Designer auf Abwegen: Mercedes geht in die Luft

Abgehobener Luxus: Mit Material aus E- und S-Klasse und der Variabilität der R-Klasse haben die Mercedes-Designer erstmals einen Hubschrauber entworfen.

Keine zwei Wochen ist es her, das stand Mercedes-Benz Chefdesigner Gordon Wagener noch stolz auf der Automesse in Peking und ließ sich vor dem “Concept Shooting Break” fotografieren. Aus dem Auto soll der neue CLS werden, und zugleich gilt die sportliche Mischung aus Coupé und Kombi als der erste komplette Entwurf, der unter seiner Feder als neuer Designchef in Sindelfingen entstand. Nun mischt Mercedes’ oberster Stilist auch in ganz anderen Branchen mit. Auf einer Luftfahrtmesse in Genf enthüllte Wagener einen neuen Helikopter im Mercedes-Look. Hintergrund des Auto-fernen Designausflugs: Bei Daimler entsteht gerade das neue Geschäftsfeld “Mercedes-Benz Style”, das künftig auch anderen UnternehmenDesign-Dienstleistungen anbietet. “Unsere Design-Kompetenz wird überall auf der Welt geschätzt. Daher haben wir uns entschieden, unsere typische Formensprache auch außerhalb der Automobilwelt zu etablieren. Wir sind damit bei vielen Herstellern in unterschiedlichen Branchen auf positive Resonanz gestoßen,“ sagt Wagener.

Eine der ersten Firmen, die sich das zunutze macht, ist der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter, der in Stuttgart die Inneneinrichtung für das Modell EC145 in Auftrag gab. Folglich sieht es im Fluggerät ziemlich automobil aus. Und: Die maximal acht Sitze stecken in Schienen, lassen sich schnell verschieben oder auch herausnehmen, um Platz für Gepäck zu schaffen. Außerdem können in die Schienen drei Multifunktionsboxen eingeklinkt werden, die zum Beispiel Kühlfächer, Schreibunterlagen oder TV-Monitore und DVD-Spieler enthalten. Dazu gibt es Schubladen für den Kleinkram.

Klappbildschirm, Kühlfach, Kirschbaumholz - und sogar die Trennscheibe aus dem Maybach: Wer möchte da nicht gerne mit den Mercedes-Designern abheben?

Das Gepäckabteil des EC145 orientiert sich ebenfalls am Automobil, nämlich am Ladeabteil eines Kombi: Es fasst beispielsweise Golfbags, Fahrräder oder Surfbretter, eben ganz die Funktionalität, die man sich für einen Familien-Heli wünscht. Und sogar ein bisschen Maybach ist an Bord: Wie die Limousine hat auch der Hubschrauber eine Trennwand zwischen Pilot und Passagieren, deren Fenster auf Knopfdruck versenkt werden können.

Beim Hubschrauber im Mercedes-Look wird es wohl nicht bleiben: “Entsprechend der ursprünglichen Bedeutung unseres Sterns – Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft – ist es denkbar, dass wir in unserem neuen Bereich auch Boote, Flugzeuge und andere Transportprodukte gestalten”, sagt Wagener und zeigt die ersten Skizzen einer sportlichen Mercedes-Yacht. Selbst Sonnenliegen und Loungemöbel haben sich schwäbischen Kreativen bereits skizziert. Das bei derartigen Fremdaufträgen die Produkte des eigenen Hauses auf der Strecke bleiben könnten, diese Befürchtung zerstreut Wagener sogleich. “Selbstverständlich sind auch in Zukunft Mercedes-Benz- Fahrzeuge das Hauptbetätigungsfeld unseres Bereichs.” Das wird man ja sehen.


Neuer Flügelstürmer: Audi baut den R8 als GT-Sportwagen

Tiefflieger: Um 100 Kilogramm leichter und um 35 PS stärker schießt der Audi R8 GT aus der Boxengasse.

Audi läßt es wieder einmal krachen: Kaum hat die bayerische Marke den R8 Spyder auf den Weg gebracht, folgt schon die nächste Variante: der R8 GT. Das auf 333 Exemplare limitierte Auto nutzt Know-how aus dem Rundstreckenwagen, mit dem Audi in der Le Mans-Series schon in der ersten Saison 23 Siege und drei Meistertitel einfuhr. Während der Rennwagen allerdings gut 300.000 Euro kostet und nur auf abgesperrten Strecken bewegt werden darf, gibt es den neuen GT ab 193.000 Euro – und dann sogar mit Straßenzulassung.

Ähnlich wie die Konzernschwester Lamborghini jüngst beim Modell Murciélago Superleggera hat Audi den R8 für den GT-Einsatz in jeder Hinsicht nachgeschärft: Des Design ist eine Spur grimmiger, das Fahrwerk einen Tick knackiger und der Motor deutlich stärker als im Serienmodell. Den größten Fortschritt jedoch erzielt der R8 GT beim Gewicht. Dank eines Aluminium-Aufbaus ohnehin schon kein Schwergewicht, speckt er durch den Einsatz von Karbon und Glasfaserverstärktem Kunststoff weitere 100 Kilogramm ab und wiegt dadurch 1525 Kilogramm. Was ja immer noch eine Menge Holz ist, aber dafür fährt das Auto ja auch mit Allradantrieb, Lederausstattung und Klimaautomatik vor.

Während die Karosseriebauer sich der Verringerung zuwandten, galt den Motoringenieuren ein Zuwachs als Ziel. Statt bislang 525 leistet der 5,2 Liter große Zehnzylindermotor jetzt 560 PS, das maximale Drehmoment steigt um 10 auf 540 Nm. Die Fahrleistungen werden entsprechend rasanter: Tempo 100 erreicht der Wagen nach 3,6 Sekunden, in 10,8 Sekunden prescht der Renner auf Tempo 200 und ein Ende findet der Reiz des Rasens erst bei 320 km/h.

Damit das Auto dabei den Kontakt zur Straße nicht veliert, gibt es nicht nur serienmäßigen Allradantrieb und das noch sportlichere Fahrwerk mit verringerter Bodenfreiheit, sondern in den 19 Zoll großen Rädern stecken ab Werk auch Karbon-Keramik-Bremsscheiben, die den Sprinter zur Not genauso schnell wieder einfangen.

Wer angesichts socher Fahrleistungen mit dem Auto auch mal auf die Rundstrecke möchte, dem verkauft Audi nicht nur zusätzliche Spoiler und Splitter, sondern auch ein komplettes Race-Paket mit Überrollbügel, Vierpunkt-Sicherheitsgurten, Feuerlöscher und Notausschalter. Dann steht der Raserei nun wirklich nichts mehr im Wege.


Luxuslimousinen aus China: Glanz und Gloria für Maos Erben

Die Rote Fahne stramm im Wind: Mit diesem Hongqi HQE ist sonst der chinesische Staatschef unterwegs.

Wer es in China zu etwas gebracht hat, der fährt Mercedes S-Klasse oder BMW 7er und von Amts wegen durchaus auch die Langversion des Audi A8, die den Fuhrpark chinesischer Behörden und Parteiorganisationen krönt. Doch gibt es für patriotische Superreiche längst auch Alternativen aus dem eigenen Land. Zwei davon zählen in dieser Woche zu den skurrilen Stars der Autoshow in Peking: Der neue Emgrand GE von Geely und das ebenfalls neue Spitzenmodell der FAW-Marke Hongqi. Beide Autos sind weit über fünf Meter lang und so protzig, dass eine Mercedes S-Klasse daneben vergleichsweise zierlich wirkt. Doch könnten die Prunklimousinen kaum unterschiedlicher sein.

Der Hongqi HQE sonnt sich im Glanz von gestern, als die Staatsführung noch komplett im Zeichen der roten Fahne unterwegs war. Er trägt mehr Chrom als Elvis’ früherer Cadillac, hat beinahe schon wollüstige Blechrundungen und reckt – wie jeder Hongqi – an Stelle einer Kühlerfigur eine schnittige Finne in Staatsfarben in den Wind: So zitiert das Design die alten Regierungslimousinen, die Chinas erster Autohersteller First Automotive Works (FAW) erst auf der Basis russischer Limousinen, später unter Lizenz der Ford-Tochter Lincoln gebaut hat. Heute allerdings steckt unter dem Blech die Technik von Toyota. Woher allerdings der Zwölfzylindermotor des HQE kommt, darüber muss weiter gerätselt werden. Die eine Fraktion glaubt, der Toyota Crown sei der Aggregatespender, anderen meinen, es sei ein betagtes BMW-Triebwerk und wieder andere vermuten, der Motor stamme von Audi.

Moderner wirkt der Emgrand GE, der zuletzt eher eine schlechte Kopie des Rolls-Royce Phantom war. Nun wurde erheblich nachgebessert, und jetzt steht ein fast sechs Meter langer Luxusliner auf dem Messestand. Mit gewaltigem Kühlergrill, Chrom bis zum Abwinken, einem Heck von der Größe eines Überseekoffers und sogar einer neue Kühlerfigur: Tanzte auf der Haube bislang – wie bei den Briten – eine schlanke Frau mit Schleiern im Wind, schwingt sich nun ein Phönix in die Luft. So barock der Emgrand aussieht, so modern ist seine Antriebstechnik. Statt eines V12-Motors verfügt der Wagen über einen vergleichsweise kleinen Vierzylindermotor, der mit einem Elektromotor kombiniert ist. Weil die Lithium-Ionen-Batterie groß genug ist und an der Steckdose geladen werden kann, surrt der Plug-In-Hybrid bei Bedarf sogar ein paar Kilometer rein elektrisch durchs Regierungsviertel.

Prunk für Patrioten: Wer keinen Mercedes und keine Audi fahren möchte, kann bald zum Emgrand von Geely greifen.

Auch innen sind die beiden Limousinen – vorsichtig ausgedrückt – ein wenig unkonventionell. Im Hongqi etwa gibt es über dem Schiebedach eine ganze Batterie von Mikrofonen, zu denen es unter dem Blech auch die passenden Lautsprecher gibt: So wird der Prunkwagen auf Knopfdruck zum Parade- und Deklamationsfahrzeug. Und in welcher Limousine gibt es wie im Emgrand nur einen Fondsessel, der wie ein Thron in die Mitte gerückt ist? Der Komfort für die Passagiere erreicht Wohnzimmerniveau. Es gibt einen Widescreen-Bildschirm, ein Barfach, Sitze mit Massagefunktion, ausfahrbare Fußstützen und einen Klapptisch.

Die Chancen der beiden Dickschiffe aus dem Reich der Mitte sind nur schwer abzuschätzen. Doch hat Hongqi offenbar die Nase vorn: Während der Emgrand frühestens im Jahr 2015 in Serie gehen soll, hat es die Staatskarosser von Hongqi zumindest einmal bereits auf die Straße geschafft: als Prunkwagen von Staatschef Hu Jintao bei der Parade zum 60. Regierungsjubiläum der Kommunistischen Partei.