Freie Fahrt auf der Geisterbahn


Der Rolls-Royce Ghost von Mansory: Beim Autosalon in Genf feiert die in gold und blau gehaltene Luxusschleuder Weltpremiere.

Kourosh Mansory aus dem oberfränkischen Brand bei Bayreuth liebt den schrillen Auftritt. Der Tuner greift sich stets Autos für eine Spezialbehandlung heraus, die ohnehin schon auffällig und exklusiv sind. Trotzdem lässt sich da immer noch was draufsetzen – das muss jetzt auch der neue Rolls-Royce Ghost erfahren.

Der 5,40 Meter lange Luxusschlitten, neckisch als “kleiner Rolls” tituliert, kostet in der Serienversion ab Goodwood etwas mehr als 253.000 Euro. Das wird natürlich längst nicht reichen, wenn man den Wagen zur Bearbeitung bei Mansory abgibt. Beim Autosalon in Genf zeigt der Tuner jetzt erstmals, was in diesem Fall zu erwarten sein wird.

Am auffälligsten ist zunächst die Zweifarblackierung in blau und gold. Dazu gibt es Seitenschweller, einen Heckspoiler und doppelflutige Auspuffendrohre. Das Exterieur wird beinahe schon aufdringlich sportlich – und das ist nicht nur Show. Denn im Motorraum langt Mansory auch ordentlich zu. Der 6,6 Liter große Zwölfzylindermotor, der normalerweise 570 PS mobilisiert, wird auf eine Leistung von 720 PS hochgejubelt, das Drehmoment steigt auf 1020 Nm. Diese Eingriffe verändern natürlich auch die Fahrleistungen, der Spurt von 0 auf 100 km/h ist nun in 4,4 Sekunden möglich und als Höchstgeschwindigkeit für das rund 2,4 Tonnen schwere Trumm gibt Mansoy 310 km/h an.

Im Interieur schwelgen die künftigen Besitzer des getunten Ghost in “einer Oase des Luxus”, wie die Tuningfirma mitteilt. Alles was gut und teuer ist und vor allem was auch danach aussieht, wird installiert. Im Prinzip kann der Kunde – der durchaus auch mal ein echter König oder zumindest Scheich ist – das Auto so einrichten, wie es ihm beliebt. Die Rechnung fällt dann eben entsprechend aus. Doch das dürfte die Klientel von Mansory grundsätzlich nicht schrecken.

Mehr auffallen geht nicht: Goldige Streifen, goldfarbene Felgen – und zwar im Format 22 Zoll.


Elektrischer Exot: Auf Sparflamme zum Millionär

Kleiner Keil: Nur 2,80 Meter kurz und 1,40 Meter flach soll der Zweisitzer aus Deutschland werden.

Private Raumfahrt? Darüber hat die Welt vor kurzem noch gelacht. Doch seit fünf Jahren sieht die Sache ganz anders aus und nach dem Jungfernflug von SpaceShipOne zweifelt niemand mehr am baldigen Beginn des Weltraumtourismus. Den entscheidenden Kick dafür gab der amerikanische X-Prize, der Pioniere im Orbit mit zehn Millionen Dollar lockte. Was im All funktioniert hat, das müsste auch auf der Straße klappen – glauben zumindest die Organisatoren der Tüftler-Olympiade und haben deshalb eine automobile Ausgabe ihres Wettbewerbs ausgeschrieben, die in den nächsten Wochen in die heiße Phase geht.

Als einziges Fahrzeug aus Deutschland mit dabei ist ein Dreirad mit dem etwas sperrigen Projektkürzel TW4XP, das von einem Team in Kassel gebaut wird. Rund ein Dutzend Enthusiasten, darunter fünf fest angestellte Entwickler, ein ehemaliger Fahrwerksingenieur von BMW sowie Firmenchef Martin Möscheid arbeiten seit mehr als zwei Jahren an dem Mobil und rechnen sich in ihrer Klasse gute Chancen aus: Wenn sie sich gegen 15 weitere Teams durchsetzen, winken immerhin 2,5 der insgesamt zehn Millionen Dollar Preisgeld.

Anders als bei den üblichen Sparfahrten, geht es den X-Prize-Organisatoren nicht allein um einen minimalen Verbrauch: “Wer am Wettbewerb teilnehmen will, muss ein alltagstaugliches Fahrzeug präsentieren, das auch die Chance auf eine Vermarktung hat”, fasst Möscheid das Reglement zusammen. Keine exotischen Extremsparer oder rollende Verzichtserklärungen sind gefordert, sondern bequeme Vehikel mit Platz für Kind und Kegel, die binnen 13 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen können, mindestens 130 km/h schaffen und mit einer Tank- oder Akkufüllung durch einen amerikanischen Durchschnitts-Autotag kommen.

Auf Basis des zigarrenförmigen Elektromobils Twike, von dem Möscheid seit den Neunziger Jahren immerhin rund 1000 Exemplare gebaut und für Preise um die 40.000 Euro verkauft hat, ist mit diesen Vorgaben ein vergleichsweise praxisgerechtes Gefährt für Stadt und Land geworden. 2,80 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,40 Meter hoch bietet es Platz für zwei Personen samt dahinter gestapeltem Gepäck und sieht nicht unbequemer aus als der Smart. Man lenkt mit Hilfe zweier mechanischer Steuerknüppel neben dem Sitz, beschleunigt und bremst auf Knopfdruck und hört neben dem Pfeifen von Wind und Reifen nur das Surren des Elektromotors. Der hat kurzfristig eine Leistung von bis zu 41 PS, zapft seinen Strom aus 98 in Reihe geschalteten Lithium-Ionen-Zellen im Mitteltunnel, treibt die Hinterräder an und ist deutlich sparsamer als von der Wettkampfjury vorgegeben. “Umgerechnet auf den Energiegehalt von Benzin schreibt das Reglement einen Verbrauch von 2,4 Litern auf 100 Kilometer vor. Wir dagegen zielen auf weniger als einen Liter”, sagt Möscheid und stellt damit Reichweiten von deutlich mehr als den geforderten 160 Kilometer pro Batterieladung in Aussicht.

Das Preisgeld aus Amerika, das nach dem Finale im August ausgeschüttet wird, könnte Möscheid gut brauchen. Denn er will nicht nur beim Wettbewerb gewinnen, sondern auch den theoretischen Business-Plan, den die X-Prize-Organisatoren verlangen, in die Tat umsetzen und den Stromer zur Serienreife bringen. “Vielleicht nicht gleich mit einer Jahresproduktion von 10.000 Fahrzeugen, wie es der Wettbewerb vorsieht. Aber doch in nennenswerten Stückzahlen”, sagt der Firmenchef und hofft auf einen Produktionsbeginn im zweiten Quartal des nächsten Jahres.


Smarte Kombination – Mercedes programmiert “Drive-App” fürs iPhone

Smarte Applikation: Ein Zusatzprogramm von Mercedes macht das iPhone zum erweiterten Bordcomputer im Smart.

Mercedes hat für den Smart das angeblich erste iPhone-App programmiert, das den Fahrer im nervigen Stadtverkehr wirklich unterstützen kann. Mit dem kleinen Zusatzprogramm, das in wenigen Sekunden geladen und auf dem Telefon installiert ist, wird das iPhone zum erweiterten Bordcomputer. Denn prompt wird aus dem Apple-Bestseller nicht die Freisprechanlage und die Musikdatenbank für das Audiosystem des Autos, sondern das iPhone wird auch zum ortskundigen Navigator. Und zwar nicht nur beim Fahren: Wer vor dem Aussteigen die Position speichert, wird nach Einkaufsbummel oder Sightseeing wieder zurück zum Parkplatz gelotst.

Allerdings braucht man für die smarte Kombination nicht nur das App, das mit 9,99 Euro vergleichsweise günstig ist. Sondern man muss auch eine spezielle iPhone-Halterung im Auto installieren lassen, für die Mercedes 240 Euro plus Montage berechnet. Und wer dann tatsächlich navigieren möchte, der benötigt noch ein Upgrade für 49,99 Euro im Jahr, das dann aber auch ständig aktualisierte Karten bereit hält.

Ausgereizt sei die Idee des Apps damit noch nicht, sagt Mercedes. Vielmehr arbeiten die Schwaben an einer Videokamera hinter der Frontscheibe, die über WLAN mit dem Telefon gekoppelt werden und Tempolimit-Schilder erkennen soll. Wer bei der Spielerei am Telefon während der Fahrt womöglich den Überblick verliert, ist so wenigstens vor Knöllchen wegen zu schnellen Fahrens geschützt.


Rakete auf Rädern: Sieht so der Indy-Rennwagen der Zukunft aus?

Rennzigarre: Gegen den DeltaWing sieht Schumis Silberpfeil aus wie ein Spielzeugauto.

Pfeilschnell: Gezeichnet wie ein Tarnkappenbomber, schafft es der Entwurf von DeltaWings mit 300 PS auf 380 km/h.

Dagegen sehen die Dienstwagen von Schumi & Co. aus wie Matchbox-Autos: Wenn die US-Firma DeltaWing mit ihrem Entwurf für die IndyCar-Serie durchkommt, geht es auf amerikanischen Rennstrecken zumindest optisch bald zu wie auf Militärflugplätzen. Denn was die Konstrukteure da als Rennwagen-Entwurf für die Motorsportserie ab 2012 entwickelt haben, erinnert er an einen Tarnkappenbomber als einen Supersportwagen.

Die vor allem im Windkanal entwickelte Karosserie ist ausgelegt auf minimalen Luftwiderstand und maximalen Abtrieb, damit der Wagen genau das nicht macht, wonach er aussieht: abheben.

Kampfjet auf Rädern: Mit diesem Rennern will DeltaWings demnächst in der IndyCar-Serie mitmischen.

Tiefflieger: Gegen den DeltaWing sieht Schumis Silberpfeil aus wie ein Spielzeugauto.

Dabei geben die Fahrleistungen durchaus einen Raketenstart her: Angetrieben von einem aufgeladenen Vierzylindermotor kommt der Tiefflieger auf rund 300 PS, schafft Tempo 100 in weniger als fünf Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von fast 380 km/h.

Die Chancen, dass die IndyCar-Veranstalter DeltaWing den Zuschlag für den Wagen geben, sind allerdings relativ gering. Nachdem die Macher der Serie auf die Kostenbremse treten wollen, erscheint ein Auto für rund 600.000 Dollar nicht ganz zeitgemäß.


Die Wüste lebt – Nissan zeigt neuen Patrol in Arabien

Wüsten-Wühler: In Abu Dhabi wurde jetzt der neue Nissan Patrol enthüllt

Das haben sie jetzt davon, die Europäer: Nachdem sie so lange auf den großen Geländewagen geschimpft haben, zieht Nissan aus dem Gemecker die Konsequenzen und enthüllt den neuen Patrol nicht auf dem Genfer Salon oder der AMI in Leipzig, sondern dort, wo solche Autos nach wie vor geschätzt werden: In den Arabischen Emiraten.

In Abu Dhabi haben die japanischen Allrad-Entwickler nun die Schleier vom jüngsten Gelände-Giganten der Marke gezogen und ein Auto gezeigt, dass nicht nur größer, sondern vor allem eleganter geworden ist. In der letzten Generation noch Einsatzwagen für Grenzschutz, Polizei und die Vereinten Nationen, gibt der neue Patrol mit rund geschliffenen Kanten, reichlich Chrom im Kühlergrill und einem Interieur aus Lack, Leder und allerlei elektronischem Schnickschnack, den luxuriösen Wüsten-Wühler für Scheichs und alle anderen Besserverdiener, die weder aufs Image noch auf den Verbrauch achten müssen.

Unter der Haube steckt ein Motor, der von Downsizing noch nie gehört hat. Statt 4,8 hat das V8-Aggregat jetzt 5,6 Liter Hubraum und bringt es auf 400 PS sowie 550 Nm. Zusammen mit einer siebenstufigen Automatik und einem Allradantrieb mit speziellen Schaltprogrammen für Sand, Schnee, Autobahn und Geröllfelder kommt der Patrol damit überall hin – nur nicht nach Westeuropa. Denn hierzulande und ringsum wird der Wagen vorerst nicht angeboten.