einen Vorsprung zu halten. Der Clou: Die Kennzeichen bleiben beim Umbau dran. So kann man sich nicht nur auf der Rennstrecke austoben, sondern darf mit dem schnellsten Trafic der Republik auch auf die Straße.

Entstanden ist das Projekt aus einer Bierlaune heraus – doch hatte Initiator Bernd Hütter dabei durchaus einen Hintersinn: In England und Portugal gibt es nämlich bereits Rennserien für heiß gemachte Transporter. Und auch hierzulande brauchen die Teilnehmer an den Clubsport-Events der Franzosen die entsprechenden Zugfahrzeuge. Deshalb hat Hütter das Projekt durchkalkuliert und glaubt, dass er mit 35.000 Euro pro Auto hinkommt. Gut möglich, dass dafür bald die ersten Bestellungen für einen Renn-Trafic bei ihm eingehen.


Ferarri SA Aperta: Offener Sonderling für reiche Raser

Schnell, schön und selten: Nur 80 Exemplare des SA Aperta will Ferrari bauen. Und wer sich erst jetzt entscheidet, ist schon zu spät dran - bereits vor der Premiere ist das Auto ausverkauft.

Ein neuer Ferrari ist immer eine kleine Sensation. Doch dieses Auto soll alles toppen, was es bislang aus Maranello zu kaufen gab. Wenn Firmenchef Luca di Montezemolo nächste Woche auf dem Pariser Salon das Tuch vom SA Aperta zieht, enthüllt er nicht einfach einen weiteren rasanten Roadster, sondern „den exklusivsten Ferrari aller Zeiten“. Das zumindest behaupten die Italiener mit Blick auf die lediglich 80 Exemplare, die sie von dem offenen Zweisitzer bauen wollen.

Stückzahl und Name kommen natürlich nicht von ungefähr. Viel mehr ehren die Italiener damit ihren langjährigen Design-Partner Pininfarina. 80 Autos gibt es, weil das Designstudio in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Und SA steht für die Stilisten Serigio und Andrea Pininfarina, denen Ferrari seine schönsten und erfolgreichsten Modelle verdankt.

Dass der Wagen zudem „Aperta“ heißt, erklärt sich beim Blick auf das Auto von selbst. Denn viel offener (ital.: aperto) als der Sonderling für reiche Raser kann ein Auto kaum sein: Die Frontscheibe ist deutlich gekappt, von Seitenfenstern ist auf den ersten Fotos gar nichts zu sehen und das Verdeck ist nicht viel mehr als eine leichte Haube, die man nur bei schlechtem Wetter aufzieht und an den markanten Finnen befestigt, die von den Kopfstützen aus über das lange Heck fließen.

Technisch ist der SA Aperta eng verwand mit dem 599 GTO. Von ihm übernimmt er auch den V12-Motor mit knapp sechs Litern Hubraum, der 670 PS leistet und weit mehr als 300 km/h erreichen dürfte, die Rede ist gar von 315 km/h.

Genau Angaben dazu macht Ferrari nicht. Auch zum Preis schweigen sich die Italiener eisern aus. Aber das spielt ohnehin keine Rolle mehr. Nachdem die ersten Millinäre den Wagen hinter verschlossenen Türen beim Concours d’Elegance in Pebble Beach schon einmal bestaunen durften, sind die 80 Exemplare bereits vor der offiziellen Premiere verkauft.


Luis 4U Green: Schräger Stromer aus China

Alter Bekannter: Auf den ersten Blick sieht der Luis aus wie ein Daihatsu Terios, und das ist kein Wunder. Das Auto wird mit denselben Blechpressen gebaut.

Politiker, Wirtschaftsbosse und auserwählte Vorzeigekunden – sie alle dürfen schon seit vielen Monaten im Elektroauto fahren. Doch wer heute zum Smart-, BMW- oder VW-Händler seines Vertrauens geht und dort nach einem Batterie-Modell fragt, landet bestenfalls auf einer Warteliste: „Früheste Auslieferung 2011, eher 2012“, wird er zu hören bekommen. Und vielleicht noch den Hinweis, er müsse noch etwas Geduld haben.

Was die Kunden, die gerne bei der Elektromobilität ganz vorn dabei sein wollen vermutlich ärgert, ist Menschen wie Jan Luis nur recht. Dem Automobilzulieferer aus Hamburg kann es mit der elektrischen Revolution bei der Großserienherstellern gar nicht langsam genug gehen. Der Grund: Er füllt exakt die Lücke, die in den Modellprogrammen der großen Anbieter derzeit klafft. Während VW, Daimler & Co. noch eifrig entwickeln, hat Luis mit einem chinesischen Partner binnen fünf Jahren ein eigenes Elektroauto auf die Räder gestellt, das er jetzt unter dem Namen Luis 4U Green ins Land holt. „Wo man bei den etablierten Autoherstellern noch um Monate oder gar Jahre vertröstet wird, können wir schon heue liefern. Das macht uns derzeit keiner nach“, sagt Luis stolz.

Obwohl alles ganz neu ist an seinem kleinen Stromer, wirkt der etwas hochbeinige Wagen mit der SUV-Silhouette und dem außen an der Kofferraumklappe angebrachten Ersatzrad verdächtig vertraut. Kein Wunder: „Unser chinesischer Partner hat die abgelegten Fertigungsanlagen eines japanischen Automobilherstellers übernommen“, umschreibt er sehr diplomatisch, dass der 4U mit Elektroantrieb konstruktiv auf dem Daihatsu Terios beruht.

Elektrischer Schrittmacher: Wo früher mal ein Benziner ratterte, surrt beim Luis 4U Green jetzt der Elektromotor.

Das gilt jedoch nur für die Karosserie und für Teile des Interieurs. „Die Technik dagegen ist völlig neu“, sagt Luis und zeigt stolz auf den Wagenboden. Darin stecken rund 100 Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus, die eine Speicherkapazität von 32 Kilowattstunden haben. Das reicht dem 27 kW starken Elektromotor unter der kurzen Motorhaube für immerhin 160 bis 200 Kilometer Reichweite, sagt der Firmenchef. Wenn man vorausschauend fahre und ein wenig Erfahrung mit Elektroautos habe, schaffe man damit sogar 230 oder gar 250 Kilometer, berichtet er von Testfahrten.

Allerdings braucht man dafür ein bisschen Zeit. Denn auch wenn der Luis, wie jedes Elektroauto, sehr kraftvoll anfährt und in der Stadt jeden Sportwagen stehen lässt, wird er bei Überlandfahrten ein wenig zäh. „Das liegt auch an der Steuersoftware“, erklärt der Unternehmer. Die sei allerdings so offen programmiert, dass man einzelne Parameter relativ leicht ändern könne. Der Drehmomentverlauf oder die Höchstgeschwindigkeit lasse sich so mit ein paar Mausklicks variieren. Von 95 km/h wie jetzt hier im Testwagen bis auf etwa 120 km/h, wenn man schneller fahren wolle – nur müsse man dann auf etwa ein Drittel der Reichweite verzichten.

Zeit braucht man auch zum Tanken. Sind die Akkus leer, kann man den 4U zwar an jeder normalen Haushaltssteckdose aufladen, doch dauert das sechs bis acht Stunden. Schneller geht’s mit Starkstrom. „Bei 380 Volt sind die Batterien in 20 Minuten bis auf 90 Prozent geladen“, stellt Luis in Aussicht.

Wie alle Elektroautos hat auch der Luis 4U Green einen entscheidenden Haken: den Preis. Während das Auto mit Benzinmotor  18.900 Euro angeboten wird, kostet die erste Serie des Elektroflitzers 49.900 Euro. Zwar gibt es dann auch Lederpolster, Klimaanlage, 32 statt 25 kWh Akkukapazität und ein aufwändiges Infotainmentsystem. „Doch zwei Drittel des Aufpreises entfallen allein auf die Batterie“, sagt der Elektroauto-Importeur. Im nächsten Jahr, wenn die Chinesen bis zu 1000 Stromer bauen werden und auch größere Chargen nach Deutschland kommen, soll der Wagen etwas billiger werden. Mit abgespeckter Ausstattung und kleineren Akkus will Luis ihn dann ab 39.900 Euro verkaufen. Aber auch das ist noch ein stolzer Preis für einen Winzling von 3,97 Metern, in dem nicht eben üppige Platzverhältnisse herrschen.

Doch der hohe Preis ist nicht das einzige Manko des Elektromobils. Die Materialauswahl wirkt lustlos, die Verarbeitung liederlich. Mag sein, dass der Elektroantrieb so leise ist, dass man den Wagen als Außenstehender kaum hört. Doch dafür knistert und knackt es um so lauter in der Einrichtung. Und es gibt da auch einen ganz speziellen Geruch: Während der Antrieb tatsächlich frei von Emissionen bleibt, stinkt es drinnen derart nach Lack und Lösungsmitteln, dass man am liebsten einen Wunderbaumwald an den Spiegel hängen würde.


Maserati von Mansory: Biest statt Bella Macchina

Nicht unbedingt schön, aber sicherlich schrill: Mit reichlich Karbon wird aus dem Maserati ein Mansory.

Der Mann ist einfach nicht zu stoppen: Kourosh Mansory veredelte bereits Typen von Bentley, Rolls-Royce, Bugatti, Mercedes oder Ferrari bis zur Unkenntlichkeit, nun hat sich der Extremtuner aus dem beschaulichen Brand in Nordbayern erstmals an einem Maserati versucht. Mit reichlich Karbon, Lack und Leder wird das Modell GranTurismo von der Bella Macchina mit italienischer Grandezza zur aggressiven Bestie, die wild fauchend über einschlägige Meilen wie die Reeperbahn röhren wird.

Elegant ist das Auto nach der Behandlung bei Mansory nicht mehr, aber dafür schrill: Denn es gibt kaum einen Karosseriepart, der nicht mit Anbauteilen aus Karbon behängt wurde. Der Kühlerschlund trägt einen dicken schwarzen Rahmen, die Front saugt sich mit einem neuen Spoiler tiefer auf die Straße, die Flanken sind weiter herunter gezogen und an der Kehrseite prangt ein Difussor, der jeden Lamborghini aussticht.

Auch innen trägt der Mansory-Maserati ein schreiendes Designerkleid. Mit jeder Menge rotem, in Karos abgestepptem Leder, schwarzem Lack und Zierkarbon zaubert der Tuner in dem Viersitzer eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen schwülstigen Hotel und einem noblen Bordell.

Arg schwülstig: Von italienischer Grandezza bleibt nicht viel. Stattdessen erinnert der Gran Turismo nun an ein Bordell auf Rädern.

Fast schon bescheiden ist im Vergleich dazu das klassische Tuningpaket: Ein Sportfahrwerk mit drei Zentimetern weniger Bodenfreiheit und ein wenig Feinschliff des Motors ist alles, was Mansory unter dem Blech verändert hat. Immerhin: Mit der neuen Auspuffanlage und einer neu programmierten Elektronik holt er 30 PS und 40 Nm mehr aus dem 4,7 Liter großen V8-Aggregat. Der Mansory Gran Turismo kommt dann also auf 435 und die S-Variante auf 470 PS.

Wie viel der erste Maserati von Mansory kosten soll, lässt sich der Tuner noch nicht entlocken. Doch wer die Preise der anderen Autos kennt, der weiß, dass sich Mansory nicht mit Kleinigkeiten zufrieden gibt und eine Verdopplung des Grundpreises durchaus üblich ist. Für weniger als 200.000 Euro wird die schräge Schönheit im vollen Ornat wohl kaum zu bekommen sein.


Brabus „iBusiness“: Hallo Mr. Jobs, hier fährt ihr neuer Dienstwagen

Apple-SHop auf Rädern: Bodo Buschmann hat so ziemlich alles in den iBusiness gepackt, was Steve Jobs Sortiment hergibt.

Apple-Shop auf Rädern: Brabus-Chef Bodo Buschmann ließ so ziemlich alles in den iBusiness packen, was Steve Jobs' Sortiment hergibt.

VW-Chef Martin Winterkorn hat vergebens verhandelt, und auch die anderen Autobosse beißen sich an einer Kooperation mit Apple die Zähne aus. Doch Brabus-Chef Bodo Buschmann schafft einfach Fakten und baut das erste iCar der Welt. Nur eben nicht als smarten Kleinwagen, sondern als luxuriösen Dampfhammer mit 750 PS. „iBusiness“ heißt die schwarze Mercedes S-Klasse, die der Tuner mit Apple-Technik für knapp 50.000 Euro gespickt hat und am liebsten als neuen Dienstwagen an Steve Jobs, den kultigen Chef des Computerriesen, verkaufen würde. Bevor allerdings der Guru der Generation iPod darin Platz nehmen könnte, war MOTOSOUND mit dem rasenden Rechner schon auf Probefahrt.

Man sinkt tief in die weichen Sessel der Langversion, drückt auf ein kleines Knöpfen und leise surrt aus der Rücklehne des Vordersitzes ein fein belederter Schreibtisch hervor. Er hat zwei Kerben, die maßgeschneidert sind für das iPad und die coole Apple-Tastatur, die beide griffbereit in der Mittelkonsole stecken. Schnell noch die Funkmaus herausgezogen – schon surft man zu MOTOSOUND oder schreibt die ersten E-Mails. Das funktioniert im Fond der Brabus S-Klasse zwar bequemer und feudaler als in jedem anderen Auto, ist aber im Prinzip nichts Neues. Mit einer eigenen App allerdings gehen die Brabus-Entwickler einen Schritt weiter: Sobald man dieses Zusatzprogramm auf dem iPhone oder dem iPad startet, kann man direkt ins Command-System der S-Klasse eingreifen. Navi-Ziele, Telefonmenüs, Klimasteuerung, ja sogar die bordeigene Ambiente-Beleuchtung steuert man dann nicht mehr mit dem Drehrädchen auf der Mittelkonsole, sondern mit einem Fingerzeig auf dem Touchscreen – das haben die großen Hersteller bislang noch nicht fertig gebracht.

Vollgas auf der Datenautobahn: Zwölf Zylinder, 750 PS und 340 km/h machen diese S-Klasse zur schnellsten Internetverbindung der Welt.

Ach ja, auch mit zwei Grundübeln des iPads hat Brabus Schluss gemacht: Dem fehlenden Laufwerk und dem kleinen Bildschirm. Für DVDs oder andere Programme gibt es im Kofferraum einen Mac-Mini, der auf Knopfdruck aus einer speziellen Schublade fährt. Und für das große Kino während der Fahrt lässt man einfach den 15-Zoll-Monitor aus dem Dachhimmel surren. Da würde selbst Steve Jobs Augen machen.

Während der Computerboss längst nicht mehr aufs Geld schauen muss, hat Brabus auch an weniger reiche Kunden gedacht. Deshalb gibt es neben dem Komplettpaket für etwa 48.000 Euro auch einen abgestuften Baukasten, der etwa mit einem iPad samt Tastatur, Schreibtisch und elektronischer Integration für 8900 Euro startet. Außerdem baut der Tuner die Apple-Technik nicht nur in sein Flaggschiff, sondern auf Wunsch auch in jede andere S-Klasse ein.

Zwar hat Brabus mit UMTS und HSDPA die schnellsten verfügbaren Datennetze eingebaut. Doch im Funkloch kann es natürlich trotzdem zum Stau auf der Datenautobahn kommen. Im echten Leben dagegen dürfte den weit über 300.000 Euro teuren „iBusiness“ kaum ein anderer Wagen überholen. Immerhin tobt unter der Haube ein auf 6,3 Liter aufgebohrter V12-Motor mit 750 PS und 1350 Nm, der den Luxusliner auf bis zu 340 km/h beschleunigt – wer braucht da noch „Need for Speed?“ oder „Gran Turismo“?


car2gether: Daimler als Kuppler für Kurzzeit-Paare

Partnervermittlung: Wer sich auf car2gether registriert, bekommt in Sekundenschnelle eine Mitfahrgelegenheit oder einen Passagier - so zumindest denken es sich die Daimler-Forscher für ihr Projekt car2gether in Ulm.

Partnervermittlung: Wer sich auf car2gether registriert, bekommt in Sekundenschnelle eine Mitfahrgelegenheit oder einen Passagier - so zumindest denken es sich die Daimler-Forscher für ihr Projekt car2gether in Ulm.

Sieht man einmal vom Münster und der Donau ab, hat Ulm nicht viel zu bieten. Doch schon seit Monaten kommen Bürgermeister aus aller Welt in die Stadt an der Grenze von Baden-Württemberg und Bayern. Denn seit Daimler dort vor 18 Monaten das Projekt car2go gestartet hat, gilt die Kommune als Vorreiter, wenn es um die Kombination von individueller und öffentlicher Mobilität geht: Wer ein Auto braucht, steigt einfach ein und fährt los. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich der ausgesprochen flexible Umgang mit den rund 300 car2go-Smarts bringen, die Daimler im Stadtgebiet verteilt hat und für 19 Cent pro Minute an inzwischen mehr als 20.000 registrierte Nutzer vermietet – sämtliche Kilometer, Sprit- und Versicherungskosten inklusive.

Jetzt gehen die Schwaben noch einen Schritt weiter: Wieder in Ulm starten sie Mitte September das Projekt car2gether, mit dem sie die alte Idee der Mitfahrzentrale ins Zeitalter des mobilen Internets holen wollen. Es werden also keine Fahrzeuge vermittelt, sondern Fahrer oder Passagier – und zwar online und in Echtzeit.

Dafür braucht es nicht mehr als eine Registrierung auf der car2gether-Plattform und ein passendes App fürs Smartphone. So kann man auf Blackberry oder iPhone von unterwegs oder daheim am PC jederzeit ein Gesuch oder ein Gebot für eine bestimmte Strecke abgeben. Die Elektronik auf dem Daimler-Server analysiert und sortiert die Anfragen und spuckt sofort die passenden Paarungen aus. Sobald beide Seiten den Deal bestätigt haben, werden die Kontaktdaten ausgetauscht. Parallel dazu gibt es im Twitter-Stil eine Art Live-Ticker, mit dem im 15-SekundenTakt sämtliche Anfragen aufgeführt werden, um den Echtzeit-Anspruch des Systems zu unterstreichen.

Daimler empfiehlt für die Mitfahrgelegenheiten eine Kostenbeteiligung, die sich nach der Zeit statt der Strecke richtet: 9,5 Cent pro Minute, also exakt der halbe car2go-Tarif, scheinen den Schwaben angemessen. Abgerechnet wird am Anfang in bar, später soll es eine Online-Vergütung geben. Dazu wird dann wohl auch noch eine Gebühr für die erstmalige Registrierung und die Vermittlung kommen; beides wird in der Pilotphase erst einmal gratis sein.

Das Projekt car2gether startet Daimler nicht von ungefähr. Vielmehr geschieht es im Vorgriff auf die fortschreitende Veränderung individueller Mobilität, die neue Verkehrsansätze erfordert. Denn Zukunftsforscher gehen davon aus, dass aufgrund der Lebenssituation in Ballungsräumen zukünftig immer mehr Menschen ohne eigenes Fahrzeug leben werden. Projektleiter Michael Kuhn: „Das Bedürfnis des Einzelnen nach flexibler, komfortabler und günstiger Mobilität bleibt dennoch bestehen. Mit car2gether bieten wir genau diese Vorteile und fördern gleichzeitig die effizientere Nutzung von Ressourcen.“


Mazda-Studie Shinari: Sprechen Sie Kodo?

Schneller Strich: Die neue Designlinie von Mazda soll vor allem Geschwindigkeit ausdrücken und macht den Shinari zur schönsten Studie der Saison.

Auf den Messen zählen die Autos von Mazda zu den großen Stars. Denn kein anderer Hersteller aus Japan hat in den letzten Jahren so scharfe Studien ins Rampenlicht gestellt. Doch auf der Straße sieht die Sache ein wenig anders aus: Gewöhnlich und austauschbar sind wohl noch die mildesten Adjektive, die man Modellen wie dem neuen Mazda 5 oder dem überarbeiten Mazda 6 anheften kann. Doch geht es nach Mazdas neuem Designchef Ikuo Maeda, ist mit der optischen Beliebigkeit bald Schluss.

Nachdem die Japaner eine Fahrzeuggeneration lang die vorsichtige Evolution gepflegt haben, ist es jetzt wieder Zeit für eine Revolution – und die trägt den Namen „Kodo“. Den japanischen Begriff übersetzt Maeda mit „Seele der Bewegung“ und meint damit genau jenden Moment, in dem sich die angestaute Energie entlädt: Bei einem Geparden vor dem Sprung, bei einem Bogenschützen unmittelbar vor dem Schuss oder beim Schwertkampf vor dem finalen Hieb.

Weil das alles ziemlich abstrakt und abgehoben klingt, belässt es Maeda-San nicht bei den schönen Worten und ein paar bunten Skizzen. Stattdessen lenkt er den Blick auf eine atemberaubende Studie, die bis in die letzte Faser der neuen Designlinie folgt. Shinari heißt das viertürige Coupé, das wohl auch als Jaguar oder Aston Martin durchgehen würde. Was den 4,88 Meter langen Luxusliner ausmacht, sind aber weniger die lange Haube, das flache Dach oder das knackige Heck. Sondern es sind die markant gebogenen und verdrehten Flächen, die sich wie Muskelstränge über die Flanken ziehen und die in scharfen Kanten enden. Außerdem hat der Wagen ein faszinierendes Lichtdesign mit Scheinwerfern wie stechenden Augen und endlich wieder ein Markengesicht, das ebenso unverwechselbar wie einprägsam ist.

Schöner Wohnen: Zumindest bei der Studie zeugt jetzt auch der Innenraum eines Mazdas von der LIebe zum Detail.

Auch im Innenraum fährt Mazda mit dem Shinari in eine neue Dimension: Zwar geht es trotz beinahe drei Metern Radstand unter dem flachen Dach ein bisschen eng zu. Doch sind die schlanken Schalensitze für die vier Passagiere trotzdem überraschend bequem. Und durch das fast komplett verglaste Dach entsteht ein lichtes Ambiente, das weit entfernt ist von den dunklen Höhlen, wie man sie vom Porsche Panamera oder dem Aston Martin Rapide kennt.

Dazu gibt es ein Cockpit, hinter dem sich der Fahrer wie an Bord eines Düsenjägers wähnt: Alle Schalter und Hebel liegen perfekt zur Hand und sind sanft um den Fahrersitz herum geschwungen. So wird der Fahrer buchstäblich zum Teil der Maschine. Obwohl mit neuen Materialien und vor allem mit neuem Mut gezeichnet, wirken die drei Rundinstrumente auf den ersten Blick wunderbar klassisch. Doch sobald die Lichtinszenierung beim Startvorgang vorüber ist und alle Bildschirme hochgefahren sind, blickt man in eine moderne Infortainment-Welt, die Mazda pfiffig programmiert hat. Um den Fahrer nicht mit Informationen zu überfrachten, gibt es drei Modi für Arbeit, Sport und Spiel, in denen unterschiedliche Zusatzinformationen von Kurzportraits der wartenden Geschäftspartner über aktuelle Restaurantempfehlungen bis hin zu detaillierten Routenempfehlungen wie aus einem Rallye-Roadbook eingeblendet werden.

Der Shinari soll ein echter Sportwagen sein, und so wähnt man zunächst einen Motor mit sechs oder acht Zylindern unter der Haube. Doch auch wenn der Wagen beim Start klingt wie ein Ferrari (Soundbeispiel: http://www.motosound.de/Mazda/Studie%20Shinari/2010/3941), ist die Designstudie ausgesprochen schmächtig motorisiert. Ein Vierzylinder aus dem Mazda 2 steckt unter der Kunststoff- und Kohlefaserhülle, damit niemand den Wagen auf die Bühne schieben muss.

Auf dem Weg in eine bessere Zukunft: Einige Linien der Designstudie Shinari sollen beim nächsten Mazda 6 tatsächlich in Serie gehen.

Aber Maeda denkt beim Thema Kodo ohnehin nicht nur an einen Sportwagen, obwohl ihm rasante Autos am Herzen liegen.Immerhin war sein erstes großes Projekt bei Mazda der RX-8 und sein Vater hatte vor gut 30 Jahren für Mazda den Sportwagen RX-7 gestylt. Tatsächlich jedoch ist die Studie Shinari bereits ein erster optischer Fingerzeig auf das Design des nächsten Mazda 6, der in voraussichtlich zwei Jahren auf die Straße rollen wird. Und wer mit den Leitern der Mazda-Designstudios in Oberursel, Yokohama oder Kalifornien spricht, lernt schnell, dass die Kodo-Linie auch zu flotten Kleinwagen ode sportlichen Geländemodellen passt. „Das bleibt kein leeres Versprechen, sondern das werden Sie bald auf der Straße sehen“, betonen die Kreativen bei jeder Gelegenheit.

Dass es Maeda ernst meint mit seiner neuen Desginsprache und deren Umsetzung in den Serienmodellen, das erkennt man schon an den Plänen für den Shinari. Das Raubtier auf Rädern soll möglichst bald rollen und nicht zu einem Salonlöwen verkommen – auf der nächsten großen Automesse in Paris wird man den Wagen deshalb gar nicht erst sehen.